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KAP: Erlebnispädagogik in der Labertalhütte

Mittelbayerische Zeitung vom 29.01.01

 

Von Gabi Mitterbauer

 

 

KAP: Erlebnispädagogik in der Labertalhütte

Mit „Todesstrahl“ und „entschärften Bomben“ zu großen Erfolgen in der Jugendpsychatrie

 

Laaber. Was sich anhört wie aus einem Science-Fiction-Film, wird dieser Tage im Wald hinter der Schafbruckmühle pure Realität. Doch keine Angst, der Todesstrahl tötet nicht wirklich und die einzige Gefahr, die von den „Bomben“ ausgeht, ist ein schrilles Klingeln. In Wahrheit handelt es sich dabei nämlich um einfache Wecker. Das Institut „Kooperative Abenteuer Projekte“ (KAP) führt derzeit den Abschlußlehrgang mit acht Heilpädagogen bzw. Heilerziehungspflegern durch, die sich über das Jahr 2000 bereits viermal trafen, um sich gemeinsam an der Zusatzausbildung „Erlebnispädagogik“ zu beteiligen.

 

Die aus dem gesamten deutschsprachigen Raum angereisten Männer und Frauen widmen sich mit Begeisterung den zahlreichen Outdoor-Aktivitäten, die Organisator und Spielführer Peter Alberter für sie vorbereitet. Darunter sind hauptsächlich Übungen zu finden, die den Teamgeist stärken sollen und in denen das Motto „jeder einzelne zählt“ auf der Tagesordnung steht.

 

Beim „Pressetermin“ im Wald wird als erstes eine Übung demonstriert, bei der es tatsächlich nur auf die Stütze der jeweiligen Partner ankommt. Zwischen Bäumen sind Seile gespannt. Der erste Teilnehmer wagt sich auf den wackeligen Untergrund, gestützt von seinen Leuten aus dem Team und hilft dem nächsten auf``s Seil.

 

Das Erfolgserlebnis teilen

 

Nach und nach verlängert sich die Kette, bis jeder jedem Halt gibt und dazu eine Menge Gelächter ertönt. Dazu Ronny aus dem Vogtland: „Bei schwierigen Jugendlichen ist dies eine perfekte Übung, um eine starke Gruppendynamik entstehen und jegliches Konkurrenzdenken verschwinden zu lassen. Alleine schafft es niemand über das Seil. Zusammen aber haben alle die Möglichkeit, ihr Erfolgserlebnis zu teilen.“
Gerade in der heutigen Zeit, in der sich ein Großteil der Jugendlichen und auch Erwachsenen hauptsächlich mit sich selbst oder dem Computer beschäftigt sind, sei es unheimlich wichtig, den Leuten wieder das Gemeinschaftserlebnis zu vermitteln, so Alberter.

 

Nach dieser Aufwärmübung geht es schließlich ans Eingemachte. Die jungen Therapeuten stehen vor der schwierigen Aufgabe, Bomben zu entschärfen, und zwar nicht nur einfach so, sondern blind, in unwegsamem Gelände und unter Zeitdruck. Ein Band ist um ein mit „Bomben kontaminiertes“ Feld gespannt, das die Teilnehmer nur mit Augenbinden betreten dürfen.

 

Feder Teilnehmer stellt vor Beginn des Spiels seinen Wecker auf 15 Uhr. Um 14.30 Uhr ist Spielbeginn. Nach einer zehnminütigen Besprechung stellen sich die Spieler an den Ausgangspunkt und stürmen dann das Feld. Die ersten Bomben werden gefunden und an den Ausgangspunkt zurückgebracht. Beim Berühren des ebenfalls kontaminierten Bandes fliegt eine Zusatzbombe ins Feld.

 

Jeder erfolgreiche Bombenentschärfer darf die Augenbinde abnehmen und seinen „blinden“ Kameraden im Feld Tipps und Wegweisungen zurufen. Zweieinhalb Minuten vor Ablauf der Frist sind alle Bomben entschärft und der Jubel groß. Ganz wichtig in der Jugendpsychatrie sei auch der Zeitdruck, so Alberter. Durch ewiges Beraten und Reden werde oft viel wichtige Zeit vertan, in der einem verhaltensgestörten Jugendlichen längst mit Taten geholfen hätte werden können.

 

Auch seien gar keine Exkursionen zur „Eigner Nordwand“ oder ähnlich steilem und ausgesuchtem Gelände notwendig. Mit den einfachsten Mitteln können die spannendsten therapeutischen Ergebnisse erzielt werden. KAP bietet ähnliche Lehrgänge auch für Abteilungsleiter oder Abteilungen an. Wo Kollegen dreißig Jahre nebeneinander arbeiten und sich nie eine helfende Hand reichen oder sich gegenseitig stützen, vollbrächten Seminare oft wahre Wunder.

 

Auf dem Weg zurück zur Hütte erzählt Sebastian, Heilerzieher aus Meppen in Norddeutschland, von seinem persönlichen Projekt, das jeder Teilnehmer durchführt und welches gleichzeitig als seinem persönlichen Projekt, das jeder Teilnehmer durchführt und welches gleichzeitig als „Abschlußprüfung“ des Lehrgangs gilt. Mit schwierigen Jugendlichen, teils Schulverweigern, teils zehn- bis vierzehnjährigen, die tagein tagaus nur passiv ihre Computerspiele konsumierten, ging er auf Kanutour. Von der gemeinsamen Vorbereitung bei der jeder für einen Bereich verantwortlich war über die Tour bis zur Aufarbeitung war es ein langer und zäher Weg. Die anfangs demotivierten Jugendlichen trugen zu Beginn nicht immer zum Gelingen des Projekts bei. Mehr und mehr jedoch entdeckten sie ihren Spaß an dem Unternehmen und lernten, Gefühle zu zeigen und zu äußern. Nicht nur die Jugendlichen selbst, auch ihre Eltern waren begeistert vom Ergebnis.

 

KAP hat seinen Sitz in Regensburg und ist ein wichtiger Partner der katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg. Am Wochenende wurden die Teilnehmer wieder in alle Himmelsrichtungen entlassen und verhelfen verhaltensauffälligen Jugendlichen mit Spielen wie dem „Bombenentschärfen“ mehr Lebensfreude zu erleben.