Sabine Pfaffenzeller Scharf
Abschlussprojekt der Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Wege des Lebens"
Familiengruppe "Haus Bienchen"
Erlebnispädagogisches Projekt von Sabine Pfaffenzeller-Scharf
2009
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung / Kurzbeschreibung der Einrichtung
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 Pädagogischer Hintergrund
2.2 Allgemeine Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmungen
2.4 Zielgruppe
2.5 Personal
2.6 Kosten
2.7 Maßnahmen der Qualitätssicherung und Entwicklung
3. Projekt Planung
3.2 Allgemeine Zielsetzungen
3.3 Art der Unternehmung
3.4 Gruppenzusammensetzung
3.5 Beschreibung der Teilnehmer
4. Projektverlauf
1. Phase
2. Phase
Geplanter Projektverlauf
3. Phase
Tatsächlicher Projektverlauf
4. Phase
Abschluss / Planung der weiteren Arbeit, aufbauend auf der geschaffenen Basis
5. Nachbereitung
5.1 Kinder
5.2 Gruppe
5.3 Kollegen
6. Reflexion
7. Öffentlichkeitsarbeit
8. Literaturverzeichnis
9. Anhang
1. Kurzbeschreibung der Familiengruppe
Art der Einrichtung:
Die Familiengruppe Haus Bienchen ist eine Einrichtung der freien Jugendhilfe. Sie ist Mitglied im VPK- Landesverband Niedersachsen e.V., privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e. V.
Platzzahl: 5 Plätze
Zielgruppe:
Entwicklungsbeeinträchtigte und / oder verhaltensauffällige Kinder, welche stationär untergebracht werden müssen oder sollen, und deren Eltern bereit sind, aktiv in der Familiengruppe / mit der Familiengruppe an der Arbeit mit der Herkunftsfamilie / Rückführung / Verselbständigung zu arbeiten.
Aufnahmealter:
6 bis 14 Jahre (Ausnahmen im Einzelfall möglich)
Aufnahmekriterien / Problembereiche:
Aufgenommen werden entwicklungsbeeinträchtige Kinder, die erzieherischer Hilfen im Rahmen einer familiären Erziehungssituation bedürfen. Die Familiengruppe ist ein Angebot für Kinder, die einer außerhäuslichen Unterbringung bedürfen und für die keine Verwandten oder Pflegefamilien zur Verfügung stehen. Religions- und Staatsangehörigkeit und Geschlecht spielen für die Aufnahme in der Familiengruppe keine Rolle.
Vorraussetzung für die Aufnahme in der Familiengruppe ist, dass sich das Kind sowie die Eltern aktiv für die Unterbringung in der Familiengruppe entschieden haben und bereit sind, aktiv an der Arbeit mit der Herkunftsfamilie, an einer Rückführung oder Verselbständigung zu arbeiten.
Ausschlusskriterien:
Nicht aufgenommen werden in die Familiengruppe Kinder
• mit schweren körperlichen Behinderungen
• mit manifester geistiger Behinderung
• mit manifester Alkohol- und Drogenabhängigkeit
• mit einer Tierhaarallergie
Einzugsbereich:
Region Südniedersachsen (Ausnahmen sind im Einzelfall möglich)
Struktur der Familiengruppe:
Die Familiengruppe wird von einer pädagogischen Fachkraft mit der Mindestqualifikation Erzieherin, mit Zusatzqualifikationen und mehrjähriger Berufserfahrung geleitet. Die Familiengruppe wird von einer Hauswirtschaftskraft, einem Hausmeister, einer Förderkraft und weiterem pädagogischen Personal ergänzt. Die Familiengruppe nimmt an den Arbeitsgemeinschaften des VPK teil. Diese finden in einem vierwöchentlichen Rhythmus statt und werden von der Fachreferentin des VPK begleitet. Eine zentrale Rolle spielt in der Familiengruppe eine intensive Elternarbeit und der Bereich Bildung und Förderung. Hierfür ist losgelöst eine Förderkraft in der Familiengruppe tätig.
Bei Bedarf kooperiert die Familiengruppe mit:
• Ärzten aller Fachrichtungen (u. a. auch Psychiatern)
• Psychologen
• Therapeuten
• Bedarfsorientierten Fachleuten und Einrichtungen
Rechtsgrundlagen für die Betreuung:
• § 27 KJHG Hilfe zur Erziehung
• § 34 KJHG Heimerziehung
• § 41 KJHG Hilfe für junge Volljährige (im Rahmen von Nachbetreuung)
• § 35 KJHG intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung in Krisensituationen (individuelle Sonderleistungen)
• § 42 KJHG Inobhutnahme (siehe Anhang)
Selbstverständnis:
Als grundsätzliches Selbstverständnis sieht die Familiengruppe ihre Kunden (Kinder, Herkunftsfamilie und Angehörige), als eigenständige Individuen an, die voller Fähigkeiten sind und "nur" eine Anleitung zur (Wieder-) Entdeckung eigener Ressourcen benötigen.
Aus diesem Verständnis entsteht die grundsätzliche Arbeitshaltung / das Handlungskonzept:
"Die Kunden werden dort abgeholt, wo sie gerade stehen!"
Der Umgang zwischen der Familiengruppe und den Kunden beruht auf:
• Beziehungsarbeit
• Verlässlichkeit
• Persönlicher Erreichbarkeit bzw. Sicherstellung einer 24- Stunden Betreuung
Durch ein vertrauensvolles Miteinander sollen Ressourcen aktiviert werden, die zu einer individuell größtmöglichen persönlichen Reife (Selbständigkeit, Autonomie, Selbstentfaltung, Kreativität, Leistungsbereitschaft, sozial angemessenen Befriedigungsformen etc.) führen können.
Dem "Lernen am Modell" kommt hier durch den Aufforderungscharakter zur Nachahmung und Identifikation besondere Bedeutung zu. Dem Grundverständnis "Lernen am Modell" liegt das "ganzheitliche Lernen und Erleben" zu Grunde:
Hand: Handlungsaspekt
Kopf: Kognitiver und verstandesmäßiger Aspekt
Bauch: Affektiver und emotionaler Aspekt
Leitbild:
Die Familiengruppe orientiert sich an einem humanistisch- liberalen Menschenbild, in dessen allgemeinem Sinn Menschenwürde und individuelle Persönlichkeitsentfaltung durch entsprechende Gestaltung der Lebenswelt unter Einbeziehung der gesellschaftlichen Werte und Normen, durch Bildung, Erziehung und Schaffung der dafür notwendigen Bedingungen im Mittelpunkt stehen.
Methodische Grundlagen:
Systemische Sichtweisen bilden die Grundlage der pädagogischen Ausrichtung in der Familiengruppe. Einzelne Maßnahmen können auch in den analytischen Bereich fallen. Die Familiengruppe arbeitet unter anderem mit Verhaltentrainings / Checklisten.
Zu dem Handlungskonzept und der Methode "die eigenständigen und individuellen Kunden dort abzuholen, wo sie gerade stehen" kommen ergänzend die beruflichen und persönlichen Erfahrungen der Familiengruppe hinzu.
Die Familiengruppe übernimmt bedarfsorientiert, entsprechend der Auftragslage aus dem Hilfeplan, für einen vereinbarten Zeitraum die Betreuung und nutzt die dafür notwendigen eigenen Ressourcen, auch die ihrer Familie, des Teams und die der Einrichtung in Form der Tiergestützten Pädagogik.
Darüber hinaus werden spezielle und individuelle Freizeitangebote/ Ferienangebote mit und ohne die Herkunftsfamilie in allen Bereichen von Spiel, Sport, Werken und Musik gemacht.
Damit das Kind und die Eltern die erlernten / wieder entdeckten Ressourcen nicht nur im relativ geschützten Betreuungsrahmen anwenden, wird Wert darauf gelegt, dass Außenkontakte, z. B. über Vereine und Schule gepflegt werden, bzw. dass auch die (Wieder-) Entdeckung, Erschließung und Begleitung zur Inanspruchnahme der Ressourcen vor Ort und im Stadtteil sowie institutioneller Ressourcen umgesetzt wird.
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 Pädagogischer Hintergrund
Die Basis für die pädagogische, ganzheitliche Arbeit in der Familiengruppe ist eine gute Beziehung zu dem Kind und der Herkunftsfamilie. Anhand von Evaluation der bisherigen Hilfen hat sich gezeigt, dass über 70% der Zielgruppe an diagnostizierten Bindungsstörungen leiden.
Aufgrund dessen hat sich die Einrichtung entschieden, mit einzelnen Kindern, denen der Beziehungsaufbau, bzw. denen die Intensivierung der Beziehung zu dem pädagogischen Fachpersonal aufgrund ihrer Biographie schwer fällt, eine Einzelbetreuung in Form eines erlebnispädagogischen Wochenende, mit dem Ziel des Beziehungsaufbaus, zukommen zu lassen.
Je nach Bedarf richtet sich die differenzierte Zielsetzung und das Medium für das erlebnispädagogische Wochenende aus. Den Bedarf ermittelt die Einrichtung durch eine präzise Mitwirkung aller an der Hilfe beteiligten Personen. Hierzu gehört die Zielsetzung aus dem Hilfeplan gemäß § 36 SGB VIII, wenn vorhanden die Diagnostik des Kinder- und Jugendpsychiater / Therapeuten des Kindes, Befragungsbögen der Eltern, Beobachtungsbögen der Mitarbeiter der Einrichtung sowie die Ergebnisse aus Gesprächen mit der Schule und ggf. mit dem Verein.
2.2 Allgemeine Zielsetzung
Durch eine intensive 1:1 Betreuung, eingebettet in individuelle, am Bedarf des Kindes orientierte und ineinander greifende und aufeinander aufbauende erlebnispädagogische Aktionen, soll dem Kind / dem Jugendlichen ermöglicht werden, Beziehung zu dem durchführenden pädagogischen Fachpersonal aufzubauen, bzw. soll dem Kind / dem Jugendlichen ermöglicht werden die vorhandene Beziehung zu intensivieren.
Innerhalb des erlebnispädagogischen Wochenendes soll die Basis für die weitere Beziehungsarbeit und somit auch für ganzheitliche pädagogische Arbeit geschaffen werden.
Je nach Bedarf kann hier beispielsweise mit Biographiearbeit oder mit der Auseinandersetzung mit einzelnen Themenbereichen wie beispielsweise "Freundschaft", "Was ist richtig / Was ist falsch?", "Was ist ein Gewissen?", "Wie kann ich meine Bedürfnisse angemessen sagen und einfordern?" oder auch "Wie kann ich gut von Menschen Abschied nehmen?", begonnen werden.
Die Ergebnisse des erlebnispädagogischen Wochenendes geben eine weitere Grundlage für eine differenzierte, kleinschrittige Arbeit an den Zielen aus dem Hilfeplan gemäß § 36. Sie werden in Teilzielen in die monatliche Erziehungsplanung, sowie in die Eltern- und Familienarbeit mit aufgenommen.
2.3 Art der Unternehmungen
Die erlebnispädagogischen Wochenenden finden in der Regel über einen Zeitraum von drei Tagen statt. Die Anreise erfolgt am Freitagnachmittag und die Abreise Sonntag am späten Nachmittag.
Die Wahl der Unterkunft richtet sich nach der Zielsetzung. In der Regel sind dies Naturfreundehäuser oder Ferienwohnungen die entweder gezielt ländlich oder gezielt städtisch gelegen sind und bei denen ggf. das Mitbringen von Tieren erlaubt ist. Beides ist auch an Wochenenden oder in den Ferien buchbar. Wichtig ist bei der Wahl der Unterkunft, dass ein (Gemeinschafts-) Raum vorhanden ist, bei dem über verschiedene Medien Themen bearbeitet werden können und Tagesreflexionen möglich sind. Die Einrichtung greift hier gern auf den in der nahen Umgebung liegenden "Harz" zurück.
Die Familiengruppe führt u. a. auch erlebnispädagogische Wochenenden oder Aktionstage in der unmittelbaren Umgebung durch. In diesen Fällen, bleibt die Gruppe in den Räumlichkeiten der Einrichtung.
Die erlebnispädagogischen Wochenenden dienen der 1:1 Betreuung maximal jedoch 2:1Betreuung, wenn die Zielsetzung dies begründet.
Die Elemente richten sich nach der Ausbildung des Leiters. Derzeit sind die Leitelemente von erlebnispädagogischen Wochenenden / Aktionen "Bauen und Werken", "Mountenbike und Trekking" und "City Bound". Bei Bedarf kauft die Einrichtung beispielsweise eine Fachkraft für das Element klettern o. ä. ein.
2.4 Zielgruppe
In der Familiengruppe lebende Kinder / Jugendliche, deren Umsetzung von den Zielen aus dem Hilfeplan gemäß § 36 SGB VIII stagniert und denen der Beziehungsaufbau bzw. die Intensivierung von Beziehungen im Alltag nicht gelingt.
2.5 Personal
Die erlebnispädagogischen Wochenenden werden ausschließlich vom pädagogischen Fachpersonal mit der mind. Qualifikation staatlich anerkannter Erzieher und mit Zusatzqualifikation im Bereich der Erlebnispädagogik durchgeführt. In Einzelfällen werden Fremdleistungen, wie beispielsweise die Teilnahme an der Begehung eines Hochseilgartens, Höhlenwanderungen oder Kanufahrten durch externe Fachkräfte eingekauft.
2.6 Kosten
Die Kostenübernahme erfolgt bei einem erlebnispädagogischen Wochenende, welches außerhalb der Einrichtung stattfindet, über einen Antrag auf individuelle "Sonderleistungen im Einzelfall" und begründet sich durch den Bedarf, der durch das jeweilige belegende Jugendamt festgestellt und durch in der Hilfe mitwirkenden Personen begründet wird. Die Einrichtung stellt dem belegenden Jugendamt einen Pauschalbetrag in Höhe von 548,97 € für ein erlebnispädagogisches Wochenende in Rechnung.
Der Pauschalbetrag setzt sich wie folgt zusammen:
Personalkosten: 273,97€ (16 Arbeitsstunden TVÖD)
Unterkunft: 150,00€
An- und Abfahrt: 30,00€
Material: 30,00€
Eintrittspeise: 15,00€
Fremdleistungen: 50,00€
Summe 548,97€
2.7 Maßnahmen der Qualitätssicherung und Entwicklung
Eingangsqualität
• Das Projekt wird nur im Einvernehmen der in die Hilfe beteiligten Personen durchgeführt und orientiert sich an den Zielen aus dem Hilfeplan gemäß § 36 SGB VIII
• Das Angebot verläuft kindgerecht und berücksichtigt eventuelle Sorgen und Wünsche der Eltern / Sorgeberechtigten
• Vor der Projektplanung wird Aufmerksamkeit darauf gelegt, ob das Kind / der Jugendliche aufgrund seiner Biographie und seinem psychischen und physischen Gesundheitszustand in der Lage ist, an einem solchen Projekt teilzunehmen. Hierzu werden alle notwendigen und in der Hilfe mitwirkenden Personen wie z. B. Ärzte, Psychologen, Eltern etc. befragt und geben ggf. die Unbedenklichkeit schriftlich bestätigt
• Das Material und die Ausrüstung werden von der Einrichtung gestellt bzw. sind in dem Pauschalbetrag für das erlebnispädagogische Projekt enthalten
Strukturqualität
• Es ist gewährleistet, dass pädagogisches Personal permanent zur Verfügung steht.
• Eine Rufbereitschaft für Notfälle ist gewährleistet und sichergestellt
• Es ist gewährleistet, dass nur im Bereich der Erlebnispädagogik ausgebildetes Personal, Erlebnispädagogische Projekte durchführt und auch nur mit solchen Elementen, in denen das jeweilige Personal ausgebildet ist.
• Das Projekt wird von zwei Fachkräften geplant, auch wenn nur eine das Projekt aktiv durchführt
• Die mit in die Planung einbezogene Fachkraft ist die, die während des Projekts die Rufbereitschaft innehat.
• Diese Fachkraft ist bei der Ortsbegehung und Umgebungserkundung des Projektortes aktiv beteiligt, wichtige Ansprechpartner und Notfallhelfer sind beiden bekannt
• Ein Notfallplan wird für jedes Projekt erstellt
• Ein Sicherheitskonzept wird für jedes Projekt erstellt
• Eine Überprüfung des erlebnispädagogischen Konzeptes erfolgt jährlich hausintern
• Die Unterkunft ist kindgerecht und dem Alter angemessen
• Der Versicherungsschutz, insbesondere für die erlebnispädagogische Arbeit, ist für das Kind und das pädagogische Fachpersonal gewährleistet und sichergestellt. (Haftpflicht-, Unfall- und Rechtschutzschutz)
• Das Material und die Ausrüstung für die Erlebnispädagogischen Projekte wird vor und nach jedem Projekt entweder durch den Erlebnispädagogen und durch den Sicherheitsbeauftragten der Einrichtung oder durch externes Fachpersonal fachgerecht auf Qualität und Funktionalität geprüft und ggf. ausgetauscht.
Prozessqualität
• Die durchführende Fachkraft hat während des Projekts, täglichen Austausch per Telfon oder E-Mail mit der Fachkraft, welche die Rufbereitschaft innehat.
• Tägliche Protokollierung des Tages und der durchgeführten Angebote
• Einbettung der Ergebnisse der erlebnispädagogischen Arbeit in die wöchentlichen Teamsitzungen
• Nutzung der regelmäßigen externen Supervision / Fachberatung 8-10x im Jahr
• Nutzung des kollegialen Austauschs bei Teilnahme an Arbeitskreisen und Regionaltreffen des VPK
• Regelmäßige Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen im Bereich der Erlebnispädagogik 1x in zwei Jahren
• Einbeziehung der Ergebnisse in die monatlichen Erziehungsplanungen/Hilfeüberprüfungen mit der Zielgruppe, den Kunden
• Regelmäßiger, auch kurzfristiger Austausch mit dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie
• Einheitliche Protokollierung der erlebnispädagogischen Projekte
Ergebnisqualität
• Die Zieldefinition richtet sich nach den Zielen aus dem Hilfeplan gemäß § 36 SGB VIII
• Systematische, transparente Dokumentation der Entwicklung des Klienten
• Übersichtlich strukturierte Protokolle
• Überprüfung der Zielerreichung auf Grund des Hilfeplans gemäß § 36 SGB VIII
• Konzeptweiterentwicklung und Fortschreibung durch übersichtliche, protokollierte Prozessqualität
• Kunden- und Klientenbeteiligung bei der Überprüfung und Bewertung / Evaluation der Projekte
3. Projektplanung
3.1 Pädagogischer Hintergrund / Idee
Vor den Sommerferien hat die Familiengruppe ein Kind und in der ersten Woche der Ferien zwei Kinder in die Herkunftsfamilie entlassen. Parallel dazu nahm die Gruppe zu Beginn der Ferien ein Mädchen neu auf. Weitere Neuaufnahmen sind derzeit nicht geplant.
In der Gruppe herrscht trotz Abschied nehmen von den Kindern die entlassen wurden, ein Grundgefühl / eine Grundstimmung von "Ich bin zurückgelassen worden!". Die entlassenen Kinder lebten bis zu 2,5 Jahre in der Gruppe. Um diese Grundstimmung / dieses Grundgefühl aufzugreifen und etwas daran zu verändern, ist die Idee entstanden einen "Neuanfang", eine Basis für die "neue" Gruppe zu schaffen.
Das Team der Gruppe hat sich für die Methode der Erlebnispädagogik entschieden mit dem Schwerpunkten Trekking, Aufbau von Vertrauen und Kooperation. Die Projekttage sollen unter dem Obergriff „Wege des Lebens“ stehen und sind verbunden mit zwei Expeditionen in fiktive Städte. Die Geschichten hierzu, vielmehr die Verbindungen zwischen den Spielen und dem Leben waren Ideen von Frau Paffenzeller-Scharf. Frau Pfaffenzeller-Scharf möchte mit den Spielen die Widrigkeiten und die Herausforderungen des Lebens nachstellen. Die Kinder können spielerisch für sich angemessene Umgangsformen erarbeiten. Die Projekttage sollen vom 06.06. - 08.06.2009 stattfinden.
3.2 Allgemeine Zielsetzungen
Erlebnispädagogik als Methode zum Einleiten von gezielten gruppendynamischen Prozessen, die die Basis für das Miteinander einer neu zusammengestellten Gruppe von Kindern aus der stationären Jugendhilfe gibt.
Etwas "Neues" und Gemeinsames schaffen, worauf in der weiteren Arbeit aufgebaut und an das angeknüpft werden kann.
Drei Projekttage als Basis zum Aufbau einer Gruppe, in denen Transferleistungen von Alltagsituationen zum Leben geschaffen werden. Eine Basis schaffen, die offene Gespräche, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zulässt.
3.3 Art der Unternehmung (incl. Projektort und –dauer)
Das Team hat sich entschieden, die unmittelbare ländliche Umgebung um die Gruppe zu nutzen, sowie die Räumlichkeiten der Gruppe selbst. Geplant sind drei Projekttage. Zwei Tage, an denen der Schwerpunkt außerhalb der Gruppe gesetzt ist und ein Tag in der Gruppe, der den Auftakt für weitere gemeinsame Aktionen in den Sommerferien geben soll. Die Gruppe nutzt das angrenzende Fuhsetal, das Barumer Moorgebiet, den Herzberg sowie das Gebiet um den Eixer See und diesen selbst.
Konkret:
Zwei Expeditionen in das Land des Lebens. Eine in die Stadt "Orientierung" und eine in die Stadt "Entdeckung und Spaß".
An beiden Tagen werden die Kinder bei ihrer gemeinsamen Reise vor verschiedene Aufgaben gestellt, die sie als Gruppe lösen müssen. Einer dieser Aufgaben wird sein, einen gemeinsamen "Schlachtruf" zu finden.
Am dritten und letzten Projekttag, der in der Gruppe stattfindet, ist der Schwerpunkt, das Gestalten eines T-Shirts, mit dem "Schlachtruf" der Gruppe.
3.4 Gruppenzusammensetzung
Die Zielgruppe sind die derzeit in der Familiengruppe lebenden Kinder. Die Gruppengröße ist auf Grund von drei Entlassungen und einer Neuaufnahme, auf eine Gruppengröße von drei geschlechtlich heterogenen Kindern im Alter von 5 – 14 Jahren zu benennen. Wovon sich die beiden Jungen (5 Jahre + 13 Jahre) 7 Monate kennen. Das Mädchen (10 Jahre) kennt die beiden Jungen und diese sie 9 Tage.
Gemeinsam haben die drei oben genannten Kinder in diesem Jahr in ihrer Herkunftsfamilie mehrere Schicksalsschläge erlebt, wovon der Schwerpunkt auf Abschiednehmen zu setzen ist. Die oben genannten Kinder haben die Diagnose AD(H)S und Bindungsstörung gemeinsam und die damit verbundenen Höhen und Tiefen in ihrem Alltag.
Rückschlüsse auf die Wahl des Betreuungsschlüssels, sowie auf die Projektplanung unter Berücksichtigung der oben beschriebenen Gruppenzusammensetzung:
• Mindestens zwei Mitarbeiter, im besten Fall drei Mitarbeiter (Betreuungsschlüssel 1:2 / 1:1) (Aufgreifen der Bedürfnisse / Aufsichtspflicht)
• Projekttage müssen mit Ruhe und Zeit durchgeführt werden (nicht zu viele Angebote, keine Störungen von außen)
• Atmosphäre schaffen, die Offenheit, Vertrauen und Rückzugsmöglichkeiten zulässt
• Kooperationsangebote um das Kennen lernen und das Zusammenfinden zu fördern
3.5 Beschreibung der Teilnehmer (Namen auf Grund des Datenschutz geändert)
Jennifer 10 Jahre alt.
Das älteste von drei Kindern in der Herkunftsfamilie
Diagnose: ICD 10 F 90.0 & F 89
Problematik in der Herkunftsfamilie:
Gestörte Mutter-Tochter Beziehung, angespanntes Verhältnis zum Stiefvater, von Jennifer ausgehend eine einnehmende Beziehung zu der jüngeren Schwester. Keinen Kontakt zum leiblichen Vater.
Ressourcen des Kindes:
Kreativ, offen, fröhlich, will etwas verändern, um wieder in der Herkunftsfamilie leben zu dürfen. Liest gerne, bastelt gerne, spielt gerne Gesellschaftsspiele, tierlieb, sorgt sich um ihre Mitmenschen
Zielsetzung im Rahmen der Projekttage für das Kind:
• Die Kinder, Gruppe und die Umgebung der Gruppe kennen lernen
• Vertrauen fassen können
• Gemeinsamkeiten zu den anderen Kindern finden können
Mirko 13 Jahre alt.
Jüngster Sohn der Herkunftsfamilie.
Diagnose: ICD 10 F 90.0, F 94.1 & F32.1
Problematik in der Herkunftsfamilie:
Unzuverlässigkeit und Gewalt, Erfahrung durch Missbrauch von Alkohol von Seiten beider Elternteile bis zum heutigen Tag. Die Eltern sind geschieden. Das Sorgerecht liegt beim Vater. Die neue Lebensgefährtin des Vaters trinkt ebenfalls. Keinen Kontakt zur leiblichen Mutter.
Ressourcen des Kindes:
Handwerkliches Geschick, bei Interesse ausdauernd, sorgt für seine eigene Bedürfnisbefriedigung, sportlich, kreativ, hilfsbereit, Kompetenzen zur Führung einer Gruppe
Zielsetzung im Rahmen der Projekttage für das Kind:
• Aufbau / Förderung des Selbstwertgefühls durch Übergabe von Verantwortung und aufgreifen von seinen Stärken (handwerkliches Geschick)
• Basis für die Rollenfindung in der Gruppe mit der neuen Gruppenkonstellation schaffen
Jasper 5 Jahre alt.
Ältester Sohn der Herkunftsfamilie.
Diagnose: ICD 10 F 90.0 & F 93.9
Problematik in der Herkunftsfamilie:
Die Mutter konsumierte nach Jaspers Geburt bis zu seinem 4. Lebensjahr Drogen. Sie ist jetzt im Polamidon® Programm. Jasper hat von Seiten seiner Herkunftsfamilie fast ausschließlich Unzuverlässigkeit erlebt. Die Mutter hat einen neuen Lebensgefährten, von dem sie im Mai 2009 ein Kind bekam. Jasper wird von dem neuen Lebensgefährten der Mutter nicht anerkannt. Keinen Kontakt zum leiblichen Vater.
Ressourcen des Kindes:
Fröhlich, offen, interessiert, begeisterungsfähig, bei Interesse ausdauernd, Sympathieträger, liebenswert, hinterfragt alles
Zielsetzung im Rahmen der Projekttage für das Kind:
• Basis für die Rollenfindung in der Gruppe mit der neuen Gruppenkonstellation schaffen
• Vertrauen aufbauen durch Vertrauensübungen
• Lernen sich zurückzunehmen
4. Projektverlauf
1 Phase:
Im Rahmen von Teambesprechungen wurde die Grundstimmung der Gruppe erfasst und bearbeitet. Gemeinsames Sammeln von Ideen über die Inhalte und Ziele der Projekttage erfolgte im Team sowie die Festlegung von Zeit, Ort und Dauer. (Geplanter Projektverlauf, siehe nächste Seite).
Das Team entschied sich auf Grund der Zielsetzung, das Projekt im Rahmen der Grundleistungen der Einrichtung durchzuführen. Dies beinhaltet somit das vorhandene Material der Gruppe und die vorhandene Ausstattung für erlebnispädagogische Angebote zu nutzen. Da Frau Pfaffenzeller-Scharf in der Einrichtung lebt, trifft für sie das Arbeitszeitgesetz nicht zu und es ist somit gerechtfertigt, dass sie die drei Projekttage durchgängig begleitet. Die anderen Fachkräfte werden nach Dienstplan eingeteilt.
Dadurch, dass die Projekttage in und in der ummittelbaren Umgebung der Gruppe stattfinden, fallen keine Extrakosten für Unterkunft an. Die Kosten für Verpflegung sind über den Tagesverpflegungssatz sichergestellt. Die Finanzierung für eventuelle noch anfallende Posten erfolgt über das Budget der monatlichen Gruppenkasse. Ein Finanzierungsplan ist somit nicht notwendig.
Da kleine erlebnispädagogische Aktionen / Projekte in den Grundleistungen der Einrichtung erfasst sind, stimmen die Sorgeberechtigten mit Aufnahme des Kindes in der Einrichtung der Erlebnispädagogischen Arbeit zu. Eine gesonderte Einholung des Einverständnisses ist somit nicht notwendig.
Auch eine gesonderte Absicherung über die Haftpflichtversicherung und Unfallversicherung ist auf Grund der Gegebenheit, dass die Erlebnispädagogische Arbeit Teil der Grundleistungen ist, nicht notwendig. Die Erlebnispädagogische Arbeit ist grundsätzlich mit versichert.
Die Eltern werden im Rahmen der monatlich stattfindenden Elterngespräche über das Vorhaben informiert, sowie über eine Projektausschreibung, welche im Eingangsbereich der Gruppe an der für Planung und Neuigkeiten ausgelegten Informationswand aushängt. Dort werden auch die täglichen Reflexionsauswertungen der Kinder sowie Bilder der Aktionen vorgestellt. Die Kinder haben so die Möglichkeit, das Erlebte unmittelbar beim nächsten Besuch ihren Eltern vorzustellen. Die Ergebnisse der Projekttage sowie die individuelle Zielerreichung wird im Anschluss ebenfalls mit Eltern in Elterngesprächen besprochen.
Die Kinder werden im Rahmen eines Gruppenabends über die anstehenden Projekttage informiert und in die Planung mit einbezogen.
Am ersten Projekttag ist ein Personalschlüssel von 1:2 zu vertreten, da die Inhalte und Methoden mit einem Personalschlüssel von 1:2 umsetzbar sind. Am zweiten Projekttag hat sich das Team dazu entschlossen, einen Personalschlüssel von 1:1 zu wählen. Geplant ist unter anderem baden an einem öffentlichen Badesee mit einem nicht durchgängig besetzten DLRG Turm. Die Begründung liegt darin, dass ein Kind Nichtschwimmer ist und ein weiteres Kind noch nicht so bekannt ist, als dass man es beim Schwimmen schon einschätzen kann. Am dritten und letzten Tag ist ebenfalls ein Personalschlüssel von 1:1 geplant, um den Bedürfnissen aller Kinder gerecht zu werden und um das Projekt so für alle Beteiligten "rund" abschließen zu können.
Die Projektleitung, Planung und Umsetzung obliegt Frau Pfaffenzeller-Scharf. Frau Kaluza als Jahrespraktikantin begleitet alle drei Projekttage. Am zweiten Projekttag begleitet Herr Stoffregen die Gruppe als dritter Mitarbeiter. Dieser ist ausgebildeter Rettungsschwimmer. Den dritten Projekttag begleitet Frau Gierth als dritte Fachkraft.
2. Phase
Die konkrete inhaltliche Planung führte Frau Pfaffenzeller-Scharf durch und bezog die, das Projekt mit durchführenden, Kollegen ein. In zwei Projekttreffen planten die Fachkräfte die Umsetzung, die Organisation, die Sicherheitsaspekte und den Notfallplan.
Geplanter Projektverlauf
Zeit / Tag | Montag 06.06.2009 | Dienstag 07.06.2009 | Mittwoch 08.06.2009 |
12.00Uhr | Treffen mit den Kollegen | Treffen mit den Kollegen | Treffen mit den Kollegen |
12.30Uhr | Materialien bereitstellen | Materialien bereitstellen | Materialien bereitstellen |
13.00Uhr | Mit den Kindern die Packliste durchgehen und packen | Mit den Kindern die Packliste durchgehen und packen | Mit den Kindern die Liste der Materialien durchgehen und alles bereitstellen / vorbereiten |
13.30Uhr | Wir gehen los | Wir gehen los | Ideensammlung wie man das T-Shirt gestalten kann |
14.00Uhr | 1. Station: Nicht gesehen oder gehört werden / | 1. Station: Auf andere achten, aufmerksam sein (Spiel: Blinzeln) | T-Shirts bemalen |
14.30Uhr | 2. Station: Höhen und Tiefen im Leben und diese gemeinsam bewältigen | 2. Station: Hindernisse im Leben / Schwierige Situationen gemeinsam bewältigen (Spiel: Spinnennetz) | |
15.30Uhr | 3. Station Höhen und Tiefen im Leben und diese gemeinsam bewältigen | 3. Station: Auf den Spuren des Riesen im Herzberg + Picknick | |
16.00Uhr | Picknick | 4. Station: Anderen Vertrauen, mal den Weg nicht sehen können und sich führen lassen, Blindgang | "Kaffee" und Kuchen |
16.30Uhr | 4. Station: Barfussgang, steinige Wege gehen und wie jeder das für sich selbst empfindet | 5. Station: Schwimmen am verwunschenen Eixer See mit | T-Shirts bügeln |
17.00Uhr | 5. Lagerbau | Modenschau | |
18.00Uhr | Abendessen | Abendessen | |
19.00Uhr | Heimweg | Reflexion der Projekttage, Bilderauswah | |
19.30 Uhr | Stockbrot | Heimweg | |
20.30 Uhr | Bilder anschauen, Bilder auswählen | Preisverleihung Grimassen-wettbewerb | |
Bilder anschauen, Bilder auswählen |
3 . Phase
Tatsächlicher Projektverlauf
Zeit / Tag | Montag 06.06.2009 | Dienstag 07.06.2009 | Mittwoch 08.06.2009 |
12.00Uhr | Treffen mit den Kollegen | Treffen mit den Kollegen | Treffen mit den Kollegen |
12.30Uhr | Materialien bereitstellen | Materialien bereitstellen | Materialien bereitstellen |
13.00Uhr | Mit den Kindern die Packliste durchgehen und packen | Mit den Kindern die Packliste durchgehen und packen | Mit den Kindern die Liste der Materialien durchgehen und alles bereitstellen / vorbereiten |
13.30Uhr | Wir gehen los | Wir gehen los | Ideensammlung wie man das T-Shirt gestalten kann |
14.00Uhr | 1. Station: Nicht gesehen oder gehört werden / | 1. Station: Auf andere achten, aufmerksam sein (Spiel: Blinzeln) | T-Shirts bemalen |
14.30Uhr | 2. Station: Höhen und Tiefen im Leben und diese gemeinsam bewältigen | 2. Station: Hindernisse im Leben / Schwierige Situationen gemeinsam bewältigen (Spiel: Spinnennetz) | |
15.30Uhr | 3. Station Höhen und Tiefen im Leben und diese gemeinsam bewältigen | 3. Station: Auf den Spuren des Riesen im Herzberg + Picknick | |
16.00Uhr | Picknick | "Kaffee" und Kuchen | |
16.30Uhr | 4. Station: Barfussgang, steinige Wege gehen und wie jeder das für sich selbst empfindet | 4. Station: Anderen Vertrauen, mal den Weg nicht sehen können und sich führen lassen, Blindgang 5. Grimassen-wettbewerb | T-Shirts bügeln |
17.00Uhr | 5. Lagerbau | Modenschau | |
18.00Uhr | Abendessen | Heimweg | Abendessen |
19.00Uhr | Heimweg | Preisverleihung Grimassen-wettbewerb | Reflexion der Projekttage, Bilderauswah |
19.30 Uhr | Stockbrot | Verstecken im Haus | |
20.30 Uhr | Bilder anschauen, Bilder auswählen | Bilder anschauen, Bilder auswählen |
4. Phase
Abschluss / Planung der weiteren Arbeit, aufbauend auf der geschaffenen Basis
Die T-Shirts mit dem "Schlachtruf" der Gruppe stehen den Kindern zum Tragen zur freien Verfügung. Bei Gruppenaktivitäten und bei Präsentationen der Gruppe nach außen, haben die Kinder entschieden, das T-Shirt dann zu tragen. Die Kinder schlugen vor, das T-Shirt auf jeden Fall zum Tag der offenen Tür im August zu tragen. Den Schlachtruf wollen die Kinder vor jeder gemeinsamen Aktion tätigen, insbesondere bei Aufgaben, die sie als Gruppe auch im Alltag gemeinsam lösen müssen. Das Team der Gruppe, jeder Mitarbeiter, unterstützt dies. Die Kinder haben weiter entschieden, dass jedes Kind, was jetzt noch neu in die Gruppe kommt, den "Schlachtruf" lernt und auch ein T-Shirt gestalten kann oder auch soll. Die Begründung der Kinder: "Das wäre ja sonst doof, wenn wir alle eins haben und das neue Kind nicht." Selbstverständlich greifen wir an dieser Stelle alle Vorschläge der Kinder auf und fördern so den Gruppenzusammenhalt und die weitere Entwicklung der Gruppe. Weitere Aktionen in den Ferien sind auf Kooperation ausgelegt und auch auf gemeinsame Entscheidungen. Die Gruppe ist jetzt in der Lage, gemeinsam Lösungswege zu finden.
Konkrete Planung für die weitere pädagogische Arbeit:
• den "Schlachtruf verwenden"
• das Tragen des T-Shirts bei Gruppenaktionen im Kopf haben
• Bei einer Neuaufnahme, von den Kindern den Schlachtruf erklären lassen und kombinieren mit Kooperationsspielen
• Bei einer Neuaufnahme, dem "neuen" Kind anbieten mit ihm gemeinsam ein T-Shirt mit dem "Schlachtruf" zu gestalten
• Bei Aktionen keine Spiele mit Sieger und Verlierer anbieten, der Schwerpunkt liegt auf Kooperation und Vertrauen
• Den Alltag so gestalten, dass Gemeinsames auch ohne Fachkräfte möglich ist (Kinder unter sich)
• Die Kinder an gemeinsam Geschafftes erinnern und sie erstmals selbst Lösungswege finden lassen
• Die tägliche schon fest installierte Tages - Reflexion in Form von einer Abendrunde, gewinnt durch die Projekttage mehr an Bedeutung und ist mit mehr Zeit einzuplanen
5. Nachbereitung
5.1 Kinder
Jasper 5 Jahre alt
Jasper hat gelernt, sich mehr zurück zu nehmen. Er stellte ziemlich schnell fest, dass er alleine nicht zurecht kommt und auch, dass er auf die Hilfe und Unterstützung der anderen Kinder angewiesen ist. Dass er Hilfe und Unterstützung jedoch nur bekommt, wenn er mit den anderen Kindern freundlich umgeht. Er legte seinen fordernden, patzigen Ton sowie seinen Dickkopf ab und konnte so die Erfahrung machen, dass sich helfen lassen nichts Schlimmes ist, dass sie als Gruppe die Aufgaben lösen können und dass man auch noch dabei Spaß haben kann. Durch das gezielte Tauschen der Rollen, war auch Jasper in der Rolle die Gruppe anzuführen. Auch hier bemerkte er ziemlich schnell, dass er mit den anderen Kindern zusammenarbeiten muss, da sonst die Gruppenaufgabe nicht gelöst werden kann. Er nahm sich selbst zurück. Diese Erfahrungen hatten die Folge, dass Jasper jetzt im Alltag die Grenzen der beiden anderen Kindern eher akzeptiert. Jasper konnte sich trotz seines jungen Alters gut auf die Aufgaben und Kooperationsspiele einlassen. Er konnte ein Nein akzeptieren sowie die Tatsache, dass er aufgrund seines Alters und Größe nicht alles so machen kann, wie die beiden anderen Kinder. Auch diese Erfahrung ist im Alltag hilfreich. Er kann jetzt eher sagen, "Das kann ichnoch nicht."
Mirko 13 Jahre alt
Mirko kennzeichnet sich im Alltag durch Cool sein und durch Grenzüberschreitungen insbesondere bei Erwachsenen und durch Grenzüberschreitungen der gesellschaftlichen Werte und Normen aus. Die Rolle des „Vorbilds“ gegenüber den anderen in der Gruppe lebenden Kindern hat er bisher abgelehnt. Erstaunlicher Weise übernahm er diese Rolle bei den Projekttagen und füllte diese auch positiv aus. Er, als ältester der Gruppe und derjenige mit der meisten Erfahrung im handwerklichen Bereich, bekam teilweise Gruppenführungsaufgaben übertragen, welche er gewissenhaft mit der Gruppe löste. Auch die ihm übertragene Verantwortung für Werkzeug übernahm er gewissenhaft. Mirko schlug und schubste Jasper vor den Projekttagen in 7 von 10 Konfliktsituationen. Während der Projekttage schlug und schubste er ihn gar nicht und im Anschluss in 4 von 10 Konfliktsituationen. In den anderen 6 Situationen reagiert er ruhig und sachlich oder holt sich Hilfe bei den Fachkräften. Mirko hatte große Probleme bei dem Barfussgang. Er wollte seine Füße nicht entblößen. Er probierte es dennoch aus. Beim Blindgang beobachtete er erst alle anderen und wählte dann seinen Führer gut aus. Ihm fiel es schwer sich jemanden beim Bildgang anzuvertrauen. Er selber wollte erst auch nicht führen. Er probierte es dann aber doch aus und stellte selber fest, dass es ihm gut gelingt, dass er es kann. Er freute sich, dass jemand von ihm geführt werden wollte.
Jennifer 11 Jahre
Jennifer ist ein offenes, aktives Mädchen. Sie hat Freude und Spaß an "neuen" Dingen. Sie probiert alles aus und ist auch schon in der Lage, in Kooperation Lösungswege zu finden. In 7 von 10 Situationen reagiert sie hektisch. Erst nach einigen Minuten gelingt es ihr sich auf Aufgaben zu konzentrieren. Jennifer hat durch die Projekttage die anderen Kinder besser kennen gelernt und auch die Umgebung der Gruppe. Sie hat festgestellt, dass sie mit ihrer Problematik nicht alleine ist. Durch die Aufgaben und die ihr übertragene Verantwortung hat sie mehr Zutrauen zu sich selbst gefunden. Jennifer hat die Fähigkeit in Konfliktsituationen zu vermitteln und sie zu entschärfen.
5.2 Gruppe
Die gemeinsamen Erlebnisse und die privaten Dinge, die sich die Kinder während des Projekts erzählt haben, die Gemeinsamkeiten, die sie herausgefunden haben, sowie die Unterschiede, die sie auch zu schätzen gelernt haben (Stärken einsetzen), dienen im Alltag für ein besseres Verständnis untereinander. Mehr Rücksichtnahme, Wertschätzung und Verständnis ist zu spüren.
Die Kinder suchen immer mehr den Raum für gemeinsame Zeit auch ohne Fachkräfte. Sie spielen dann Gesellschaftsspiele oder gehen gemeinsam raus in den Garten. Sie beziehen auch Jasper in ihr Spiel ein. Sie finden bei Unstimmigkeiten untereinander gemeinsam Lösungswege ohne sich anzuschreien oder sich zu hauen.
In der Gruppe ist jetzt der Neuanfang zu spüren und zu sehen. Die Kinder erzählen von dem gemeinsam Erlebten, spielen gemeinsam, akzeptieren aber auch ihre Grenzen und ihren Freiraum.
5.3 Kollegen
Die Kollegen waren begeistert. Die einzelnen Beobachtungen über die Kinder und die Beobachtungen der Gruppe wurden unmittelbar mit in die Dienstbesprechung genommen. Die Bitte der Kollegen ist, solche Projekttage öfter zu machen. Die zwei Fachkräfte sowie die Jahrespraktikantin konnten sich vor dem Projekt nicht vorstellen, welche gruppendynamischen Prozesse ausgelöst werden und auch nicht, welche wichtigen Kenntnisse man über die einzelnen Kinder bekommt. Bemerkenswert fanden die Fachkräfte in welcher Weise sich die Beziehung zwischen Fachkraft und Kind positiv verändert. Der Zugang zum Kind wurde leichter, die Gespräche intensiver und die Beziehung tragfähiger.
6. Reflexion
Mit den Kindern, mit denen ich hier arbeite, ist schon Schlittenfahren ein Erlebnis oder der Gang durch den Wald. Oft kommen die Kinder aus Familien, in denen sie nur wenige Möglichkeiten hatten, die Welt kennen zu lernen. Die Dinge, die für mich schon selbstverständlich sind, wie am Feld spazieren gehen und dem Bauern beim Ernten zu zusehen, sind für die Kinder, mit denen ich arbeite, ein Erlebnis. Dieses Bewusstsein werde ich beim nächsten Projekt haben und so die Aktionen auch planen. Vielmehr werde ich die Kinder vor der Planung anders beobachten, damit ich sie tatsächlich dort abhole, wo sie stehen, bei ihrem individuellen Entwicklungsstand. Deutlich wurde mir dies bei Mirko, der tatsächliche Schwierigkeiten hatte anderen und sich selbst zu vertrauen. Ich habe mich von seinem "Cool sein" blenden lassen und ihn mit den Vertrauensübungen fast überfordert.
Am ersten Projekttag machten wir Stockbrot über einem Terrassenofen und es begann zu regnen. Hierfür hatte ich kein Ersatzprogramm geplant. Ich musste improvisieren und spannte mit den Kindern eine Plane, so dass zumindest jeder drei Mal Stockbrot machen konnte. Diesen Stress würde ich mir und den Kindern nicht mehr antun.
Am zweiten Tag hatten wir erneut ab der Mittagszeit Regen mit Gewitter und mussten das Schwimmen gehen weg lassen. Ich hatte mich morgens nicht mehr nach der Wetterprognose erkundigt.
Sicher habe ich mich mit dem gut ausgestatten Erste Hilfe Outdoor Rucksack gefühlt, sowie mit den vollen Akkus der Handys, sowie mit der Überprüfung vorab, ob auch überall Netzempfang ist. Auch das Wissen, dass die Kollegin, die im Hintergrund in Rufbereitschaft ist und jederzeit hätte in einem Notfall helfen können, vermittelte mir Gelassenheit. Sicherheit gab mir auch die Tatsache, dass ich die Wege vorher mehrfach abgegangen bin und die Gefahrenstellen wusste. Ein sicheres Gefühl gab mir auch die Tatsache, dass der Hausmeister der Einrichtung mit allen Kindern einen Werkzeugführerschein gemacht hatte und ich somit nur noch mal auf die Benutzung und die Gefahren aufmerksam machen musste. Die genaue Aufgabenverteilung und die Absprachen mit den Kollegen waren sehr gut.
7. Öffentlichkeitsarbeit
Das Projekt und die tägliche Reflexion sowie die Bilder haben wir in der Gruppe im Eingangsbereich durch Plakate transparent gemacht. Eltern, Freunde der Kinder und das Jugendamt schauten sich die Ergebnisse an, fragten nach und die Kinder erzählten voller Stolz. Am Ende des Jahres wird auf der Homepage der Einrichtung im Rahmen eines Jahresberichts das Projekt veröffentlich.
8. Literaturverzeichnis
Sicherheitsstandards in der Erlebnispädagogik, Hubert Perschke, Peter Flosdorf u. a., Juventa Verlag
Kooperative Abenteuerspiele 1, Rüdiger Gilsdorf, Günther Kistner, Kallmeyer Verlag
Kooperative Abenteuerspiele 2, Rüdiger Gilsdorf, Günther Kistner, Kallmeyer Verlag
Abschlussprojekt der Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Wege des Lebens"
Familiengruppe "Haus Bienchen"
Erlebnispädagogisches Projekt von Sabine Pfaffenzeller-Scharf





