Timo Specht
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
Eine Erlebnispädagogische Gruppe
für geistig behinderte Kinder und Jugendliche
Erlebnispädagogisches Projekt von Timo Specht
Nov. 2002 bis Juli 2008
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung/ Beschreibung der Einrichtung
1.1 Allgemeine Beschreibung
1.2 die Hauptschulstufe 1
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund
2.2 allgemeine Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmungen
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
3.2 Beschreibung der TeilnehmerInen
4. Projektverlauf
4.2 Geplanter Verlauf
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
4.4 Abschluss
5. Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Kindern/ Jugendlichen
5.2 Reaktionen der Einrichtung
6. Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse
6.2 Erkenntnisse/ Erfahrungen
7. Öffentlichkeitsarbeit
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
1. Einleitung/ Beschreibung der Einrichtung
„Nicht gegen den Fehler, sondern für das Fehlende“
Paul Moor (Heilpädagoge)
1.1 Allgemeine Beschreibung
Das Heilpädagogische Zentrum ist eine Einrichtung der Caritas. Es besteht aus den Bereichen
• Frühförderstelle für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder;
• Heilpädagogische Tagesstätte für 3-6 jährige behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder;
• Heilpädagogische Tagesstätte für schulpflichtige geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche;
• Förderzentrum mit Schwerpunkt geistige Entwicklung
Die heilpädagogische Tagesstätte betreut Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer geistigen oder mehrfachen Behinderung das Förderzentrum mit Schwerpunkt geistige Entwicklung besuchen und bei denen die Notwendigkeit einer intensiven ganzheitlichen Förderung in Form einer Nachmittagsbetreuung angezeigt ist.
Zur Heilpädagogischen Tagesstätte für schulpflichtige geistig und mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche, in der ich tätig bin, gehören derzeit 15 Gruppen. Die jeweilige Gruppenstärke liegt zwischen sechs und neun Kindern / Jugendlichen, je nach Grad der Behinderung. Insgesamt werden z. Zt. 119 Kinder / Jugendliche in den verschiedenen altersorientierten Gruppen (SVE, Orientierungs-, Grundschul-, Hauptschul-, und Werkstufen) betreut. Die Kinder und Jugendlichen werden in der Früh von zu Hause durch ein Busunternehmen abgeholt und am Nachmittag wieder zurück gebracht. Die Schule unterrichtet die Kinder und Jugendlichen von 7.45 Uhr bis je nach Alter der Kinder und Jugendlichen spätestens 12.45 Uhr. Die Betreuungszeit der Tagesstätte schließt sich an die der Schule an. Die Kernzeit ist die Zeit von 12.45 -16.00 Uhr. Die Betreuung und Beförderung der Kinder und Jugendlichen werden durch die Pflegesätze finanziert.
1.2 Die Hauptschulstufe 1
Die Hauptschulstufe 1 ist ein Teilbereich der HPT für schulpflichtige. Er umfasst die Kinder der Altersgruppe 10 bis 13 Jahre. In dieser Stufe werden momentan 20 Kinder in drei Gruppen betreut. Die Kinder kommen um 11.10 Uhr aus der Schule und fahren um 15.00 bzw. 16.00 Uhr wieder nach Hause. Ich leite als Erzieher die Gruppe der 10 bis 11 jährigen Kinder. In meiner Gruppe sind 8 Kinder, die ich zusammen mit einer zweiten Erzieherin und einer pädagogischen Hilfskraft betreue. Meine Aufgaben sind neben der Betreuung der Kinder und der Organisation des Gruppenalltags auch die Mitarbeiterführung. Aus der Hauptschulstufe 1 setzte sich auch in den letzten Jahren unsere erlebnispädagogische Gruppe zusammen.
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund
Bei meinem Einstellungsgespräch im Juli 2002 wurde ich von der Leitung der HPT nach meinen Schwerpunkten in der pädagogischen Arbeit gefragt und ich erwiderte, das ich sehr interessiert an der Erlebnispädagogik bin und diesem Interesse nach Möglichkeit gern auch in der HPT weiter nachgehen möchte. Meine Einrichtungsleiterin zeigte sich begeistert und forderte mich auf, zusammen mit dem betreuenden Fachdienst, einer Heilpädagogin eine bis dato noch nicht vorhandene erlebnispädagogische Gruppe (im folgenden EP-Gruppe genannt) ins Leben zu rufen. Nach vielen Vorüberlegungen in welchem Rahmen und mit welchen Kindern und Jugendlichen man ein Angebot auf die Beine stellen könnte, begannen wir unsere Arbeit mit der Erstellung eines Konzeptes. Dies war die Grundlage für die Entstehung der erlebnispädagogischen Gruppe und zugleich auch Bedingung für die Genehmigung durch die Einrichtungsleiterin. Die von uns erstellte erlebnispädagogische Konzeption sieht vor, dass die Stufe betreuende Heilpädagogin das erlebnispädagogische Team ergänzt. In Zusammenarbeit mit der Heilpädagogin und nach Rücksprache mit den drei Hauptschulstufenteams wurde eine Auswahl aus sechs Kindern getroffen. Es wurden Absprachen für Krankheitsfälle gemacht, um eine Regelmäßigkeit und Konstanz bei der Durchführung zu erreichen. Der EP-Gruppe steht jeden Montag ein Bus zur Verfügung, um die Ziele in der Umgebung des HPZ erreichen zu können. Am Montag Vormittag gibt es eine einstündige Besprechungszeit für die Planung, Organisation und Reflexion vergangener und bevorstehender Treffen mit der EP-Gruppe zwischen der Heilpädagogin Fr. A. und mir. Die Kinder wurden am Montag Nachmittag von allen anderen Therapien befreit.
2.2 allgemeine Zielsetzung
Handlungskompetenz stärken
• Planungsfähigkeit
• Begründungs- und Bewertungsfähigkeit
• Konzentrationsfähigkeit (Konzentrationsdauer und –intensität)
• Leistungsfähigkeit
Soziale Kompetenz stärken
• Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit
• Bereitschaft zum Risiko und zur Übernahme von Verantwortung
• Konfliktfähigkeit
• Frustrationstoleranz erhöhen
• Selbststeuerung des Verhaltens
• Rücksichtnahme auf die anderen Gruppenteilnehmer
Steigerung eines positiven Selbstwertgefühls
• Selbsteinschätzung
• Selbstwahrnehmung
• Erfolgserlebnisse sammeln
Naturverständnis entwickeln
• Bewusstes Erleben der Natur
• Taktile Wahrnehmungserfahrungen
2.3 Art der Unternehmungen
Die klassische Behindertenarbeit mit der Vorstellung von Kindern und Jugendlichen mit Down-Syndrom oder Menschen mit autistischen Zügen gibt es im HPZ Rosenheim eigentlich kaum noch. Neben immer größeren Gruppen, welche mit weniger Personal zu betreuen sind, haben wir heute auch mit weitaus komplizierteren Behinderungsbildern zu tun. Die Menschen denen wir heute begegnen, haben neben einer geistigen Retardierung oder Gendefekten sehr häufig auch Verhaltensbesonderheiten, die eine adäquate Förderung sehr erschweren. Der Gedanke mit diesen Menschen erlebnispädagogisch zu arbeiten stellte für mich den besonderen Reiz dar. Das Erleben seines eigenen Körpers in Bewegung, das Erkennen und Erfahren von unmittelbaren Grenzen, die Auseinandersetzung mit der Natur, das Zusammenspiel in der Gruppe mit allen sozialen Herausforderungen und die positiven Effekte für die Persönlichkeitsentwicklung sind prägnante Argumente für den Einsatz erlebnispädagogischer Methoden wie z.B. das Klettern an Kunst- und Naturfels, Abseilen in einer Schlucht, kooperativen Abenteuerspielen, Schlauchbootfahren, Iglubau und vielem mehr. Für mich war klar, das ich mich nicht nur auf ein Medium der EP beschränke, sondern je nach Witterung und Jahreszeit verschiedene Medien in der Arbeit zum Einsatz bringen werde. Alle Aktivitäten fanden in der näheren Umgebung statt.
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
Die Gruppen bestehen konstant aus sechs Kindern. Die Gruppengröße ist bewusst so gewählt, damit für alle Teilnehmer ausreichend Lernerfahrungen möglich sind. Die Kinder sind im Alter von 10 bis 13 Jahren. Die letzte Gruppe bestand aus vier Jungen und zwei Mädchen. Die Zusammensetzung der Gruppe fand unter Berücksichtigung der im Konzept festgehaltenen Punkte statt. Alle Kinder können sprechen, sind in der Lage ihre Emotionen zum Ausdruck zu bringen, können ohne größere Einschränkungen laufen und haben eine bisweilen gute Konzentrationsfähigkeit. Die Kinder kennen sich durch den Kontakt innerhalb des Hauses schon seit längerer Zeit.
Allen Kindern gemein ist ein nur schwach ausgeprägtes Selbstvertrauen. Die Problematik dabei lässt sich aus dem familiären Hintergrund erklären. Ein Teil der Kinder kommt aus sozial schwachen Familien, in denen verschiedene ungünstige Faktoren eine Rolle spielen. Neben Suchtproblemen und Verwahrlosungstendenzen spielen auch kulturelle Unterschiede eine Rolle. Ein weiterer Aspekt ist ein überbehütendes Verhalten seitens der Eltern einiger Kinder.
Allen Kindern fehlen neben ausreichenden Naturerfahrungen auch die Fähigkeit zur Raumorientierung ausserhalb des gewohnten sozialen Umfeldes, ein Gefahren- und Risikobewusstsein und ganz wichtig auch das Erleben und Erfahren von Grenzen physischer und psychischer Art.
3.2 Beschreibung der Teilnehmer/-innen
J.
ist ein 12 jähriger Junge albanischer Herkunft mit einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung, der keine Geschwister hat. Sein jüngerer Bruder starb kurz nach der Geburt. Die Eltern waren geschockt und konzentrierten ihre Aufmerksamkeit voll auf J.
J. wohnt in einem Hochhaus in einem Stadtteil von Rosenheim mit vielen sozialen Problemen. Der Vater ist immer wieder ohne Arbeit. Die Mutter von J. ist Hausfrau. Beide sprechen nur sehr schlecht deutsch. So kommt es häufig vor, das der Junge für die Eltern übersetzen muss. Der Junge schläft mit seinen Eltern in einem Bett. Wenn er dies nicht möchte, muss er auf einer Matratze im elterlichen Schlafzimmer nächtigen. Die Eltern trauen J. nur wenig zu. Sie haben sehr große Angst um ihn. Dies geht soweit, dass der Junge nur mit von den Eltern ausgesuchten Nachbarskindern in der Nähe des Hauses unterwegs sein darf. J. hat nur einen begrenzten deutschen Wortschatz. Er hat Schwierigkeiten in der Wortfindung und sein Sprachverständnis ist schlecht. Er braucht regelmäßige Wiederholung und genaues Nachfragen um Wörter zu verstehen und zu verinnerlichen.
J. fällt es sehr schwer angefangene Tätigkeiten zu vollenden. Er ist sehr unruhig und hat Defizite bei der Reizverarbeitung. Das Einschätzen von Situationen und das Erkennen von Gefahren, sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen richtig zu deuten bereiten ihm große Schwierigkeiten. In vielen Situationen des Alltags wirkt J. sehr ferngesteuert. Er lässt sich leicht verunsichern und ahmt Verhaltensweisen anderer Kinder stark nach. Ihm fällt es schwer sich zu kontrollieren und eigene Grenzen wahrzunehmen.
J. ist aber auch sehr kontaktfreudig ohne dabei distanzlos zu sein, immer auch hilfsbereit und interessiert an allem Neuen. Bei J. erschien uns wichtig verschiedene Ziele zu erreichen. Ein erstes Ziel bestand darin, dass er die Selbststeuerung seines Verhaltens lernt, um sich besser kontrollieren zu können. Ebenso war uns wichtig, dass J. ein besseres Gefahrenbewusstsein entwickelt, um die eigene Selbstwahrnehmung zu verbessern, aber auch, um sich und andere nicht zu gefährden. Ein weiteres wichtiges Ziel war es, seine auf nur kurze Zeit begrenzte Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Die sich daraus ergebenden Erfolge für alle Bereiche des alltäglichen Lebens liegen auf der Hand. Während der Zusammenarbeit mit J. ergaben sich weitere Ziele, wie z.B. Naturerfahrung sammeln, Grenzen erkennen, diese zu akzeptieren aber auch ihn heranführen über seine Grenzen hinauszuwachsen.
H.
ist ein 12 jähriger Junge mit drei älteren Geschwistern. Er hat eine allgemeine Sprach- und Entwicklungsverzögerung. Der Junge erlebt im Elternhaus täglich viele Frustrationen. Die Eltern und seine älteren Geschwistern behandeln ihn schlecht und lassen ihn sein anders sein immer wieder spüren. Es gab immer wieder Situationen zu Hause in denen die Eltern ihre Aufsichtspflicht grob vernachlässigt haben. Die Elternarbeit war schwierig, weil es häufig zu widersprüchlichen Äusserungen kam. H. ist sehr um die Liebe und Anerkennung der Eltern bemüht. H. zeigt sich im Alltag stark verunsichert. Die anderen Kinder seiner Tagesstätten-Gruppe nutzen seine Naivität und sein schwaches Selbstvertrauen immer wieder aus. H. hat gelernt die Betreuer zu informieren, wenn ihm Unrecht geschieht. Konflikte selber zu klären gelingt ihm nur selten. Er ist sehr harmoniebedürftig und rücksichtsvoll. Auf starke Frustrationen reagiert er mit autoaggressivem Verhalten und dem Kaputtmachen eigener Kleidungsstücke.
H. hat wie oben bereits beschrieben ein sehr schwaches Selbstvertrauen mit den daraus resultierenden Folgen,d.h. eine starke Verunsicherung und verzerrte Selbstwahrnehmung in Alltagssituationen, sowie Schwierigkeiten Emotionen und Gefühle situationsentsprechend zu äußern. Der Junge ist seinen Kontaktpersonen gegenüber sehr aufgeschlossen. Er zeigt sich hilfsbereit und interessiert an seinem sozialen Umfeld und der Umwelt. Eine weitere Ressource scheint mir sein ausgleichendes Wesen zu sein. Das starke Harmoniebedürfnis und die Suche nach Anerkennung der eigenen Person haben in ihm feine Antennen wachsen lassen mit denen er spüren kann, wie man auch einen emotional aufgebrachten Menschen wieder beruhigt.
Die für uns wichtigen Förderziele bei H. sind die Steigerung seines Selbstvertrauens, um ihm die Fähigkeit zu mehr Selbstbestimmung zu geben und ihm einen größeren persönlichen Handlungsspielraum zu ermöglichen. Weiterhin erschien es uns wichtig ihm ein positives Selbstbild zu vermitteln und damit seine eigene Wahrnehmung zu schulen. H. sollte Lernen seine eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten zu erkennen, diese anzunehmen und darüber hinauszuwachsen.
M.
ist ein 12 jähriges Mädchen türkischer Herkunft mit einer allgemeinen Sprach- und Entwicklungsverzögerung. Sie lebt mit ihren fünf Geschwistern in einer Großfamilie, in der überwiegend türkisch gesprochen wird. Sie kann zwar deutsch sprechen hat aber Schwierigkeiten sich auszudrücken. So verschluckt sie immer wieder einzelne Silben. Ihr Wortschatz ist begrenzt und beim Lernen neuer Wörter braucht sie viele Wiederholungen, um diese in ihren aktiven Wortschatz aufzunehmen. Die Eltern leben streng islamisch konservativ. M. darf nicht an allen Veranstaltungen wie z.B. Schwimmen gehen oder Übernachtungen teilnehmen. Ihr Vater ist sehr gläubig und hat hohe religiös begründete Ansprüche. Er möchte seine Tochter zu einer ehefähigen Frau erziehen, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Mädchens. M. beginnt bereits zu pubertieren und ihre Interessen neu auszurichten.
Das Mädchen zeigt immer wieder ihre guten sozialen Kompetenzen. So sucht sie bei Konflikten selbst die Hilfe der Betreuer, um Anleitung zur Konfliktlösung zu bekommen oder wirkt positiv und ausgleichend auf die Gruppe ein. Sie ist im lebenspraktischem Bereich sehr gut organisiert. Ihre Defizite hat sie im Bereich der Kulturtechniken und bei Verständnisaufgaben sowie dem Erkennen von Zusammenhängen. Für das Mädchen ganz wichtig erscheint die Stärkung ihres Selbstvertrauens, Förderung der Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, ein tieferes Naturverständnis durch Naturerfahrung sowie eine größere Bereitschaft für sich realisierbare Risiken einzugehen.
N.
ist ein 12 jähriges Mädchen mit leichter Entwicklungsverzögerung, die mit ihren beiden Geschwistern beim Vater leben. Die Mutter hat die Familie aus unbekannten Gründen verlassen. Als weitere Bezugsperson ist die Großmutter aufzuführen, die unter dem Messi-Syndrom leidet und im Prinzip nicht als Erziehungsperson angesehen werden kann. Der Vater kommt seiner Erziehungspflicht nur ungenügend nach, er vernachlässigt die Kinder stark. Das Mädchen erzählt immer wieder von den Zuständen zu Hause. N. verweigert immer wieder die Nahrungsaufnahme indem von ihrem Vater beeinflusstem Glauben sie sei zu dick. Das Mädchen kämpft sehr stark bei anderen Kindern um Anerkennung. Sie versucht immer sehr positiv auf ihre Mitmenschen zu wirken. Im Alltag ist sie stark von Ängsten (Höhenangst, Verlustangst) beeinflusst, ihr Selbstvertrauen ist nur gering. Immer wieder kommt es dazu, dass sie Freundschaft durch starkes Klammern und dominantes Verhalten versucht zu erzwingen. Ihr fehlt das Verständnis, dass man mit mehreren Kindern gleichzeitig befreundet sein kann.
Ihre Ressourcen sind ihre Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeit, aber auch die Fähigkeit andere zu motivieren. Sie hat häufig gute Ideen und schafft es manchmal entstehende Spannungen im Gruppenalltag wieder abzubauen, indem sie ausgleichend oder sensibel reagiert. Die wichtigsten Ziele sind die Stärkung ihres Selbstvertrauens, den Mut zum bewussten Risiko, ausreichende Naturerfahrungen sammeln und die Kooperationsfähigkeit fördern.
M.
ist ein 10 jähriger Junge mit ADHS, der mit seiner Mutter zusammen lebt. Er hat drei ältere Geschwister, die aber nicht mehr zu Hause leben. Der Vater lebt allein in der Nähe von Rosenheim. Der Junge sieht seinen Vater alle zwei Wochen am Wochenende. Die Mutter geht einer geringfügigen Beschäftigung nach. Sie ist sehr bemüht um ihren Sohn, hat aber immer wieder Phasen, in denen sie zum Alkohol greift und der Junge zu viel Verantwortung für sich und seine Mutter übernehmen muss. M. ist im Alltag sehr häufig impulsiv und reagiert auf Frustrationen häufig mit aggressiven Wutausbrüchen. Es fällt ihm schwer sich als Teil der Gruppe wahrzunehmen und mit Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen Kinder zu reagieren. Er hat deutliche Defizite in seinem Sozialverhalten und der Sprachentwicklung. Seine starke Ich-Bezogenheit beeinflusst sein Verhalten zusätzlich. Das Erlernen von Kulturtechniken bereitet M. Schwierigkeiten und führt zu einer Verweigerungshaltung seinerseits.
Die Ressourcen von M. liegen in seiner Begeisterungsfähigkeit, in der Zielstrebigkeit bei der Befriedigung seiner Bedürfnisse, der Motivationsfähigkeit und der Bereitschaft zur Reflexion seines Verhaltens. Die wichtigsten Ziele sind die Steigerung seiner Frustrationsfähigkeit, die Selbststeuerung seines Verhaltens und das Sammeln von Naturerfahrungen, die er in seinem unmittelbaren Wohnumfeld nicht zur Verfügung hat.
R.
ist ein 9 jähriger Junge mit autistischen Zügen und einer Sprach- und Entwicklungsverzögerung. Der Junge wächst ohne Geschwister auf und lebt mit seinen Eltern in einer Ortschaft südlich von Rosenheim. Die Eltern sind beide berufstätig, der Vater als Schreiner und die Mutter halbtags als Erzieherin. R. wächst in geordneten Verhältnissen auf. Seine Eltern sind bemüht und arbeiten eng mit dem HPZ zusammen.
Das Sprachverständnis von R. ist eingeschränkt. Häufig versteht er Aufforderungen nicht und bleibt passiv. Er kann nur sehr undeutlich und leise sprechen. Die Aussprache ist sehr monoton. Er wiederholt häufig stereotype Satzmuster. Im Alltag ist R. oftmals mit den an ihn gestellten Anforderungen überfordert. Er zieht sich dann gern zurück oder zeigt Widerstand. Im motorischen Bereich hat er bis auf einen behandelten Klumpfuss keine Einschränkungen. R. ist im sozialen Kontakt mit anderen Kindern sehr unsicher und verhält sich passiv. Die Sprachbarriere erlebt er als Handicap und ist dadurch verunsichert. Er lässt sich jedoch gut motivieren und nimmt an allen Angeboten mit Begeisterung teil. Konflikten geht er aus dem Weg und kann diese auch nicht ohne Hilfe auflösen.
Seine Ressourcen sind sein großes Interesse, seine gute Körperkoordination und sein Mut. Die wichtigsten Ziele sind die Steigerung der Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, die Steigerung seines positiven Selbstwertgefühls und die Verbesserung seiner Konzentrationsfähigkeit.
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
Organisation
Die Vorbereitung der erlebnispädagogischen Gruppe fand immer am Montag Vormittag statt. Die Gruppe selbst am Nachmittag von 12.15 Uhr bis ca. 14.45 Uhr. Im gemeinsamen Gespräch mit meiner Kollegin wurde die Planung für den darauf folgenden Montag besprochen oder etwaige kurzfristige Fragen für den kommenden Nachmittag geklärt. Je nach geplanter Aktivität variierte der organisatorische Aufwand. Die Reservierung des Busses für den Montag wurde bereits zu Beginn des Schuljahres geregelt.
Vorüberlegungen
Die ersten Überlegungen, die angestellt wurden bezogen sich auf die durch den eingeschränkten Zeitrahmen realisierbaren erlebnispädagogischen Methoden unter Berücksichtigung der physischen und psychischen Belastbarkeit von geistig behinderten Kindern und Jugendlichen. Weitere Überlegungen waren die in der näheren Umgebung geeigneten Naturräume und die uns zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Aus diesen Überlegungen und den mir zur Verfügung stehenden eigenen Qualifikationen kamen die Kollegin und ich zu dem Schluss verschiedene Medien der Erlebnispädagogik zum Einsatz zu bringen. In Frage kamen Aktivitäten, die an die Leistungsfähigkeit der behinderten Menschen angepasst und modifiziert waren.
Qualifikationen
Durch meine Fachübungsleiter Klettern Ausbildung beim DAV konnte ich das Medium Klettern und als Variante dazu das Abseilen als geeignetes Lernfeld wählen. Wenig später entschied ich mich das Lernfeld Problemlösungsaufgaben/ niedere Seilgärten auch mit einzubeziehen. Die geplanten und durchgeführten Freizeiten sollten das Thema Schlauchbootfahren den Kindern näher bringen. Die Fachsportlichen Kompetenzen (staatl. gepr. Bootsführer, Hochseilgartentrainer ) hatte ich mir im Laufe der Jahre nebenberuflich angeeignet.
Information der Mitarbeiter
Die Kollegen und Mitarbeiter der drei Tagesstättengruppen wurden im Stufenteam einmal im Monat über unsere Vorhaben informiert. Innerhalb der Stufe gab es einen Aushilfeplan, um die Durchführung auch regelmäßig gewährleisten zu können. Meine beiden Kolleginnen übernahmen während meiner Abwesenheit, die Betreuung der Gruppe.
Elternarbeit
Das Einverständnis der Eltern für die wöchentliche Gruppe war im Rahmen der Einverständniserklärung zur therapeutischen Versorgung im HPZ sichergestellt, welche die Eltern zu Anfang jedes Schuljahres ausfüllten. Bei Freizeiten und Tagesausflügen bzw. besonderen Aktionen wurden die Eltern gesondert informiert und die Einverständniserklärung eingeholt (siehe Anhang).
Dokumentation
Die im Haus vorhandene Digitalkamera wurde zur Dokumentation mitgeführt und sollte von der Kollegin oder mir genutzt werden. Im Anschluss an jedes Treffen der Gruppe wurde ein Protokoll (siehe Anhang) geschrieben.
Einbeziehen der Kinder
Die Kinder wurden in die Vorbereitung mit einbezogen, indem sie für den Transport des Materials zum Bus verantwortlich waren. Im Vorfeld jeder Zusammenkunft sollten die Kinder über die jeweilige geplante Aktivität informiert werden, um sich mit den Herausforderungen auseinander setzen zu können. Da den Kindern das Lesen und Schreiben nur eingeschränkt möglich war, versuchte ich in Gesprächen ihre Wünsche und Bedürfnisse für unsere EP-Gruppe herauszufinden und diese dann in die Arbeit mit einfließen zu lassen. So hatte N. die Idee einmal ein Picknick veranstalten zu wollen aus welcher die Aktion „Essen auf dem Baum“ entstand.
Exemplarisch für die Arbeit und Vorbereitungen der letzten sechs Jahre möchte ich an dieser Stelle drei erlebnispädagogische Aktivitäten aus dem letzten Schuljahr darstellen.
Klettern in der Kletterhalle
Die Vorbereitungen verliefen ohne größeren Aufwand. Aus Spendengeldern hatten wir einen größeren Geldbetrag(200 Euro) zur Verfügung. Von diesem Betrag kaufte ich im Vorfeld Gutscheine a 25 Euro für die Kletterhalle. Durch die Arbeit der letzten Jahre standen uns als Material bereits Gurte, Karabiner und ein Kletterseil zur Verfügung. Aus meiner Spielekiste wählte ich die Materialien für das Aufwärmspiel: „ Wäscheklammernspiel“ und das Boulderspiel: „Transportstaffel“ aus. Die Kollegin erklärte sich bereit die Aufsicht der Kinder zu übernehmen, während ich mit dem Sichern einzelner Kinder beschäftigt war.
„Essen auf dem Baum“
Bei einem Ausflug mit meiner Tagesstättengruppe am Dandlweiher in der nördlichen Umgebung von xy entdeckte ich einen geeigneten Baum mit weit herunterhängenden, stabilen Ästen. Der Baum liegt sehr schön gelegen direkt am Ufer eines kleinen Sees. Durch die Selbsterfahrung beim KAP- Kurs „Erste Hilfe Outdoor“ wußte ich, dass diese Aktion vielerlei Anforderungen an die Teilnehmer stellt. Neben den motorischen Vorraussetzungen und der psychischen Belastung ist das „Essen auf dem Baum“ auch ein außergewöhnliches Abenteuer.
„Hoch überm Chiemsee“
Durch meine nebenberufliche Tätigkeit als Hochseilgartentrainer an verschiedenen Hochseilgärten im Südostbayerischen Raum kannte ich den sehr schön gelegenen Baumhochseilgarten in Übersee am Chiemsee. Der dort vor einiger Zeit geschaffene Kinderseilgarten in 2m Höhe eignet sich auch für die Arbeit mit behinderten Kindern. Diese Aktion sollte im Rahmen eines Tagesausflugs stattfinden. Da die Kinder eigentlich um 15 bzw. 16 Uhr mit dem Bus nach Hause gebracht werden, war es erforderlich, dass die Eltern ihre Kinder nach unserer Rückkehr direkt vom HPZ abholen müssen. Die Eltern wurden deshalb mit einem Elternbrief (siehe Anhang) informiert.
Finanzierungsplan
Um den Aktivitäten einen größeren Handlungsspielraum zu ermöglichen wurden im Vorfeld sowohl bei der regelmäßig stattfindenden EP-Gruppe als auch den Freizeiten Gelder bei der Einrichtungsleitung beantragt. Diese Gelder stammen aus Spenden(siehe Anhang). Der Förderverein stellte der erlebnispädagogischen Gruppe immer wieder auf Antrag(siehe Anhang) Gelder für Freizeiten oder Material (Klettergurte, Seil, Helme, Karabiner) zur Verfügung.
4.2 Geplanter Verlauf
4.2.1 Klettern in der Kletterhalle
Das Klettern sollte am 16.06.2008 in der neuen Rosenheimer Kletterhalle stattfinden. Die Abfahrt ist um 12.15 Uhr geplant. Die Fahrt zur Kletterhalle dauert ca. 10 Minuten, so dass wir ein Zeitfenster von zwei Stunden zur Verfügung haben werden. Nach Ankunft an der Kletterhalle und dem Einlösen des Gutscheins soll es zum Umziehen gehen. Die Kinder brauchen zwar keine aktive Hilfestellung mehr beim Umkleiden benötigen jedoch verbale Unterstützung, damit auch nicht zu viel Zeit dabei verloren geht. Für das Umkleiden rechne ich noch einmal eine viertel Stunde ein. Nach dem Zusammentreffen soll das eigentliche Programm beginnen. Geplant ist zunächst eine kurze Informationsrunde, um die Kinder auf die geplante Aktion vorzubereiten. Danach werden die Gurte angelegt. Als zweiten Punkt plane ich ein kurzes Aufwärmspiel „Wäscheklammernspiel“ am Boden. Im Anschluss an die Bewegung zum Aufwärmen, will ich ein einfaches Boulderspiel „Transportstaffel“ folgen lassen. Der Höhepunkt soll das Seilklettern sein. Die Kollegin will für die Kinder am Boden die Aufsicht übernehmen, während ich mit dem Sichern beschäftigt bin. Nachdem alle Kinder ihren Möglichkeiten entsprechend zweimal geklettert sind, soll eine gemeinsame Abschlussrunde stattfinden. Gegen 14.15 Uhr war geplant wieder mit allen im Bus zu sitzen, um rechtzeitig am HPZ zurück zu sein.
4.2.2 „Essen auf dem Baum“
Vor meinem Dienstbeginn am 05.05.2008 kaufe ich bei einem Supermarkt alle benötigten Lebensmittel ein. Von zu Hause plane ich die anderen Gegenstände mitzubringen. Im HPZ werde ich noch das Seil organisieren. Das Zusammentreffen mit den Kindern ist für 12.15 Uhr angedacht. Nach kurzer Informationsrunde ist die Abfahrt zum Dandlweiher geplant. Die Kinder wissen nur, dass wir eine Brotzeit machen wollen, aber nicht wie diese stattfinden soll. Nach kurzer Fahrt bekommen die Kinder gegen 12.40 Uhr die Gelegenheit sich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen. Der erste Teil besteht aus einer Wanderung um den kleinen See. Danach soll die Überraschung gelüftet werden. Mit Verkündung der Aufgabenstellung gegen 13.30 Uhr bekommen die Kinder den Stoffbeutel mit allen benötigten Gegenständen ausgehändigt. Das gegenseitige Helfen soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Nachdem alle bis auf die Kollegin (sie bot sich an das Photographieren zu übernehmen) auf dem Baum platzgenommen haben, soll die gemeinsame Brotzeit beginnen. Mir erschien es im Vorfeld wichtig darauf zu achten, dass die unsicheren Kinder auf den untersten, bodennahen Ästen Platz nehmen sollen. Für die Brotzeit auf dem Baum plane ich einen Zeitraum von ca. 35 Minuten ein. Somit soll ca. gegen 14.10 Uhr die Abschlussrunde stattfinden. Im Anschluss findet die gemeinsame Fahrt zum HPZ statt.
4.2.3 „Hoch überm Chiemsee“
Der Tagesausflug am 28.07.08 stand unter dem Motto „ Hoch überm Chiemsee“. Für die Fahrt zum Baumhochseilgarten in Übersee am Chiemsee planen wir einen ganzen Nachmittag ein. Im Vorfeld buche ich den Termin um sicher zu stellen, dass der Kinderseilgarten auch frei ist. Der Elternbrief soll 14 Tage vor unserem Termin den Kindern mitgegeben werden. Am Tage vor dem Ausflug will ich noch einmal mit dem Betreiber des BHSG Rücksprache halten, um die Frage nach dem bei der Buchung erwähnten Grillplatz zu klären und eventuell aufgetretene Schwierigkeiten zu klären. Am Ausflugstag wollen wir nach dem Mittagessen in den jeweiligen Gruppen gegen 14 Uhr aufbrechen. Der Bus soll mit den Kindern gemeinsam beladen werden. Vor der Abfahrt besprechen wir mit den Kindern noch den Ablauf des Nachmittags und die Einkaufsliste für das gemeinsame Grillen. Für die Fahrt rechne ich ca. eine Stunde ein. Nach der Ankunft bietet sich den Kindern erst einmal die Chance alles anzuschauen. Im Anschluss an das Beobachten anderer Besucher in den Baumgipfeln suchen wir uns einen geeigneten Lagerplatz für unsere Kleidung und machen eine kleine Brotzeit. Danach ist Zeit geplant für das Begehen des Kinderseilgartens mit vorherigem Einführungsgespräch und abschließendem Gruppenphoto. Gegen 16.30 Uhr verabschieden wir uns vom Baumhochseilgarten und suchen den Grillplatz auf. Der sich in der Nähe befindliche Badestrand soll den Kindern noch einmal Abkühlung verschaffen. Nach einem kurzem Bad im Chiemsee ist das abschließende gemeinsame Grillen geplant. Die Badesachen werden zum Trocknen aufgehängt und die Kinder decken gemeinsam den Tisch. Das Essen um ca. 17.15 Uhr stärkt die Kinder wieder und alle lassen noch einmal den gemeinsamen Nachmittag Revue passieren. Um 18 Uhr ist die Abfahrt zurück nach xy zum HPZ geplant. Die Ankunft wird gegen ca.19 Uhr sein.
4.3 Tatsächlicher Verlauf
4.3.1 Klettern in der Kletterhalle
Der Tag verlief planmäßig gut. Wir trafen uns am 16.06.08 gegen 12.15 Uhr mit allen Kindern. Keines der Kinder war krank und alle Kollegen der Stufe waren anwesend. Beim ersten Gespräch am gemeinsamen Treffpunkt äußerten alle Kinder ihre Freude über die Fahrt in die Kletterhalle. N. erwähnte ihre Bedenken bezüglich ihrer vorhandenen Höhenangst. Wir fuhren gemeinsam zur Kletterhalle und begleiteten die Kinder beim Umziehen. Um 13 Uhr konnte ich dann nachdem Anziehen der Gurte und dem Einführungsgespräch mit dem Aufwärmen in Form des „Wäscheklammerspiels“ beginnen. Die Kinder hatten viel Freude und zeigten sich gut gelaunt. Das anschließende Boulderspiel mit dem Namen „Transportstaffel“ stellte sich als Herausforderung für einen Teil der Kinder dar. Die Körperspannung in einer Position zu halten fiel R. und M. den Beiden jüngsten nicht leicht. Der Hauptteil mit dem Klettern an einer Toprope Route verlief gut. Bis auf N., die sehr mit ihrer Höhenangst zu kämpfen hatte und nur nach mehrmaliger Aufforderung einen Versuch unternahm, konnten alle Kinder zweimal hintereinander ihren Fähigkeiten entsprechend klettern. Die Zeit verging sehr schnell, so dass nach kurzer Abschlussreflexion nur wenig Zeit blieb, um sich umzuziehen und zurück zum HPZ zu fahren.
4.3.2 „Essen auf dem Baum“
Die Durchführung verlief weitestgehend wie geplant. Die Kinder zeigten sich gespannt auf die bevorstehende Überraschung. Die Wanderung um den See war für die Kinder sehr spannend und es gab mehr zu entdecken als zunächst erwartet. Das mitgeführte kurze Seilstück wurde während des Spaziergangs als Hilfestellung zum Erklimmen der Uferböschung genutzt, nachdem die Kinder auf einer am Weg liegenden Sandbank Spuren von Bibern entdeckten. Zurück an unserem geplanten Brotzeitplatz zeigten sich die Kinder, als ich ihnen das Vorhaben beschrieb auf einem Baum Brotzeit zu machen, zunächst verwirrt. Dies wich jedoch schnell der Freude und Begeisterung über das bevorstehende Erlebnis. Die Kinder verstanden meine Hinweise bezüglich der Sicherheit und hielten sich daran. Es schafften alle Kinder aus eigener Kraft auf den Baum zu steigen und sich einen guten Sitzplatz zu suchen. Das Essen verlief zur Freude aller ohne Probleme. Das Seil wurde nach einer Anregung der Kinder noch zu einer Schaukel umfunktioniert. In der abschließenden Reflexion äußerten sich alle Kinder positiv über das zuvor Erlebte. Die Rückfahrt zum HPZ verlief entspannt.
4.3.3 „Hoch überm Chiemsee“
Der Tagesausflug am 28.07.08 fand wie geplant statt. Die beiden Mädchen der Gruppe konnten an diesem Tag nicht teilnehmen. Die Eltern der Mädchen gestatteten ihnen aus verschiedenen Gründen nicht mitzufahren. Das Telefonat am 27.07.08 mit dem Betreiber des HSG war kurz, da es gerade viel Betrieb am HSG gab. Wir fuhren am 28.07.08 kurz nach 14 Uhr am HPZ los. Auf dem Weg hielten wir in Bernau, um gemeinsam mit den Kindern die Lebensmittel, auf der während der Busfahrt erstellte Einkaufsliste, zu besorgen. Am HSG verlief alles wie geplant. Das bewusst kurz und klar formulierte Sicherheitsgespräch schien von allen vier Kindern verstanden worden zu sein. Alle Kinder bewältigten den Kinderseilgarten ihren Möglichkeiten entsprechend gut. Das anschließende Bad im Chiemsee war eine willkommene Erfrischung an diesem heissen Tag. Den Kindern bereitete dies dementsprechend auch viel Spass und es fiel den Vieren schwer das Wasser wieder zu verlassen. Der Grillplatz war frei und konnte von uns wie geplant genutzt werden. Die Kinder kümmerten sich angeleitet um das Decken des Tisches, während ich mit dem Grillen beschäftigt war. Alle genossen das leckere Essen und es fiel schwer wieder aufzuräumen und heimzufahren.
4.4 Abschluss
Beim letzten Zusammentreffen im Schuljahr findet bei uns traditionell der Abschluss statt. Die Gruppe ist so organisiert, dass jedes Jahr drei Kinder ihren Abschluss haben, nachdem sie zwei Jahre die EP-Gruppe besuchten. Dadurch gibt es jedes Jahr wieder eine neue Gruppenzusammensetzung Die Kinder bekommen von uns eine Urkunde (siehe Anhang), eine Photo-CD mit den schönsten Bildern und eine kleine Medaille überreicht. Der Abschluss in diesem Jahr fand in den Räumen des begleitenden Fachdienstes statt. Wir sind mit allen sechs Kindern zusammengesessen und haben das Schuljahr Revue passieren lassen. Am PC betrachteten wir die entstandenen Bilder gemeinsam. Die Kinder erzählten von ihren schönsten Erlebnissen und den spannendsten Momenten des vergangenen Jahres.
5. Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Kindern/ Jugendlichen
J.
zeigte sich zu Beginn der EP-Gruppe häufig sehr unkonzentriert und war ständig damit beschäftigt herumzualbern. Sein Selbstvertrauen war nur sehr gering, was sich in einer starken Unsicherheit zeigte. Im Laufe des Jahres fiel es J. leichter sich in der Gruppe adäquat zu verhalten. Durch die interessanten herausfordernden Angebote und die konsequente und strukturierte Führung begann J. langsam damit, sich konzentrierter und selbstbewusster auf die Angebote einzulassen. So konnte er beim Klettern z.B. nach kurzer konstanter Eingewöhnungszeit bis zum Ende der Kletterroute auf ca. 10 Meter Höhe klettern.
H.
konnte in der Gruppe mehr Selbstvertrauen gewinnen. Er verstand es mit der Zeit wahrzunehmen, dass seine Leistungen wertgeschätzt wurden und entwickelte ein Gefühl von Stolz. Seine Hilfsbereitschaft anderen Kindern gegenüber trug zum positiven Gruppengefühl bei. Bei einer Aktion der EP-Gruppe galt es mit einen Baumstamm einen Graben zu überqueren. H. bewies Mut und unterstützte die anderen Kinder darin es auch zu probieren.
M.
schaffte es ihre anfängliche Unsicherheit weitestgehend abzulegen. Sie traute sich im Laufe der Zeit mehr zu und bemühte sich deutlicher zu sprechen. M. war für die Gruppe immer eine gute Stütze und wirkte positiv auf das Verhalten der anderen Kinder ein.
N.
stieß erst ein viertel Jahr später zur EP-Gruppe dazu. Sie zeigte sich den anderen Kindern gegenüber sehr dominant und es fiel ihr schwer gemeinsame Entscheidungen anzunehmen. Mit ihrer Dominanz versuchte sie die ihr angsteinflößende Situationen, ( wie z.B. den Faktor Höhe beim Klettern oder Abseilen) durch Manipulation anderer Kinder, zu boykottieren. Im Laufe der Zeit und mit viel Anleitung schaffte sie es, sich zunehmend zurückzunehmen und Entscheidungen anderer zu akzeptieren. Zu M. entwickelte sie einen freundschaftlichen Kontakt und es gelang ihr sich angsteinflössenden Situationen bewusst auszusetzen.
M.
war zu Beginn des Schuljahres sehr impulsiv mit emotionalen Ausbrüchen. Ihm fiel es schwer sich fordernden oder schwierigen Aufgaben und Anforderungen zu stellen. Das Integrieren in die Gruppe gelang ihm zunächst nicht. Mit der Zeit konnte M. dann Erfolgserlebnisse sammeln (er schaffte es bei einer kleineren Bergtour das Ziel zu erreichen; er war die helfende Hand bei dem Überqueren des Baches mit einer selbstgebauten Brücke), die positiv auf sein Selbstvertrauen wirkten und bei denen er sich bewusst als Teil der Gruppe wahrnehmen konnte.
R.
zeigte sich vor Beginn der EP-Gruppe stets sehr zurückhaltend und sozial unsicher. Im Laufe des Jahres war zu beobachten, dass R. sich in der Peergroup zunehmend sicherer bewegte. Die Kommunikation mit R. verbesserte sich dahingehend, dass er deutlicher seine Freude zum Ausdruck brachte und sich vor den anderen Kindern zutraute frei zu sprechen. Durch viele Bewegungsangebote konnte R. seine Defizite gut kompensieren und mit den anderen Kindern mithalten, wodurch deutlich und sichtbar sein Selbstvertrauen gestärkt wurde.
5.2 Reaktionen der Einrichtung
Die Arbeit der EP-Gruppe wird im Haus weitestgehend positiv gesehen. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem betreuenden Fachdienst der Stufe in Form der wöchentlichen Vorbereitungs- und Reflexionsgespräche besteht ein vertrauensvolles kollegiales Verhältnis. Die Einrichtungsleitung sieht die Arbeit der EP-Gruppe als wertvolle Bereicherung des breitgefächerten Therapieangebotes des Hauses. Die im Rahmen des Tages der offenen Tür dargestellten Inhalte und Fotos, sowie der Selbsterfahrungsteil mit dem „Labyrinth im Dunkeln“ stiessen bei allen Teilnehmern auf positive Resonanz.
Der Rückmeldung vieler Kollegen, dass es noch mehr Kinder und Jugendliche gäbe, die für eine EP-Gruppe in Frage kämen, wurde im letzten Jahr durch die Bildung einer weiteren Gruppe Rechnung getragen.
6. Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse
Die letzten sechs Jahre haben mir immer sehr viel Spass gemacht. Es gab immer wieder Momente die besonders waren. Vor drei Jahren z.B. verbrachten wir ein Erlebnispädagogisches Wochenende in Schneizlreuth. Wir wollten zum Rafting gehen, hatten aber ziemliches Pech mit dem Wetter. Es regnete das ganze Wochenende in Strömen. Die Fackeltour entlang der Saalach am Freitag Abend war trotz strömendem Regen für alle Beteiligten schön. Die Kinder und Jugendlichen durften zum ersten Mal eine Fackel tragen und das Wetter war Ihnen total egal. Die Übernachtung im Tippi war dafür grausam - alle Nacktschnecken der Umgebung trafen sich in unserem Tippi und kaum ein Kind konnte wirklich schlafen.
Bei einem Treffen der EP-Gruppe hatte N. die Idee zu einem Picknick im Wald. Jeder sollte einen Teil dazu beitragen. Der Nachmittag war sehr schön, da alle Kinder etwas mitbrachten und so zum Gelingen beitrugen. N. hatte ihre größte Freude und äußerte dies sei seit langem mal wieder ein schöner Tag.
Der Ausflug zum Baumhochseilgarten war trotz der beiden fehlenden Mädchen schön. Mich überraschte R. besonders, da er mit einer Leichtigkeit und ohne Angst die verschiedenen Übungen meisterte. Er tat dies mit einer Souveränität, die sonst keiner an den Tag legte.
6.2 Erkenntnisse und Erfahrungen
Organisation
Die grösste Schwierigkeit in den letzten sechs Jahren war für mich der Zeitfaktor. Es war extrem limitierend in einem Zeitfenster von 2,5 Stunden erlebnispädagogisch zu arbeiten. Bei der Durchführung von bestimmten Aktivitäten, wie z.B. Abseilen oder Klettern am Naturfels, musste ich ständig die Zeit im Auge behalten. Dies empfand ich regelmäßig als Stress. Die Struktur und die Rahmenbedingungen im HPZ lassen aber nichts anderes zu. Die Durchführung von Freizeiten oder Tagesausflügen ist bei uns stets auf Ferienzeiten zu legen. Dafür gibt es vielerlei Gründe. Ein Grund ist mit Sicherheit auch das komplexe System aus Schule, Therapie, Tagesstätte, Fachdienst, Psychologie, etc. welches sehr statisch ist und nur wenig Flexibilität zulässt.
Leider konnte im Schuljahr 06/07 die EP-Gruppe nicht regelmässig stattfinden. Dies lag zum einem an der schwierigen Personalsituation aber auch an der Gruppenzusammensetzung meiner Tagesstättengruppe mit vielen verhaltenskreativen Kinder, die meine Abwesenheit in dieser Zeit nur selten zuließ.
Inhaltlich kam oftmals die Abschlussrunde mit den Kindern zu kurz. Dies lag meistens am engen Zeitplan der ein Reflektieren mit den Kindern meist nur während der Heimfahrt mit dem Bus möglich machte.
Kinder
Die letztjährige EP-Gruppe erschien uns bezüglich Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Beweglichkeit und kognitivem Entwicklungsstand der Kinder sehr fit. Dadurch ergaben sich für uns mehr Möglichkeiten. Der Ausflug „ Essen auf dem Baum“ wäre ansonsten undenkbar gewesen. Die Schwierigkeiten mit dieser Gruppe ergaben sich eher aus den unterschiedlichen Persönlichkeiten. N. musste von uns häufig dabei gebremst werden, wenn es darum ging den anderen Kindern ihre Meinung aufzudrücken. So versuchte sie z.B. beim Klettern in der Halle M. zu überreden sich dem Klettern zu verweigern. Aus ihrer momentanen Lebenssituation lassen sich ihre Unsicherheit und ihre Ängste hier im speziellen ihre Höhenangst erklären. Durch viel Motivation und Anerkennung ihrer Fähigkeiten ohne dabei für sie zu viel Druck aufzubauen versuchte ich diesem Verhalten entgegenzuwirken. Häufig gab es auch Auseinandersetzungen mit M., der z.B. darauf behaarte immer an demselben Platz im Bus sitzen zu wollen oder sich nur schwer daran gewöhnen konnte nicht immer der Erste zu sein. Dem begegneten wir stets mit viel Geduld und erklärenden Gesprächen.
Persönliches Resümee
Die wichtigsten Erfahrungen aus den letzten sechs Jahren sind für mich:
Die einfachsten Aktionen haben bei den Kindern die größte Wirkung hinterlassen. In den Sommermonaten 03/04 verbrachten wir mit den Kindern viel Zeit auf einer Kiesbank mit dem Bauen von Staudämmen und Lagerfeuer machen. Die elementaren Naturerfahrungen waren für einen Teil der Kinder etwas ganz Neues und es forderte die Kinder heraus sich mit den Elementen Wasser, Erde, Feuer und Luft auseinanderzusetzen.
Es ist für mich immer wieder erstaunlich gewesen, welches Potential in den geistig behinderten Kindern steckt. Durch kontinuierliches Üben erlangten unsere Kinder gerade im letzten Jahr soviel Sicherheit und Selbstvertrauen beim Klettern, das bis auf N. (die durch ihre Ängste massiv gehemmt ist) alle Kinder beim Klettern am Seil den höchsten Punkt erreichten.
Das Modifizieren von Interaktions- und Abenteuerspielen, das Herabsetzen von Anforderungen und ein geeigneter Zeitrahmen ganz wichtige Faktoren in der handlungsorientierten Arbeit bei geistig und körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen sind
7. Öffentlichkeitsarbeit
Eine Öffentlichkeitsarbeit hat es in den letzten Jahren in Bezug auf die inhaltliche Arbeit der EP-Gruppe eigentlich nicht gegeben. Es gab einen Zeitungsartikel (siehe Anhang) über eine Spende zugunsten der EP-Gruppe. Ich hatte jedoch die Möglichkeit bei unserem Tag der offenen Tür die Gruppe präsentieren zu können. In diesem Rahmen besuchte meinen Stand und den Selbsterfahrungsbereich (Labyrinth im Dunkeln) eine ganze Reihe interessierter Person und es gab einen regen Austausch. Eine nennenswerte Person war die Bundestagsabgeordnete Daniela Raab, die sich sehr interessiert zeigte und mit der Leitungsebene des HPZ zusammen den Selbsterfahrungsbereich erprobten.
8. Literaturverzeichnis
Kletter- und Outdoorspiele, Marschner
Kooperative Abenteuerspiele Bd.1, Gilsdorf und Kistner
Kursunterlagen Erste Hilfe Outdoor, Einführungskurs
Erleben und Lernen, Einführung in die Erlebnispädagogik 5. Auflage Heckmair und Michl
Sicherheitsstandards in der Erlebnispädagogik, Perschke und Flosdorf
9. Anhang
Sicherheitskonzept Klettern
Sicherheitskonzepte gab es je nach geplanter Aktivität. An dieser Stelle möchte ich hier zuerst das Konzept für das Klettern in der Kletterhalle Rosenheim aufführen. Die Sicherheitsregeln wurden im Vorfeld mit den Kindern immer wieder besprochen und sind bekannt.
Allgemeine Sicherheitsregeln
• Kollegen und Eltern wurden von Ausflugsziel und zeitlicher Dauer informiert
• Mitführen eines Handy für den Notfall
• Erste Hilfe Ausrüstung wurde eingepackt
• Umgang oder Zugang auf andere Mitmenschen wurde besprochen und auf Verständnis geprüft
Sicherheitsstandards Hallenklettern
• Das Hallenpersonal wird über die Anwesenheit der Gruppe informiert
• Alle Kinder müssen zu jedem Zeitpunkt im Sichtfeld der Betreuer bleiben
• Die Kinder dürfen im Boulderbereich nur nebeneinander nicht übereinander klettern
• Der Boulderbereich verfügt über eine Weichbodenmatte und es darf nicht höher als vorher festgelegt geklettert werden.
• Die Kinder sollen im Boulderbereich abklettern und nicht abspringen
• Es gibt ein klares Stop- Signal als Abbruch und Aufforderung zum Innehalten
• die vorhandenen Top-Rope Stationen werden augenscheinlich vor Benutzung überprüft
• das richtige Anlegen der Gurte wird überprüft
• Vier-Augen-Prinzip unmittelbar vor dem Klettern
Materialliste Klettern
Die Kletterhalle Rosenheim stellt eingerichtete Top-Rope Routen in unterschiedlichen Wandhöhen zur Verfügung.
• sechs Klettergurte
• drei HMS Karabiner
• ein ATC oder Tuber
• 30 Wäscheklammern
• DINA4 Papier und Filzstifte
• vier Tennisbälle
• Klebeband
Sicherheitskonzept „Essen auf dem Baum“
Als Vorbereitung für das Essen auf dem Baum gab es ein Gespräch mit meiner Kollegin über mögliche Gefahren und Risiken. Es wurde festgestellt, das alle Kinder motorisch in der Lage waren sich ohne größere Hilfestellung auf dem Baum zu halten. Wir schätzten die beiden Mädchen aus unserer Erfahrung als eher ängstlich ein und beschlossen motivierend und unterstützend auf sie einzuwirken.
Die folgenden Sicherheitsregeln wurden festgelegt:
• Die maximale Kletterhöhe sind 4 Meter
• Es darf anderen Kindern auf dem Baum nicht körperlich begegnet werden.
• Jedes Kind bleibt auf seinem Platz sitzen
• Es gibt ein klares „Stop“-Signal
• Kinder sind angehalten aufmerksam zu sein und vorsichtig zu bleiben
Materialliste „Essen auf dem Baum“
Die Lebensmittel werden im Vorfeld von mir unter Berücksichtigung von religiösen oder allergischen Gesichtspunkten eingekauft. Das Messer zum Schneiden der Lebensmittel und den Leinenbeutel für den Transport am Baum nehme ich von zu Hause mit. Das 10m Kletterseil hole ich aus unserer Materialkiste.
• 1 Stück Goudakäse, 1 Pckg. Würstchen, 8 Laugenbrezen, 1 Pckg. Babybel, 1 Pckg. Schaumküsse
• 6 Flaschen Apfelschorle, 1 Flasche Wasser
• 1 Messer, 1 Leinenbeutel, 1 Seil (10m Länge)
Sicherheitskonzept „Hoch überm Chiemsee“
Der normale Safetytalk für das Begehen von Hochseilgärten umfasst eine ganze Reihe wichtiger Informationen und dauert ca. 10 Minuten. Die Aufmerksamkeitsspanne unserer Kinder liegt aber zum Teil deutlich darunter. Um dieses Dilemma zu handhaben überlegte ich die wichtigsten Punkte in einfache klar, verständliche Worte zu fassen und während des Begehens die Kinder auf mögliche Gefahrenpunkte erneut hinzuweisen. Die Einverständnis der Eltern sollte über den Elternbrief eingeholt werden. Für das Bad im Chiemsee stellt mein Rettungsschwimmabzeichen die Vorraussetzung dar.
• Ein Einweisungsgespräch hat in jedem Fall vor Betreten des Kinderseilgartens stattzufinden
• Die Kinder tragen feste Schuhe, keine Sandalen
• Das Tragen eines Helmes und eines Komplettgurtes ist Vorschrift
• Das Umhängen der Selbstsicherung erfolgt immer unter Aufsicht eines Trainers
• Das „Stop“- Signal dient der Sicherheit und bedeutet alle Kinder gehen auf die nächstgelegene Plattform
• Es darf immer nur ein Kind in jeder Übung unterwegs sein
• Das Begehen erfolgt im Zweierteam und der Sicherheit liegt das „Vier-Augen Prinzip“ zu Grunde
• Die Badeaufsicht muss die Kinder im Blickfeld behalten
• Nichtschwimmer benötigen eine Schwimmhilfe
• Die Kinder bleiben räumlich nah beieinander
Materialliste
Für diesen Ausflug informierte ich mich im Vorfeld über die örtlichen Gegebenheiten. Ich fand heraus, dass es in der Nähe des Baumhochseilgartens einen Grillplatz gab. Die Ausrüstung für das Begehen des Kinderseilgartens wurde mir zur Verfügung gestellt. Das gemeinsame Grillen und die Versorgung mit ausreichend viel Flüssigkeit stand damit im Fokus der Materialbesorgung.
• Getränke für 6 Kinder und 2 Betreuer
• Grillkohle und Besteck sowie Grillfleisch für 8 Personen
• Teller und Becher für alle Teilnehmer
• Zündhölzer und Grillanzünder
• Salat, Brot, Ketchup
• Müllbeutel, Servietten
Konzeption EP-Gruppe HPZ
Konzeption der im Rahmen der Tagesstätte durchgeführten erlebnispädagogischen Maßnahmen
1) Erlebnispädagogik
• Erlebnispädagogik ist ein Prozess, in dem Lernende sich Wissen, Fähigkeiten und Werte durch direkte Erfahrungen aneignen.
• Um sich selbst zu erleben und sich mit anderen auf einprägsame Weise erleben zu können, ist es notwendig, sich auf spannende Herausforderungen einzulassen. Die Konsequenzen, die sich aus dem Handeln ergeben, sind unmittelbar erlebbar und der Einzelne hat die Chance, sich mit Angst und Könnensgrenzen auf allen Persönlichkeitsebenen auseinander zu setzen.
• Das Ziel jeder Aufgabe trägt in sich einen Lernaspekt. Es wird somit versucht, eine Lernsituation zu schaffen, die auf die Gruppensituation und die Mitglieder der Gruppe abgestimmt ist.
• Die einzelnen Aufgabenstellungen müssen klar präsentiert werden, aufbauend auf bestehendem Wissen und Erfahrung der Gruppenmitglieder.
• Die Situationen, die geschaffen werden, müssen für die Teilnehmer herausfordernd, aber auch machbar sein.
2) Transfer der Erfahrungen
„Der Weg ist das Ziel“
• Das Lernen an einem völlig unbekanntem Ort, unter unbekannten Bedingungen, stellt eine außergewöhnliche Chance dar, überhaupt bestimmte Lernprozesse in Gang zu bringen, die durch negative Lebenserfahrungen verunmöglicht worden sind.
• Wichtig sind hauptsächlich die Erfahrungen, die auf dem Weg zum Ziel gemacht wurden und nicht das Ziel an sich. Das Ziel entspricht oft nicht den Situationen im Alltagsleben. Es steht meist stellvertretend für schwierige bzw. unmöglich erscheinende Aufgaben, solche, die Angst entstehen lassen.
• Entscheidend sind die Bewältigungsstrategien, die von den Teilnehmern angewandt werden, um die Herausforderung zu meistern. Diese Bewältigungsversuche entsprechen Strategien, die auch im Alltagsleben zur Lösung von Problemen, die Unsicherheit auslösen, angewandt werden können.
• Erlebnispädagogische Maßnahmen können präventiven oder therapeutischen Charakter haben.
3) Ziele:
Handlungskompetenz stärken
• Planungsfähigkeit
• Begründungs- und Bewertungsfähigkeit
• Konzentrationsfähigkeit (Konzentrationsdauer und –intensität)
• Leistungsfähigkeit
Soziale Kompetenz stärken
• Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit
• Bereitschaft zum Risiko und zur Übernahme von Verantwortung
• Konfliktfähigkeit
• Frustrationstoleranz erhöhen
• Selbststeuerung des Verhaltens
• Rücksichtnahme auf die anderen Gruppenteilnehmer
Steigerung eines positiven Selbstwertgefühls
• Selbsteinschätzung
• Selbstwahrnehmung
Naturverständnis entwickeln
• Bewusstes Erleben der Natur
• Taktile Wahrnehmungserfahrungen
Schwerpunkt:
Durch unterschiedliche Maßnahmen einen gruppendynamischen Prozess in Gang zu setzen, der das Erreichen der oben genannten Ziele ermöglicht. Die Gruppe spielt eine entscheidene Rolle in den erlebnispädagogischen Aktivitäten, damit neben individuellen Persönlichkeitsmerkmalen, auch das soziale Lernen gefördert werden kann.
4) Zielgruppe
Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche:
• mit Erfahrungsdefiziten im emotionalen und sozialen Bereich, die aber
• über ein ausreichend gutes Sprachverständnis verfügen
• Kooperationsbereitschaft zeigen
• und die körperlich belastbar sind.
5) Methoden zum Thema „Elemente der Natur“
• Kennenlern- und Vertrauensspiele
• Naturerfahrungen
• Geländespiele
• Klettern
• Wanderungen
• Umweltmuseum- Besuch
• Abschlusswochenende
6) Organisation
Die erlebnispädagogischen Kurzmaßnahmen finden einmal wöchentlich jeden Donnerstag von 13.15 Uhr bis 15.30 Uhr (2 Std. 15 Min.) statt.
Die Kurzmaßnahmen finden in Gruppenarbeit mit 6 Kindern und Jugendlichen aus Mittel- und Oberstufe statt.
Das Betreuungsteam besteht aus einer Heilpädagogin und einem Erzieher.
Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen benötigen lockere, den Witterungsverhältnissen angepasste Kleidung und feste Schuhe.
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R. Alezard T. Specht
Anschreiben Eltern „Hoch überm Chiemsee“
Hoch überm Chiemsee
Wir wollen mit unserer Erlebnispädagogikgruppe am 28.07.08 an den Baumseilgarten in Übersee am Chiemsee fahren.
Wir werden um 14 Uhr am HPZ losfahren und um 19 Uhr wieder in Rosenheim zurück sein.
Mit diesem Erlebnis wollen wir den Kindern folgende Ziele vermitteln:
• Körperwahrnehmung und Bewegungserfahrung verbessern
• Möglichkeiten und Grenzen erfahren und erweitern
• Gemeinsam Spaß haben und Natur erleben
• Gemeinschaft erleben und zusammen etwas unternehmen
Der Ablauf ist wie folgt geplant:
• Ankunft in Übersee
• Anschauen der Hochseilgartenanlage
• Brotzeit
• Anziehen der Gurte und Helme
• Einweisung durch Trainer
• Begehen des Kinderseilgartens
• Klettern an der Kletterwand
• Erholung im Strandbad
• kleines Lagerfeuer mit Würstelbraten u. Stockbrot
• Rückfahrt zum HPZ
Bitte geben Sie Ihrem Kind folgendes mit:
• feste Schuhe (keine Sandalen)
• Badesachen mit Sonnencreme( bei entsprechender Wetterlage)
• Kopfbedeckung
• Brotzeit
Für Sie als Eltern entstehen bei diesem Ausflug keine Kosten!
Sollten Sie noch Fragen haben können Sie Herrn Specht unter der Telefonnummer 08031/285760 anrufen.
Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit
die Erlebnispädagogikgruppe
Rückmeldung für den 28.Juli 08 Hoch überm Chiemsee
Meine Tochter/ mein Sohn ..................................
nimmt an dem Ausflug teil
nimmt nicht an dem Ausflug teil
Mein Kind
hat keine gesundheitlichen Einschränkungen
hat gesundheitliche Einschränkungen (z.B. Allergien)
Welche: .......................................................................................
Wir holen unser Kind am HPZ ab
Bitte bringen Sie unser Kind nach Hause
Bitte Rückmeldung bis zum 25.07.08 ihrem Kind wieder mitgeben.
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Datum Unterschrift
Urkunde Teilnahme an der EP-Gruppe
Urkunde
Für
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Du hast 2 Jahre mit großem Erfolg an der Erlebnispädagogik im HPZ teilgenommen.
Vielen Dank für die schöne Zeit mit dir.
Wir wünschen dir alles Gute.
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Timo Specht Rita Alezard
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
Eine Erlebnispädagogische Gruppe
für geistig behinderte Kinder und Jugendliche
Erlebnispädagogisches Projekt von Timo Specht





