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Durch ein Miteinander geht vieles besser

Mittelbayerische Zeitung vom 01.12.2001

 

Von Ingrid Kroboth

 

 

Durch ein Miteinander geht vieles besser

Im Naturfreundehaus Schönhofen werden Erzieher zu „qualifizierten Erlebnispädagogen“ ausgebildet

 

Schönhofen. Auf der Wiese vor dem Naturfreundehaus in Schönhofen hopsen eine Hand voll gestandene Frauen und Männer über ein rot-weißes Absperrband hin und zurück. Vor ihnen im abgesteckten Parcour liegen kreuz und quer 40 Ziegelplatten im nassen Gras. „Weißt Du noch deine Nummer?“ „Welche Zahl liegt unter dem ,H‘?“ Die Stimmung ist ausgelassen, der Himmel in tristes Novembergrau gehüllt, die Temperaturen sind der Jahreszeit angepasst - und es nieselt unaufhörlich, man schreibt den 27. November. Wie heißt es doch so treffend: „Kleine Kinder spielen gern, große noch viel lieber“. Die Großen in Schönhofen beschäftigen sich mit einer Art Memory – allesamt ausgebildete und berufserfahrenen Pädagogen, Erzieher und Therapeuten.

 

Nach zwei Jahren berufsbegleitender Zusatzqualifikation bereiten sie sich im Naturfreundehaus Schönhofen auf ihren Abschluss zum „Qualifizierten Erlebnispädagogen“ vor. Durchgeführt wird das Projekt vom K(ooperative) A(benteuer) P(rojekte)- Institut“ aus Regensburg, einer privaten Weiterbildungsakademie für die professionelle Arbeit im Bereich „Erlebnispädagogik und Erlebnistherapie“. Peter Alberter und sein Team haben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den vorausgegangenen Basislehrgängen sozusagen das pädagogische Handwerkszeug mitgegeben, mit dem sie künftig in ihren Einrichtungen arbeiten können.

 

Wie etwa Andreas Liwandowski aus Goslar, Niedersachsen. Der Erzieher in einem Kinderheim zur psychologischen Nachsorge hat im Zuge seiner Ausbildung mit drei schwerstgestörten Kindern im Alter zwischen zwölf Jahren eine Wander- und Kanutour unternommen und hat dabei erfahren, wie sich das Gemeinschaftsverhältnis der Kinder in Extremsituationen verbessert hat. Mädchen und Jungen haben gelernt, sich aufeinander einzulassen, haben Zutrauen gewonnen. Liwandowskis Zusatzausbildung soll im Kinderheim ein zusätzliches Standbein der Arbeit werden.

 

Nicht nur aus ganz Deutschland stammen die Lernwilligen von KAP. Manuela Deisel stammt aus Niederösterreich und ist dort als Erzieherin in einem Wohnheim für schwererziehbare Mädchen angestellt. Sie hat sich auf den Abschluss ihrer Ausbildung mit einer Höhlenwanderung im Dachstein zusammen mit sieben ihrer Schützlinge vorbereitet. Gemeinsam mit einem Höhlenforscher und einer Kollegin war sie mit den Mädchen in einer Riesen-Eishöhle, einer aktiven Wasserhöhle und einer Mammuthöhle. Unterm Strich hat es allen Spaß gemacht, die Neugier bei den Mädchen wurde geweckt, der Zusammen halt ist gewachsen. Manuela erhofft sich durch diese Zusatzausbildung bessere Berufschancen. Zudem konnte sie in Regensburg Einblick in die Jugendarbeit eines anderen Landes gewinnen und vom regen Erfahrungsaustausch profitieren.
Den besonderen Reiz der Erlebnispädagogik sieht Helmut Richter aus Sulzbach-Rosenberg in der Situation, die nicht künstlich irgendwo gesucht werden muss, sondern aus den jeweiligen Gegebenheiten entsteht und zu meistern ist. Er arbeitet als Sozio-Therapeut und Heilerziehungspfleger in einer Einrichtung für psychisch kranke Erwachsene. Für seine Abschlussarbeit hatte er zusammen mit zwei psychisch kranken Männern einen „Abenteuerausflug“ mit Kanu und dem Fahrrad unternommen. Als Ergebnis dieses Projektes nennt er die Grenzerfahrung der Männer, die sich beim Rudern, Wandern, Kochen und Spielen wieder neu beweisen konnten.

 

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