Sina Strauss
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Einmal Mittelalter und zurück"
Erlebnispädagogisches Projekt von Sina Strauß
vom 27. - 29.07.2010
1. Einleitung/Beschreibung der Einrichtung
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund/Idee
2.2 allgemeine Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmung
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
3.2 Beschreibung der Teilnehmer/innen
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
4.2 Geplanter Projektverlauf
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
4.4 Abschluss
5. Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligen Kindern
5.2 Reaktionen in der Einrichtung
6. Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse
6.2 Erkenntnisse / Erfahrungen
7. Öffentlichkeitsarbeit
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
1. Einleitung
Den Bereich Tagesgruppe gibt es schon seit etwa 12 Jahren bei unserem Träger der Arbeiterwohlfahrt. Unser erster Standort war die Stadt Coswig, nach Gebietsreform und baulichen Mängeln am alten Gebäude sind wir im Herbst 2008 nach Wittenberg umgezogen. Das neue Haus ist eine alte Villa mit einem großen, parkähnlichen Grundstück. Nachdem wir uns mit den Kindern eingelebt hatten und die Räume kind- und zweckgerecht eingerichtet hatten eröffneten wir nach intensiven Gesprächen mit der Fachdienstleitung und langen Überlegungen unsere Tagesgruppe "Am Rischebach". Die Möglichkeiten im Außenbereich und die Nähe zu Wasser und Wald ließen die Erkenntnis reifen, einen erlebnispädagogischen Hintergrund zu schaffen. Unsere Einrichtung hat Platz für 9 Kinder, in Ausnahmefällen kurzzeitig auch 10, und im Moment sind wir 3 Mitarbeiterinnen. Wir versuchen, soviel wie möglich Zeit im Freien zu verbringen und auch Tätigkeiten des Alltags mit einfließen zu lassen. Das Konzept kommt bei den Mitarbeitern des Jugendamtes gut an, viele Anfragen in Bezug auf freie Plätze in unserem Haus gibt es.
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund / Idee
Unsere Kinder kommen aus verschiedenen Orten des Landkreises Wittenberg und besuchen unterschiedliche Schulen. Das hat zur Folge, dass manche Teilnehmer schon vor Schulbeginn eine Stunde Auto oder Bus fahren, ehe sie in den Schulen angekommen sind. Nach Schulschluss holen wir als Tagesgruppe die Kinder aus den verschiedenen Schulen ab, was auch geraume Zeit braucht, da ja unterschiedliche Unterrichtsenden zu beachten sind. Und am Ende des Tagesgruppen- Tages werden alle Kinder dann wieder in die Elternhäuser gebracht, was dann je nach Fahrtroute auch wieder ca. eine Stunde dauern kann. Also sind unsere Kinder eigentlich permanent zum Stillsitzen verdammt, denn sie müssen ja auch noch den Unterricht überstehen. Mit diesem Wissen, versuchen wir schon seit längerer Zeit, so viel wie möglich in der Natur zu erleben.
Um diesen Bewegungsmangel entgegen zu wirken war es daher naheligend, mit den Teilnehmern eine Aktivität zu planen, in der die Bewegung im Vordergrund steht. Nicht alle Kinder können Fahrrad fahren, also konnte es das nicht sein. Da wir sehr viel Wald und Felder und Wiesen in unserer Umgebung haben, bot sich wandern an.
2.2 allgemeine Zielsetzung
Ziel soll erstens sein, alle Kinder zu einem Erfolg zu führen. Durch Motivation, Gespräche und Spiele will ich mit meinen Mitarbeiterinnen die Tage kurzweilig erleben lassen, keiner der Teilnehmer soll Druck empfinden. Ich will aufzeigen, dass man in der heutigen, schnelllebigen Zeit auch mit Bedächtigkeit ans Ziel kommt und Dinge sieht, die aus der Autoperspektive nie zu erkennen wären. Da wir uns durch eine waldreiche Gegend bewegen, hoffe ich, Wissen und Können über Natur und das Leben im Mittelalter vertiefen zu können. Werden wir Rehe oder einen Fuchs sehen, ebenso wie unterschiedliche Vögel, Schmetterlinge und anderes Getier? Zu den weiteren Fähigkeiten und Fertigkeiten die ich mit diesem Projekt fördern will gehören u.a. Rücksichtsnahme, Zusammengehörigkeitsgefühl, Hilfsbereitschaft und Vertrauen. Kinder, die sonst eher zu Konflikten neigen, können ausprobieren, wie weit sie mit Ausdauer und Durchhaltevermögen kommen, ohne aggressiv zu werden. Meine Mitarbeiter und ich haben Zeit, mit den Kindern Gespräche zu führen, sie zu begleiten und zu Teilerfolgen zu bringen.
2.3 Art der Unternehmung
Das Medium meines Projektes ist das Wandern. Ich habe mit der Gruppe vor, einen Weg von ca. 20 km zu erwandern und mittelalterliche Dinge dabei einfließen lassen. Da gibt es z.B. eine alte Postsäule im Wald, nach der man sich orientieren kann, Bäume die nach Norden Moos ansetzen, damit man die Richtung nicht verliert und kleine Spiele, um die Zeit kurzweilig zu gestalten. Ziel ist eine Burg, die als Herberge ausgebaut wurde und in der wir nächtigen und unsere Mahlzeiten einnehmen werden. Rund um die Burg, in den Wäldern und Wiesen werden wir an den darauf folgenden Tagen Wett und Kooperationsspiele anbieten, Wissen über damalige Zeit vermitteln und uns auf einer entspannten Ebene treffen. Das Projekt soll 3 Tage dauern.
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
Die Tagesgruppe "Am Rischebach" hat momentan 9 Kinder im Alter zwischen 9 und 12 Jahren, 3 Mädchen und 6 Jungen, die mit unterschiedlichem Hintergrund unsere Tagesgruppe besuchen.
Die Teilnehmer werden uns vom Jugendamt zugewiesen, alle Kinder haben eine eigene, nicht immer schöne Vergangenheit. Ziel soll es sein, sie in einem Zeitraum von plus/minus 2 Jahren, in Zusammenarbeit mit Eltern, Schule, Jugendamt und anderen Netzwerkpartnern, zu stabilen Persönlichkeiten mit u.a. Kritikfähigkeit, Konfliktlösungsverhalten und lebensweltorientierten Denkansetzen zu erziehen.
Auswahlkriterien gab für dieses Projekt gab es keine, da wir eine Gruppe sind und auch als Gruppe ein gemeinsames Erlebnis teilen wollen.
Zu beachten ist, dass einige Kinder nicht so gut miteinander umgehen können und sich an manchen Tagen bei uns in der Tagesgruppe aus dem Weg gehen. Da heißt es, Augen und Ohren offen halten, damit Konflikte besser analysiert werden können.
3.2 Beschreibung der Teilnehmer/innen
Katharina w
Sie ist ein 10jähriges Mädchen, zeitverzögert entwickelt, mit Hang zum Übergewicht. Von ihrer Grundeinstellung ist sie ein fröhliches, lebensbejahendes Kind, welches durch häusliche Umstände ihr manchmal schwer gemacht wird. Sie besucht regelmäßig einen Logopäden, ihre Sprache weist große Lücken auf, sie ist aber immer bemüht, an ihrer Sprache zu üben. So werden Sprachübungen und kleine Lesetexte gern geübt. Sie besucht eine Förderschule.
Motivation für K. wird es sein, auf unserer Wanderung nicht mit anderen Kindern in Streit zu geraten und die Strecke zu meistern.
Martin m
M. ist in unserer Gruppe mit der Älteste. Er kommt an 2 Tagen in der Woche zu uns, um einen angemessenen Umgang mit Kindern und Erwachsenen zu erlernen. Er weist autistische Züge auf und es fällt ihm sehr schwer, sich auf Kinder einzulassen, meist hält er sich bei den Erwachsenen auf. Durch Konsequenz und intensives Eingehen gelingt es ihm, einige Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen. Er besucht die Sekundarschule.
M. wird am meisten damit zu tun haben nicht aufzugeben, da er meist immer den Weg des geringsten Widerstandes nimmt und von der Mutter unterstützt wird. Unsere Aufgabe bei dem Projekt wird es sein, immer wieder zwischen ihm und den Kindern zu vermitteln, da er schlecht auf Gleichaltrige zugehen kann.
Hubert m
Hubert besucht unsere Tagesgruppe schon seit 2 ½ Jahren. Er ist ein altersgerecht entwickelter, fast Jugendlicher mit ausgeprägter ADS. Wir begleiten ihn und die Mutter regelmäßig zum Psychologen und können so direkt erklären, wann und wo es zu Defiziten in der Medikation kommt. In der Zeit, in der seine Medikamente nicht mehr so ganz wirken, ist er meist sehr gereizt, er kann sprachlichen Argumentationen nicht mehr folgen und es kommt zu Konflikten mit den anderen Kindern und teilweise mit Erwachsenen. H. besucht eine Förderschule.
Auch für Hubert wird es schwierig werden, den anstehenden Weg zu meistern, da er sich im normalen Tageslauf schon nach wenigen Augenblicken zurückzieht und schnell aufgibt.
Lucas m
L. ist ein aufgeweckter, altersgerecht entwickelter Junge. Er kommt aus einer Familie mit noch 7 Geschwistern und genießt seine Zeit bei uns in der Tagesgruppe. Er bemüht sich, mit allen Kindern der Gruppe zu harmonisieren und will keinen beleidigen. Er soll lernen das Selbstvertrauen in die eigenen Person zu erkennen und zu stärken. Er besucht die Grundschule.
Emma w
E. ist unser "Hans –Dampf in allen Gassen". Sie interessiert sich für alles, außer der Schule. In ihrer Freizeit geht sie tanzen, und hat an den Wochenenden teilweise viele Auftritte. Das meistert sie ganz toll und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Schulischen Anforderungen wird sie nicht so gerecht. Ein für sie erstellter Aufgabenplan in Bezug auf Schul- und Lernaufgaben wurde eingehalten und regelmäßig genutzt, leider konnte E. das Klassenziel nicht erreichen und wird im neuen Schuljahr in einer Förderschule überprüft. Ich denke, dass E. mit ihrer fröhlichen Art keine großen Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Strecke haben wird, sie kann mit allen Kindern gut umgehen und sie für kurze Teiletappen motivieren.
Um E. schulisch zu fördern wird ihr Wissen über das Mittelalter und ihre Heimat vermittelt.
Brunhilde w
B. ist ein altersgerecht entwickeltes Mädchen mit kräftiger Statur. Sie besucht seit ca. einem Jahr mit ihren Bruder unsere Tagesgruppe. B. kann sich gut in die Gruppe einfügen und versucht es, allen gerecht zu machen. Durch ganz viel Ehrgeiz ihrerseits und dem Engagement der Betreuer hat sie Fahrrad fahren und schwimmen gelernt. Sie nimmt alle Angebote in der Gruppe an, hat manchmal Probleme, sich Normgerecht zu verhalten.
Es wird für B.ein weiter Ansporn sein, das sie das Ziel erreicht. Ich denke, sie kann auch unterwegs gut andere Kinder motivieren und auch Hilfe anbieten.
Melanchthon m
M. ist ein sehr zart wirkender Junge. Er besucht eine LRS-Klasse, da er spät zu sprechen angefangen hat und ihm Grundlagen fehlen. Er hat, wie seine Schwester, bei uns schwimmen und Rad fahren gelernt. Er übernimmt gern kleine Aufgaben und erfüllt sie genau. Da er krank ist und so dünn, haben wir bei ihm die meiste Angst, dass er es nicht schaffen könnte. Durch kleine zusätzliche Aufgaben während unserer Reise ins Mittelalter versuchen wir sein Selbstwertgefühl und Durchsetzungsvermögen zu stärken.
Horst m
H. ist noch nicht allzu lange bei uns. Er besucht eine Grundschule und ist dort aggressiv und vorlaut. In der Tagesgruppe können wir diese Verhaltensweisen nicht beobachten. Im Gegenteil, er ist sehr für Gerechtigkeit und kann Fehlverhalten gut einschätzen. Da er in einem Sportverein Fußball trainiert, hoffe ich, dass er keine großen Probleme bei der Wanderung hat.
Ich möchte ihn besser kennen lernen und seinen Umgang mit den anderen Teilnehmern beobachten.
Ekkehard m
Ekkehard ist ein altersgerecht entwickelter Junge, der eine Grundschule besucht. Er kann sich gut in die Gruppe integrieren, versteht es auch, bei Eskalation zwischen den Kindern zu vermitteln.
Er muss aber lernen zurück zustecken und nicht immer im Mittelpunkt zu stehen.
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
In Vorbereitung auf den Kurs "Anleitung zur Praxis" machte ich mir schon im März 2010 Gedanken für ein eigenes, noch nie dagewesenes Projekt. Ich überlegte, welche Möglichkeiten sich für unsere Gruppe ergeben könnten, ließ aber auch den finanziellen Aspekt nicht aus den Augen. So hatte ich am 01.04.2010 3 Vorschläge in der Tasche, die ich der Geschäftsleitung meines Arbeitgebers vorschlug. Ich hatte mögliche Termine und auch Kosten schon recherchiert und somit viel rechtzeitig die Entscheidung zu einer nicht alltäglichen Wanderung.
Mit diesem Wissen fuhr ich dann zu meiner Weiterbildung und konnte dort vor Ort noch ganz viele tolle Erfahrungen von anderen Teilnehmern mitnehmen. Sie hatten eigene Erfahrungen auf vielen Mittelalterveranstaltungen gesammelt, die ich gern in meine gedankliche Planung aufnahm.
So ideell gestärt, konnte ich meine zwei Kolleginnen vor Ort dann schnell für das Projekt begeistern und unsere heiße Planungsphase fing an.
Die Kinder bekamen als Hausaufgabe sich zu informieren, was es im Mittelalter alles gab, was man aß, wie man lebte und so weiter. Wir trugen alle diese Informationen zusammen und machten eine Aufstellung. Dann ging es los.
Wir kauften mit den Kindern einen großen Ballen Stoff und Einfärbefarbe in blau, braun und grün, denn dass waren die Farben des Volkes. Alle Kinder durften sich aussuchen, was sie gern anziehen wollten, es wurde zum Teil selbstgeschneidert, zum Teil aus anderen Textilien recycelt. Dann wurden die Sachen eingefärbt und passend für jeden Teilnehmer gemacht. Das passierte im Zeitverlauf von Ende Mai bis Mitte Juni 2010. Außerdem besuchten wir in unregelmäßigen Abständen Schauplätze der Reformation und des Mittelalters in Wittenberg. (Schlosskirche mit Thesentür, Rathaus, Röhrwasser, Stadttore und Wassergraben). Die Kinder erhielten Einblicke über das Leben in dieser Zeit z. B. "Heute wird bekannt gemacht, dass niemand in den Bache kackt, denn morgen wird gebraut… ".
In dieser Zeit gab es auch einen Elternnachmittag, wo ich die Eltern auf unser Projekt einstimmte und sie mit dem Inhalt vertraut machte. In unserem Bundesland begannen die Ferien schon recht zeitig und wir konnten die Zeit noch intensiver nutzen.
Wir informierten unsere Eltern in einen Elternbrief über das bevorstehende Projekt nochmals intensiv und holten uns somit auch alle für uns wichtigen Daten über die Kinder ein. Meine Kolleginnen und ich checkten unsere Handys und stellten fest, dass alle in unterschiedlichen Netzen Kunde sind, was sich später noch als sehr nützlich erweisen würde. Ich bestimmte nach Lesen von Kartenmaterial und eigenen Erkundungen der Wanderwege die Marschstrecke und markierte so in etwa die Ankunftszeiten. Ich hatte die Wegstrecke persönlich mit dem Fahrrad und auch zu Fuß erkundet, Fotos gemacht und konnte so meinen Mitarbeitern veranschaulichen, was ich wo geplant hatte.
Am 19.07.2010 führten wir eine Probewanderung über ca. 6 km mit den anwesenden Kindern durch. Es war recht warm an diesen Tag, wir hatten ausreichend Getränke mit, zwei Handys mit unterschiedlichen Netzanbietern und eine Sani- Tasche. Unterwegs übten wir, mit verbundenen Augen unseren Partner zu führen, die Richtung zurück zu bestimmen, barfuss über ein abgeerntetes Getreidefeld zu laufen und zum Abschluss "Laute Post". Wir schauten unterwegs immer mal nach dem Netzempfang unsere Handys, der im Wald aber nicht oft gegeben war. Unsere Kinder merkten auch an diesem Tag, dass unsere Anmerkungen zu bequemen Schuhwerk wichtig sind, einige hatten Probleme mit Schuhen und Strümpfen.
Mit diesem Wissen kauften wir am Montag, den 26.07.2010 den restlichen Proviant für unsere Wanderung, bereiteten alles vor und freuten uns, dass es endlich losging.
Anmerkung:
Wir planen ein Mittelalter-Projekt und überzeugen unsere Kinder, an diesen 3 Tagen ihre elektronischen Spielzeuge zu Hause zu lassen, was auch gut geklappt hat. Die Mitarbeiter haben aber die Handys am Ohr, um bestimmte Sachen zu koordinieren. Das war zwar wichtig, widerspricht sich aber mit ruhiger, ausgeglichener Wanderung. Das ist meinen Kolleginnen und mir beim Auswerten des Projektes ganz stark aufgefallen.
4.2 Geplanter Projektverlauf
Dienstag, den 27.07.2010
8:00 Uhr Der Zivildienstleistende und Frau Strauß holen mit den zwei Fahrzeugen der Tagesgruppe die Kinder und ihr Gepäck von zu Hause ab. Letzte Absprachen mit den Eltern, einsammeln der Arztchipkarten und eventuell der Medikamente. Zeitgleich fangen meine Mitarbeiterinnen an, in der Tagesgruppe die Mittelalterkleidung der Kinder zurechtzulegen und den Proviant einzupacken.
9:00-9:30 Uhr Eintreffen der Kinder, sichten des Gepäckes, einsammeln der Chipkarten, Medikamente, falls noch nicht beschriftet beschriften und in der Kühltasche lagern, einkleiden der Kinder, Gesundheitszustand überprüfen, die Kinder bringen ihre Erwartungen oder Ängste zu der bevorstehenden Wanderung zu Papier, verantwortlich: alle Mitarbeiter
10:00 Uhr Abmarsch der Kinder mit Frau Strauß, Frau Müller und Frau Gratzik aus Tagesgruppe mit einem Bollerwagen, auf dem sich ausreichend Gertränke befinden, Sanitasche, Hygieneartikel und Handys.
10:00-12:00 Uhr In dieser Zeit soll der Zivildienstleistende mit einem Fahrzeug das Gepäck auf die Burg Rabenstein fahren und es dort ausladen. Danach soll er in der Tagesgruppe den Proviant und die Medikamente einladen und auf einen Anruf warten, damit wir uns an dem vereinbarten Picknickort treffen können.
10:00-13:00 Uhr Wandern mit den Kindern die geplante Strecke entlang, am Anfang möchten wir so schnell wie möglich den Picknickort erreichen, da es die größte Wegstrecke des Tages ist, Spiele und anderes Kurzweil sind auf der zweiten Wegetappe geplant, Trinken nach Bedarf und nach Wetterlage, Motivation durch alle Mitarbeiterinnen, Nutzung der natürlichen Gegebenheiten für kleine Verschnaufpausen, z. B. Mähdrescher, Tiere die den Weg kreuzen u.s.w.
12:45 Uhr Anruf, dass der Zivildienstleistende jetzt losfahren kann und uns am vereinbarten Treffpunkt erwartet.
13:00-14:00 Uhr Ankommen am Hagelberg, der Ort an dem unser Essen eingenommen werden soll, auspacken der Decken, bereitlegen des zum Teil Selbstzubereiteten Essen, Einnahme der Speisen, kurze Ruhezeit, Austausch über die Eindrücke der Strecke bisher, Spiele
14:00-16:00 Uhr Weiterwandern mit dem nächsten Etappenziel auf dem Radwanderweg R1 geht es in Richtung Kein Mahrzehns, unterwegs ist auf einer großen Lichtung und Wiese das Spiel „ Laute Post „ geplant, weiter im Wald können die Kinder auf umgestürzten Bäumen balancieren, am Ortseingang gibt es eine Wanderhütte, in der uns der Zivildienstleistende mit Proviant und Getränken erwartet,
16:00-16:30 Uhr Pause
16:30-16:45 Uhr Weiterwandern bis zum Ortskern, wo ein toller Spielplatz vorhanden ist, den wir nutzen möchten
16:45-17:15 Uhr Aufenthalt auf dem Spielplatz und Ausprobieren der unterschiedlichen Geräte
17:45-18:45 Uhr Letzte Etappe von ca. 5 km bis zum Ziel, nochmalige Motivation der Teilnehmer, Hinweise auf Sehenswürdigkeiten in der Nähe wie Brandschutzturm oder Verkehrsüberwachung, Überqueren der A9, letzter Anstieg vor der Burg
18:45-19:15 Uhr Ankommen, Ausruhen, Bezug des Quartiers, Auspacken der Fahrzeuge, Frisch machen, Fertigmachen zum Abendbrot
19:15-20:00 Uhr Einnahme einer mittelalterlichen Mahlzeit, Austausch mit allen Beteiligten über unsere Wanderung, Frage nach Befindlichkeiten, Genießen der dargereichten Speisen
20:00-22:00 Uhr Erkunden des Umfeldes der Burg, Besuch des Spielplatzes, Duschen, Medikation der einzelnen Kinder, Nachtruhe
Mittwoch, den 28.07.2010
7:30-8:00 Uhr Aufstehen, Befindlichkeiten der Teilnehmer überprüfen, Betten machen, Körperpflege, Medikation einzelner Kinder,
8:00-8:45 Uhr Einnahme des Frühstücks, Absprache über den Verlauf des Vormittages
9:00-11:45 Uhr Ritterspiele und Kooperationsspiele rund um die Burg, Auswertung der Spiele, Besuch des Spielplatzes
12:00-13:30 Uhr Mittagessen und anschließende Ruhephase, nach dem Essen können die Teilnehmer entscheiden, ob sie einen Moment ausruhen möchten, Karten spielen oder im Burghof sich aufhalten
13:30-18:00 Uhr Wir wollen unser Abendbrot fangen, Abmarsch zur Werdermühle ( Fischaufzuchtteiche ) um Forellen angeln zu können, eine Wegstrecke ca. 6 km, unterwegs gibt es die Möglichkeit nach Heidelbeeren und Pilzen Ausschau zu halten, damit der Weg nicht langeilig wird, Spiele, wie komm mit-lauf weg, Proviant in Form von Getränken mitnehmen und eine Angel, Fische fangen, mit den Fischen den Rückweg antreten, unterwegs wieder Spiele wie, der Plumssack geht um, wer kennt den Baum,
18:00 Uhr Unser Zivildienstleistender holt mit einem Fahrzeug schon einige Dinge ab, die nicht mehr gebraucht werden wie Bollerwagen, Schwerter, Angel und anderes
18:00-20:00 Uhr Abendbrot einnehmen, im Anschluss die gefangen Fische im selbst gebastelten Grill/ Räucherofen gar ziehen lassen, Verkosten der Fische, Reinigen der gebrauchten Utensilien
20.00-21:30 Uhr Medikation der einzelnen Kinder, Duschen der Teilnehmer, Frage nach Befindlichkeiten, Spiel "Die Werwölfe vom Düsterwald"
21:30-23:00 Nachtwanderung, Absprache zwischen uns 3 Mitarbeiterinnen über Wegstrecke und Aktionen, eine Kollegin bleibt bei den Kindern, Ich und die andere Mitarbeiterin bereiten die Nachtwanderung vor, die Kinder und die Beschäftigte kommen den abgesprochenen Weg entlang, Auswertung des Tages und der Nachtwanderung
23:30 Uhr Nachtruhe
Donnerstag, den 29.07.2010
7:30-8:00 Uhr Aufstehen, Befindlichkeiten der Teilnehmer überprüfen, Medikation einzelner Kinder, Körperpflege,
8:00-9:00 Uhr Frühstück, Absprache über den Verlauf des Vormittages
9:00-9:30 Uhr Einpacken unseres Gepäckes, Aufräumen des Objektes, Beladen der Fahrzeuge
9:30-10:00 Uhr Wir kehren langsam in die "neumodische" Zeit zurück, und fahren ins benachbarte Bad Belzig um uns dort die gut erhaltene Burg Eisenhart anzuschauen
10:00-11:30 Uhr Besichtigung des wieder aufgebauten Burggeländes und des Burgfrieds, Eis essen
11:30-12:00 Uhr Die Teilnehmer bekommen ihre Ausführungen vom Dienstag und sollen aufschreiben, ob und wie sich ihre Erwartungen oder Ängste erfüllt haben, Auswertung des Projektes mit allen Kindern und Mitarbeitern
12:00 Uhr Verabschiedung von Kindern und Erziehern untereinander, Heimfahrt in den Fahrzeugen, Abgabe der Kinder zu Hause und kurzes Gespräch mit den jeweiligen Eltern
ca. 14:00 Uhr Ankunft der Mitarbeiter in der Tagesgruppe, Ausladen der Fahrzeuge, nochmaliges kurzes Feedback untereinander, Beenden des Projektes "Einmal Mittelalter und zurück"
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
Nachdem ich unserer Projekt geplant hatte und alles schon gut am laufen war, bekam unser Zivildienstleistender Post und musste gerade an unseren Wandertagen zu einer Schulung. Somit war unser Transport von Gepäck und Proviant auf wacklige Beine gestellt.
Montag, der 26.07.2010
Frau Müller und ich holten die Kinder ab 9:00 Uhr von zu Hause ab und brachten das Gepäck schon mit in die Tagesgruppe, Frau Müller kontrollierte das Gepäck der Kinder, ob auch alles nach Packliste vorhanden ist, unnütze Sachen werden nach Absprache mit den Kindern und Eltern herausgenommen, Einkauf mit den Kindern von unserem Proviant für die Wanderung, Bereitstellen der Materialien, die mitgenommen werden sollen wie Schwerter, Seile, Angel und anderes, Absprache mit den Teilnehmern, dass sie am Dienstag ab 8:00 Uhr abgeholt werden, Heimfahrt der Kinder ab 14:00 von Frau Müller und mir, nach Rückkehr in die Tagesgruppe Übergabe der Fahrzeuge an den Zivildienstleistenden und Frau Gratzik, die etwas später angefangen hatte zu arbeiten, 5:30-18:00 Uhr Die beiden beluden die Fahrzeuge mit dem gesamten Gepäck, den Utensilien, die wir für unsere Spiele brauchten und fuhren schon eine Tour zur Burg Rabenstein. Dort blieb ein Fahrzeug stehen, mit den anderen kamen beide zurück.
Dienstag, der 27.07.2010
Der Tag unserer Wanderung
Der Tag begann mit Sonne und ich fange um 8:00 Uhr an, mit dem verbliebenen Fahrzeug die ersten Kinder abzuholen. Ich frage nach dem Gesundheitszustand von jedem, wechsele noch ein paar Worte mit den Eltern, so diese da sind, sammele Chipkarten und Medikamente ein und fuhr mit den Teilnehmern zurück zur Tagesgruppe.
Zeitgleich mit mir haben auch meine zwei Mitarbeiterinnen angefangen, sie bereiten den Proviant vor, checkten nochmals alle Listen, dass auch nichts vergessen wird. Die andere Runde zum Kinder abholen übernahm Frau Müller, ich übergab derweil den anwesenden Kindern ein Blatt Papier, auf dem sie ihre Eindrücke schreiben sollten.
Danach zogen sie ihre zum Teil Selbstgefertigte Kleidung an. In der Zwischenzeit sind die anderen Kinder in der Tagesgruppe angekommen, auch sie bringen ihre Gefühle zu Papier und ziehen sich um. Danach brechen wir gegen 10:30 Uhr gut gelaunt mit allen teilnehmenden Kindern, Frau Müller und mir und mit einem Bollerwagen mit Getränken, Sanitasche, Mückenspray, Müllsäcken als Regencape u. a. auf. Unsere dritte Kollegin, Frau Gratzik bleibt erst einmal zurück, sie belädt das Fahrzeug mit den restlichen Dingen und wird nach telefonischen Anweisungen unsere Pausenorte anfahren.
Also wird erstmal Richtung Braunsdorf durch Wiesen gewandert, die Kinder wechseln sich gegenseitig beim Ziehen des Handwagens ab. Am Ortsende wird das erste Mal gegen 11:15 Uhr eine Getränkepause eingelegt. Auf dem Weg durch die Wiesen und Wälder zum nächsten Ort Nudersdorf haben alle Kinder und wir zwei Erwachsenen die Aufgabe, uns einen mittelalterlichen Namen auszudenken. Einige Kinder hatten damit keine Schwierigkeiten, anderen fiel es doch recht schwer. Noch schwerer war es für unsere Kinder, uns alle bei den ausgedachten Namen anzusprechen, es war schon recht lustig, Brunhilde und Melanchthon zu behalten und dann der entsprechenden Person zuzuordnen. Das war eine Aufgabe, die wir alle drei Tage beibehalten wollten.
Auch wieder am Ortsausgang von Nudersdorf machten wir gegen 12:00 Uhr eine weitere Getränkepause und befragten die Teilnehmer zu ihrem gesundheitlichen Befinden. Es hatte noch keiner eine Blase und alle fühlten sich wohl.
Da unser Getränkeproviant schon stark abgenommen hatte, baten wir Melanchthon, anliegende Bewohner des Ortes um Wasser zu fragen und schickten ihn in das Haus, um es abzufüllen. Mit Stolz kam er zurück. Wir bekamen noch gute Wünsche für unsere Wanderung.
Nun ging es für die nächsten ca. 4 km in den Wald. Unser Weg war gut ausgebaut ( sandig ) und ging stets bergan. Auf diesen Wegstück war es schon schwieriger, unsere Teilnehmer zum abwechselnden ziehen des Handwagens zu motivieren. Wir gingen mit gutem Beispiel voran und zogen mit einzelnen Kindern den Wagen und erzählten dabei Begebenheiten aus dem Mittelalter. Auch kam zu diesem Zeitpunkt immer wieder die Frage, wie weit es denn noch sei. Unsere Antwort darauf war: "och viele tausend Schritte". Wir konnten durch die Bäume dann immer mal einen Blick auf die Landschaft erhaschen und erblicken auch den Hirseberg, das Ziel unserer ersten großen Etappe und Provianteinnahme. Der Telefonanruf an unsere Kollegin gestaltete sich etwas schlecht, wir hatten im Wald einen schlechten Handyempfang. Nach einigen probieren gelang es wir konnten unsere Order absetzen.
Gegen ca.13.30 erreichten wir unsere erstes großes Etappenziel, den Hirseberg, die höchste Erhebung in den Ausläufern des Flämings. Wir stärkten uns an den mitgebrachten Proviant und ruhten uns eine Weile aus. Alle Teilnehmer hatten zu diesem Zeitpunkt und nach etwa 12 km Marsch noch keine Blasen und allen ging es recht gut.
Nach einer geraumen Weile, wir hatten den Eindruck, dass die Lebensgeister wieder in die Kinder zurückkehren, brachen wir auf. Unser erstes Kooperationsspiel stand an, dass Seilhüpfen als Gruppe zur Entwicklung des Zusammengehörigkeitsgefühl. Natürlich ist es schwer, mit vollem Bauch Seil zu springen, aber wir hatten Spaß und nach einigen Übungen klappte es auch ganz gut.
Danach packten wir den Proviant und die Decken zurück ins Fahrzeug, legten Getränke für die nächsten 7 km in den Wagen, verabschiedeten uns von Frau Gratzik und liefen los. Der Weg führte uns nun durch Felder, wir hatten einen tollen Blick auf die Landschaft ringsherum.
Die nächste Aufgabe für unsere Teilnehmer war es, mit verbundenen Augen und nach Anweisung der anderen Teilnehmer, den Handwagen zu ziehen um Vertrauen in Andere zu entwickeln. So begeistert und enthusiastisch waren alle, so dass für die nächsten Kilometer der Strecke kein Problem war, Kinder zu motivieren, den Wagen zu ziehen. Nachdem alle reihum mit verbundenen Augen dran waren, machten wir eine weitere Trinkrast und ich befragte alle nach ihren Empfindungen beim Blind laufen. Alle konnten gut damit umgehen, aber richtig blind wollte keiner von den Teilnehmern sein.
Da ich den Weg im Vorfeld des Projektes schon gelaufen war, wusste ich um die landschaftlichen Begebenheiten und hatte schon so ungefähr geplant, was man wo machen könnte. Als nächstes kam auf unserer Wanderung eine große Lichtung, auf der wir „ Laute Post „ spielen wollten. Von anderen Unternehmungen her kannten unsere Teilnehmer das Spiel, so dass sie sich auf der Lichtung gut verteilten. Allerdings kamen die Durchsagen nicht bei Jedem gleichermaßen gut an, was wir in der anschließenden Auswertung auf zu große Abstände und auch den Wind zurückführten. Die noch anstehen Kilometer führten uns durch ein Waldgebiet, es gab aber durch lang anhaltende Trockenheit weder Heidelbeeren zu naschen noch Pilze zu finden. So erreichten wir unseren vorletzten Etappenort Klein Marzehns. Dort wartete Frau Isolde nochmals mit Getränken, angebotenes Essen wollte keiner der Teilnehmer. Wir verschnauften nochmals und die Kinder konnten den Spielplatz des Ortes gut nutzen und nochmals Kräfte tanken.
Gegen 17:15 Uhr brachen wir auf und es waren die letzten 5 km unserer Wanderung. Alle Teilnehmer wollten nun das Ziel erreichen, allerdings wurde unser Lauftempo immer langsamer. Unser Weg führte uns abermals durch den Wald, wir kamen an einem Feuerwachturm vorbei und überquerten die A9 auf einer Fußgängerbrücke. Das war nochmals ein Höhepunkt für unsere Kinder, da viele Brummi-Fahrer hupten, winkten und Lichtsignal gaben.
So beschwingt waren die letzten Meter bis zur Burg dann schnell geschafft. Unter großem Hallo zogen wir gegen 19:00 Uhr durch dass Burgtor, fix und fertig, froh alle Teilnehmer gesund bis ans Ziel gebracht zu haben und stolz, eine solche Strecke bewältigt zu haben.
"Wir haben es alle geschafft !!! "
Alle Teilnehmer haben das Ziel erreicht. Die drei Mädchen Katharina, Emma und Brunhilde haben es immer wieder geschafft, jemanden zum ziehen des Handwagens zu motivieren. Martin ist unterwegs mehrmals über seinen eigenen Schatten gesprungen, hat uns sicherlich mehr als einmal verflucht und hat nicht aufgegeben. Ekkehard und Horst bildeten eine Zweckgemeinschaft und liefen große Teile der Strecke zusammen und unterhielten dabei noch die anderen Kinder. Melanchthon hielt gut aus, ihm galt unser besonderes Augenmerk, seine Freude war dementsprechend groß, die Strecke bewältigt zu haben. Hubert gab keinen Anlass zur Klage, er meisterte den Weg, ohne mit den anderen Teilnehmern in Konflikte zu geraten. Lukas kam auch gut durch den Tag, er war in jeder Gruppe anzutreffen und vermittelte auch beim Handwagen ziehen.
Nun wurde unser Quartier in Beschlag genommen. Es war ein riesengroßer Dachboden über dem Rittersaal mit über 30 Liegen. Unsere Kinder konnten sich gar nicht entscheiden, wo und mit wem sie nebeneinander liegen wollten.
Nach dem wir aus einen Moment ausgeruht und uns frisch gemacht hatten, wurden wir zum Abendbrot erwartet. Es gab für jeden einen Latz, einen Holzlöffel, ein Messer und ein Brettchen. Mit viel Gelächter probierten wir die zubereiteten Speisen, wobei es gar nicht so einfach war, mit einem Holzlöffel zu speisen, von dem komischen Gefühl im Mund ganz abzusehen. Aber alle labten sich an der reichhaltigen Tafel und in Gesprächen wurde der Tag reflektiert. Anwesende Gäste wurden auf uns aufmerksam und befragten uns zum Hintergrund dieses Projektes und kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, als wir ihnen von unserem Tagestrip erzählten. Sie hatten großen Respekt vor den Kindern und der Wanderung.
Den restlichen Abend verbrachten wir noch auf dem Spielplatz des Ortes Raben und gegen 22:00 Uhr lagen alle Kinder geduscht und dann doch ein wenig erschöpft in ihren Schlafsäcken auf den Liegen. Nach der Medikation von einzelnen Kindern und Befragung hatten am Ende 2 Kinder Blasen an den Füßen und ein Kind einen Insektenstich am Arm, ein akzeptables Ergebnis für so eine lange Wanderung.
Mittwoch, den 28.07.2010
Unser erstes Kind, das ich aus Erfahrung schon neben mich gelegt hatte, wurde gegen 5:00 Uhr wach. Ich schickte ihn auf Toilette und danach konnte er noch eine Weile ruhig liegen. Bis 7:00 Uhr hielt er dann noch aus und bekam seine Medikamente. Die anderen Teilnehmer wurden nach und nach munter, gingen sich waschen, machten ihr Lager, zogen sich an und so waren alle 8:00 Uhr zum Frühstück fertig. Es war für unsere Kinder auch ein tolles Erlebnis, alle Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen, da es in vielen Familien nicht so üblich ist. Also schlemmten wir uns durchs Buffet und nach einer Absprache und der Medikation der anderen Kinder trafen wir uns gegen 9:00 Uhr auf dem Burghof.
In unserem Bollerwagen befanden sich Schwerter, Pfeil und Bogen, Getränke und anderes. So ausgerüstet starteten wir in Tag 2 unseres Projektes. Auf einer Wiese begannen die Ritter unserer Gruppe mit dem Schwertkampf, es wurde gegeneinander gekämpft. Unsere Burgfräulein bekundeten durch fallenlassen eines Taschentuches Interesse an den einzelnen Rittern und motivierten sie somit zum Siegen.
Weiter ging es mit Pfeil und Bogen, den die Teilnehmer mit Hilfe des Zivildienstleistenden selbst angefertigt hatten. Alle Teilnehmer der Gruppe probierten es ein paar Mal, bevor es dann zum Wettkampf kam. Ziel war es, den Pfeil so weit wie möglich ins Gelände zu schießen. Dabei ging schon ein Bogen zu Bruch, so dass es etwas länger dauerte, bis unsere nächsten Sieger feststanden.
Danach gab es noch ein Kooperationsspiel, bei dem ein Teilnehmer die verbliebenen Kinder, die verletzt und blind im Wald verstreut waren suchen und bergen sollte. Damit wollte ich Vertrauen, Zusammengehörigkeitsgefühl, Spaß und Geschicklichkeit vermitteln. Wir werteten unsere Wettkämpfe aus und gingen mit allen Kindern auf den Spielplatz, um unseren Vormittag ausklingen zu lassen.
Mittag gab es gegen 12:15 Uhr, bis 13:30 Uhr konnten sich die Teilnehmer ausruhen, miteinander spielen oder auf dem Burggelände herumgehen.
Danach wollten wir Angeln gehen. Wir nahmen unsere mitgenommene Angel und ausreichend Getränke und machten uns auf den Weg zur Werdermühle, einem Forellenaufzuchtteich. Es sollten so in etwa 6 km durch den Wald zu laufen sein, aber nach 1 Stunde wurden die Wegmakierungen immer schlechter und wir kehrten um. Wir verließen kurzzeitig das Mittelalter und benutzten neumodisches Zeug in Form von Autos. So erreichten wir um 16:00 doch noch unser Ziel und alle waren ganz gespannt und aufgeregt, was nun passiert. Als erstes erbettelten wir Köder von anderen Gästen, unseren hatten wir auf der Burg vergessen. Einen Kescher zum Einholen der Fische hatten wir auch nicht, den borgte uns der Betreiber der Teiche. So gerüstet ging es ans Werk. Als der erste Fisch an der Angel war, klappte das einholen mit dem Kescher nicht, so war unsere Forelle wieder weg. Aber "Übung macht den Meister", die nächsten Versuche waren von Erfolg gekrönt und wir holten zwei Forellen an Land. Das Töten und Ausnehmen war dann doch zuviel für unsere Kinder, um das Leiden der Tiere zu verkürzen, halfen dann die Erzieherinnen. So zeigte sich, dass unsere Kinder vorgeben, von allem und jedem eine Ahnung zu haben aber in der Praxis verließ sie der Mut. Gut dass wir keinen wirklichen Hunger hatten.
Mit unseren Fischen beladen ging es zurück. Den Koch der Gaststätte baten wir, die Fische mit zuzubereiten. Wir hatten ja eigentlich vor, die Fische zu grillen, aber ein doller Regenschauer zur Abendzeit machte unseren Plan zunichte.
Nachdem wir zurückgekehrt waren, beluden wir ein Fahrzeug mit den Dingen, die nicht mehr benötigt wurden. Da ja unser Zivildienstleistender nicht für Transporte zur Verfügung stand und wir nicht alle Teilnehmer mit einmal nach Hause bringen konnten, war es notwendig, schon etwas wieder in die Tagesgruppe zu schaffen. Isolde übernahm diese Tour.
So gab es gegen 18:30 Uhr dann unser Abendbrot und einige Kinder waren auf den geangelten Fisch gespannt. Die jenigen die ihn probierten, fanden ihn sehr schmackhaft, die anderen wollten aber keinen Fisch kosten. Nach dem Essen gab es wie schon am Vortag ein reges Interesse der anderen Gäste an unseren Vorhaben. Unsere Kinder konnten voller Stolz über ihre Tageserlebnisse berichten.
Gegen 20:00 Uhr machten wir alle zusammen noch einen kleinen Waldspaziergang, um danach auf dem schon im Dämmerlicht liegenden Burghof die "Werwölfe vom Düsterwald" zu spielen. Die Spielregeln wurden allen Mitspielern erklärt, wir brauchten aber einige Durchgänge, um zu einen Ergebnis zu gelangen.
Als es dann richtig dunkel war, begannen wir mit unserer Nachtwanderung. Wir waren nach dem Abendessen schon einmal die Strecke abgelaufen. Sie sollte am Burgtor beginnen und bis zur Falknerei reichen, eine Strecke von ca. 500 Metern. Frau Isolde und ich, Frau Gertrude, versteckten uns mit Tüten, Alufolie, Wasserflaschen und anderen knisternden Material in einem alten Baum und hinter einem Zaun. In Absprache mit den Mitarbeiterinnen wollten wir den Mut der Kinder stärken. Frau Ilse schickte dann die Zweiergruppen los. Einige Kindergruppen überwanden ihre Ängste und kamen am Ziel an, andere waren nicht so mutig und gingen dann gemeinsam mit Frau Ilse den Weg. Alle Kinder erreichten das Ziel, wir lobten unsere Teilnehmer für ihren Mut und gingen zurück zur Burg.
Unterwegs sammelten wir alle unsere benutzten Utensilien wieder ein. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf. Auf dem Burghof rutschte ich auf dem Kopfsteinpflaster aus und fiel so unglücklich hin, dass mein Unterschenkel gebrochen war. Alle dachten noch einen Scherz, aber bald war ihnen klar, das ist Ernst. Ich bat Frau Isolde bei mir zu bleiben, Frau Ilse sollte die anderen Kinder zurück begleiten. Ein Teilnehmer brachte ein Handy, welches kein Netz hatte. Nachdem er ein weiters gebracht hatte, konnte Frau Isolde einen Notruf absetzen. Da wir mitten im Wald waren, dauerte es eine Weile, bis Krankenwagen und Notarzt zur Stelle waren. Das war das Ende von meiner Reise ins Mittelalter, ich wurde nach Wittenberg ins Krankenhaus gebracht.
Donnerstag, den 29.07.2010
Überliefert
Nachdem ich abtransportiert war, haben meine zwei Mitarbeiter versucht, die Kinder zum Schlafen zu bringen, was natürlich nicht so einfach war, da alle aufgeregt waren. Nach einer kurzen Nacht haben sie am nächsten Morgen gemeinsam mit den Teilnehmern die Sachen gepackt um unser Quartier ordentlich zu verlassen. Nach Frühstück und Medikation der Kinder wurde alles Gepäck in die Fahrzeuge verladen.
Frau Isolde und Frau Ilse borgten sich ein altes Schwert vom Burginhaber und alle Ritter und Burgfräulein versammelten sich im Burghof. Gemeinsam sangen sie ein Ritterlied, welches Martin für die Reise ins Mittelalter mitgebracht hatte. Die Auswertung des Geleisteten jeden einzelnen auf dieser Reise durchs Mittelalter hinsichtlich der zum Anfang gestellten Ziele, wurde durch den Ritterschlag besonders hervorgehoben.
Dann ging es nach Bad Belzig zur Burg Eisenhart, die sich in einem sehr gut erhaltenen Zustand befindet. Die Kinder und meine Mitarbeiterinnen erkundeten das Gelände der Burg, bestiegen den Turm und sahen sich alte Gewölbe an. Nach einer Verschnaufpause mit einem Eis ging es ab ca.14:00 Uhr mit den Fahrzeugen nach Hause. Die Kinder wurden bei den Familien abgegeben, es wurde sich noch kurz mit den Eltern ausgetauscht, Medikamente und Chipkarten zurückgegeben.
Danach kehrten meine Kolleginnen zur Tagesgruppe zurück, luden die Fahrzeuge aus und beendeten die Reise "Einmal Mittelalter und zurück".
4.4 Abschluss
Am Montag, den 02.08.2010 gab es in Wittenberg, veranstaltet von der regionalen Zeitung noch einmal ein Mittelalterspektakel. Daran nahmen die anwesenden Kinder und meine zwei Mitarbeiterinnen in ihren Kostümen teil und erlebten an diesem Tag noch viel. Sie trafen auf Luther, der aus dem Mittelalter erzählte. Die Kinder probierten mitteltalterliche Spiele und konnten auf einer alten, mobilen Druckerpresse Bilder auf bunten Papier zaubern. Auf dem von der Stadtwache begleiteten Rundgang durch die Altstadt zeigte Katarina von Bora bedeutsame Orte der Reformation.
Danach trafen wir uns alle, Kinder und Mitarbeiter bei mir zu Hause zu einem Krankenbesuch und reflektierten noch mal unsere Tage. Mit Frau Gratzik tausche ich Foto CDs aus, sie fertigte eine Präsentation an. Das eingenomme Geld wurde im Kassenbuch verrechnet.
Mit interessierten Eltern führten wir am 01.09.2010 einen Elternnachmittag durch, zeigten Kindern und Eltern die CD und ließen nochmals Revue passieren. Die Resonanz war bei den Eltern riesengroß, wir bekamen im Nachhinein ganz viel Zuspruch und Lob von den Eltern.
5. Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Kindern
Als erstes möchte ich den Stolz hervorheben, den alle Beteiligten danach zu Recht hatten. Zum einen durch die Gäste der Burg Rabenstein, die an allen Tagen nach unseren Aktivitäten gefragt haben. Zum anderen bei den Eltern, die nie geglaubt haben, das ihre Kinder so eine weite Tour stemmen. Auch Mitarbeiter aus anderen Bereichen, die mitbekommen haben, was wir vorhatten, ließen im Nachhinein verlauten, dass unsere Kinder etwas sehr schönes geschafft hätten.
Auch im Gruppenalltag wurde der neue Zusammenhalt sichtbar. Als ein neues Kind zu uns in die Tagesgruppe kam und sich nicht an die Regeln hielt, konnten die "Alten" richtig gut mit ihm argumentieren und versuchen ihn zu beruhigen.
5.2 Reaktionen in der Einrichtung
Wir haben ja im Vorfeld unseres Projektes schon viele Sachen in der Natur mit unseren Klienten unternommen. Durch die Wanderung sind auch die Kinder offener für neue Sachen, ganz einfach, weil sie jetzt das Wissen haben, unmöglich scheinende Dinge zu schaffen und jederzeit auch die Hilfe von Erwachsenen zu haben. Wir werden in der Zukunft noch andere Projekte in Angriff nehmen, was eine gute Planung voraussetzt. Wenn ich am Anfang der Planung noch darüber gehadert habe, ist mir jetzt nach dem Unfall vieles klarer, weil es ja abgesichert und für die Mitarbeiter klar ersichtlich war. Es zeigt, dass auch in Krisensituationen, ein Projekt noch beendet werden kann.
Es gab nach unserem Projekt auch sehr viel positive Resonanz von Mitarbeitern aus anderen Einrichtungen unseres Trägers. Alle lobten unsere Engagement, wie toll alles vorbereitet gewesen wäre und wie unsere Kinder voller Stolz über ihre Reise berichten. Das macht uns Mut und bestätigt uns in unserer Arbeit.
6. Reflexion
In Absprache mit meinen Mitarbeiterinnen konnten diese keine nennenswerten Veränderungen bei den Kindern feststellen. Es war auch nach Tagen nur mein Unfall Thema. Außerdem ergab der Elternnachmittag, dass viele der Eltern gar nicht wussten, was wir alles an diesen 3 Tagen erlebt haben. Erst durch Gespräche und das Abspielen der DVD kamen Erinnerungen zurück und es wurden Wissenslücken gefüllt. In Erarbeitung des Berichtes mit dem was die Kinder erlebt haben und dem was "Hängen geblieben" ist, ist vielleicht beim nächsten Mal weniger mehr. Ich denke, dass ich die Kinder mit den vielen Eindrücken und Erfahrungen ganz einfach erschlagen habe.
6.1 Besondere Erlebnisse
Gab es eigentlich nicht. Es war ein Erlebnis, mit den Teilnehmern diese Erfahrung machen zu dürfen. Wir als Mitarbeiterinnen wurden von der Entspanntheit der Gruppe allgemein überrascht. Essen wurde zum Erlebnis, keiner benahm sich daneben, alle genossen eine gelöste Atmosphäre ohne Druck und Hektik.
6.2 Erkenntnisse / Erfahrungen
Wie schon oben beschrieben, würde ich bei einem anderen Projekt nicht soviel an Aktionen und Bewegung und Spielen planen. Die Teilnehmer können sich auf weniger Punkte eventuell besser einstellen. Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass unsere Kinder am Ende der Wanderung schon nach ca. 30 min wieder Topfit waren und von Lebensenergie nur so strotzten.
7. Öffentlichkeitsarbeit
Ich habe das Projekt in der Geschäftsstelle, bei den teilnehmenden Kindern und Eltern, sowie interessierten Mitarbeitern vorgestellt. In der örtlichen Tageszeitung wurde es nicht gedruckt, dafür wird es nochmals ausführlich in der vom Träger herausgegebenen Zeitung veröffentlicht.
8. Literaturverzeichnis
Konzeption der AWO-Tagesgruppe am Rischebach
Kooperative Abendteuerspiele Band 1 & 2 von Günter Kistner, Rüdiger Gilsdorf
Arbeitsblätter des KAP- Institutes für Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
9. Anhang
allgemeine Informationen für die Eltern ( Formulare )
Packliste
Versicherungsschutz
Kostenaufstellung
Erwartungen und Eindrücke der Teilnehmer
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Einmal Mittelalter und zurück"
Erlebnispädagogisches Projekt von Sina Strauß





