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Nachgefragt - "Es werden immer mehr"

Bayerwald-Echo 13.02.2001


Von Christoph Klöckner


Wie entwickelt sich die Gesellschaft, speziell die Jugend?

Die Problemfälle werden immer mehr, sagt Peter Alberter, Geschäftsführer des KAP-Institutes, die im Bayerischen Wald Sozialpädagogen auf den Umgang mit schwer erziehbaren Jugendlichen vorbereiten.


Wie entwickeln sich die Zahlen solcher Jugendlicher, Herr Alberter?
Es werden immer mehr. Steigende Zahlen verzeichnen wir seit Jahren. Sie deuten auf die zunehmende Vernachlässigung durch die Eltern hin, die nie gelernt haben, aktiv mit ihren Kindern umzugehen.


Woran liegt`s?
Materielle Geschenke bekommen heute viele Kinder. Sie schieben die Spiele in ihren Gameboy und spielen. Immer weniger setzen sie sich mit sich selbst auseinander. Fragen wie „was kannst Du?“ stellen sie sich nur noch selten. Das Erleben findet aus zweiter Hand statt. Superman kann alles, was man selbst kann weiß man nicht.


Wie äußern sich die Folgen?
Die Jugendlichen werden bewegungsauffällig, da nur noch wenig Bewegung in ihrem Handeln steckt. Erschreckend ist diese Entwicklung, die eng mit der Psyche zusammenhängt. Wenn sie nicht etwa im Sportverein ihre Bewegung haben und damit ihre Erlebnisse, suchen sie irgendwann diese Ich-Erlebnisse. Deshalb drücken sich diese Jugendlichen etwa Zigaretten am Körper aus. Um sich selbst intensiv zu spüren, tun sie sich etwas an.


Betrifft diese Entwicklung nur die Stadt?
Verstärkt findet man dieses Phänomen in Ballungsräumen. Hier warten ganz andere Herausforderungen auf die Heranwachsenden wie etwa Drogen. Aber auch das Land bleibt nicht verschont.


Was steckt dort dahinter?
Problematisch ist die Normierung des Alltags. Alles bekommt irgendwie eine DIN-Norm. Immer mehr wird funktionalisiert. So traut sich der Bürgermeister heute nicht, einen Abenteuerspielplatz zu bauen. Nur noch Geräte mit abgerundeten Kanten und vorgegebenen Bewegungsabläufen werden aufgestellt. Selbst die Körnung des Rindenmulchs wird vorgeschrieben. Die Kreativität ist gleich Null auf solchen Spielplätzen. Da ist ein allgemeines Gesellschaftsproblem.: Jeder versucht sich so weit wie möglich abzusichern. Da hat man 100 000 Mark investiert und wundert sich dass keiner drauf spielt.


Auswege finden Sie im Bayerischen Wald?
Wir suchen neue Wege, um etwa schwer Erziehbare, bei denen die Jugendämter teils schon aufgegeben haben und die schon fünf oder sechs Heime hinter sich haben, wieder auf den Weg zu bringen. Etwa, indem wir ihn irgendwo aussetzen und er den Weg allein zurück finden muss, nur in Begleitung eines Betreuers. Auch im Bayerischen Wald drohen noch Gefahren, Hinternisse sind zu meistern. Dabei kommt man besser ins Gespräch als im geschlossenen Erzieher-Büro.


Und es wirkt?
Wir haben erstaunliche Erfolge mit dieser Methodik erzielt.

 

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