„Feel nature"
Agnes Behringer
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP des KAP- Institutes
01. bis 03. 09. 2015
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung / Beschreibung der Einrichtung
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund/Idee
2.2 allgemeine Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmung
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
3.2 Beschreibungen der Teilnehmer/innen
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
4.2 Geplanter Projektverlauf
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
4.4 Abschluss
5. Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Jugendlichen
5.2 Reaktionen der Einrichtung
5.3 Reaktionen in der Einrichtung
6. Reflexion
7. Öffentlichkeitsarbeit
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
1. Vorstellung der Einrichtung
Seit Juli zweitausendzehn arbeite ich als Erzieherin und Krankenschwester auf der Station D, der Abteilung Kinder-und Jugendpsychiatrie im Zentrum für Psychiatrie ABC.
Die Abteilung bietet für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis achtzehn Jahren und deren Familien, therapeutische Behandlung und Diagnostik, sowie Kriseninterventionen an. Viele Kinder und Jugendliche kommen zu uns wegen Aufmerksamkeitsdefizitsyndromen, Störungen des Sozialverhaltens, emotionale Störungen, depressive Erkrankungen, selbstverletzendem Verhalten oder jugendliche Psychosen. Außerdem lassen sich auch Jugendliche mit Schulängsten und Essstörungen behandeln.
Die Abteilung besteht aus einer Kinderstation und zwei Jugendstationen.
Es gibt außerdem die Stationen Clean kick und Clean Kids, dort werden Suchtkranke und Suchtgefährdete Jugendliche behandelt. Ergänzend wurde zweitausendneun eine Tagesklinik für Kinder und Jugendliche eröffnet. Eingebettet ist die Abteilung Kinder-und Jugendpsychiatrie in die Zentren für Psychiatrie ABC. Die Zentren für Psychiatrie ABC beschäftigen derzeit fast viertausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind in allen Gebieten der psychiatrischen und psychosomatischen Behandlung und Betreuung tätig. Die klinischen Versorgungsschwerpunkte sind neben der Allgemeinpsychiatrie, die Kinder-und Jugendpsychiatrie, die Alterspsychiatrie, die psychosomatische Medizin, die Neurologie und die Epileptologie, sowie die Behandlung von Suchterkrankungen und die forensische Psychiatrie.
Die Station D, mein Arbeitsplatz, behandelt dreizehn bis achtzehn jährige Jugendliche. Sie wird wie die anderen Kinder-und Jugendstationen prinzipiell offen geführt und bei Bedarf auch als geschützte Station. Wir arbeiten in einem multiprofessionellem Team aus: Psychologinnen, Ärztinnen, Gesundheits-und Krankenpfleger/innen, Jugend-und Heimerzieher/innen, Erzieherinnen, einer Ergotherapeutin, einer Mototherapeutin, einem Musiktherapeut, und einer Reittherapeutin.
Unsere Station ist an die Klinikschule angeschlossen, damit die Jugendlichen während ihrer Behandlung weiter schulisch unterrichtet werden können. Es gibt zehn Behandlungsplätze und drei zusätzliche Plätze, um jederzeit akut selbst-und fremdgefährdende Jugendliche aufnehmen zu können. Die durchschnittliche Behandlungsdauer liegt bei achtundzwanzig Tagen. Die Dauer einer Behandlung kann von einem Tag, bei einer Krisenintervention, bis zu mehreren Monaten gehen. Die meisten Jugendlichen werden über die Institutsambulanz zur stationären Therapie zu uns überwiesen. Andere werden über niedergelassene Ärzte und Kinder-und Jugendpsychotherapeuten überwiesen.
Wir arbeiten im Bezugspersonensystem, d.h. jeder Mitarbeiter, der mehr als sechzig Prozent arbeitet ist unter anderem für die Pflege-und Behandlungsplanung eines Jugendlichen zuständig. Die Jugendlichen haben individuelle Therapiepläne mit Einzel-und Gruppentherapien. Einen Part der Therapien nimmt die Erlebnispädagogik/Erlebnistherapie ein. Wir bieten kürzere Angebote wie: Hochseilgarten, Niederseilgarten, Bogenschießen, soziales Kompetenztraining und Klettern an. Außerdem bieten wir über das Jahr verteilt auch mehrtägige Projekte an.
Mein Arbeitsfeld liegt in der pädagogischen Begleitung der Jugendlichen im Alltag und es umfasst auch pflegerische Tätigkeiten. Eine intensivere Begleitung der Bezugsjugendlichen, mit Erstellen von Verhaltensplänen, Pflegeplänen und die Teilnahme an Familiengesprächen gehört auch zu meinem Tätigkeitsfeld. Außerdem bin ich für die Anleitung von Auszubildenden in der Gesundheits-und Krankenpflege zuständig. Ebenso gehört das organisieren und durchführen von erlebnispädagogischen Projekten, wie die Berghütte mit sozialem Kompetenztraining, dem Mädchenwandern, dem Radprojekt, Hochseilgarten-und Niederseilgarten, Klettern und Schneeschuhwandern zu meinen Tätigkeiten auf unserer Station.
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1. Pädagogischer Hintergrund/ Idee
Die Abteilung Kinder-und Jugendpsychiatrie bietet schon seit über zwanzig Jahren Erlebnispädagogik an, die immer wieder neu überarbeitet wird. So absolvieren auch einige Mitarbeiter eine erlebnispädagogische Weiterbildung. Wir haben ein aktuelles Erlebnispädagogisches Konzept, an dem wir uns auch beim Durchführen unserer Projekte halten. Es orientiert sich am Lernzonenmodell, das durch erlebnistherapeutische Behandlungsmaßnahmen Rahmenbedingungen schafft, in denen oft auf spielerische Weise individuelle Lernfelder für die Lernzonen der Patienten entstehen. Das Erlebnispädagogische Konzept gibt die Rahmenbedingungen für Personal, Projektfinanzierung, Material, Fortbildung und Sicherheit, Terminplanung und Koordination vor. Siehe Erlebnispädagogisches Konzept im Anhang.
Es werden diverse Projekte auf den verschiedenen Stationen angeboten. Auf meiner Station werden die Berghütte mit sozialem Kompetenztraining, das Radprojekt, das Mädchenwandern, mehrtägiges Segeln und Kanufahren durchgeführt.
Der Vorschlag der Stations-und Abteilungsleitung ist es, mehrere kürzere Projekte mit maximal drei Tagen anzubieten. Somit profitieren noch mehr Jugendliche von Erlebnispädagogischen Projekten.
Für mich war dann klar, dass ich ein maximal dreitägiges Projekt anbieten möchte, welches inhaltlich so noch nicht stattgefunden hat. Gerne wollte ich ein Medium auswählen, mit dem ich vertraut bin. Also entschied ich mich für ein Bike-und Trekkingprojekt.
Die Stationsleitung schlug vor ein Projekt in den Sommerferien durchzuführen. Somit gab es auch weniger Terminkollisionen mit der Klinikschule und diversen Fachtherapeuten.
2.2 Allgemeine Zielsetzungen
Da ich in den Vorbereitungen noch nicht wusste, welche Jugendlichen zum
Zeitpunkt des Projektes auf Station sein werden, legte ich meine Zielsetzung so fest, dass diese für möglichst viele Jugendliche passend sind. Folgende Ziele habe ich für das Projekt festgelegt:
· Förderung der Eigenwahrnehmung
· Stärkung der eigenen Ressourcen
· Wahrnehmung der eigenen Grenzen und die der Anderen
· Selbstwirksamkeit durch aktives Gestalten
· Förderung der Kommunikationsfähigkeit
· Lösungsorientierter Umgang mit Konflikten
2.3 Art des Projektes
Das Bike-und Trekkingprojekt „feel Nature“, wird drei Tage gehen.
Übernachten werden wir in einem Tipi camp, welches sehr puristisch mit Komposttoiletten und Wassersäcken für die Körperhygiene ausgestattet ist. Da das Projekt mitten in der Natur stattfindet habe ich den Titel „feel Nature“ ausgewählt. Den ersten Tag werden wir mit einer Fotorallye auf Fahrrädern starten. Der zweite Tag wird unter dem Motto Trekkingtour und Navigation mit Karte und Kompass stehen. Am dritten Tag werden wir nach Kooperationsspielen, die Heimfahrt mit den Fahrrädern antreten.
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
Es war für mich bis kurz vor dem Projekt nicht klar, welche Jugendlichen tatsächlich mitgehen. In der Woche zuvor wurden mehrere Jugendliche entlassen und einige waren für ein mehrtägiges Projekt zu instabil. Das Segelprojekt eine Woche zuvor, musste aus diesem Grund abgesagt werden.
Die Jugendlichen die dann mitgingen, waren entweder gerade wieder frisch aufgenommen oder in ihrer Motivation und psychischen Verfassung ambivalent. Somit war die Gruppe nicht homogen. Eine Jugendliche die beim ersten Vortreffen für das Projekt motiviert war, hatte am Wochenende zuvor Drogen konsumiert und wurde deswegen einen Tag vor Projektstart entlassen. Drei wurden ein bis drei Tage vor dem Projekt aufgenommen und ich habe sie vor der Klinikaufnahme informiert. Die drei Jugendlichen kannte ich schon von ihren vorherigen Klinikaufenthalten und konnte daher die Gruppenzusammensetzung ganz gut einschätzen. Die komplette Gruppe lernte sich also erst einen Tag vor Projektbeginn kennen. Bei einer Teilnehmerin, die vor dem Projekt Interesse gezeigt hatte, stellten sich dann kurz vor Beginn immer mehr Einschränkungen und psychosomatische Beschwerden dar. Ich befreite sie dann von der Radtour da sie eine alte Verletzung hat. Dennoch war das Projekt für sie sinnvoll, auch wenn sie durch die nicht komplette Teilnahme eine Sonderrolle hatte. Ein andere Patientin, die schon mehrere Monate in der Klinik ist, war motiviert hatte aber gleichzeitig viele Ängste und äußerte sich auch ambivalent bezüglich des Projektes. Die drei Jugendlichen die erst kurz vor dem Projekt aufgenommen wurden, waren motiviert. Insgesamt starteten wir dann mit fünf Jugendlichen das Abenteuer.
Begleitet wurde ich von einem erfahrenen Kollegen und einem Jugend-und Heimerzieher in Ausbildung. Er befindet sich im ersten Ausbildungsjahr.
3.2. Beschreibung der Teilnehmer/innen
B., siebzehn Jahre seit drei Tagen auf Station. B. kam nach einer dreiwöchigen Belastungserprobung von zu Hause wieder zur weiteren Therapie auf die Station. Er zeigte sich bei seinem ersten Klinikaufenthalt oft unmotiviert und zurückgezogen. B. hat eine Depression, er ist weiterhin antriebsarm und müde. Bis vor zwei Wochen verletzte er sich selbst.
Er hat mehrere Schulwechsel hinter sich, war erst auf dem Gymnasium, dann auf der Realschule und hat dann die Hauptschule abgeschlossen. Vor seinen Klinikaufenthalten, hat er sich die meiste Zeit auf sein Zimmer zurückgezogen oder er hat sich mit Freunden getroffen. B. hat zwei ältere Schwestern und lebt bei seinen Eltern. Die Teilnahme an meinem Projekt wurde von seiner Therapeutin als eines seiner Therapieziele festgelegt. B. war von Anfang an interessiert und motiviert an dem Projekt.
Ziele:
· Förderung von Ressourcen
· Eigenverantwortung übernehmen
· Lösungsorientierter Umgang mit Konflikten
· Stärkung des Selbstbewusstseins
J., siebzehn Jahre, seit vier Tagen auf Station,
J. ist auf Station bereits bekannt. Sie ist in einem Phasenprogramm zur Therapie von selbstverletzendem Verhalten. Nun wurde sie zur Wiederholung der ersten Phase wieder aufgenommen, da sie die erste Phase wegen einer disziplinarischen Entlassung beendet hatte. J. wohnt seit einem Jahr bei ihrem Freund, der mehrere Jahre älter ist als sie. Ihre Eltern haben sich vor drei Jahren getrennt, es besteht regelmäßiger Kontakt zu beiden Elternteilen. J. ist im ersten Ausbildungsjahr zur Konditorin. In der Ausbildung gibt es immer wieder Schwierigkeiten, da sie viele Fehlzeiten hat. Ihre Ressourcen liegen im hauswirtschaftlichen Bereich, sie backt und kocht gerne. Außerdem fährt sie regelmäßig mit dem Fahrrad zu ihrer Arbeitsstelle.
Ziele:
· Eigenverantwortung übernehmen
· Grenzen setzen und annehmen
· Stärkung des Selbstbewusstseins
· Verbesserung von sozialem Verhalten und Kommunikation
· Erfahren von Selbstwirksamkeit
S., siebzehn Jahre, seit einem Tag auf Station
S. ist zum zweiten mal auf Station. Sie wohnt in einer Mutter-Kind-Gruppe im Jugendwohnheim. S. hat zwei Söhne, die drei und zwei Jahre alt sind und versorgte diese mit Unterstützung der Mitarbeiter im Heim. Sie hat zu ihrem leiblichen Vater keinen Kontakt mehr und zu ihrer Mutter auch nur unregelmäßig. S. hat mehrere sexuelle Übergriffe erlebt. Sie wohnt bereits mehrere Jahre im Jugendwohnheim. Dort hätte es die letzten Monate immer mehr Konflikte gegeben und S. war mit der Versorgung ihrer Kinder überfordert und für die Mutter-Kind-Gruppe nicht mehr tragbar, sie wurde die letzte Zeit schnell wütend und dann tätlich gegenüber Menschen und Gegenständen. So lebten die Kinder die letzte Zeit bei einer Pflegefamilie. S. hatte ihre Kinder dann nur einmal wöchentlich getroffen. S. besucht keine Schule. Sie raucht sehr viel und beschäftigt sich viel mit ihrem Handy. Es ist eine Langzeittherapie für sie angedacht, dafür hat sie sich aber noch nicht entschieden. Ressourcen: humorvoll, selbstständig.
Ziele:
· Förderung der Selbstwahrnehmung
· Verbesserung von sozialem Verhalten und Kommunikation
· Stärkung der Ressourcen
· Lösungsorientierter Umgang mit Konflikten
V., siebzehn Jahre alt, seit drei Monaten auf Station
V. kam nach einem Suizidversuch zu einer Krisenintervention. Sie hat sich dann zur Therapie bei uns entschieden. V. verletzt sich selbst, hat eine Depression und ist oft misstrauisch. V. lebte bei ihren Eltern und hat eine ältere Schwester. Sie besuchte das Gymnasium und war bisher eine gute Schülerin. Vor ihrer depressiven Erkrankung war V. sportlich und hatte mehrere Hobbys. Sie freute sich zum einen auf das Projekt, zum anderen zeigte sie viele Ängste und war auch in ihren Aussagen teilweise widersprüchlich. Ich habe dann die endgültige Entscheidung nach einem ausführlichen Metaplan bei dem ersten Vortreffen, ihr überlassen. Sie hat sich dann für das Projekt entschieden.
Ziele:
· Förderung der Selbstwahrnehmung
· Stärkung der Ressourcen
· Selbstwirksamkeit durch aktives Gestalten
· Lösungsorientierter Umgang mit Konflikten
· Wahrnehmung der eigenen Grenzen
· Förderung der Entscheidungsfähigkeit
· Förderung von Selbstvertrauen
R. sechzehn Jahre alt, seit sechs Wochen auf Station
R. lebt bei ihren Eltern und hat keine Geschwister, sie besucht die Realschule. R. kam aufgrund von diversen Ängsten und nicht eindeutig psychosomatischen Beschwerden auf Station. Außerdem hat sie Schulangst und mehrere Schulwechsel hinter sich. Auf Station hat sie sich gut zurecht gefunden. Es wurde immer wieder beobachtet dass sie Anforderungen vermeidet. R. ist bei der Jugendfeuerwehr und nimmt jährlich an einem Zeltlager teil, sie reitet und geht gerne mit Freunden in die Stadt. Auf das Zelten freute sie sich. Beim Radfahren kann sie aufgrund einer Verletzung nicht teilnehmen. Sie beginnt das Projekt deswegen erst später und beendet es schon früher. Diese Option entschied sich allerdings erst am Montag vor dem Projekt, da mit ihr ausgemacht war, da sie das Pedelec ihrer Mutter für die Radstrecke nehmen sollte. Da sie mit diesem nicht klar kam, wurde sie von meinem Kollegen ins Tipicamp gefahren und auch wieder zurückgebracht. Dadurch ergab sich eine Planänderung für mich. Auf das Projekt „feel Nature“ freute sie sich.
Ziele:
· eigene Grenzen erweitern
· Stärkung der Ressourcen
· Förderung von Selbstvertrauen
· Einlassen auf Unbekanntes
4. Projektverlauf
4.1. Vorbereitungen
4.1.1. Idee und organisatorische Vorbereitung
Die Idee für mein Projekt kam mir, als ich mit meiner Familie an dem Tipi camp vorbeigelaufen bin. Da es komplett in der Natur liegt, dachte ich ist es für die Jugendlichen in der Klinik genau das richtige. Die Strecke von der Klinik bis zum Tipi Camp, war ideal um mit den Fahrrädern zu fahren. Ich bin die Strecke mit dem Fahrrad abgefahren und habe markante Objekte fotografiert, die Fotos habe ich dann für die Fotorallye einlaminiert. Die Strecke für den Orientierungslauf mit Karte und Kompass bin ich vorher abgelaufen. Das Tipi camp habe ich mir vorher angeschaut und ich habe mich von dem Vermieter bezüglich der Lagernutzung einweisen lassen.
4.1.2. Vorstellung bei der Abteilungsleitung/Stationsleitung/den Kollegen
Die Vorbereitungen für mein Projekt begannen im Juni.
Nach einem Gespräch mit dem Stationsleiter und verschiedenen Kollegen stand der Termin für das Projekt fest. Das Kurzkonzept für mein Projekt, stellte ich dem Abteilungsleiter in einem Gespräch Mitte Juli vor, der dem Projekt zustimmte. Es besteht für alle Erlebnispädagogischen Aktionen, die in-und außerhalb der Einrichtung stattfinden Versicherungsschutz. Auch im Kollegenteam wurde meine Idee gut angenommen.
4.1.3. Sicherheitskonzept/Notfallplan
Es besteht für alle erlebnispädagogischen Aktionen, die in-und außerhalb der Einrichtung stattfinden Versicherungsschutz.
Das Sicherheitskonzept übernahm ich zum größten Teil aus dem Sicherheitskonzept der Abteilung. (siehe Anhang). Die Fahrräder wurden auf meine Veranlassung vor dem Projekt von dem zuständigen Kollegen gewartet. Gemeinsam mit den Jugendlichen stellten wir die Fahrräder passend auf ihre Körpergrößen ein. Es bestand Helmpflicht und die Straßenverkehrsregeln wurden vor der Tour erläutert.
Die Jugendlichen bekamen für die Fotorallye eine Landkarte zur Orientierung. Das Erste Hilfe Set hatten wir immer bei uns. Jeder Mitarbeiter hatte ein Handy, wir hatten unsere Handynummern vor Projektbeginn ausgetauscht. Ich plante den Abteilungsbus ins Camp zu stellen, zum Einen dass wir das Material dort lagern konnten und wir bei einem Notfall schnell in einer Klinik wären.
Bei einem Notfall würden wir uns an den Standard im EP-Konzept halten und nach der fünf W-Regel vorgehen. Der diensthabende Arzt der Abteilung würde informiert werden und ein Mitarbeiter könnte den Jugendlichen mit dem Abteilungsbus ins Krankenhaus begleiten und der andere Mitarbeiter zusammen mit dem Auszubildenden bei der Gruppe bleiben.
Bei sehr schlechter Witterung habe ich geplant, das Projekt um eine Woche zu verschieben. Wenn es zeitweise regnet findet das Projekt statt, denn die Tipis sind wasserdicht und die Jugendlichen sind mit Regenkleidung ausgestattet.
Bei eventuellen Notfällen in der Nacht hat jeweils ein Mitarbeiter Bereitschaftsdienst, darüber wurden die Jugendlichen informiert.
Psychische Ausschlusskriterien für das Projekt waren Jugendliche mit einer akuten Psychose, akut suizidgefährdete Jugendliche oder stark untergewichtige Jugendliche mit der Erkrankung Anorexia nervosa.
4.1.4. Aufgabenverteilung/ Mitarbeiterplanung
Mit meinem Kollege Fabi, den ich für das Projekt mit eingeplant habe, habe ich schon mehrere Erlebnispädagogischen Projekte durchgeführt, was uns zu einem eingespielten Team macht. Dies war aufgrund der nicht homogenen Teilnehmergruppe, eine sichere Basis. Wir haben die Aufgaben so verteilt, dass ich die komplette Planung und die Projektleitung übernahm. Mein Kollege war unter anderem zuständig für Fahrdienste bei evtl. Notfällen und für die Einzelbetreuung von Jugendlichen. Der Auszubildende Justus, hatte mit Projektbeginn seinen ersten Arbeitstag auf Station und durfte bei verschiedenen Kooperationsaufgaben als Teilnehmer mitmachen. Außerdem half er bei allen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten und sonstigen anfallenden Arbeiten mit.
4.2. Geplanter Projektverlauf
Für mein Projekt hatte ich zwei vorbereitende Treffen geplant. Beim ersten Treffen eine Woche vor dem Beginn, wollte ich die Jugendlichen über das Projekt informieren und einen Metaplan mit ihnen erstellen. Außerdem wollte sich Justus den Jugendlichen vorstellen.
Das zweite Vortreffen sollte einen Tag vor Projektbeginn stattfinden. Der Einkauf war geplant, die Fahrräder sollten ausprobiert und eingestellt werden und die Jugendlichen sollten die Fahrradtaschen bekommen, um sie zu packen.
Nach einer Stationsübergabe zum aktuellen Befinden der Jugendlichen, war geplant, dass wir am Dienstag um neun Uhr mit dem Projekt starten.
1. Tag/ Dienstag
9.00 Uhr Treffen im Garten, aktuelle Informationen an die Jugendlichen für die Planung des Tages. Spiel „Litfaßsäule“, als Kennenlernspiel.
10.00 Uhr Fahrräder aus dem Keller holen, Fahrradhelme anpassen, Fahrräder mit Fahrradtaschen für die Abfahrt bereitstellen. Die Strecke auf der Landkarte und die Fotorallye erklären.
10.40 Uhr Abfahrt
Ca. 14.30 Uhr Ankunft im Tipi Camp
14.30 - -15.30 Uhr Kennenlernen des Camps, Informationen über die Komposttoilette und die Handhabung der Wassersäcke, Schlafplätze festlegen
15.30 Uhr Kooperatives Abenteuerspiel, Schaf und Schäfer
16 Uhr Vorbereitungen zum Grillen
18 Uhr Grillen
19.30 Uhr Erstellen der Projektregeln
20.30 Uhr Reflexion „Zündhölzer“
Tag/ Mittwoch
9.00 Uhr Frühstück
9.30 Uhr Spülen/ aufräumen/ Wasser holen
10.30 Uhr warm up „ Mist, Mist, Mist“
11.00 Uhr Einführung in die Terrestrische Navigation und Karte/ Kompass Wanderung
11.30 Uhr Start der Wanderung
Ca. 15.30 Uhr Ankunft im Tipi Camp
15.30 – 16.00 Uhr Freizeit
16.30 – 17.30 Uhr Solo mit Brief an sich Selbst
Ab 17.30 Uhr Vorbereitungen für das Pfannen Raclette mit anschließendem Essen
Ausklingen des Abends am Feuer
Tag/ Donnerstag
8.30 Uhr Frühstück vorbereiten
9.00 Uhr Frühstück
10.00 Uhr Cäsars Daumen/ Stimmungsrunde
10.30 Uhr Aufräumen/ Packen/ Spülen
11.30 Uhr Geräusche Landkarte
12.00 Uhr Vesper auf Bäumen
13.00 Uhr Bike Wahrnehmungsspiele
14.00 Uhr Abfahrt
16.30 Uhr Abschlussreflexion/ Naturmaterialien
18.00 Uhr Gemeinsames Abschluss Pizza essen
Eine Woche später am Aktivitätenabend, schauen wir gemeinsam die Fotos vom Projekt „feel Nature“ an.
4.3. Tatsächlicher Projektverlauf
Zum ersten Vortreffen, eine Woche vor Projektbeginn, waren drei Jugendliche da, die für das Projekt in Frage kamen. Wir trafen uns im Garten und ich stellte den Jugendlichen das Projekt vor. Nach dem Ausarbeiten eines Metaplans äußerte eine Jugendliche, die sich vor meinem Urlaub sehr auf das Projekt freute, jetzt große Ängste in einem Zelt zu übernachten. Sie hatte noch ein vorbereitendes Einzelgespräch mit ihrer Therapeutin. Außerdem äußerte eine Jugendliche diverse körperliche Symptome, die teilweise auf psychosomatische Symptome zurückzuführen sind. Die beiden Jugendlichen waren nicht leicht zu motivieren. Eine andere Jugendliche war sehr motiviert. Justus, der Auszubildende stellte sich den Jugendlichen vor und freute sich auf das Projekt „feel Nature“ Die drei Jugendlichen, die zu dem Zeitpunkt noch nicht stationär waren informierte ich telefonisch und schickte ihnen die Infoflyer, Packlisten und Elterninformationsbögen zu. Sie zeigten Interesse.
Am Montag den einunddreißigsten achten, waren dann alle Teilnehmer da.
Eine Jugendliche konnte dann nicht teilnehmen, da sie am Wochenende Drogen konsumiert hatte und somit entlassen wurde. Die Jugendlichen die neu aufgenommen wurden zeigten sich motiviert. Die Teilnehmerin R. nicht an der der Fahrradtour teilnehmen konnte, wurde mit dem Abteilungsbus zum Tipi camp gefahren. Es meldeten sich drei Jugendliche zum Einkauf der Lebensmittel.
Am Abend nach meinem Spätdienst stellte ich den Abteilungsbus , beladen mit Essen, Getränke, Medikamente, Verbandsmaterial, Augenbinden, Seile, Schlafsäcke, Zelte und Isomatten ins Tipi-Camp.
Dienstag 01. September
In der Dienstübergabe erfuhr ich das J. sich am Oberschenkel eine Selbstverletzung mit einer Rasierklinge zugezogen hatte, sie wurde von der Stationsärztin versorgt und konnte nach medizinischer Abklärung am Projekt teilnehmen. R. hatte eine beginnende Nagelbettentzündung am linken großen Zeh, diese wurde frisch verbunden, der Zeh wurde während der Projekttage versorgt und sie konnte nach medizinischer Abschätzung auch am Projekt teilnehmen.
Um neun Uhr trafen wir uns wie geplant im Garten. Nachdem ich den Jugendlichen das Spiel Litfaßsäule erklärt habe und sich die Pärchen dann gegenseitig Vorstellten, bekamen wir mehrere Informationen von den Jugendlichen die wir nicht gewusst hatten. So spricht S. z.B. sieben verschiedene Sprachen. Es wurden auch kreative Fragen gestellt: wie z.B. in welcher Zeit, der Weltgeschichte würdest du gerne leben? Wir lernten uns durch das Spiel besser kennen.
Nachdem wir die Fahrräder aus dem Keller geholt hatten und die Radtaschen an die Fahrräder angebracht waren ging es los. Zuvor hatte ich den Jugendlichen mit Hilfe der Karte den Weg erklärt und die Fotos für die Fotorallye gegeben. Justus, der Auszubildende ist als Teilnehmer mitgefahren. Insgesamt hatte ich dreißig Fotos auf dem Weg gemacht. Die Jugendlichen haben sich so aufgeteilt, dass jeweils ein Jugendlicher sechs Fotos hatte und dieses den anderen zeigte. Sie konnten sich gut absprechen. S. kam an ihre körperlichen Grenzen, die schnelleren Teilnehmer warteten und nahmen ihr dann auch ihren Rucksack ab und wir mussten nicht intervenieren. Eine Jugendliche wollte manchmal einen anderen Weg fahren, der auch ans Ziel führte. Wir wären dann aber nicht an den Fotos vorbeigekommen. Darüber hat sich dann die Gruppe ausgetauscht und musste sich dann absprechen und für einen Weg entscheiden. J. stellte ihre Fragen gerne an die Leiter und nicht an die anderen Gruppenteilnehmer, dies konnte ihr dann gespiegelt werden. Die Jugendlichen kamen in heiterer Stimmung im Tipi Camp an.
Nachdem wir angekommen waren, fing es zehn Minuten später zu regnen an, wir waren froh trocken angekommen zu sein. Ich zeigte der Gruppe den Platz und erklärte die Komposttoiletten und Wassersäcke die als Dusche benutzt werden können.
V. war sehr müde und hat sich ins Tipi zum Schlafen gelegt. B., J. und S. holten mit mir Wasser und bereiteten den Salat und den Stockbrotteig vor. Mein Kollege holte in der Zwischenzeit R. mit dem Abteilungsbus ab. Sie war als sie im Tipi-Camp ankam unmotiviert und zog einzelne andere Jugendliche runter. Da es regnete nutzten wir die Feuerschale im Tipi um dort Feuer zu machen und zu Grillen. Nachdem alle satt waren, war die Stimmung in der Gruppe gut und wir legten die Tipi-Camp-Regeln fest.
Die Jugendlichen betonten, dass sie die Regeln festlegen bzw. wenige Vorgaben von uns wollten. Ein großes Anliegen war ihnen, wie Erwachsene behandelt zu werden.
Die Regeln wurden wie folgt von der Gruppe festgelegt:
· Ruhezeit ist um zweiundzwanzig Uhr dreißig (diese Regel wurde von uns vorgegeben)
· Respekt und Rücksicht
· Allgemeine Kritik fair äußern
· Faire Arbeitsaufteilung
· Bei Dunkelheit nach Absprache mindestens zu zweit aus dem Camp gehen.
Aus dem festlegen der Regeln ergab sich ein gutes Gespräch zwischen den Jugendlichen und uns Mitarbeitern. Anschließend bekamen die Jugendlichen für sich noch die Aufgabe, eventuelle Ängste aufzuschreiben und wenn sie sich nicht bestätigen würden am Ende des Projektes wegzuwerfen. Den Tag beendeten wir mit der „Zündholzreflektion“, die sehr effektvoll war da es bereits dunkel war. Die Teilnehmer waren insgesamt guter Stimmung und gaben auch ehrliche Aussagen wie z.B. „ich stellte mir das Tipi Camp viel größer vor und war dann etwas enttäuscht“ oder, „mir ist es egal ob es Morgen regnet“. Wir saßen noch im Tipi zusammen nachdem wir aufgeräumt hatten. Die Jugendlichen schliefen bereits um zweiundzwanzig Uhr ein.
Mittwoch, den zweiten September
Ich war um sieben Uhr wach und holte Brötchen für die Gruppe, J. hatte bereits abgespült. Anschließend haben wir zusammen das Frühstück vorbereitet. Nach dem Frühstück waren fast alle noch etwas müde und antriebslos. Wir spielten das Spiel: Mützenfange. Danach waren die Kids fit und bereit zum losgehen.
Nachdem ich der Gruppe den Umgang mit Karte und Kompass erklärt hatte und sie in die Terrestrische Navigation eingeführt hatte, konnten wir starten. Die Aufgabe war es, über das Weiler Frauenreute zum Schloss Achberg zu gelangen. Die Gruppe wählte einen anderen Weg, wie den, den ich dachte dass sie gehen. Am Schloss Achberg angekommen machten wir Rast. Nachdem wir alle gestärkt waren, gingen wir den „Hasenweg“. Dieser Weg ist stellenweise etwas abschüssig und es ist Tritt Sicherheit erforderlich. Zwei Teilnehmerinnen hatten Höhenangst. R. hat bereits zu Beginn des Weges gesagt, dass sie keinen Schritt weiter geht und sie starke Höhenangst hätte. S. ärgerte dies, sie sagte zu R., dass sie ihr Verhalten kindisch findet, sie hätte auch Höhenangst würde den Weg trotzdem ausprobieren. In Absprache mit Fabi einigten wir uns, dass R. von ihm einzelbetreut wird und ich zusammen mit Justus und der Gruppe weiterlaufe. An der Stelle an der ein Seil zur Hilfe gespannt ist, da das Gelände schwierig zu gehen ist, lief ich vorne und Justus hinten. S. wurde von mir begleitet. Mein Kollege erklärte R. die Hürde anhand des Lernzonenmodells und sie entschied sich dann mit seiner Unterstützung den Weg weiter zu gehen. Danach war sie sehr stolz und sie freute sich dass sie sich ihrer Angst gestellt hat.
Bei der weiteren Wanderung wurde S. durch eine Aussage von Fabi „getriggert“, sie hielt dann Abstand zur Gruppe, ging nicht mehr in Kontakt und setzte sich dann ins Gras. Zuerst wollte sie nicht weiterlaufen, konnte mir dann aber sagen, dass sie etwas Ruhe braucht und dann schon mitkommen würde. Wir machten währenddessen mit den Jugendlichen eine Trinkpause. S. hat sich dann mit Unterstützung wieder integriert und lief weiter. Die Jugendlichen waren im weiteren Verlauf der Wanderung in heiterer Stimmung.
Im Tipi-Camp angekommen waren sie dann teilweise doch etwas erschöpft und legten sich ins Tipi. Nach einer Pause stand das Solo mit einem Brief an sich selbst auf dem Programm. Nach dem Brief äußerten S. und V. dass die Zeit alleine sie sehr nachdenklich gemacht hätte. Sie wollten aber nicht darüber reden. Da das Wetter stabil war, machten wir draußen am Feuerplatz Feuer und bereiteten die Zutaten für das Pfannenraclette vor. S. konnte dann über ihre Krise am Nachmittag reden und die Situation angemessen reflektieren.
Die Stimmung am Abend war ausgelassen, wir erzählten uns Witze am Feuer.
Donnerstag, den dritten September
Nachdem wir um neun Uhr frühstückten waren allgemeine Erschöpfungsreaktionen in der Gruppe beobachtbar. In der Morgenrunde hielt ich mich an den Plan, also stand die Reflexion „Caesars Daumen“ auf dem Programm.
Die Stimmung war insgesamt mittelmäßig, zwei Teilnehmerinnen äußerten dass sie mit dem Brief an sich selbst wenig anfangen konnten und ihre Stimmung dadurch abfiel. Außerdem äußerten mehrere, dass der Tag zuvor sehr anstrengend war, und sie erschöpft sind. B. sagte, dass er die Solo Zeit gut für sich nutzen konnte und auch den Brief an sich selbst schreiben als gut empfand. Er beschreibt seine Stimmung als gut bis sehr gut. Zur Karte-und Kompasswanderung gab es ausschließlich positive Rückmeldungen. Spontan habe ich das warm up „Duell der Augen“ eingebaut über das wir beim Frühstück geredet haben und eine Jugendliche wollte es gerne spielen. Nun entschied ich mich für das Kooperationsspiel Schaf und Schäfer, da ich es beim KAP- Kurs als sehr lustig erlebt habe und die Zeit am Dienstag nach der Fahrradfotorallye zu knapp war. Nach der Morgenreflexion hatte ich den Eindruck dass die Jugendlichen gerade größtenteils etwas niedergestimmt sind.
Bei dem Spiel, entwickelten die Jugendlichen relativ schnell eine gute Taktik, so bekam jedes Schaf bestimmte Laute zu welcher Zeit es starten und in welche Richtung es laufen soll. Sie kooperierten gut zusammen und erreichten dann gemeinsam das Ziel. R. wurde nach dem Spiel von meinem Kollegen auf Station zurückgefahren, sie bekam den Auftrag die Materialien die im Bus gelagert sind, aufzuräumen.
In der Zwischenzeit zeigte ich den Jugendlichen Partnerübungen mit dem Bike. Da die Gruppe doch sehr erschöpft war, ließ ich es den Jugendlichen frei, ob sie teilnehmen möchten. B. konnte zusammen mit Justus die Übung gut für sich nützen und hatte sichtlich Spaß. Auch V. und J. ließen sich noch darauf ein. J. konnte sich mir, beim Blindfahren gut anvertrauen.
Nachdem mein Kollege wieder da war fuhren wir zusammen zurück. Das Wetter war bewölkt und wir wählten einen kürzeren, einfacheren Weg. R. kam dann noch zur Abschlussreflektion am See beim Klinikgelände. Es fing dann stark zu regnen an, dadurch war die Motivation bei manchen Jugendlichen nicht mehr sehr hoch. Die Teilnehmer haben dann teilweise doch sehr detailliert reflektiert und konnten sowohl schöne, wie auch anstrengende Anteile des Projekts benennen. Auf Station angekommen blieb den Jugendlichen Zeit sich zu duschen. Abschließend gingen wir gemeinsam zum Pizzaessen, dies genossen die Jugendlichen sichtlich.
Eine Woche später schauten wir mit der Gruppe zusammen Fotos an. Sie hatten somit noch die Möglichkeit, Fotos die ihnen nicht gefielen zu löschen. Es schauten noch zwei Kollegen und die Stationsärztin mit.
Außerdem reflektierten wir noch das Solo und den Brief an sich selbst, die Jugendliche hatten die Wahl den Brief zu verbrennen oder den Brief doch wie geplant, nach mehreren Monaten zugesendet zu bekommen. Die Jugendlichen bekamen zur Erinnerung eine CD mit den Fotos von dem Projekt.
Mit meinen Kollegen habe ich das Projekt reflektiert, wir können uns gut vorstellen das Konzept für nächstes Jahr so im Ferienprogramm aufzunehmen.
Auch andere Kollegen zeigten Interesse und würden gerne mit daran teilnehmen.
5. Nachbereitung
Nach dem Projekt äußerten sich mehrere Jugendliche positiv, auch gegenüber ihren Eltern. Insgesamt zeigte sich bei den doch sehr unterschiedlichen Jugendlichen ein Gruppengefühl durch gemeinsam erlebtes.
Mehrere Jugendliche haben gefragt welches Projekt als nächstes ansteht, die Motivation für das Bergprojekt im Oktober ist momentan hoch. Auch die Stationsärztin und Psychologin äußerte sich positiv zu meinem Projekt „feel Nature“.
V.
Sie konnte die Ressource dass sie gerne in der Natur ist gut für sich nützen und hat dies sichtlich genossen. Sie hat mit der Mädchengruppe im großen Tipi geschlafen, dies wurde von mir eng begleitet. In der Abschlussreflektion sagte sie, dass sich mehrere Ängste die sie vor dem Projekt hatte nicht bestätigt haben. Ihre Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortung wurde durch das Projekt gefördert. Sie hat nach dem Projekt eine für sich wichtige Entscheidung getroffen, nämlich dass sie in eine Jugend Hilfe Einrichtung gehen möchte und nicht mehr bei ihren Eltern wohnen will.
J.
Sie hat beim Projekt gezeigt dass sie Verantwortung übernehmen kann und will. Sie konnte mehrmals ihre Stärken zeigen, und hat sich in den Kooperationsspielen und bei der Fotorallye aktiv und gut eingebracht. Sie bekam dafür positives Feedback. Nach dem Projekt hatte sie eine offenere Beziehung zu den Mitarbeitern, und sie war auch motiviert für die weitere Therapie. In der Einzeltherapie setzte sie sich differenziert mit ihrer Perspektivenklärung auseinander.
B.
Seine Motivation für die Therapie hielt nach dem Projekt an. Er hat während der drei Tage mehrere Ressourcen gezeigt, wie spaß am Radfahren, an der Natur, in Gesprächen mit anderen Jugendlichen. Auch konnte er auf sehr konstruktive Art Kritik äußern und annehmen. Wir lernten ihn besser kennen und somit können seine Ressourcen im Klinikalltag noch besser gefördert werden. Seine Eltern berichteten dass er die letzte Zeit, ihnen gegenüber offener und gesprächsbereiter wäre.
R.
Sie war nach dem Projekt sehr stolz darauf, ihre Höhenangst überwunden zu haben. Sie gewann dadurch an Selbstbewusstsein. Das Projekt war ein herausfordernder Abschluss ihres Klinikaufenthaltes, sie wurde eine Woche später entlassen.
S.
Sie hat sich auf Station immer wieder positiv über das Projekt „ feel Nature“ geäußert. S. hat auch verschiedene Ängste, denen sie sich gestellt hat, wie Höhenangst und Radfahren. Dadurch gewann sie an Selbstbewusstsein. Sie konnte das Projekt und die Natur auch ohne Handy genießen. Auch ihre Bezugsbetreuerin im Heim war sehr erfreut und überrascht, dass S. die drei Tage teilgenommen hat.
6. Reflexion
Das Projekt war für uns sehr abwechslungsreich und schön, mit neuen Erfahrungen und Erlebnissen. Auch dass manche Teilnehmerinnen sich ihren Ängsten stellten und nicht in die Vermeidung gingen, war schön anzusehen.
Ich finde das Projekt ist mir gut gelungen. Ich fühlte mich gut vorbereitet. Am Aufbau würde ich nicht viel verändern. Dass eine Jugendliche nicht von Anfang an dabei war, habe ich gemeinsam mit den Kollegen so entschieden. Dies hatte dann wie erwartet Einfluss auf die Gruppendynamik genommen, sie konnte sich dann nach Startschwierigkeiten ganz gut in die Gruppe integrieren. Gerne hätte ich die Jugendlichen Gruppe noch mehr in die Planung des Projektes einbezogen dies wäre nur möglich gewesen, wenn die Jugendlichen bereits längere Zeit stationär gewesen wären.
Den zeitlichen Rahmen hielten wir größtenteils ein, die Kooperationsspiele konnte ich flexibel verändern.
Die Fotorallye mit den Fahrrädern, hat den Jugendlichen Spaß gemacht, sie haben sich alle eingebracht und sich untereinander ausgetauscht. Eine Jugendliche kam bei der Strecke an ihre Grenze, sie konnte dann den Rucksack und die Radtasche an eine andere Teilnehmerin abgeben.
Beim Orientierungslauf mit Karte und Kompass, wurde klar wer gerne Verantwortung übernimmt und wer sich eher passiver verhält. Dabei war es hilfreich dass Justus der Auszubildende teilgenommen hat, er konnte dann passivere Jugendliche in seiner Rolle als Teilnehmer motivieren.
Die Solo-Zeit mit dem Brief an sich selbst, würde ich mit einer anderen Gruppe wieder wählen. Einzelne Jugendliche waren mit der Aufgabe einen Brief an sich selbst zu schreiben überfordert.
Drei Tage in diesem puristischen Lager, war für unsere Jugendlicher der richtige Zeitrahmen, weitere Tage wären nach ihren Rückmeldungen über ihre Grenzen gegangen.
7. Öffentlichkeitsarbeit
In der Klinik ist es aufgrund der Schweigepflicht, nur bedingt möglich Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Die Fotos und das Projekt werde ich evtl. bei einem Treffen der Erlebnispädagogen der Abteilung vorstellen.
8. Literaturverzeichnis
· Lehrgangs-/ Kursunterlagen Einführungskurs; KAP Institut-Kooperative Abenteuerprojekte, Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
· Lehrgangs-/ Kursunterlagen Bergsteigen, Trekking und Klettersteig; KAP Institut-Kooperative Abenteuer Projekte, Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
· Lehrgangs-/Kursunterlagen Mountainbike; KAP Institut-Kooperative Abenteuer Projekte, Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
· Rüdiger Gilsdorf und Günter Kirstner „Kooperative Abenteuerspiele 1“; 22. Auflage 2015
· Rüdiger Gilsdorf und Günter Kirstner „Kooperative Abenteuerspiele 2“; 10. Auflage 2015
9. Anhang
Packliste:
Für das Bike-und Trekkingprojekt Feel Nature benötigst du zusätzlich folgende Ausrüstungsgegenstände:
· Regenjacke und evtl. Regenhose
· Badesachen
· Schlafsack
· Isomatte
· feste Schuhe, wenn möglich Trekkingschuhe
· Tagesrucksack
· Mütze
· Sonnenschutz
· evtl. Fahrradhelm
Materialliste:
· Isomatten - zwei Zelte
· evtl. Schlafsäcke
· Decken
· Notfallhandy
· Fahrräder
· Fahrradhelme
· Fahrradtaschen
· Fahrradfllickzeug
· Stirnlampen
· Fahrradkarten
· Kompass
· Wanderkarte
· Erste-Hilfe-Set
· Medikamente
· Verbandsmaterial
· Kletterseile
· Augenbinden
· Stifte
· Papier
· Streichhölzer
· Geschirrtücher
· Spüllappen
· Mützen
· Taschenmesser
· Alufolie
· scharfe Messer
· Becher
· Teller
· Kamera Essen:
· Gewürze
· Mineralwasser/Säfte
· Gemüse
· Obst
· Wurst/Fleisch/Käse
· Hefe
· Süßigkeiten
· Milch
· Kaffee
· Zucker
· Tee
· Müsli
· Backwaren
· Suso Rodriguez
· Pflegerische Leitung Kinder-und Jugendpsychiatrie
· ZFP Südwürttemberg
W., 20. 08. 2015
Leistungsumfang der Betriebshaftpflichtversicherung und Unfallversicherung
Sehr geehrte Mitarbeiter des Kap Instituts,
hiermit bestätige ich, dass die Mitarbeiterin Agnes Behringer, während ihres erlebnispädagogischen Bike- und Trekkingprojekt wie folgt versichert ist.
Sie ist als Mitarbeiterin der ABC im Rahmen der Betriebshaftpflicht- und
Unfallversicherung, für eventuell anstehende Schadensersatzansprüche Dritter aufgrund von Unfällen, die während der Durchführung der geplanten Maßnahme passieren, versichert.
Der Versicherungsschutz für die erlebnispädagogische Maßnahme besteht in vollem Umfang.
Mit freundlichen Grüßen
S.R.
Einverständniserklärung der Einrichtungsleitung
S.R.
Pflegerische Leitung Kinder-und Jugendpsychiatrie
W., 20. 08. 2015
Einverständnis zur Durchführung des erlebnispädagogischen Bike-und Trekkingprojekts
Frau Behringer hat mir, Herrn R. Pflegerisch-und erzieherischer Abteilungsleiter der Kinder-und Jugendpsychiatrie ABC, rechtzeitig die Konzeption des erlebnispädagogischen Bike-und Trekkingprojektes vorgelegt. Die dazu notwendigen Arbeitsschritte, die Inhalte und der Ablauf wurden gemeinsam besprochen und festgelegt.
Hiermit bestätige ich, von der Konzeption und Durchführung des Bike-und Trekkingprojekts unter Leitung von Frau Behringer in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Wir unterstützen die pädagogische Arbeit und das Engagement von Frau Behringer.
S. R.
Finanzierungsplan:
Das Projekt wurde aus dem Budget für erlebnispädagogische Aktivitäten aus der Kasse der Station finanziert. Das Tipi-Camp kostet 9,00 € pro Person und Nacht, für die Versorgung der Teilnehmer standen uns 15,00 € pro Person und Tag zur Verfügung.