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Nicht nur das gemeinsame Schwitzen ist ein Erlebnis

Kötztinger Umschau vom 02.02.2001

 

Von Reinhold Kober

 

 

Nicht nur das gemeinsame Schwitzen ist ein Erlebnis

Jugendarbeit einmal anders: Interessierte lernen in der Althütte die spannende Verbindung von Action und Natur

 

Lohberg. „Manchmal machen Kinder auch Lärm und nicht gleich alles sauber“, sagt Mario Dodenhöft (27). Kinder sind für den Allgäuer in gewisser Weise Arbeitsmaterial. Mario ist ausgebildeter Sozialpädagoge und seit drei Jahren in Diensten des städtischen Kinder- und Jugendheimes in Kempten.

 

Heute Abend wird der 27-Jährige der Alt-Hütte unweit des Kleinen Arbersees wieder den Rücken kehren. Eine Woche lang hat er mit elf anderen Interessierten aus dem Bereich der Jugendarbeit gesägt, gefeilt und im Freien biwakiert. Dodenhöft möchte Erlebnispädagoge werden, sein Arbeitgeber bezahlt ihm den Kurs „Bauen und Werken“, der für 790 Mark in der Woche vom Regensburger „KAP-Institut für Kooperative Abenteuer-Projekte“ angeboten wird. Weil die Kursgebühr keine Pappenstiel ist, muss an Peter Alberter, KAP-Projektleiter während der „Bauen und Werken“-Erlebniswoche in Althütte auch die Frage erlaubt sein, ob die Zusatzqualifikation als so genannter Erlebnispädagoge vom Arbeitsmarkt auch als solche nachgefragt wird. Schließlich haben die KAP-Macher vor das entsprechende Zertifikat die Teilnahme an wenigstens drei zwischen 690 und 990 Mark teuren Kursen, an einem Praxisblock (290 Mark) und einem Abschlusslehrgang (690 Mark) gesetzt. Peter Alberter überlegt kurz. Dann sagt er: „Unsere Veranstaltungen können die professionellen Möglichkeiten der Teilnehmer erweitern. In jedem Fall insofern, als für die Arbeit mit den Jugendlichen auch andere Ansätze kennen lernen.

 

Der Kemptener Mario ist, wie er sagt, „nach einer knappen Woche ehrlich begeistert.“ Im Augenblick lauscht er den Worten von Referent Andreas Kessel. Dessen Spezialität nennt sich „Nat-Ur-Instrumentenbau“. Seine Finger huschen über das glatte Winterholz sauber abgeschnittener Äste. Während die anderen mit Feilen die unterschiedlich filigranen Hölzer mit Kerben versehen, präsentiert Dodenhöft eine so genannte Schwitzhütte, die größte Errungenschaft der erlebnispädagogischen Gruppe. Auf einem auf den ersten Blick ein wenig wackelig aussehenden Gerüst aus verschiedenen oval nach oben gebogenen Ästen haben die zwölf Teilnehmer des Kurses „Bauen und Werken“ Planen und Decken gespannt.

 

Steinkreis verrät die Feuerstelle

 

Neben dem Gebilde, das direkt vor der Alt-Hütte steht, verrät ein Steinkreis mit Holzrückständen die Feuerquelle. „Einige aus der Gruppe“, erklärt Dodenhöft, „haben vom Fluss einige schwere Steine geholt, die wir hier mehrere Stunden lang erhitzt haben.“
Nachdem die Planen durch Decken ergänzt worden waren, habe sich durch die ins Innere der Schwitzhütteverbrachten, glühend heißen Steine die Temperatur schnell erhöht: „Es war schon ein irres Erlebnis“, erzählt der Kemptener vom gemeinsamen Schwitz-Erlebnis. „Während es draußen schneite, sind wir in Badeklamotten um die glühenden Steine gesessen und haben Sauna gemacht.“

 

Erlebnis. Ein Großteil der Aktionen, die im Prinzip Anregungen zur Jugendarbeit sind, dreht sich um diesen Schlüsselbegriff.

 

Erlebnis in einer Gemeinschaft

 

Ob das gemeinsame Herstellen von Heißluftballons, das Biwakieren bei Minustemperaturen am wildromantischen Kleinen Arbersee oder einfach nur das, was Mario Dodenhöft als „Hüttenatmosphäre“ beschreibt, das Gemeinschaftserlebnis zum Teil im Bereich individueller Grenzerfahrungen nimmt breiten Raum ein
Projektleiterin Lott, die heuer zum zweiten Mal die Alt-Hütte von den Pfadfindern angemietet hat, formuliert das so: „Die Teilnehmer sollen mit einem alltagstauglichen Methodenrepertoire nach Hause gehen. Kindern, die im Dunstkreis von Alkohol, Drogen oder Null-Bock-Stimmung aufwachsen, sollen motiviert werden, sich für ein Miteinander zu öffnen.“

 

Ein hehres Ziel. Dodenhöft berichtet aus dem Alltag: „Je mehr die Kids das, was man mit ihnen macht, mögen, desto eher respektieren sie einen.“ Dass Dodenhöft das kann, worauf die Kids stehen, ist seinem Arbeitgeber viel wert. Auf dessen Kosten nimmt der angehende Erlebnispädagoge an fünf von sechs Kursen des Kap-Institutes teil. Wenn es den Kids Spass gemacht hat, ist wohl auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie hinterher sauber machen. Freiwillig.

 

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