seit 1994

Daniela Gramer

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

„Wilder Jäger“ oder Die Befreiung Johanns von den Berggnomen

Erlebnispädagogisches Projekt von Daniela Gramer

14.06-17.06.20011

 

 

1.    Einleitung

 

2.    Erlebnispädagogisches Konzept

2.1 pädagogischer Hintergrund

2.2 allgemeine Zielsetzung

2.3 Art der Unternehmung

 

3.    Zielgruppe

3.1 Gruppenzusammensetzung

3.2 Beschreibung einiger Teilnehmer

 

4.    Projektverlauf

4.1 Vorbereitung

4.2 Geplanter Projektverlauf

4.3 Tatsächlicher Projektverlauf

4.4 Abschluss mit dem Personal

4.5 Abschluss mit den Kindern

 

5.    Nachbereitung

5.1 Veränderungen bei den beteiligten Kindern/Jugendlichen

5.2 Reaktionen in der Einrichtung

 

6.    Reflexion

6.1 Besondere Erlebnisse

6.2 Erkenntnisse und Erfahrungen

 

7.    Öffentlichkeitsarbeit

8.    Literaturverzeichnis und Quellenverzeichnis

9.    Anhang

 

 

1.      Einleitung

Das erlebnispädagogische Projekt „Der Wilde Jäger“ wird für beiden Hortgruppen des Xy-Hauses in Wx angeboten. Hierbei handelt es sich um eine Einrichtung, die drei Heimgruppen und zwei Hortgruppen beherbergt.

In den Heimgruppen wohnen jeweils 8 bis 10 Kinder mit den unterschiedlichsten sozialen Auffälligkeiten. Die Verweildauer der Kinder in den Heimgruppen liegt zwischen zwei und 15 Jahren.

Bei den beiden Hortgruppen handelt es sich einmal um einen integrativen Hort und um einen Regelhort.

Der integrative Hort kann fünf Kinder mit sozialen Auffälligkeiten aufnehmen und ca. 15 Regelkinder. Zum Zeitpunkt der Durchführung des Projektes sind aber nur drei Plätze belegt. Diese drei Kinder stellen hauptsächlich die Zielgruppe des Projektes dar.

In der Regelgruppe können bis zu 28 Kinder aufgenommen werden.

Die Aufnahmekriterien der heilpädagogischen Kinder stellt sich wie folgt dar. Die Kinder müssen im schulfähigen Alter sein. Ein Gutachten mit einem heilpädagogischen Förderbedarf liegt vor und das Jugendamt genehmigt dann die Maßnahme in unserem Hause. Die sozialen Auffälligkeiten belaufen sich meist auf Störungen im Sozialkontakt, fehlendes Selbstbewusstsein, Hyperaktivität, schulische Defizite, usw.

Die Regelhortkinder des Xy-Hauses gehen alle in die Schule und können von der ersten bis zur neunten Klasse den Hort besuchen. Diese Kinder werden von den Eltern angemeldet und sollten keine besonderen Verhaltensauffälligkeiten aufweisen.

Da die beiden Hortgruppen in den Ferien zusammengelegt werden und häufig Kongruenzkämpfe entstehen, sollen die beiden Gruppen durch die gemeinsamen Aktivitäten wieder zusammenwachsen.

 

 

2.     Erlebnispädagogisches Konzept

2.1  pädagogischer Hintergrund

Für mein Abschlussprojekt „Wilder Jäger“ liegt die Definition von Werner Michl zugrunde.

„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, und psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten.“ (Lehrgangs-/Kursunterlagen Einführungskurs Seite 37)

Für mein Projekt ist es mir sehr wichtig, dass die Kinder wieder lernen sich anders zu beschäftigen als mit elektronischen Geräten. Draußen in der Natur kann man viel mehr erleben auch mit nur sehr wenig Materialeinsatz. Auch können die Kinder die meisten Aktivitäten daheim nachmachen. Aber es sind auch einige Elemente dabei, an denen sie an ihre eigenen physischen und psychischen Grenzen gelangen. Auch ist es für viele Kinder eine soziale Herausforderung vier Tage in einer größeren Gruppe zu sein und hierbei eigene Bedürfnisse nicht immer sofort befriedigt zu bekommen und sich mit den andern Kindern zu arrangieren.

Gerade durch die intensive Betreuung und aktive Freizeitgestaltung der Kinder öffnet sich ein riesiges Lernfeld für die Kinder. Allein die Kompromissbereitschaft steigt um ein vielfaches bei solchen Aktionen. Ebenso lernen Kinder mit einem sehr geringen Selbstbewusstsein, dass  auch sie sich etwas trauen und zutrauen können. Denn nicht nur die mutigen Kinder können sich abseilen sondern auch die ängstlicheren. Die Ideen bei einem Kooperationsspiel müssen nicht immer von den Führern der Gruppe kommen, sondern meist stammen diese von den ruhigeren Kindern, aber wie verschafft sich ein solches Kind Gehör? Das Ansehen eines Kindes kann bei einer erlebnispädagogischen Maßnahem steigen, aber auch sinken. Hier ist es wichtig für jedes Kind den entsprechenden Mittelweg zu finden.

Das Projekt soll für die Kinder ein Anstoß sein, eine positive Persönlichkeitsentwicklung zu starten bzw. weiterzuentwickeln. Ebenso sollen sie lernen ihre Lebenswelt aktiv und positiv zu gestalten, ohne elektronische Geräte sondern mit anderen Kindern und vor allem draußen in der Natur.

 

 

2.2  allgemeine Zielsetzung

Die allgemeine Zielsetzung für die beiden Hortgruppen ist, dass sie sich wieder aneinander gewöhnen sollen und wieder enger zusammenwachsen. Es stehen in naher Zukunft die Sommerferien an, in dieser Zeit werden beide Gruppen für 6 Wochen zusammengelegt.

Somit wird auch das soziale Miteinander gefördert. Sie müssen auf die jeweiligen Besonderheiten und Eigenarten der anderen Kinder aber auch der Erzieher Rücksicht nehmen und sich damit arrangieren bzw. Kompromisse schließen lernen. Da das Projekt mit einer relativ großen Gruppe stattfindet, müssen die Kinder lernen zu warten und teilweise eigene Bedürfnisse zurückstecken.

Ebenso lernen die Kinder ihre eigenen Grenzen kennen. Wie weit kann ich gehen, wie weit trau ich mir bestimmte Aktionen zu. Wann muss ich auf meinen Körper hören und dann auch ganz bewusst Nein sagen. Auch dies muss gelernt werden. Aber nicht nur die eigenen Grenzen spielen hier mit, sondern auch die der anderen Kinder. Es kann auch passieren, dass eine Aktion abgebrochen werden muss, weil die Mehrheit nicht mehr kann oder schon die Grenze erreicht hat. Dann müssen die Kinder lernen auch dies zu akzeptieren.

Auch das Erarbeiten von Lösungsstrategien ist eines der Ziele. Hier Sollen die Kinder lernen miteinander Lösungen bei Kooperationsspielen zu lernen. Ebenso ist es wichtig allen Kindern zu zuhören, da auch oft ruhigere Kinder oder Mitläufer bzw. Außenseiter gute Lösungsvorschläge haben.

Manchmal fehlt den Kindern aber auch nur der Mut etwas Neues auszuprobieren, dies soll sich während der Freizeit verbessern.

Mit am wichtigsten ist aber die positive, aktive Freizeitgestaltung. Die steht für mich mit im Fordergrund. Die Natur bietet so viele Möglichkeiten sich zu beschäftigen, man muss nur wissen was man machen kann. Außerdem muss man die Natur zu nutzen wissen, dann fällt einem sehr schnell sehr viel ein.

Natürlich kommt auch als Lernziel hinzu, dass die Kinder im lebenspraktischen Bereich sehr viel dazu lernen können.

 

 

2.3  Art der Unternehmung

Da sich der Heimatort der Kinder und Jugendlichen mitten in den Bergen befindet habe ich als Projekt-Ort ebenfalls diese Umgebung gewählt. Die Kinder sollen lernen sich selbständig in der Natur zu beschäftigen, dann hilft ihnen ein Projekt rund ums Wasser nicht so viel. Ebenso bietet sich das Medium Seil an, da um die Hütte sehr viel Wald ist. Auch dieses Medium kennen die Kinder bzw. werden noch oft damit zu tun haben. Denn in unserer Umgebung führt fast kein Weg am Klettern oder ähnlichem vorbei.

So können die Kinder mit dieser Art von Projekt am meisten mitnehmen und in ihren Alltag übernehmen.

 

 

 

3.     Zielgruppe

3.1  Gruppenzusammensetzung

Da das Projekt für zwei Hortgruppen angeboten wird war zu Beginn der Planung noch nicht klar wie viele Kinder und Betreuer mitfahren werden. Im Höchstfall hätten es 38 Kinder werden können.

Zu den Auswahlkriterien ist zu sagen, jedes Hortkind hatte die Möglichkeit sich anzumelden und an dem Projekt teilzunehmen. Jedoch hätten bei 38 Kindern die Rahmenbedingungen angepasst werden müssen.

Einige Kinder haben sich aber nicht angemeldet und so sollten es am Dienstag 23 Kinder sein.

Die Gruppe setzt sich aus 13 Kindern des integrativen Hortes, davon 3 heilpädagogische Kinder, und 10 Kinder des Regelhortes zusammen.

Die Altersspanne liegt hierbei zwischen 7 und 14 Jahren, 12 Mädchen und 11 Jungs.

Die Gruppe erscheint auf den ersten Augenblick sehr groß, aber wenn man bedenkt, dass drei vom pädagogischen und eine vom hauswirtschaftlichen Personal mitfährt, ist dieser Schlüssel für die Kinder sehr gut. Im Hortbereich wird normalerweise ein bedeutend höherer Schlüssel erwartet.

Da die Kinder aus beiden Gruppen zusammengesetzt sind, ist zu erwarten, dass die ersten Tage eine größere Reibung zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern entsteht. Durch eine Anfangsgeschichte und einen gemeinsamen Spruch wird aber versucht, schnellstmöglich eine gemeinsame Gruppe zu gestalten und dadurch die Reibereien zu minimieren.

 

 

3.2  Beschreibung einiger Teilnehmer

Alle Namen der Kinder wurden verändert um die Daten und Persönlichkeiten der Kinder zu schützen. Auch werden hier nur einige Teilnehmer beschrieben, da alle 23 Kinder den Rahmen sprengen würden. So wurden die drei heilpädagogischen Kinder, sowie zwei weitere mit Besonderheiten ausgewählt.

 

Lisa ist 7 Jahre alt, hat einen heilpädagogischen Förderbedarf und geht erst seit Mai in den Hort. Außerdem ist ihr Bruder Max auch mit auf Ferienfahrt.

Die Eltern von Lisa haben sich vor ca. 6 Wochen getrennt. Seit diesem Zeitpunkt fehlt ihr der familiärer Rückhalt. Sie weiß nicht mehr wo sie hingehört. Einerseits hängt sie sehr am Vater, andererseits merkt sie, er kümmert sich nur sehr wenig um die Kinder.

Häufig nässt sie ein, nicht nur nachts, sondern auch tagsüber passiert ihr dies häufiger. Manchmal kotet sie auch ein. Ihr fällt es sehr schwer sich auf kindliche Spiele einzulassen. Da sie schon immer sehr viel von Erwachsenen bzw. viel älteren Geschwistern umgeben war. Ihr Bruder Max geht schon seit drei Jahren in den Hort und so konnte sie nach dem Kindergarten bzw. nach der Schule sich nur mit viel älteren Menschen beschäftigen. Somit hat sie gelernt sich in der Welt der Erwachsenen anzupassen und versucht ihnen alles recht zu machen. Jedoch gelingt es ihr noch nicht, wieder in die Kinderrolle zurückzukehren. Dies wird eine Hauptaufgabe während des Projektes sein. Eine große Stärke von Lisa ist,  sie probiert alles aus und versucht immer ihre Grenzen auszutesten. Außerdem ist die sehr hilfsbereit und hilft gerne überall mit. Dies kann aber auch zu einer Schwäche werden, da sie überangepasst ist und wirkt.

Ein weiteres Ziel ist sie in die Gruppe zu integrieren, da sie mit ihrer Erwachsenenart meist bei den anderen Kindern aneckt. Häufig verpetzt sie die anderen Kinder auch, da sie alle Regeln kennt und penetrant darauf achtet, dass diese auch von allen eingehalten werden. Da sie gerne überall mitmacht, wird spannend, ob sie auch Grenzerfahrungen macht, und eigene Ängste spürt und diese lernt zu akzeptieren.

 

Max ist der Bruder von Lisa, 9 Jahre alt. Er besucht den Hort nun schon seit drei Jahren und hat auch einen heilpädagogischen Platz. Sein familiärer Hintergrund ist derselbe wie bei Lisa. Für ihn kommt erschwerend hinzu, dass er nun seine kleine Schwester mit im Hort hat und diese seine Schwierigkeiten und Probleme im Hort sofort seiner Mutter erzählt. Er steht nun unter ständiger Beobachtung. Diese Angst soll ihm während des Projektes genommen werden. Max hat nur sehr wenig Selbstbewusstsein. Er traut sich nur sehr wenig zu und ist immer sofort frustriert. Sein Hauptziel während des Projektes ist es, mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln. Er soll einige Erfolgserlebnisse bekommen um ein positiveres Eigenbild zu erlangen. Seine größte Stärke ist seine soziale Kompetenz und sein Gespür für andere Menschen. Er kann Gefühle und Stimmungen von anderen Kindern und Erwachsenen schnell bemerken und damit umgehen.

 

Lars ist 10 Jahre alt. Er ebenfalls schon drei Jahre in den Hort und hat einen heilpädagogischen Platz. Seine größte Schwäche ist, er erzählt viele Lügengeschichten. Dies beruht meist darauf, da er in seiner Freizeit nicht viel erlebt. Seine Eltern unternehmen so gut wie nie etwas mit ihm und ermöglichen ihm keinerlei Besonderheiten. Um nun bei den anderen Kindern mithalten zu können erzählt er Geschichten, was er tolles am Wochenende und in den Ferien erlebt hat. Leider sind diese Geschichten so phantasievoll, dass sofort bemerkt wird, dass dies gelogen ist. Während der Ferienfreizeit soll er auch besondere Dinge erleben, die er dann in der Schule erzählen kann. 

Des weiteren fällt es ihm unheimlich schwer sich in eine größere Gruppe zu integrieren und Kompromisse einzugehen. Dies soll er versuchen während des Projektes zu lernen. Auch beherbergt er viele Ängste in sich, die er aber mit Coolness überspielt. Hier soll er die Erfahrung machen, er ist nicht der einzige mit Ängsten und man darf auch zu seinen Gefühlen stehen.

Profitieren kann er und die Gruppe von seiner größten Stärke. Er hat immer unheimlich gute Ideen und Lösungsvorschläge. Diese kann er meist auch gut zu gehör bringen und dann umsetzen.

 

Xaver ist 8 Jahre alt, seit zwei Jahren im Hort auf einem Regelhortplatz. Jedoch soll über ihn ein Gutachten erstellt werden, da er einen erhöhten Bewegungsdrang hat. Dadurch eckt er in der Schule und auch in seinem privaten Umfeld sehr häufig an. Während der Freizeit soll er bemerken, wie viel Bewegung er braucht um ruhiger zu werden. Ebenso soll er feststellen, dass er dann weniger Ärger mit den Erziehern und den anderen Kindern hat. Für ihn ist am wichtigsten die Selbsterfahrung mit sich und seinem Körper.

Seine größte Stärke ist die Einsicht. Er kann sich und seine Umwelt sehr gut wahrnehmen und lernt aus solchen Prozessen sehr schnell und sehr viel.

 

Franz ist jetzt 14 Jahre alt, der älteste der Gruppe, besucht den Hort bereits seit fünf Jahren. Er ist ganz in der Nähe der Hütte „Wilder Jäger“ aufgewachsen und kenn die Gegend seiner Meinung nach sehr gut. Franz stellt sich immer wieder als der Überflieger und Besserwisser dar. Leider befindet er sich gerade mitten in der Pubertät. So steht er sich meist selbst im Weg. Während der Ferienfreizeit soll er lernen, Grenzen müssen akzeptiert und eingehalten werden. Seine Eltern sind immer sehr gutmütig und lockern die Grenzen für ihn ins unermessliche. Ebenso soll er lernen, seine Ortskenntnisse reichen noch nicht aus um eine Gruppe zu leiten und zu führen. Er kann zwar gute Tipps geben, aber mehr als ein Halbwissen steckt noch nicht dahinter. Andererseits soll er auch positiv erfahren, er wird gefragt und seine Meinung wird angehört und somit kann er langsam in die Erwachsenenrolle wachsen. Jedoch wird es sehr schwer werden hierzu einen Mittelweg zu finden. Auch muss er lernen mit den eng gesteckten Grenzen umzugehen.

Seine größte Stärke ist seine Gutmütigkeit und das Bedürfnis noch Kind zu sein. Dies soll ihm während des Projektes erhalten bleiben.

 

 

4.     Projektverlauf

4.1  Vorbereitungen

Am Anfang dieses Jahres fand in den beiden Hortgruppen ein Elternabend statt. Hierbei kamen die Eltern bei dem Punkt Wünsche und Anträge auf die Idee wieder einmal eine Ferienfreizeit für die Hortkinder zu veranstalten. So gab es an diesem Tag den Anstoß zu dem Projekt „Wilder Jäger“.

Zuerst wurde eine Hütte gesucht, die den Anforderungen entspricht. Die Hütte sollte mit dem Auto zu erreichen sein, mindestens 30 Schlafplätze aufweisen und etwas abgeschieden sein. Ebenso sollte sie eine Selbstversorger Hütte sein, bei der keine weiteren Gruppen anwesend sind und noch dazu durfte sie nicht zu teuer sein, da die Eltern eine preisliche Vorgabe von höchstens 20 Euro pro Tag gegeben hatten.

Nach einigen Telefonaten war eine passende Hütte gefunden. Einziger Nachteil, die Hütte liegt mitten im Naturschutzgebiet und offenes Feuer ist dort strickt verboten. Aber mit diesen Bedingungen konnten wir uns gut arrangieren.

Der Zeitrahmen bestimmte die Belegungszeit der Hütte sowie die bayrische Ferienregelung. Wir hatten nur die beiden Pfingstferienwochen zur Auswahl. So entschied sich das Personal für die erst Pfingstwoche (14.06-17.06.2011). Auch wurde beschlossen, wir fahren vier Tage, da sich ein kürzerer Zeitraum aus früheren Erfahrungen, als nicht effektiv erwiesen hatte. Außerdem hat diese Pfingstwoche genau vier Arbeitstage.

Das Begleitpersonal des Projektes wurde sehr schnell gefunden und stellt sich wie folgt dar:

Eine Erzieherin (Theresa), Leitung der anderen Hortgruppe und ihr Kollege ein Kinderpfleger (Matthias). Ebenso fährt eine Köchin vom hauswirtschaftlichen Personal (Ines) und meine Person in Funktion der Projektleitung mit. Gleichzeitig bin ich die Leitung des Integrativen Hortes.

 

Nachdem die Rahmenbedingungen organisiert waren ging es an den Aufbau der einzelnen Tage. So reifte mit der Zeit ein Konzept, welches in einer Geschichte eingebettet wurde. Dadurch bekamen die einzelnen Aufgaben und Spiele einen roten Faden. Die Aufgaben wählte ich jeweils nach den Lernzielen meiner einzelnen Förderkinder aus.

Durch die einzelnen Aufgaben ergaben sich wieder viele Vorbereitungsfelder. So wurde z. B. klar die vorhandenen Seile und Klettergurte werden für die Anzahl der Kinder und Aktivitäten nicht ausreichen. Da im Förderverein des Xy-Hauses ein Mitglied der Bergwacht ist, konnten so die restlichen Materialien kostenlos organisiert werden.

Ebenso wurde die Anreise zur Hütte mit den Eltern gemeinsam organisiert. Da wir vom Bahnhof Yz bist zur Hütte noch ca. 6 km zu bewältigen hatten und dieser Weg über eine gesperrte Forststraße führte. Mit dem Vermieter der Hütte, dem Förster, wurde dann eine Fahrerlaubniserweiterung verhandelt. Ein Elternpaar erklärte sich dann noch bereit uns auf die Hütte zu shutteln. Somit war ein weiteres Problem gelöst.

 

Für die Eltern fand im Vorfeld ein ausführlicher Elternabend (Einladung im Anhang) statt. An diesem Abend wurde den Eltern genau erklärt welche Aktivitäten und Aufgaben gemacht werden. Hierbei konnte den Eltern einige Ängste genommen werden. Auch wurden hierbei die Einverständniserklärungen und Packliste (ebenfalls im Anhang) ausgeteilt und besprochen.

Auch wurde an die Eltern ein Elternbrief (siehe Anhang) ausgeteilt mit den diversen Auswahlmöglichkeiten wo die Aufsichtspflicht der Erzieher beginnt und endet.

 

Zum Sicherheitskonzept ist zu sagen, auf der Hütte gibt es weder Festnetz noch Handyempfang. Der nächstmögliche Platz um Handyempfang zu bekommen ist zu fuß ca. 12 Minuten von der Hütte entfernt. So wurde mit der Leitung vereinbart, dass wir einmal am Tag mit der Leitung telefonieren und uns melden. Ebenso hatte ein PKW die Erlaubnis bis zur Hütte zu fahren. Dieses Fahrzeug steht immer bei der Hütte. Die Fahrt ins nächste Dorf über den Forstweg dauert ca. 15 Minuten. Somit wird es besonders wichtig Notfallmedikamente und  Erste-Hilfe-Sets dabei zu haben. Da aber jeder des pädagogischen Personals erst im Mai einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind gemacht hat, sehe ich hier keine größeren Probleme.

Die Eltern wurden alle informiert, dass keine Möglichkeit besteht uns telefonisch vor Ort zu erreichen. Bei Notfällen sollen sie sich im Büro des Xy-Hauses melden. Ebenso gibt es die Möglichkeit mit dem Auto innerhalb von  ca. 30 Minuten bei uns auf der Hütte zu sein, oder 1,5 Stunden Fußmarsch in Kauf zu nehmen. Auch mit dem Fahrrad sind wir innerhalb von ca. 40 Minuten zu erreichen.

 

Die Finanzierung des Projektes wir komplett von den Eltern übernommen. Bis auf eine Mittagessenpauschale von 2,50 Euro pro Kind. Diese Pauschale bezahlen die Eltern mit dem monatlichen Essensgeld. Da die Hütte aber sehr kostengünstig ist und wir keinerlei Einkaufmöglichkeiten auf der Hütte haben, entstehen nur sehr wenig Kosten. Vorab werden 60 Euro für jedes Kind als Höchstsatz veranschlagt Jedoch gibt es eine Endabrechnung und meiner Vermutung nach bekommen die Eltern einiges wieder an Geld zurück. Da zu Beginn der Planung noch nicht klar war, wie viele Kinder mitfahren, musste ein relativ hoher Betrag veranschlagt werden, desto mehr Kinder mitfahren, desto billiger wird es, da die Hütte einen Festpreis hat. Ein Finanzierungsplan mit endgültiger Kalkulation befindet sich im Anhang.

 

Auch wurden einige Aufgaben an das mitfahrende Personal verteilt. Mit unserer Köchin wurde der Speiseplan besprochen und dann der gesamte Einkauf in ihre Hände gelegt. Da sie ansonsten auch den Einkauf der Großküche unter sich hat, kennt sie sich am besten mit den Mengen und Wünschen der Kinder aus.

Unter dem pädagogischen Personal wurde das Packen der einzelnen Dinge aufgeteilt. Wobei die Materialliste und Aufteilung von mir übernommen wurde. So bekam jeder Aufgaben, was er zu packen hatte. Das Erste-Hilfe-Set sollte von einer Kollegin hergerichtet und gepackt werden.

 

Die Leitung wurde intensiv über den geplanten Projektverlauf aufgeklärt und die einzelnen Tage wurden besprochen. Hierbei kamen noch einige gute Tipps, die in der Planung noch berücksichtigt wurden.

 

 

4.2  Geplanter Projektverlauf

Eine verkürzte Ablaufvariante zur Übersicht für die Durchführung inklusive Materialliste befindet sich im Anhang.

 

 

Dienstag, 14.06.2011

Um 8.00 Uhr öffnet der Hort. Die ersten Kinder können in den Hort gebracht werden, müssen aber bis spätesten 8.30 da sein. Das Gepäck der Kinder wird in ein Auto geladen und dann zum Bahnhof gebracht. Ein Erzieher geht mit den Kindern zu fuß zum Bahnhof. Eine weitere Person (Theresa) holt den Schlüssel von der Hütte ab und übernimmt die Hütte. Sie kommt dann zum Bahnhof Yz.

9.25 Uhr die Reise zum „Wilden Jäger“ beginnt, bis auf fünf Kinder sind alle am Bahnhof,  drei steigen in den Zug zu und zwei Kinder kommen erst in Yz zum Bahnhof.

9.38 Uhr der Zug fährt los. Ankunft am Bahnhof Yz 9.47 Uhr.

Da nun alle Kinder vollständig sein sollten, wird den Kindern eine Geschichte vom Johann erzählt:

1820 lebte der Graf von My und herrschte über die Wälder. In seinem Wald gab es einige sehr wertvolle und alte Bäume. Johann war sein Holzfäller. Johann war ein guter Mann, er wollte nur kranke Bäume fällen. Doch dies war dem Grafen nicht genug. Ebenso herrschte der Graf über die Berggnome und befahl ihnen über Johann zu wachen und ihn zum Fällen von teuren Bäumen zu bringen.

Als Johann eine sehr alte, große Tanne fällen sollte, weigerte er sich, da sie weder krank noch sonst ein Problem darstellte. Daraufhin nahmen die Berggnome Johann gefangen. Seit diesem Zeitpunkt wurde Johann nicht mehr gesehen. Seine Familie ist unheimlich traurig über den Verlust von Johann. (Natürlich wird die Geschichte beim Erzählten noch weiter ausgeschmückt)

Die Aufgabe der Kinder ist es nun Johann zu befreien. Zehn Aufgaben wurden von den Gnomen gestellt, werden diese erfolgreich bewältigt, dann kommt Johann wieder frei und darf zu seiner Familie wieder zurück. Außerdem ist wichtig, Gnome mögen keine Freundschaft, Frieden, Einigkeit und Harmonie. Dadurch kann man die Gnome weiter schwächen.

 

1. Aufgabe:

Die Kinder müssen sich einen Spruch überlegen, der den Gnomen Angst bereitet. So kann sich die Gruppe auch immer wieder vereinen und zeigen den Gnomen wir gehören zusammen.

Sie haben hierfür bis nach dem Mittagessen Zeit ihn zu gestalten und sich auf einen zu einigen.

 

Nachdem die erste Aufgaben gestellt wurde werden die Kinder inklusive Gepäck zur Hütte geshuttelt. Theresa fährt mit der ersten Gruppe zur Hütte und ich bin bei der letzten Fuhre dabei. So sind immer alle Kinder beaufsichtigt.

Die Lebensmittel werden von Ines, die gleichzeitig die Fahrerlaubnis für ihren PKW besitzt zur Hütte gebracht.

Gegen 12 Uhr sind alle Kinder auf der Hütte. Die Bettenverteilung (vier Zimmer) wird erklärt. Jedes Kind sucht sich ein Bett aus, sollten mehrere Kinder im gleichen Bett schlafen wollen, dann suchen wir gemeinsam einen Kompromiss.

Allen Kindern werden die Außengrenzen erklärt, damit jedes Kind weiß wie weit es sich von der Hütte entfernen darf. Ebenso werden die Regeln für die Hütte erklärt, wo die Schuhe ausgezogen werden...

Taschenmesser und Medikamente werden einkassiert.

Gemeinsames Mittagessen (Brotzeit). Die Kinder sollen nun ihren Spruch vorstellen.

 

2. Aufgabe:

Magic Basket (Kooperative Abenteuerspiele 1 Seite 106, siehe Anhang)

Die Variante zu diesem Spiel ist, dass die Tennisbälle Freundschaftskugeln sind. Wenn die Kinder zu langsam sind, dann kommen die Gnome und klauen die Freundschaftskugeln.

Hierbei sollen sie das erste Mal Teamgeist und Gemeinschaft beweisen.

 

3. Aufgabe:

Die Kinder sollen mit Theresa die Fahne des Friedens gestalten. Denn wo die Fahnen sind, können die Gnome einen nichts tun. Ebenso werden Armbänder geflochten, geknüpft oder gedreht. Diese sollen uns ebenfalls vor den Gnomen schützen.

Dies sind Vorsichtsmaßnahmen, da bestimmt einige Kinder Angst vor den Gnomen bekommen können und mit diesen Schutzmaßnahmen kann uns nichts geschehen.

 

4. Aufgabe:

Während die Kinder mit Theresa die Fahne und die Armbänder gestalten bauen Matthias und ich eine Seilaufbaut auf.

Der erste Teil besteht aus der Brücke der Verständigung (On-Line Seite 82, siehe Anhang).

Der zweite Teil besticht aus einem Seilkreuz (Aufbau siehe Anhang).

Hierbei sollen die Kinder indem sie sich gegenseitig spotten und helfen miteinander über die jeweiligen Hindernisse kommen. Bei dem Seilkreuz sollen sie Mut beweisen. Vor allem sollen sie auch das neue Medium Klettersteigset kennenlernen und damit vertraut werden. Ebenso sollen sie ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, da die Gnome sehr tollpatschig sind.

 

Danach gibt es Abendessen (Schnitzel mit Kartoffelsalat).

Jetzt bleibt den Kindern noch Zeit für das Gruppentagebuch zu schreiben. Hier kann jedes Kind und Betreuer schreiben bzw. malen was besonders schön, anstrengend,... war.

Außerdem haben die Kinder jetzt noch Zeit sich zu erholen, spielen oder sonstiges zu unternehmen.

 

5. Aufgabe:

Nachtjäger ( On-Line Seite 58, siehe Anhang).

Spielvariante: Vier Gruppen á zwei Kinder verstecken sich im Wald. Ein Betreuer ist dabei. Es wird kein Bereich abgesteckt. Die restlichen Kinder werden in dreier Gruppen aufgeteilt. Das restliche Personal geht auch in den Gruppen mit und ist somit immer in der Nähe der Kinder.

 

Abschluss des Tages:

5 Fingerreflexion:

Daumen:          Das fand ich gut!

Zeigefinger:      Das wollte ich Dir sagen!

Mittelfinger:      Das fand ich scheiße!

Ringfinger:        Das habe ich gelernt!

Kl. Finger:        Das kam mir zu kurz!

 

Alle Kinder putzen noch Zähne und gehen dann ins Bett. Falls noch Zeit ist, wird eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt.

 

 

 Mittwoch, 15.06.2011

Aufstehen um 8.00 Uhr und Frühstück um 8.30 Uhr, da heute eine längere Wanderung ansteht und wir rechtzeitig los wollen.

Alle Kinder schmieren sich eine Brotzeit und nehmen genügend zu trinken ca. 1 Liter mit.

 

6. Aufgabe:

Wir wandern gemeinsam auf den Brunnenkopf. Die Gnome haben keine Ausdauer, deswegen müssen wir beweisen, dass wir eine haben und nicht müde werden.

Nach ca. 1,5 Stunden Fußmarsch kommen wir an einer Hütte an. Dies ist die Hütte vom Grafen My. Hier machen wir die erste Pause.

 

7. Aufgabe:

Gordischer Knoten (Lehrgangs-/Kursunterlagen Einführungskurs Seite 82).

Die Gnome haben schon so viel Verwirrung in unsere Freizeit gebracht und wollen uns immer weiter verwirren, deswegen müssen wir ihnen jetzt beweisen, dass wir uns nicht verwirren lassen. Wir behalten einen kühlen Kopf und können mit Köpfchen und Zusammenhalt alles wieder in Einklang bringen.

 

Jetzt teilt sich die Gruppe. Der eine Teil geht mit Ines und mir weiter auf den Brunnenkopf, der andere Teil bleibt noch etwas an der Hütte und geht dann zurück. Dieser Teil kocht dann auch schon einmal.

Theresa und Matthias machen mit dem zweiten Teil der Gruppe Spiele oder hält sich am Wasser (Halbammer) auf.

 

Danach gemeinsames Abendessen (Lachsnudeln) und Wettermassage (Kooperative Abenteuerspiele 1 Seite 68, siehe Anhang). Die Kinder haben jetzt auch wieder Zeit sich selber zu beschäftigen, ins Tagebuch zu schreiben, zu spielen,...

 

Abschluss des Tages:

5 Fingerreflexion

Gute-Nacht-Geschichte

 

 

 Donnerstag, 16.06.2011 

Am Donnerstag gibt es erst um 9.00 Uhr Frühstück.

Danach beginnen wir den Tag mit einem Warming-up-Spiel. Das Heulboje heißt. Die Gnomenvariante heißt aber Gnomradar. Alle Kinder verteilen sich auf der Wiese. Einem Kind werden die Augen verbunden. Kommt es zu Nah an ein Kind (Gnom) faucht dieses. Ziel ist es durch ein Tor (zwei Bäume) zu kommen. Hier ist man gerettet. Am Tor stehen zwei Wächter, die einen anderen Ton von sich geben und so die Richtung angeben.

 

8. Aufgabe:

Abseilen. Hier müssen die Kinder Mut beweisen. Die Gnome sind Feiglinge und trauen sich so etwas nicht. Jedes Kind hat die Chance es auszuprobieren.

 

Da sich nicht alle Kinder gleichzeitig abseilen können wird auch hier die Gruppe geteilt. Jeweils sechs Kinder können an der Abseilstation sein, während die anderen Kinder sich auf die 9. Aufgabe vorbereiten.

 

9. Aufgabe:

Wir schlafen draußen. Um hierbei nicht von den Gnomen überfallen zu werden brauchen wir Abwehrmechanismussee. Aus Ton sollen Schutzgeister gebaut werden. Ebenso können die Kinder Baumgeister bauen. Sowie einen magischen Steinkreis um unser Lager.

 

Nebenbei haben die Kinder heute Zeit den Tag zu genießen. Sie können einen Staudamm bauen. Diesen braucht Johann, wenn er wieder frei ist, um seine gefällten Bäume ins Tal zu bringen. Außerdem können die Kinder Baumrindenkugelbahnen bauen und auch einmal relaxen.

 

Zwischendurch gibt es Mittags Griesbrei.

Nach dem Abendessen (Kartoffeln mit roten Beeten) wird raus gegangen zu unserem Schlafplatz.

 

Abschluss des Tages:

5 Fingerreflexion

 

 Freitag, 17.06.2011

Frühstück bzw. Brunch findet wieder gegen 9.00 Uhr statt.

Davor und danach wird alles zusammengepackt und aufgeräumt. Ebenso muss die Hütte geputzt werden.

 

10. Aufgabe und Abschlussaufgabe:

Während die Kinder teilweise noch aufräumen und packen gehen Matthias und ich in den Wald und bauen die letzte Aufgabe auf. Zwischen vier Bäumen werden Seile im Viereck gespannt. Außerdem gibt es einen Handlauf.

Ziel der Aufgabe ist es alle Kinder müssen einmal gemeinsam auf dem Seil stehen und jedes Kind muss die Glocke läuten die an einem Baum befestigt ist. Da aber die Gnome uns zum Teil schon verwundet haben werden beim zweiten Durchlauf drei Kindern die Augen verbunden, drei Kinder können nicht mehr reden und drei Kinder haben nur noch einen Arm.

Wir dann die Glocke noch einmal von jedem Kind geläutet, ist Johann befreit und kann zurück zu seiner Familie.

Das Besondere: Johann (ein verkleideter Besuch) winkt dann vom Hügel und bedankt sich so stumm bei den Kindern.

 

Bevor wir wieder zum Bahnhof gebracht werden machen wir noch eine 5 Fingerreflexion über die gemeinsamen Tage auf der Hütte „Wilder Jäger“.

 

Gegen 13.30 Uhr werden wir wieder nach Yz zum Bahnhof geshuttelt.

Die ersten Kinder verabschieden sich bereits in Yz. Ein weiterer Teil steigt in Xy aus und der Rest wird um 15.20 am Bahnhof Wx abgeholt.

 

 

Abschluss des Projektes:

Johann schreibt eine Karte für die Hortkinder und bedankt sich für die Befreiung von den Gnomen. Am gleichen Tag schauen wir alle gemeinsam mit einem Beamer die Fotos von unserer „Befreiungsaktion“ „Wilder Jäger“ an. Zum Schluss bekommt jedes Kind eine Foto-CD mit nach Hause um eine Erinnerung an die Freizeit zu haben.

 

 

4.3  Tatsächlicher Projektverlauf

Dienstag, 14.06.2011

Die ersten Kinder kamen wie geplant um 8.00 Uhr in den Hort. Das Umladen des Gepäckes funktionierte sehr gut. Um 8.35 Uhr fehlte nur noch ein um 8.20 Uhr angemeldetes Kind. Nachdem ich dann die Eltern erreicht hatte, sagten diese mir, dass Kind fahre nicht mit, da es krank sei. Dieses Kind war Lars, einer von meinen fünf  Kindern. Für ihn wäre es besonders wichtig und lehrreich gewesen mitzufahren.

 

Die Hinfahrt mit dem Zug und auch das Ankommen auf der Hütte funktionierte wie geplant. Die Geschichte über Johann und die Berggnome wurde zuerst etwas kritisch durchleuchtet von den Kindern. Aber als wir auf der Hütte waren, identifizierten die Kinder sich bereits mit den Aufgaben und wollten sofort starten. Die Zimmerverteilung gestaltete sich problemlos. Jedes Kind fand sehr schnell sein Bett und konnten sich auch schnell untereinander einigen.

Beim Mittagessen lösten die Kinder auch bereits ihre erste Aufgabe. Der gemeinsame Spruch lautet: „Die Gnome haben keine Macht, wir kämpfen bis es kracht“. Dieser Leitspruch wurde auch während des gesamten Projektes immer wieder von den Kindern und Erziehern gerufen und gelebt.

 

2. Aufgabe:

Die zweite Aufgabe wurde von den Kindern schnell und kreativ gelöst. Sie haben es am Schluss geschafft 22 Freundschaftsbälle in 10 Sekunden in den Eimer zu werfen.

 

3. Aufgabe:

Auch die dritte Aufgabe funktionierte sehr gut. Die Kinder haben eine sehr schöne Freundschaftsfahne gestaltet. Auch die Freundschaftsbänder wurden sehr gut angenommen und jedes Kind hatte nach kurzer Zeit ein Armband. Ebenso war es allen wichtig, dass auch Matthias und ich ein Band bekamen. Da wir zum Zeitpunkt der Gestaltung die vierte Aufgaben aufbauten.

 

4. Aufgabe:

Die Seilaufbaut hat sehr gut funktioniert. Als die Kinder dann in den Wald kamen konnten sie sich sehr gut auf die Aufgabe einlassen. Die Brücke des Vertrauens haben auch alle Kinder ausprobiert. Teilweise sind sie sogar mehrmals darüber gegangen. Die restlichen Kinder haben gespottet. Nur lies da die Motivation sehr bald nach.

Bei dem Seilkreuz waren die Kinder mit Begeisterung dabei. Hier konnte man merken, so etwas haben sie noch nie gemacht und sind auch schnell an ihre Grenzen gekommen. Sie mussten sich auf das Klettersteigset verlassen und darauf vertrauen, dass es sie hält. Das war zum Anfang für die Kinder etwas ungewohnt, funktionierte aber dann sehr gut. Einigen Kindern dauerte das Anstellen zu lange. Die sind dann lieber zum Koche zur Hütte zurückgegangen.

 

Während die einen gekocht haben waren die andern draußen und haben Tipi gebaut, gespielt oder sich anderweitig beschäftigt. Ebenso haben die Kinder nun Zeit gefunden ins Tagebuch zu schreiben.

Jedoch begannen bereits die ersten Streitereien. Diese entstanden wie bereits erwartet, da die beiden Hortgruppen aufeinander trafen. Die ersten Klärungen und Kompromisse wurden bereits vor dem Abendessen gefunden und so beruhigte sich die Situation relativ schnell wieder.

 

5. Aufgabe:

Für das Nachtspiel war es den Kindern sehr wichtig ihre Freundschaftsbänder zu haben. Sie wurden nochmals kontrolliert ob sie fest gebunden waren und noch bis zum Ende des Spieles halten würden. Selbst unser Franz bekam etwas Angst und wollte nicht unbedingt in den Wald. Aber nachdem Matthias mit zum Verstecken gegangen ist, wurde die Angst etwas geringer und die vier Gruppen machten sich auf den Weg. Es war aber sehr wichtig für alle Kinder, dass sie ihre Taschenlampen mitnehmen konnten. Die suchenden Kinder gingen zuerst voller Mut los, sobald aber die Hütte und das Licht nicht mehr zu sehen waren (nach ca. 50 Metern) begannen die ersten Kinder Angst zu bekommen. So wurden die Taschenlampen immer öfter angemacht und durch zurufen getestet ob noch alle Kinder und Erzieher in der Nähe waren.

Trotzdem war das Spiel ein voller Erfolg, da hier alle Kinder an ihre ganz individuellen Grenzen gekommen sind.

 

Abschluss des Tages:

Die 5 Fingerreflexion kam bei den Kindern sehr gut an. Bis auf den Zeigefinger. Die Kinder wollten niemanden etwas sagen.

Da schon einige Kinder schon sehr müde waren ließen wir die Gute-Nacht-Geschichte weg und die Kinder sind gleich nach dem Zähneputzen ins Bett gegangen.

 

 Mittwoch, 15.06.2011

Aufstehen, Frühstücken und Brotzeitschmieren ging alles nach Plan.

 

6. Aufgabe:

Die Wanderung auf den Brunnenkopf wurde von den Gnomen sabotiert. Denn bereits nach einer halben Stunde Fußmarsch war der Weg zum Brunnenkopf abgesperrt. Zwischen zwei Bäumen hing ein Absperrband mit der Aufschrift „Holzfällarbeiten, Lebensgefahr, Durchgang verboten“. Dies war aber der einzigste Weg hinauf zum Brunnenkopf. So mussten wir einen anderen Weg einschlagen mit ungewissen Ziel. Dieser neue Weg führte durch Wälder und viel Natur. Nach ca. weiteren 1,5 Stunden kamen wir an einer schönen Wiese an. Hier machten wir dann unsere Pause und erledigten unsere siebte Aufgabe ohne Probleme.

An diesem Punkt trennten sich dann die beiden Gruppen. 17 Kinder wollten weiter auf den Berg und hofften noch sie kommen am Brunnenkopf an. Fünf Kinder wollten umkehren. So blieb nur Theresa bei den fünf Kindern und Matthias ging mit der größeren Gruppe mit.

Nach einer weiteren Stunde Marsch fanden wir einen Felsen mit Schattierungen wie von einem Gesicht. Wir beschlossen dies ist der Johann und er ist sehr stolz auf unsere Ausdauer und freut sich, dass wir auch diese Prüfung erfolgreich bestanden haben. Denn die Kinder wollten, nach einer Abstimmung, nicht mehr weiter gehen. Es war auch nicht klar ob wir jemals auf dem Brunnenkopf ankommen würden.

So gingen wir wieder zurück zur Hütte wo wir den Rest der Gruppe antrafen. Die Kinder durften noch ihre Badesachen holen und dann gingen wir zur Halbammer um uns dort zu erfrischen.

 

Am Abend nach dem Essen waren die Kinder wieder so fit, dass sie noch eine kleine Nachtwanderung unternehmen wollten. So gingen wir zu dem Baum, weshalb Johann gefangen genommen wurde. Diese Fichte ist so dick, dass wir sechs Kinder benötigten um sie herumzulangen.

Danach gab es noch einen Selbsterfahrungsweg. Mittlerweile war es bereits dunkel geworden. Theresa ging ca. 200 Meter die Forststraße voraus und leuchtete mit der Taschenlampe in ihr Gesicht. Matthias und Ines stellten sich links und rechts am Weg zur Beruhigung der Kinder auf. Ich blieb bei den Kindern und jedes Kind musste alleine und möglichst leise zu Theresa gehen. Keines der Kinder hatte eine Taschenlampe dabei. Jeder sollte auf die Geräusche des Waldes achten.

 

Die Wettermassage haben wir an diesem Tag und auch den Rest der Freizeit völlig vergessen und ist somit aus dem Programm gefallen.


An diesem Abend gab es zum Abschluss wieder die 5 Fingerreflexion. Dieses mal waren einige Kinder schon so müde, dass die teilweise am Tisch eingeschlafen sind. Der Rest der Kinder dürfte noch bis 12 Uhr aufbleiben und mussten dann auch ins Bett.

 

 Donnerstag, 16.06.2011

Frühstück und Abmarsch zum Abseilen klappte wieder nach Plan. Ebenso spielten die Kinder mit Begeisterung Gnomenradar.

 

8. Aufgabe:

Abseilen. Während die Kinder Gnomenradar spielten bauten Matthias und ich die Abseilstation auf. Als die Kinder fertig waren kamen sie. Zuerst gab es Materialkunde für die Kinder um sie für die Materialien sensibler zu machen. Als dann die erste Gruppe mit Klettergurt und Helm ausgestattet war und wir auf einem ebenen Waldstück das Abseilen geübt hatten, begann es zu regnen. Schon wieder hatten die Gnome etwas dagegen, dass wir unsere Aufgabe schaffen. Nach ca. 30 Minuten Dauerregen hörte es wieder auf. Schon wieder mussten wir die Gruppe teilen, da der größte Teil der Gruppe keine Lust mehr hatte sich abzuseilen, da alles nass und matschig war. So blieben noch sechs Kinder übrig. Aber diese Kinder waren mit Begeisterung und Freude dabei.

 

Die anderen Kinder beschäftigten sich währenddessen mit Spiele in und um die Hütte.

Als wir wieder zurückkamen gab es Mittagessen, aber nicht den geplanten Griesbrei sondern Reste der letzten Tage.

Da durch den Regen die Abseilmaterialien extrem schlammig und dreckig wurden mussten diese ca. eine Stunde lang gesäubert werden. Dies erledigte der eine Teil der Erzieher, während die anderen sich um die Küche kümmerten.

Am späteren Nachmittag gingen wir wieder zur Halbammer zum Baden. Hier wurden Steinmännchen und ein riesiger Staudamm gebaut.

Die 9. Aufgabe musste leider abgesagt werden, da der gesamte Boden extrem nass war und ein weiterer Dauerregen für die Nacht angesagt wurde. So ließen wir den magischen Kreis und die Schutzgeister weg und bauten lieber den Staudamm etwas intensiver.

 

9. Aufgabe:

Da wir ja zehn Aufgaben zu erledigen hatten und nicht draußen schlafen konnten, wurde die Aufgabe kurzfristig verändert. Zuerst wurde ein Seil kreuz und quer durch den Wald auf ca. Brusthöhe der Kinder gespannt. Dieses sollte als Handlauf dienen um im Dunklen durch den Wald zu gehen. Dies war wieder eine Mutprobe ähnlich wie die Aufgabe draußen schlafen. Jedoch kam sobald es dunkel wurde ein Gewitter und extremer Regen. So musste dieser Teil auf ca. 23 Uhr verschoben werden und nur noch 5 Kinder wollten mitgehen. Aber die eigentliche neunte Aufgabe war das Lösen eines Rätsels. Eine Chipstüte wurde offen bzw. geschlossen weitergegeben. Die Kinder mussten lösen was der Trick bei der Weitergabe ist. Es kommt nämlich nicht auf die Öffnung der Chipstüte an, sondern auf den Mund des jeweiligen Kindes bei der Weitergabe.

Dieses Rätsel haben die einen Kinder schneller gelöst, die anderen Kinder später, aber die Aufgabe wurde erfolgreich gelöst.

 

Abschluss des Tages:

Wieder die 5 Fingerreflexion. Auch heute am letzten Abend waren die Kinder teilweise sehr müde und einigen fielen wieder die Augen zu.

 

Freitag, 17.06.2011

Dadurch, dass wir nicht draußen geschlafen haben, konnten die Kinder etwas länger schlafen. Um 9 Uhr gab es Frühstück. Danach haben die Kinder gepackt und das Haus wurde gesäubert.

 

10. Aufgabe und Abschlussaufgabe:

Gegen 11.30 fanden sich alle Kinder wieder im Wald zur Abschlussaufgabe ein. Die Kinder bekamen als Aufgabe, alle Kinder müssen auf dem Seil sein und jedes Kind muss die Glocke zum Läuten bringen. Sofort stürzten sich alle Kinder auf die Seile und versuchten die Aufgabe jeder für sich zu lösen. Dies gelang ihnen natürlich nicht. Nach langer Überlegungsphasen und vielen Versuchen wurde das Seil so rutschig und matschig, dass die Verletzungsgefahr zu hoch geworden ist. Der Regen hatte den Boden so schmierig gemacht und durch die Schuhe wurde das Seil rutschig. Deshalb ging die Sicherheit der Kinder vor. So wurde die Aufgabe kurzfristig geändert. Alle Kinder sollten nur noch auf das Seil und dann wurde die Glocke weitergereicht um Johann doch noch zu befreien.

Als die Glocke lange von den Kindern geläutet wurde und auch die letzte Aufgabe erfolgreich geschafft war Johann befreit und winkte vom Hügel runter und bedankte sich stumm bei den Kindern.

 

Zum Abschluss, bevor wir wieder zum Bahnhof geshuttelt wurden kam noch einmal die 5 Fingerreflexion über die gesamte Freizeit. So wurde allen Kindern klar, jetzt ist es vorbei und es geht wieder nach Hause. Durch die Reflexion wurde einem bewusst, dass es den Kindern sehr gut gefallen hatte.

Zum Schluss kam dann noch unser nun verändertere Spruch:

„Die Gnome hatten keine Macht, wir kämpften bis es kracht“.

 

Dann fuhren wir wieder zurück und stiegen in den Zug in Yz 15.11 Uhr ein und der eine Teil stieg in Xy aus. Da der Zug nur sehr kurz hielt. War die Übergabe an einen Erziehungsberechtigten nur per Augenkontakt bzw. einen kurzen Gruß möglich. Wäre niemand zum Abholen da gewesen, hätte Matthias aussteigen müssen und die Kinder weiter beaufsichtigen. Dies war aber Gott sei Dank nicht nötig.

Am Bahnhof Wx wurden dann die Kinder wieder an die Eltern übergeben. Ein Kind wurde jedoch nicht abgeholt. Dieses musste dann noch mit in den Hort gehen und erst nach ca. 1,5 Stunden konnte jemand erreicht werden und sie durfte nach Hause gehen.

 

 

4.4  Abschluss mit dem Personal

Eine Woche nach der Freizeit wurde ein Reflexionsgespräch mit der Erzieherin und dem Kinderpfleger geführt. Dies stellte sich als sehr schwierig dar. Die positiven Aspekte der Freizeit konnten gut besprochen werden. Jedoch die negativen Aspekte wurden nicht sinnvoll reflektiert. Es konnte zwar alles angesprochen werden, jedoch kam der reflektierende Prozess nicht in Gange. Ich habe versucht immer wieder ein Gespräch und eine Reflexion zu führen, jedoch haben die beiden anderen nicht mitgearbeitet. Meiner Meinung nach war ich für die beiden für alles verantwortlich und die Freizeit war für sie mit dem Aufräumen der Materialien abgeschlossen.

So könnte ich nur mir selbst Gedanken über die Freizeit machen.

Bei der Abschlussveranstaltung bekam ich dann wieder teilweise Unterstützung der beiden.

 

 

4.5  Abschluss mit den Kindern

Mit den Kindern wurde eine Abschlussveranstaltung geplant und durchgeführt. Johann hat einen Brief (siehe Anhang) geschrieben und eine Schnitzeljagd mit Fragen zur Freizeit mit uns gemacht. Immer wieder hing am Baum ein Zettel mit einer Frage bezüglich der Freizeit z. B. „Wer hat mich gefangen genommen und wie konnte ich befreit werden?“ Bei der richtigen Lösung wurde ihnen der richtige weitere Weg bekannt gegeben. Am Schluss der Tour war ein Dankeschön von Johann in Form eines Schatzes versteckt, den die Kinder finden mussten. Danach haben wir die Fotos der Freizeit über einen Beamer angeschaut und jedes Kind bekam eine Foto-CD von „Wilden Jäger“. Natürlich gab es für die Kinder auch Kuchen und die Süßigkeiten von Johanns Schatz zu essen.

 

 

5.     Nachbreitung

5.1  Veränderungen bei den beteiligten Kindern/Jugendlichen

Sehr interessant war die Veränderung des Gruppengefüges. Von jedem Kind konnte man hören, dass die Freizeit toll gewesen war, aber zu kurz. Alle Streitereinen waren vergessen und jeder hat auf jeden geachtet. Auch die Rivalitäten waren auf einmal kein Thema mehr. Jeder wollte und konnte mit jedem Kind spielen. Auch die Kinder aus der anderen Gruppe wurden auf einmal toleriert und akzeptiert. Auch in der ersten Ferienwoche nach der Freizeit konnte ein „Wir-Gefühl“ bemerkt werden. Die Kinder gingen besser auf die Stärken und Defizite der anderen Kinder ein. Auch in den Wochen nach der Maßnahme konnte eine Öffnung der Gruppen bemerkt werden. Immer häufiger kam die Anfrage, dürfen wir in die andere Hortgruppe bzw. dürfen die anderen Kinder zu uns zum Spielen. Mit der erlebnispädagogischen Maßnahme konnten einige Verbesserungen der Gesamtgruppe erzielt werden.

Für die einzelnen Kinder ist aber auch ein großer Lernprozess in Gang gekommen.

 

Lisa: In den ersten Tagen war es für Lisa noch sehr schwer mit anderen Kindern zu spielen. Jedoch verbesserte dies sich von Tag zu Tag. Es gelang ihr zum Ende des Projektes immer besser sich auf die anderen Kinder einzulassen und mit ihnen zu spielen. Auch wurde ihr Stand in der Gruppe immer besser. Auch in den Wochen nach der Freizeit konnte eine richtige Freundschaft zu einem anderen Mädchen beobachtet werden. Es gelingt Lisa jetzt immer häufiger mit anderen Kindern eine kindlichen Spielweise zu finden. Auch die Bevormundung den anderen Kindern gegenüber hat sich massiv verbessert.

Auch das Austesten der Grenzen hat in der Freizeit sehr gut funktioniert. Beim Abseilen z. B. war sie am Anfang mit Begeisterung dabei. Sie wurde angeseilt, geschult und vorbereitet. Als sie dann aber ca. 2 Meter in der Wand hing, wurde ihr auf einmal sehr mulmig zu mute. Sie begann zu weinen und hatte Angst. Daraufhin wurde sie von mir wieder nach oben geholt und am Baum gesichert. Erst dann konnte sie sich wieder entspannen. Sie ist dann später den Waldweg hinunter gegangen. Für sie war dies eine sehr wichtige Erfahrung. Sie konnte ihre Angst zulassen, sie artikulieren und hat erfahren, dass ihr sofort geholfen wurde. So hat sie auch zu den Erziehern mehr Vertrauen aufgebaut.

Leider konnten bezüglich des Einnässen und Einkoten keine Erfolge erzielt werden. Dieses Problem trägt sie weiter mit sich. Jedoch gelingt es ihr nun besser zu artikulieren wenn es ihr passiert ist. Sie hat die Erfahrung gemacht, sie bekommt nicht geschimpft wenn sie einnässt. Viel schlimmer finden es die Kinder und Erzieher, wenn sie es nicht sagt und zu riechen beginnt. Seit dieser Erfahrung gelingt es ihr nun gelegentlich sich selbständig umzuziehen und das Malheur zu beheben.

 

Max: Bei Max war es sehr faszinierend die Geschwisterproblematik zu beobachten. Er hat sich immer distanziert von seiner Schwester. Wenn sich Lisa zu ihm setzen wollte, ist er gegangen. Sie wollte bei ihm im Zimmer schlafen und er hat sie rausgeworfen. Max hat es sichtlich genossen, dass er sich nicht um seine kleine Schwerster kümmern musste. Auch konnte man fast meinen er hätte keine Schwester dabei. Er hat keinerlei Verantwortung für sie übernommen. Dies war ein wichtiger Lernfortschritt für ihn, da er sonst immer meint er müsse im Hort für sie verantwortlich sein. Dies hat er mittlerweile auch auf den Hortalltag übertragen.

Ebenso war für ihn sehr wichtig die Selbsterfahrungen zu machen. Wie weit kann ich mich auf mich selbst verlassen. Wo muss ich andern vertrauen und dies auch zulassen. Bei dem Gnome-Radar-Spiel wurde dies besonders auffällig. Für ihn war es sehr schwierig es auszuhalten, blind zu sein. Dann auf seine eigenen Wahrnehmung zu achten, zu spüren wo befindet sich jemand und dann vor allem zu hören, was die anderen für Signale geben und wo er dann hingehen muss. Er benötigte sehr viel Zeit für dieses Spiel, war aber danach unheimlich stolz als er es geschafft hatte. So ging es ihm bei sehr vielen Aufgaben. Es dauerte jeweils sehr lange, bis er die einzelnen Anforderungen und Spielregeln verstanden hatte, aber nach der Umsetzung war er jeweils sehr stolz auf sich.

Der neu erlangte Mut und der Drang Neues auszuprobieren konnte auch danach noch bemerkt werden. Vor der Maßnahme hätte er sich nie getraut auf dem Trampolin einen Salto zu machen. Nun traut er sich dies zu. Kann auch mit Misserfolgen umgehen, da er sich dabei die Wirbelsäule gestaucht hat.

 

Lars: Am Tag der Abfahrt erschien Lars nicht zum angegebenen Zeitpunkt im Hort. Daraufhin rief ich bei ihm zu Hause an und wollte wissen ob er sich verspäte. Daraufhin gab mir die Mutter die Information, dass er nicht an der Freizeit teilnehmen könne, da er sich vor ca. zwei Tagen den Magen verdorben hatte. Ich bot der Mutter an, falls es besser werde soll sie sich mit unserer Verwaltung in Verbindung setzen, da er dann vielleicht nachkommen könnte. Dieses Angebot wurde aber nicht angenommen. Als ich nach der Freizeit mit Lars darüber reden wollte, blockte er sofort ab und erklärte mir es ging ihm die ganze Woche sehr schlecht.

Nun meine Vermutungen zu dieser kurzfristigen Absage:

Für Lars ist es sehr schwer sich an Grenzen zu halten. Da die Eltern sehr locker mit Grenzen umgehen, befürchtete er mit den Erziehern in einem ständigen Konflikt zu stehen. Ebenso kann er über vier Tage sein Image nicht aufrechterhalten. Er will immer der coole Junge sein, der alles kann und sich alles traut. Jedoch hat er vor vielen neuen Dingen und Aktionen Angst. Um sein Gesicht vor der Gruppe nicht zu verlieren, nahm er lieber nicht an der Freizeit teil und konnte sich sogar noch bemitleiden lassen, da er ja krank war.

Leider hat er sich so einen großen Entwicklungsschritt selbst verbaut. Da ich nicht daran glaube, dass er wirklich so krank war. Auch die Mutter hat sofort abgeblockt als ich dieses Thema anschneiden wollte.

 

Xaver: Dieser Junge hat mich während der Freizeit am meisten fasziniert. Nach ca. zwei Tagen habe ich mir überlegt ob er überhaupt mit dabei ist. Er musste nie ermahnt werden, dass er seine Geräusche und Laute lassen solle, dass er dies oder jenes nicht tun solle. Er war einfach nur mit Begeisterung bei allen Aktivitäten dabei. Er konnte ruhig warten, aber auch mit den anderen Kindern durch den Wald toben. Xaver hat sich einfach nur perfekt Verhalten. Bei der positiven Rückmeldung von meiner Seite ihm gegenüber konnte man direkt sehen, wie er vor stolz gewachsen ist. Ich hatte das Gefühl er ist innerlich zur Ruhe gekommen. Dieses positive Gefühl hat er auch die nächsten Wochen noch in sich getragen und wirkte so viel ausgeglichener.

Auch die Selbsterfahrung mit seinem eigenem Körper konnte er machen. Er hat sich immer zu warm angezogen. Ganz oft stand ihm vor lauter Hitze der Schweiß auf der Stirn. Zum Ende der Freizeit wurde dies aber langsam besser und es gelang ihm immer häufiger sich passend anzuziehen. Auch konnte er bei den einzelnen Aktionen seine eigenen körperlichen Grenzen erfahren. Er hat bemerkt, dass nicht nur er sich einzelne Dinge nicht traut, sondern das es vielen Kindern ebenso geht. Aber immer wieder ist er über sich hinausgewachsen und hat Dinge ausprobiert, die er sich sonst nie getraut hätte.

 

Franz: Franz hat seine Pubertät voll ausgelebt in diesen vier Tagen. Alle Grenzen waren ihm zu eng und er wollte ständig ausbrechen. Er hat alle Mädchen „angemacht“ und ständig versucht zwei Mädchen zu beeindrucken. Für ihn war es unheimlich anstrengend die Freizeit, da er vier Tage ständig cool, motzig und mutig sein musste. Erst am dritten Tag kam er langsam zur Ruhe und hatte nicht ständig Konflikte mit den Erziehern. Auch gelang es ihm nur sehr schlecht sich auf die Aufgaben einzulassen. Jede Aufgabe war ihm zu kindisch und zu blöd. Auch hier stand er sich selbst im Weg, denn wollte eines der beiden Mädchen wieder zurück oder nicht teilnehmen, wollte er auch nicht mehr. Ebenso bemerkte er, seine Ortskenntnisse reichen doch noch nicht aus. Er kennt zwar das Standard Wege aber nichts darüber hinaus. Auch er lernte seine eigene Umgebung mit anderen Augen kennen und kennt sich nun besser in dem Gebiet aus. Seine Meinung, in einem angemessenen Ton, zu äußern viel ihm extrem schwer. Doch gegen Ende der Freizeit gelang es ihm immer besser. Auch fühlte er sich immer benachteiligt und ungerecht behandelt. Dies konnte aber noch während der Freizeit geklärt werden. Bei Franz konnten die Erfolge nicht gleich bemerkt werden, sondern nur minimal im Nachhinein. Die Pubertät stand ihm leider massiv im Weg und so konnte er weder seine Fähigkeiten noch Lernprozesse vollständig ausschöpfen.

 

5.2  Reaktionen in der Einrichtung

Von allen Seiten gab es nur positive Rückmeldung. Die Kinder haben allen begeistert erzählt was sie erlebt haben. Die Kinder, die nicht teilgenommen haben, waren sehr neidisch.

Die Einrichtungsleitung freute sich sehr über den positiven Verlauf der Maßnahme. Ebenso möchte sie die Durchführung weiterer Projekte mit den anderen Gruppen. Auch die Fortschritte der Kinder wurden positiv bemerkt.

Die eine Mitarbeiterin, die nicht mit auf Freizeit war, konnte ebenfalls nur positive Rückmeldung geben vor allem über die Begeisterung der Kinder und deren Fortschritte.

Zusammenfassend hierzu ist zu sagen, es hat sich rentiert und ein weiteres Projekt wird von allen Seiten gewünscht.

 

 

6.     Reflexion

6.1  Besondere Erlebnisse

Am Tag der Abfahrt hörte ich den Wetterbericht für die nächsten vier Tage. Da wurde mir klar, was mach ich wenn es die ganze Zeit nur regnet wie vorhergesagt. Natürlich habe ich eine Schlecht-Wetter-Plan in der Tasche, aber nicht für vier Tage und das ganze nur in der Hütte. Da ich unsere Eltern und Kinder kenne weiß ich, die Regenjacken sind zwar da, aber werden nicht länger als 30 Minuten dicht sein. Ebenso haben alle Eltern am Bahnhof gefragt, was wir machen wenn es vier Tage lang regnet. Mit positiver Einstellung habe ich den Eltern erklärt es werde trocken bleiben, nur während der Zugfahrt regnet es etwas.

Bis auf ein paar kleinere Schauer hat diese Prophezeiung auch gestimmt. So musste nur teilweise der Plan wegen dem Wetter umgeworfen werden.

Am zweiten Tag kam dann das erste größere Problem. Unser Weg (der einzigste) auf den Brunnenkopf war durch Holzfällarbeiten gesperrt. So mussten wir einen anderen Weg gehen, den niemand, inklusive mir kannte. So kamen wir auch nicht an unserem eigentlich geplanten Rastplatz und der Hütte von My an. Den Kindern machte dies aber nichts aus und wir suchten uns einen neuen Rastplatz. Etwas komisch wurde dann den Kindern, als der Weg im nichts endete und wir nur noch über Wiesen weiter nach oben zum Gipfel weiter gehen konnten. Ebenso war nur noch Matsch und Batz auf dem gesamten Weg zu finden. Die Kinder sind teilweise bis zum Knöchel eingesunken. Nach den ersten Ausrufen „Oh was wird die Mama sagen wenn ich komplett dreckig heimkomme“ und „Meine schönen Schuhe sind ganz schmutzig“ wurde es aber langsam besser. Ich habe die Kinder beruhigt und ihnen erklärt die Eltern wissen, dass alle Kinder dreckig heimkommen und man alles waschen könne. Danach gingen alle Kinder freudig weiter, merkten sich den neuen Weg und markieren Abzweigungen um den Heimweg wieder zu finden. Als wir dann in der Nähe des Gipfelgrates rauskamen fanden wir eine Felsformation, die aussah wie das Gesicht eines Menschen. So wussten wir Johann beobachtet uns und unsere Aufgabe ist erledigt. Die Kinder wollten nicht mehr weitergehen. Das Ziel war für sie erreicht. 

Am nächsten Tag kam uns dann ein Regenschauer zwischen unsere einzelnen Aktionen. Unser Abseilgebiet war nur noch ein einziger Schlammabhang. Jedoch war die Abseilaktion noch durchführbar. Nur wollten viele Kinder nicht mehr daran teilnehmen, da sie jetzt alle nass waren. Wir haben zwar einen kleinen Unterstand versucht zu bauen, aber es waren trotzdem fast alle Kinder nass. So wurde nur ein Teil der Kinder abgeseilt und die anderen Kinder gingen zurück zur Hütte und beschäftigten sich dort.

Ebenso konnten wir nicht draußen schlafen, da jetzt der komplette Boden nass war  und der Wetterbericht für die Nacht erhebliche Regengüsse angesagt hatte. Nicht einmal ein kleinerer Teil konnte unter dem Vordach draußen schlafen da es massiv geregnet hat. So benötigten wir auch keine Gnomabwehrmechnismussee für die Nacht. Deswegen gingen wir baden und einen riesigen Staudamm bauen.

Die Abschlussaufgabe stellte sich auch schwieriger als geplant dar. Da es die ganze Nacht geregnet hatte, war der Boden sehr batzig. Diesen Batz brachten die Kinder mit den Schuhen aufs Seil und dieses wurde dann extrem rutschig. So konnten wir nur noch eine vereinfachte Variante des Abschlussspieles machen. Jedes Kind musste auf dem Seil stehen und die Glocke wurde am Handlauf weitergereicht und jedes Kind konnte so die Glocke läuten.

 

 

6.2  Erkenntnisse und Erfahrungen

Mir wurde klar, dass immer etwas dazwischen kommen kann. Jederzeit muss der Projektleiter einen Plan B in der Tasche haben. Viele auch noch so gut geplante Aktionen können nicht stattfinden, da einem äußere Gegebenheiten dazu führen alles zu verändern.

Ebenso ist mir bewusst geworden, das wichtigste für die Klienten ist es ruhig zu bleiben. Selbst wenn der gesamte Tag verändert werden muss und keiner mehr den Weg kennt, dann ist es sehr wichtig selber ruhig zu bleiben und dies nach außen zu strahlen. Sobald man selber unruhig wird, merken es die Kinder und es überträgt sich auf die Kinder und sofort bekommen sie Angst. Dies ist mir zum Glück immer gelungen. So konnte ich die Gruppe stets führen und Sicherheit verbreiten. Dabei  ist es unheimlich wichtig, dass der Projektleiter weiß was er kann und weiß was er mit gutem Gewissen anbieten kann. So war es für mich eine wichtige Erfahrung lieber die Übernachtung frühzeitig abzusagen und dann eine Alternative hierzu anzubieten.

Des weiteren war es für mich eine wichtige Erfahrung, dass Spiele auch kurzfristig wegen zu großer Verletzungsgefahr verändert oder sogar abgebrochen werden müssen. Hier war es für mich wichtig gut zu beobachten und aktiv bei den Spielen mitzumachen. Hätte ich mich beim Abschlussspiel nicht auf das Seil gestellt, dann wäre mir die Gefahr nicht so schnell bewusst geworden.

Ebenso habe ich gemerkt, dass schnell zu viel Programm für die Kinder da ist. Sie brauchen auch Zeit für sich um zu spielen. So können auch einzelne Programmpunkte wegfallen (z. B. Wettermassage) um den Kindern wieder etwas Freiraum zu geben oder weil sie doch nicht den Ablauf passen. Jedoch sollte man auch immer noch weitere Spiele in der Hinterhand haben, falls den Kindern langweilig wird und sie nicht mehr wissen was sie mit sich und er Zeit anzufangen sollen. Da kann es sehr sinnvoll sein ein Spiel anzubieten bevor Langeweile und Streitereien entstehen. Wobei auch dies in einer Gruppe zugelassen werden darf.

 

 

7.     Öffentlichkeitsarbeit

Es wurde ein Artikel verfasst und inklusive Fotos an die Zeitung geschickt. Diese wollte den Artikel auch in der Tageszeitung bringen. Dies geschah jedoch nie. Auf Nachfrage reagieren sie mit Ablehnung. Jetzt sei es zu spät und außerdem sei momentan kein Platz dafür, falls sie wieder einen Engpass hätten, würden sie ihn vielleicht bringen.

Dieses Problem ist schon häufiger mit der Zeitung aufgetreten. Deswegen kann ich leider keinen Artikel oder weitere Öffentlichkeitsarbeit vorweisen. Sponsoren benötigte ich nicht für die Freizeit, da die Kosten für jedes Kind nur 25,70 Euro betrugen.

 

 

8.     Literaturverzeichnis und Quellenverzeichnis

-         Lehrgangs- und Kursunterlagen „Einführungskurs“ 

-         On-Line, Spiele und Abenteuer mit dem Seil 2. Auflage von Wilfried Dewald und Christian Häußler

-         Kooperative Abenteuerspiele 1 von Rüdiger Gilsdorf und Günter Kistner