seit 1994

Oliver Schick

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

"Freibeuter der Lahn"

 

 

Erlebnispädagogisches Projekt von Oliver Schick

 

20. bis 23. Juli 2010

 

 

 

 

 

1.    Einleitung / Vorstellung der Einrichtung

 

Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie. Die Klinik verfügt über 52 stationäre Betten, die in drei gemischtgeschlechtliche Stationen gegliedert sind.

 

Zwei offene Stationen mit je 21 Betten und eine geschlossene Station mit 10 Betten. Stationär behandelt werden Kinder- und Jugendliche vom 3. bis zum 20. Lebensjahr mit einem breiten Spektrum psychiatrischer Erkrankungen, unter denen Kinder- und Jugendliche mit schweren emotionalen Störungen (Angststörungen, Zwangsstörungen, depressive Syndrome) mit Essstörungen (Anorexie, Bulimie) mit schizophrenen Erkrankungen und mit Drogenproblematik dominieren.

 

In der Tagesklinik mit 12 Plätzen liegt der Behandlungsschwerpunkt auf Entwicklungsstörungen im Vorschul- und im frühen Schulalter sowie Störungen des Sozialverhaltens. Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen, motorischen Störungen (z.B. hyperkinetisches Syndrom) und speziellen Lern- und Leistungsstörungen werden einer mehrmonatigen strukturierten Behandlung unter Einbindung der Schule unterzogen. An die Klinik angegliedert ist eine Sonderschule, die "Schule für Kranke". Die Schule wird von allen Kinder und Jugendlichen der drei Stationen und der Tagesklinik besucht.  

 

Die Kinder und Jugendlichen werden von Ärzten und Psychologen in enger Zusammenarbeit mit der Bezugsperson des Pflege- und Erziehungsdienstes (PED) behandelt. Ebenfalls gehört zur Klinik die Ergotherapie, Physiotherapie, Ernährungstherapie und der Sozialdienst. Des Weiteren arbeiten die Kinder und Jugendlichen mit einem Therapiehund in Einzel- und Gruppen zusammen.

 

Ich arbeite auf einer der beiden offenen Stationen als Stationsleitungsvertretung, in einem Team aus Kinderkrankenpflegepersonal, Krankenpflegepersonal und Erziehern, dem Pflege- und Erziehungsdienstes (PED) und bin von unserer Station der erste Mitarbeiter der die Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik absolvieren durfte. Bin somit auch der erste Mitarbeiter der ein Erlebnispädagogisches Projekt auf unserer Station über mehrere Tage mit Kindern und Jugendlichen durchführt. Voraussetzung war, dass das Projekt drei Tage dauert, da wir für vier Stationen nur einen Bus haben und dieser für Aktivitäten in allen Bereichen vorgesehen ist.

 

 

2.    Erlebnispädagogisches Konzept

 

Wir unterteilen die Kinder und Jugendlichen auf unserer Station täglich neu oder in längeren Projekten über mehrere Tage in Kleingruppen auf und führen mit ihnen eine Vielzahl an verschiedenen Aktivitäten (z.B. Kreativ-, Koch-, Back-, Soziale Kompetenz-, Starke Mädchen-, Werk-, Foto-, Stadt-, Wald-, Sport-, Schwimm-, Inliner-, Kletter-, Mountainbike-, Kanugruppen) durch. Die Mitarbeiter der Station haben sich nach Interesse und Können die verschiedenen Maßnahmen untereinander aufgeteilt und führen sie mit den Kindern und Jugendlichen durch. Mein Schwerpunkt liegt im sportlichen und outdoor Bereich.

 

Das ich das Medium Kanu in meinem Abschlussprojekt verwende war schon zu Beginn der Weiterbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik klar und der Kurs Kanu/Floß hat mich dann noch bestärkt. Da ich mit den Kindern und Jugendlichen der Klinik schon seit Jahren  Tagestouren mit dem Kanu mache und dort schon viele Erfolge bei den Patienten erzielt habe. Denn das Kanu eignet sich in der besonderen Weise um verschiedene Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zu trainieren und zu festigen, um das Erlernte später im Alltag umzusetzen. Meine allgemeine Zielsetzung war Förderung von Teamfähigkeit, Steigerung des Selbstvertrauen, Steigerung der Gruppendynamik (Wir-Gefühl), Förderung sozialer Kompetenzen, Förderung der Fähigkeit zur Rücksichtnahme, Umgang mit Regeln, Erfolgserlebnisse schaffen und Kontakt zur außerklinischen Umwelt dem Element Wasser.

 

In dem Ferienplan der Klinik ist es so vorgesehen, dass jede Station den Bus an drei zusammenhängenden Tagen benutzen darf und dann den Bus den anderen Stationen überlassen muss. Ein weiterer Grund das Projekt über drei
Tage laufen zulassen war, dass die Kinder und Jugendlichen, die ich für mein Vorhaben ausgesucht haben ein komplexes Krankheits- und Störungsbild haben und in unterschiedlichen Bereichen eingeschränkt sind, sodass ein längeres Projekt aus meiner Sicht nicht so erfolgreich verlaufen wäre.

 

Wir sind mit drei Kanus in Gießen am Ski- und Kanuclub gestartet, hatten auf dem Weg zum ersten Ziel Campingplatz Wetzlar verschiedene Höhepunkte der Lahn (drei Bootsrutschen und zwei Schleusen zur Selbstbedienung) zu passieren. Am zweiten Tag ging es von Wetzlar nach Solms auf den Zeltplatz Schohleck, wo wir auf dem Weg dorthin wieder zwei Schleusen durchfahren mussten. Am dritten und letzten Tag verbrachten wir noch einige Zeit auf dem Zeltplatz bevor wir die Rückfahrt diesmal mit dem Bus nach Marburg antraten. 

 

 

 

3.    Zielgruppe


3.1 Gruppenzusammensetzung

 

Die Gruppengröße haben wir auf sechs Kinder und Jugendliche festgelegt, um bei einem Projektabbruch (z.B. Unwetter) mit nur einer Busfahrt die Gruppe auf Station zurück bringen zu können. Da in meiner Planung klar war das ich das Projekt mit einer Kollegin durchführen wollte, schien mir die Gruppengröße von sechs Kindern und Jugendlichen ideal. Die Kinder und Jugendlichen waren zwischen 10 - 17 Jahre alt. Der relativ große Altersunterschied in der Gruppe kam aufgrund der zurzeit  behandelten Patienten auf Station zu Stande. Wirkte
sich aber nur positiv auf die Gruppe und auf das ganze Projekt aus. Die Kinder und Jugendlichen kannten sich und uns schon seid mehreren Wochen von Station.

 

Dass wir die Kinder und Jugendlichen im Vorfeld schon kannten, war ein
wichtiger Aspekt des Projektes, da jeder einzelne ein komplexes Krankheits- und Störungsbild hatte und in seinen speziellen Problembereichen Unterstützung, Anleitung und Hilfestellung benötigte. Außerdem war das geschaffene Vertrauensverhältnis zu den Kindern und Jugendlichen und die Voraussetzung der Absprachefähigkeit und der Gruppenfähigkeit eine Grundlage des Projektes. Es wurden drei Mädchen und drei Jungen für das Projekt ausgesucht die in allen Phasen des Projektes gut voneinander profitierten.

 

Alle Aspekte die wir in unserer Gruppe hatten, wie die Obergrenze von sechs Kinder und Jugendliche, einen hohen Altersunterschied, Mädchen und Jungen gemischt und einen großen Unterschied des Krankheits- und Störungsbild, wirkten sich nur positiv auf die Gruppe aus, da sie sich gegenseitige Hilfestellung und Unterstützung in vielen Bereichen (z.B. Zeltaufbau, Grillen, Kanus transportieren, Feuer machen, Kooperative Aufgaben lösen usw.) gegeben haben. Alle geplanten Inhalte konnten umgesetzt werden. Die Sicherheit das Projekt zur jeder Zeit mit wenig Aufwand abbrechen zu können war immer gegeben. Ein weiterer Mitarbeiter war ständig in Bereitschaft und hätte uns bei Schwierigkeiten unterstützen können. Aus meiner Sicht war die Zusammensetzung der Gruppe mit zwei Betreuern, den sechs Kindern und Jugendlichen und einem Mitarbeiter als Sicherheit in der Hinterhand gerade richtig und es konnte sich eine gute Gruppendynamik entwickeln.

 

 

3.2.     Beschreibung der Teilnehmer/innen

 

L.  10 Jahre, männlich

 

Leidet seid mehreren Monaten an einer depressiven Episode mit niedrigen Selbstwertgefühl, sozialen Rückzug und Schlafstörungen. Des Weiteren berichten seine Eltern und Lehrer von zunehmender Aggression, schlechter Konzentration, geringem Selbstvertrauen, Lustlosigkeit, abwehrendem Verhalten und er sei schwer für etwas zu begeistern. Weiterhin hat L. eine Störung mit Überängstlichkeit, die sich dadurch äußert, dass er Angst hat von seinen Eltern getrennt zu sein oder sie durch Tod zu verlieren (Verlustängste). Er hat noch große Angst vergessen zu werden  (alleine an einem Ort zurück bleiben zu müssen) und vor Bienen und Wespen.

Mein Ziel bei L. war es eine Steigerung seines Selbstvertrauens, Erfolgserlebnisse schaffen und zu einer außerklinischen Aktivität zu aktivieren. L. verfügt über eine hohe soziale Kompetenz und kann sich gut an Regeln halten.

 

 

D.  11 Jahre, männlich

 

Ist seit zwei Jahren in einer Wohngruppe untergebracht, wegen sexuellen Missbrauchs durch einen Bekannten der Familie bis 2007. D. ist vor zwei Monaten aus der Wohngruppe wegen schweren Verhaltensstörungen mit aggressiv-impulsiven Durchbrüchen mit Kontrollverlust zu uns gekommen.

Mein Ziel bei D. war es die Teamfähigkeit und die soziale Kompetenz zu fördern. Ein weiteres Ziel war, dass er Erfahrungen macht Regeln anzunehmen und dabei nicht mit aggressiven Verhalten reagiert. D. verfügt über ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft und zeigte ein großes Interesse an der Kanu Tour. 

 

 

An.  13 Jahre, weiblich

 

Ist seit einem Monat auf unserer Station in Behandlung wegen einer Sozialverhaltensstörung im häuslichen Bereich. Vermehrte Konflikte mit ihren Eltern und Geschwistern sind in den Monaten vor der Aufnahme gehäuft aufgetreten.

Mein Ziel bei An. war ihr den Umgang mit Regeln nahe zu bringen und ihre soziale Kompetenz, wie die Fähigkeit zur Rücksichtnahme zu fördern. An. kommt auf Station allen Anforderungen ohne Probleme nach und zeigt ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft.

 

 

T. 14 Jahre, männlich

 

Ist seit einem Monat wegen Schulverweigerung und Störung des Sozialverhaltens auf unserer Station in Behandlung. T. hat eine hohe Anzahl an Fehltagen im letzten Halbjahr in der Schule und vermehrte Konflikte mit aggressiven Durchbrüchen im familiären und schulischen Rahmen. Außerdem leidet T. an einer Schwerhörigkeit beidseits und trägt Hörgeräte.

Mein Ziel bei T. war es eine Steigerung seines Selbstvertrauens zu erzielen und die soziale Kompetenz zu fördern. Ein weiteres Ziel war das er Erfahrungen macht Regeln anzunehmen und dabei nicht mit aggressiven Verhalten reagiert. T. verfügt über ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft und kommt den Anweisungen des PED problemlos nach.

 

 

A.  15 Jahre, weiblich

 

Leidet seid mehreren Monaten an einer depressiven Episode mit starken Stimmungsschwankungen und selbstverletzendem Verhalten. Ist seit zwei Monaten bei uns auf Station und hat sich seit drei Wochen nicht mehr selbstverletzt.

Mein Ziel bei A. war es eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls, Erfolgserlebnisse schaffen und zu einer außerklinischen Aktivität zu aktivieren. A. verfügt über ein hohes Maß an Hilfsbereitschaft und sozialer Kompetenz.

 

 

F.  17 Jahre, weiblich

 

Leidet seit drei Jahren an einer Anorexia nervosa und ist seid zwei Jahren mit einer kurzen Unterbrechung in stationärer Behandlung. Des Weiteren leidet sie an einer chronisch schlechten Stimmungslage und befindet sich in einem Konkurrenzkampf mit ihrer Zwillingsschwester (wird zeitgleich auf der anderen Station behandelt).

Mein Ziel bei F. war es ihr Selbstvertrauen zu steigern, Erfolgserlebnisse schaffen und zu einer außerklinischen Aktivität zu aktivieren. F. verfügt über ein hohes Maß an sozialer Kompetenz, Hilfsbereitschaft und hat ein hohes Interesse an der Kanu Tour.

 

 

4.    Projektverlauf


4.1 Vorbereitung

 

Vor der eigentlichen Vorbereitung holte ich mir die Zustimmung von meiner Pflegedienstleitung (PDL), in unserer Klink so ein Projekt durchführen zu können, ein. Weiter erkundigte ich mich bei der PDL, wie der Versicherungsschutz der Kinder und Jugendlichen und der der Betreuern ist. Nachdem mir von meiner PDL mitgeteilt worden war, dass für alle Beteiligten ein Versicherungsschutz bestand, begann ich mit der eigentlichen Vorbereitung.

 

Da es für mich schon früh feststand das Medium Kanu für mein Abschlussprojekt zu nehmen, war mein erster Schritt einen Mitarbeiter aus meinem Team für die Kanu Tour zu gewinnen. Da die Kinder und Jugendlichen, die zu Beginn der Vorbereitungsphase auf unserer Station behandelt wurden und für das Projekt infrage kamen, eine Gruppe aus Mädchen und Jungen waren, stand für mich fest das ich eine Frau als zweiten Betreuer brauchte.

 

In meiner Funktion als Krankenpfleger fand ich es am besten für mein erlebnispädagogisches Projekt eine Erzieherin an meiner Seite zu haben. Ich stellte in einer Mitarbeiterbesprechung mein Projekt mit der groben Planung von einer Kanu -Tour auf der Lahn, drei Tage lang, mit sechs Kindern und Jugendlichen und den Übernachtungen auf zwei Zeltplätzen vor. Im Team fand das Projekt vom ersten Moment an große Unterstützung und es fand sich schnell eine Kollegin (Nadine, Erzieherin) die mit mir die Kanu - Tour durchführen wollte. Ich stellte ihr mein Vorhaben mit ersten Inhalten vor, wie meinem Konzept aussieht, welche Inhalte ich haben möchte (wie z.B. gemeinsames Zubereiten der Mahlzeiten, gemeinsames Auf- und Abbauen der Zelte, den verschiedenen Problemlöseaufgaben, Initiativspiele und kooperative Abenteuerspiele zum Thema Wasser, den Warming up-, Blitzlicht-, und Reflexionsrunden usw.).

 

Wir suchten uns die Kinder und Jugendlichen aus und holten uns von den zuständigen Therapeuten die Zustimmung ein. Wir informierten die sechs Kinder und Jugendlichen, dass wir sie für die Kanu Tour ausgesucht haben und bekamen von allen sechs TeilnehmerInnen die Rückmeldung, dass sie an der Kanu Tour teilnehmen möchten. Am folgenden Besuchstag informierte ich die Eltern über unser Vorhaben und lies sie das klinikeigene Aktivitäten- und Ferienformular (s. Anhang) unterschreiben. Nadine und ich erstellten eine Checkliste über mitzunehmende Utensilien (s. Anhang), die wir mit den Kindern und Jugendlichen und deren Eltern besprachen.

 

Unser nächster Schritt war es eine Strecke auf der Lahn und die Zeltplätze auszusuchen. Da der Teil der Lahn der mit dem Kanu besser zu befahren ist ab Gießen beginnt und wir die Boote mit kompletter Ausrüstung (wie: Anhänger, Paddel, Schwimmwesten und Wurfsäcke) vom Ski- und Kanuclub Gießen zu einem sehr günstigen Preis bekommen hatten, war es klar, dass wir von Gießen starten und bis zum Campingplatz Wetzlar fahren.

 

Am zweiten Tag sollte es bis zum Zeltplatz Schohleck bei Leun weitergehen. Da noch keiner von uns die Strecke mit dem Kanu gefahren ist, habe ich von der  PDL die Genehmigung eingeholt eine Erkundungsfahrt auf der von uns geplanten Route mit meiner Kollegin durchführen zu dürfen, um die Strecke kennen zu lernen, mögliche Gefahren zu kennen, den Umgang mit Schleusen und Bootsrutschen zu beherrschen und Ausstiegsmöglichkeiten für Pausen zu kennen. Die Erkundungsfahrt wurde von der PDL genehmigt und von uns durchgeführt. Die ausgesuchte Route wurde von Nadine und mir als angemessene Strecke befunden und die Zeltplätze wurden von uns gebucht.

 

Da wir jetzt die Route kannten, benötigten wir einen weiteren Mitarbeiter der bei Problemen (z.B. Unwetter) die zum Abbruch des Projektes führen konnten, die Gruppe mit dem Klinikbus auf Station zurück bringen kann. Es hatte sich schnell ein weiterer Kollege (Andreas, Erzieher) gefunden der ständig in Bereitschaft war.

 

Ab dem Moment wo die Gruppenmitglieder feststanden, trafen wir uns mit den Kindern und Jugendlichen in regelmäßigen Abständen. Im ersten Treffen legten wir das Motto der Kanu -Tour fest. Da den Kindern und Jugendlichen kein Motto einfiel, gaben wir zwei zur Abstimmung, "Piraten der Lahn" und "Freibeuter der Lahn", die Gruppe entschied sich einstimmig auf "Freibeuter der Lahn" und so stand das Motto fest. Mir war es wichtig dass sich unser Motto wie ein roter Faden durch mein Projekt zieht und in vielen Punkten wiederfindet (wie z.B. in Kooperationsspiele, im Essen und vor allem im Gruppengefühl).

 

Da eine Voraussetzung der Klink war die Lebensmittel über die Klinikküche zu bestellen, haben wir mit den Kindern und Jugendlichen im Vorfeld die Essensbestellung aufgegeben, wo wir ihre Wünsche berücksichtigt haben.

 

Nadine und ich teilten uns die Vorbereitungen wie folgt auf. Nadine bastelte mit den Kindern und Jugendlichen zu dem Motto Freibeuter der Lahn verschiedene Utensilien (wie: Fahnen, Hüte, Kopftücher, Augenklappen, Totenkopfketten, Pistolen und Säbel). Meine Aufgaben war es die Auswahl der Spiele zu treffen, das Organisieren von allen Materialien die wir für die Kanu Tour benötigen (s. Anhang Materialliste) und Absprachen mit Bootswart und Zeltplatzbesitzern zu treffen.

 

In einem weitern Treffen mit der Gruppe hat jeder Teilnehmer einen Metaplan erstellt, indem er seine Hand auf ein Blattpapier gemalt hat und in die Hand seine Erwartungen und um die Hand herum seine Befürchtungen geschrieben
oder gemalt hat (s. Anhang). Auf diese Weise wusste ich was die Kinder und Jugendlichen von meinem Projekt erwarten und was sie auf keinen Fall erleben möchten.  

 

 

4.2 Geplanter Projektverlauf

 

Unser geplanter Tagesablauf begann mit dem Frühstück um 8 Uhr, da das Essen um 7 Uhr in die Klinik angeliefert wurde und der Kollege für den Transport auf den Zeltplatz die Zeit benötigt. Außerdem wollten wir den Kindern und Jugendlichen eine ausreichende Nachtruhe gewähren.

Nach dem Frühstück und Schmieren der Brötchen für das Mittagessen, planten ich um 9 Uhr ein Warming up mit Bewegungsspielen ein.

Um 9.30 Uhr ein Blitzlicht wo das aktuelle Befinden der Gruppe mitgeteilt werden konnte. Ab 10 Uhr wollten wir unser Lager abbauen und unsere Kanus und Tonnen für den Tag packen.

Um 11 Uhr sollte es dann wieder auf die Lahn mit unseren Kanus gehen, unter
Einbezug kooperativer Spiele.

Das Mittagessen habe ich für 13 Uhr eingeplant, mit der Weiterfahrt um 14 Uhr.

Auf den Zeltplätzen wollten wir um 17 Uhr ankommen und unser Lager errichten. Das Abendessen, was wir gemeinsam vorbereiten und essen wollten, war für 18 Uhr eingeplant. Am ersten Abend wollten wir grillen, da wir auf dem
Zeltplatz Schohleck kein Lagerfeuer machen durften. Das zweite Abendessen war so geplant das wir ein Lagerfeuer errichten und Benok essen.

Nachdem wir gegessen und gemeinsam das Geschirr gereinigt hatten, sollte es um 19 Uhr noch ein Blitzlicht und eine Reflexionsrunde geben, wo jeder einzelne für sich den Tag reflektieren konnte und der Gruppe seine positiven und negativen Eindrücke des Tages schildern konnte.

Anschließend wollten ich der Gruppe verschiedene Angebote je nach Befinden machen. Meine Angebote waren Kooperationsspiele, Freizeit oder ein gemeinsames Zusammensitzen mit "Black Storys" (Was ist passiert?).

Die Nachtruhe hatte ich um 22 Uhr eingeplant.



Ein wichtiger Punkt war es aus meiner Sicht feste Programminhalte in mein Projekt einzuplanen, wie die Mahlzeiten, Warming up Runden, Blitzlicht und Reflexionsrunden. Damit sich die Kinder und Jugendlichen auf feste Rituale einstellen konnten und sie immer wussten wann sie sich der Gruppe mitteilen konnten. Für mich als Gruppenleiter waren die festen Programminhalte genauso wichtig, da ich mir bei diesen Ritualen ein Bild von jedem einzelnen machen konnte und so sein Befinden und seine Stimmungslage beurteilen konnte. Ein weiterer wichtiger Punkt war es, dass nach dem Motto Freibeuter der Lahn, alle Arbeiten die erledigt werden mussten, wie Mahlzeiten vorbereiten, Geschirr reinigen, Auf- und Abbau des Lagers, Kanus packen und Transportieren eine Gemeinschaftsarbeit der ganzen Gruppe war und sich die Kinder und Jugendlichen die Aufgaben untereinander aufteilen.  

 

 

4.3 Tatsächlicher Projektverlauf

 

Am Dienstag den 20.07.2010 startete die Kanu - Tour früh morgens um 7 Uhr mit dem Wecken der Kinder und Jugendlichen auf Station. Die meisten von ihnen waren schon wach und warteten bereits aufgeregt auf uns. Alle Materialien (s. Anhang Materialliste) haben wir am Vortag gepackt und bereitgestellt.

 

Nach dem gemeinsamen Frühstück wurden wir von Andreas mit dem Klinikbus nach Gießen zum Ski- und Kanuclub gefahren, wo unsere Tour begann. Ein Blitzlicht mit den Freibeutern hat mir verraten, dass alle gut gestimmt waren und sich auf die Kanu Tour freuten. Nachdem uns der Bootswart die Kanus und die restliche Ausrüstung ausgehändigt hatte, die Boote gepackt waren, wir noch einen kleinen Imbiss zu uns genommen hatten und die vorbereitete Freibeuterausrüstung angezogen hatten, konnte es endlich losgehen. Im Wasser habe ich den Kindern und Jugendlichen eine Einführung in die Kanu und Paddeltechniken gegeben, das Verhalten an Wehren und bei Kenterung erklärt. Da ich aber im Vorfeld bei einer Nachmittagsaktivität  alle Kinder und Jugendlichen eine ausführliche Einweisung des Kanus gegeben habe und alle sicher mit dem Kanu umgehen konnten, war die Einweisung an diesem Tag nur noch eine Wiederholung.

 

Nach kurzer Fahrt kam schon das erste Highlight, eine Bootsrutsche mit Ampelanlage. Die mussten wir erst betätigen, dann ist die Bootsrutsche mit Wasser vollgelaufen und dann durften wir nacheinander runterfahren. Nach kurzer Zeit kamen noch zwei kleinere Bootsrutschen die wir aber mit genauso viel Spaß runter gefahren sind. Mir war es sehr wichtig, dass die Besetzung der Boote und derjenige der lenkt ständig wechselte, was auch die Gruppe als sehr positiv empfanden. Aufgrund der hohen Temperaturen und des schönen Wetters durften die Kinder und Jugendlichen bei jeder kleinen Pause eine Abkühlung in der Lahn nehmen.

 

Das erste Spiel (die Freibeuterregatta) auf dem Wasser war ein Kanurennen, wo die einzelnen Kanus von dem einen Ufer starten und zum anderen Ufer fahren mussten, dort etwas einsammeln sollten (z.B. Blatt, Stein) und wieder zum Startpunkt zurückkehren, das Team das wieder zuerst am Startpunkt angekommen war und etwas mitgebracht hatte, hatte gewonnen. Nach einer kurzen Weiterfahrt kamen wir zu dem Platz, den ich für das Mittagessen eingeplant hatte. Nach dem Mittagessen und einer anständigen Pause, die die Kinder und Jugendlichen verschieden nutzten. Ein Teil der Gruppe ruhte sich aus und die anderen sprangen noch mal zur Abkühlung in die Lahn.

 

Noch in der Mittagspause habe ich ein Kooperationsspiel eingeplant, wo die Kinder und Jugendlichen sich in zwei gleichgroße Teams einteilen sollten. Jedes Team bekam einen Wurfsack und in ca. acht Meter Entfernung wurde eine Kanutonne quer hingelegt. Jedes Team musste durch das werfen des Wurfsacks ihre Tonne berühren und bekam dann einen Punkt. Der Wurfsack musste nach jedem Wurf in Teamarbeit neu gestopft werden. Das Team, das als erstes drei Punkte erreicht hatte gewann das Spiel. Nachdem die Freibeuter ausgeruht, gesättigt und abgekühlt waren, konnte die Fahrt weitergehen.

 

Dann probierten wir aus, wie das ist wenn der Steuermann nichts sieht und eine Schlafbrille trägt und sich so auf die Anweisungen des Vordermanns verlassen muss. Die Eindrücke der Kinder und Jugendlichen wahren sehr verschieden, die einen benötigten ständige Anweisungen wo sie hinfahren sollten, die anderen benötigten Ruhe um sich konzentrieren zu können.

 

Kaum konnten alle wieder etwas sehen kam ein weiteres Highlight, eine Schleuse mit Selbstbedienung. Zwei Freibeuter (D. u. An.) mussten aussteigen und die Schleusentür für die anderen öffnen, nachdem die Kanus in der Schleusenkammer waren, konnte das Wasser durch Öffnen der Schleusenklappen abgelassen werden und somit der Wasserspiegel in der Schleusenkammer gesenkt werden. Anschließend konnten die Schleusentür auf der anderen Seite geöffnet werden und die Fahrt der Freibeuter konnte weiter gehen. Die Schleusenkammer musste dann noch für den nächsten Wassersportler durch Öffnen der ersten Schleusenklappe neu gefüllt werden.

 

Daraufhin steuerten wir auf die nächste Pause hin um unsere mitgebrachten Schokoriegel zu essen und eine weitere Kooperationsübung zu machen. Die Übung heißt Stabmeditation, wo sich die Gruppe in zwei Hälften teilt und so zwei Reihen bildet, die sich im kurzen Abstand gegenüberstehen. Die Kinder und Jugendlichen schließen die Augen, strecken einen Finger aus und versuchen Kontakt zu dem Stab zu bekommen. Der von mir waagrecht in Brusthöhe gehalten wurde. Ziel war es das der Stab von allen Fingern berührt und getragen wird und gemeinsam zu Boden gelassen wird. Dabei sollten zu jeder Zeit alle Finger den Stab berühren und erst wenn der Stab am Boden liegt sollen alle Finger gleichzeitig loslassen. Dann können die Augen wieder geöffnet werden. Die Gruppe hat diese Übung sehr gut gelöst.

 

Als alle Freibeuter ausgeruht waren konnte unsere Tour weitergehen und bald kam die nächste Schleuse, wo drei andere Freibeuter (L., T. u. F.) die Schleusen selbständig betätigten. Um 17.30 Uhr erreichten wir mit einer halben Stunde Verspätung wie ursprünglich geplant den Zeltplatz in Wetzlar. Wo wir die Kanus aus dem Wasser holten und auf den Zeltplatz brachten. Zeitgleich kam Andreas der die Zelte, alle Schlafsachen und alles für das Abendessen brachte. Nachdem die Freibeuter ihr Nachtlager aufgebaut, die Fahnen gehisst, die Dusche genossen haben und das Abendessen zusammen vorbereitet hatten, konnte etwas später als geplant gemeinsam gegessen werden.  D., L. und T. kümmerten sich um das Anheizen der Kohle und An. übernahm das Grillen der Würstchen und Steaks. Der Aufbau des Lagers und das Grillen habe ich in meiner Planungsphase völlig zeitlich unterschätzt, sodass das Abendessen viel später als gedacht stattfinden musste.

 

Nach dem Abwasch habe ich mit den Kindern und Jugendlichen eine Reflexionsrunde gemacht, wo jeder den Tag für sich noch einmal reflektieren konnte und seine Höhe- und Tiefpunkte der Gruppe mitteilen konnte. In der Reflexionsrunde gaben die Kinder und Jugendlichen an, einen schönen und nicht zu anstrengenden Tag erlebt zu haben.

 

Aufgrund des Feedbacks der Freibeuter habe ich ihnen für den restlichen Abend verschiedene Angebote gemacht, wie Kooperationsspiele, Freizeit oder ein gemeinsames Zusammensitzen mit"Black Storys" (Was ist passiert?). Die Gruppe entschied sich für Kooperationsspiele mit anschließendem Zusammensitzen mit "Black Storys". Beim ersten Spiel musste sich die Gruppe zu einem Kreis aufstellen mit dem Blick zur Mitte. Alle sollten ihre Augen schließen und bei dem Zuruf von mir Blickkontakt aufnehmen und sich gegenseitig in die Augen schauen. Schauten sich zwei Kinder und Jugendliche direkt in die Augen mussten sie den Kreis verlassen. Dann wiederholte sich der Vorgang solange bis nur noch einer übrig war, der dann diese Runde  gewonnen hatte. Dieses Spiel fand die Gruppe so gut dass es dreimal gespielt wurde.

 

Das zweite Spiel des Abends hatte den Namen Extrabreit. Die Gruppe versammelte sich in einem durch ein Seil markierter Kreis. In größerem Abstand von der Basis (Lager) wurden acht verschiedene gut sichtbare Objekte (bei uns Freibeuteressen) von mir ausgelegt. Aufgabe der Freibeuter war es, diese zu bergen und in unser Lager zu bringen. Dazu mussten alle Freibeuter Kontakt zum Lager halten. Das ist nur dergestalt möglich, dass über eine geschlossene Menschenkette Körperkontakt zu einem anderen Freibeuter, welcher sich im Lager befand, bestand. Jeglicher Aufenthalt außerhalb des Lagers war auf genau 60 Sekunden beschränkt. Wurde die Zeit überschritten oder riss die Kette, so mussten alle Freibeuter sofort zum Lager zurückkehren. Pro Versuch durfte immer nur ein Freibeuteressen geborgen werden. Die Gruppe harmonierte gut miteinander, A. übernahm das Kommando über die Freibeuter. So konnte das Freibeuteressen schnell und in guter Teamarbeit eingeholt werden, nur D. verlor kurz den Kontakt zu den anderen Freibeutern, bekam eine Augenklappe und musste das Spiel blind fortsetzen. Mit den erbeuteten Freibeuteressen (Schokoriegel) haben wir den Tag bei gemütlichem Zusammensitzen und den von mir erzählten "Black Storys" ausklingen lassen.

 

Der zweite Tag begann mit dem Wecken der Freibeuter. Nach dem Antreten im Waschraum hatten wir mehr Zeit wie eingeplant bis zum Frühstück und konnten schon vorher unser Lager abbauen. Um 8 Uhr kam Andreas mit dem Frühstück bei herrlichem Sonnenschein. Wir frühstückten ausgiebig und packten Proviant und vor allem ausreichend Getränke ein, da an diesem Tag bis zu 38°C gemeldet war. Die Gruppe lud ihre Ausrüstung in den Bus und verabschiedete sich bis zum Abend von Andreas. Zum richtigen wach werden machte ich mit dem Freibeuter ein Bewegungsspiel, die Stockreise. Die Gruppe musste sich in einen Kreis aufstellen, den Paddel auf den Boden stellen und  ihn mit der rechten Hand festhalten. Die gemeinsame Herausforderung bestand nun darin, gleichzeitig das eigene Paddel loszulassen, einen Schritt im Kreis weiterzugehen und das Paddel des Nachbarn zu ergreifen.

 

Ziel der Gruppe war es, die Wanderung so lange fortzusetzen, bis alle wieder ihr eigenes Paddel in den Händen halten, ohne dass einer der Paddel zwischenzeitlich umgefallen oder mit einem anderem Paddel in Berührung gekommen war. Dabei dürfen die Paddel grundsätzlich nur mit der rechten Hand berührt werden. Vor Beginn des ersten und der weiteren Versuche habe ich der Gruppe etwas Zeit zur Besprechung einer Strategie gegeben. Schnell war die Gruppe der Meinung, dass es nur funktionieren kann wenn einer das Startzeichen gibt. F. gab das Zeichen und nach mehreren Fehlversuchen schaffte die Gruppe zwei Durchgänge.

 

Als nächstes habe ich mir durch ein kurzes Blitzlicht die aktuelle Verfassung der Freibeuter geholt. Es gab unterschiedliche Rückmeldungen an mich, von gut geschlafen bis steinharter Boden war alles dabei, aber in einem waren sich alle einig, sie freuten sich alle auf das Weiterpaddeln. Also brachten wir die Kanus zu Wasser und setzten unsere Tour fort.

 

Zu Beginn der zweiten Tour mussten wir die Kanus durch eine flache Stelle der Lahn treideln und über eine Kanurollbahn führen. Bald holte uns die große Hitze ein und ich musste regelmäßige Abkühlungen mit einplanen. Dies nutzte ich dazu die Boot zu Boot Bergung mit den Kindern zu üben. Wir legten nach mehreren Kilometern paddeln eine ausgiebige Mittagspause ein.

 

Anschließend spielten wir das Spiel Treibgut in einer von mir leicht abgewandelten Form. Die Kinder und Jugendlichen verteilten sich gleichmäßig in die verschiedenen Kanus auf und warteten am Lahnufer auf das Startzeichen von mir. Ich verteilte derweil das Treibgut (20 Tennisbälle) auf dem Wasser. Bei uns, den Freibeutern, waren das natürlich keine Tennisbälle, sondern schwimmendes Gold. Die Aufgabe der einzelnen Besatzung war es das schwimmende Gold aufzunehmen und in der von mir vorgegebenen Zeit (15 Minuten) ans Ufer zu bringen. Das schwimmende Gold durfte nur aus dem Kanu heraus geborgen werden, keiner der Freibeuter durfte schwimmen. Das Spiel war gewonnen wenn das gesamte Gold in 15 Minuten an das Ufer gebracht wurde. In der Beratungsphase der Freibeuter teilten sich die verschiedenen Kanubesatzungen die Lahn in drei Bereiche auf, für die jedes einzelne Kanu zuständig war das Gold zu bergen. Wie geplant wurde nach meinem Startzeichen das Besprochene umgesetzt und das ganze schwimmende Gold in der vorgegebenen Zeit geborgen und an das Ufer zurück gebracht. In der anschließenden Reflexionsrunde wurde den Kindern und Jugendlichen eine gute Zusammenarbeit und eine große Rücksichtnahme zurückgemeldet, da sich die Besatzungen auch untereinander gut unterstützt haben.

 

Wir mussten nicht weit fahren, kamen wir an zwei kurz hintereinander liegende Schleusen, die dieses Mal von A. und An. bedient wurden, so hatte jeder mindestens einmal eine Schleuse bei der Tour bedient. Die Gruppe hatte sich mittlerweile so gut aufeinander eingespielt, dass ich bei dem Bedienen der Schleusen keine Anweisungen mehr geben musste. Nach einer kurzen Pause mit vielen Schokoriegeln konnte der letzte Teil bis zum Zeltplatz in Angriff genommen werden.

 

Am Zeltplatz angekommen haben wir die Kanus ans Land geholt und in Teamarbeit die Kanus, Paddel, Schwimmwesten und Tonnen in den Kanuanhänger verladen. Mittlerweile war Andreas mit den Zelten und Abendessen angekommen und wir konnten sofort mit dem gemeinsamen Errichten unseres Lagers beginnen. Die Gruppe entwickelte eine von mir an diesem heißen und anstrengenden Tag nicht zu erwartende Dynamik, errichtete
ohne größere Anleitung und Unterstützung ihr Nachtquartier, teilten sich in verschiedene Untergruppen auf, die verschiedene Aufgaben wie, Holz für das Lagerfeuer sammeln, Feuer machen und Abendessen vorbereiten, übernahmen.
Denn für diesen Abend wurde ja von den Freibeutern Benok geplant. Die Gruppe bereitete ein super leckeres Abendessen zu! Nach dem Abendessen führte ich mit den Freibeutern ein Blitzlicht durch, wo jeder noch mal sein aktuelles Befinden der Gruppe und mir mitteilen konnte. Die Gruppe meldete mir zurück dass es ein schöner, aber auch ein vor allem durch die hohen Temperaturen anstrengender Tag gewesen sei. Ich reflektierte den Freibeutern meine positiven Eindrücke, die Nadine und ich an diesem Tag gewonnen hatten. Aufgrund der Rückmeldung der Gruppe veränderte ich mein geplantes Programm und lies das Kooperationsspiel Hochwasser ausfallen. Mir erschien es
sinnvoller den letzten Abend ruhig am Lagerfeuer mit Kartenspielen und dann bei Dunkelheit die geliebten „Black Storys“ zu spielen mit anschließender Nachtruhe. An diesem Abend hatte die Gruppe die Zeit benötigt die ich im
Vorfeld für das Lager Errichten eingeplant hatte.

 

Am nächsten und somit am letzten Morgen packten wir die Zelte und Ausrüstung zusammen. Andreas brachte uns das Frühstück, mit von mir im Vorfeld besorgten "echtem Nutella"! Als letzte Aktion auf dem Zeltplatz führten wir ein lustiges Bewegungsspiel zum Warming up durch. Die Gruppe hatte viel Spaß beim Spiel Schweine im Weltall. Wo es darum ging die Müdigkeit los zu werden. Wir bewegten uns wie schwerelose Schweine und bei einem Kommando von mir mussten sich die Kinder und Jugendlichen in zweier oder dreier Gruppen zusammenfinden. Das Problem für die Gruppe bestand nun aber darin, so schnell wie möglich ein Menschengebilde zu konstruieren, welches von mir als Spielleiter zum gleichen Zeitpunkt vorgegeben wurde, mit vorgegebenen Berührungspunkten den Boden berühren dufte (z.B. Zweiergruppe zwei Hände und ein Fuß). Welche Gruppe die Aufgabenstellung zuerst gelöst hatte, gab dies akustisch durch einen lauten Schrei zu verstehen. Die Gruppe hatte viel Spaß und es wurde viel gelacht. Wir brachten die Kanus und geliehene Ausrüstung zum Ski- und Kanuclub Gießen zurück und Andreas machte noch an unserem Startpunkt ein Abschlussbild. Dann ging es zurück  auf Station, wo sich die Freibeuter in Kleingruppen aufteilten,  um den Grill und die Pfannen zu reinigen, die komplette Ausrüstung zu verstauen und ihre eigenen Taschen auszuräumen. Zum Abschluss der Kanu Tour versammelten sich die Freibeuter im Spielzimmer, um die letzte Reflexionsrunde zu machen. Im Anschluss verteilten wir die Freibeuter Urkunden, die wir im Vorfeld vorbereitet hatten. Somit war die Kanu Tour beendet und alle waren stolz auf das Geleistete der letzten Tage.



4.4  Abschluss

 

In der abschließenden Reflexionsrunde gab ich den Kindern und Jugendlichen viel Zeit sich über die vergangenen drei Tage Gedanken zu machen und das der Gruppe zurück zu melden. Die Kinder und Jugendlichen meldeten Nadine und mir ihre in der Gruppe gewonnenen Eindrücke, Erfahrungen, positiven und negative Erlebnisse ausführlich zurück. Die Freibeuter meldeten uns als Leitungsteam zurück, eine sehr schöne Zeit in den letzten Tagen gehabt zu haben, viel gelernt, tolle Erfahrungen, viel Spaß und eine super Gruppendynamik erlebt zu haben. Wir meldeten den Freibeutern unsere durchweg positiven Eindrücke und Erlebnisse mit, händigten ihnen ihre Freibeuter Urkunden aus und gaben der Gruppe die Aufgabe in den folgenden Tagen zusammen einen Erlebnisbericht zu schreiben (s. Anhang).



Im Anschluss setzten Nadine und ich uns zusammen und reflektierten uns gegenseitig. Da wir beide den Eindruck hatten, dass wir gut voneinander profitiert und uns wunderbar gegenseitig ergänzt hatten, beschlossen wir in der nächsten Zeit weitere Projekte zu planen und durch zu führen.

 

In einer abschließenden Runde schauten die Freibeuter zusammen mit den anderen Kindern und Jugendlichen der Station ihre Bilder der Kanu Tour an und stellten sie stolz vor. Somit war die Kanu Tour beendet.

 

 

5. Nachbereitung

 

5.1 Veränderungen bei den beteiligten Kindern / Jugendlichen

 

L.  war schon bei der Vorstellung der Kanu Tour begeistert und konnte es nicht abwarten bis es endlich losging. Von seinem niedrigem Selbstwertgefühl, sozialem Rückzug, Schlafstörungen, aggressiven Verhalten und der depressiven Stimmungslage konnte während der Kanu Tour so gut wie gar nichts beobachtet werden. Die Überängstlichkeit im Zusammenhang mit seinen Eltern, war auch kein Thema. Lediglich die Angst vor Bienen und Wespen konnte beobachtet werden, er lies sich aber gut beruhigen und von der Gruppe ablenken. L. brachte sich ständig in die Gruppe ein und zeigte zu keinem Zeitpunkt die im Vorfeld beschriebene Lustlosigkeit.

 

D. zeigte während der gesamten Kanu Tour ein hervorragendes Sozial- und Gruppenverhalten. Auch bei Schwächen, wie dem Zeltaufbau, wo er im Alltag mit aggressivem Verhalten reagiert hätte, konnte er sich angemessen Hilfe hohlen und seine Wünsche äußern.

 

An. war immer gut in die Gruppe integriert und zeigte ein gutes Sozialverhalten. Konnte mit Anweisungen von Nadine und mir gut umgehen und sie annehmen. Meine geplanten Ziele konnte ich bei An. alle umsetzen und teilweise wurden meine Erwartungen von ihr übertroffen.

 

T. und An. genossen den entspannten Umgang mit Autoritätspersonen, denn ansonsten ist der Umgang mit ihren Eltern und Lehrern eher angespannt. Das Problem mit seiner Schwerhörigkeit und dem herausnehmen der Hörgeräte auf dem Wasser, war kein Thema, da T. und die Gruppe sich schnell aufeinander einstellten. Sie übertraf in einem hohen Maß meine Erwartungen an ihre Hilfsbereitschaft.

 

A. hatte während der Kanu - Tour überwiegend eine stabile Stimmungslage. Bis auf einen Einbruch am zweiten Morgen, den aber Nadine und ich durch ein kurzes Gespräch beheben konnten. A. übernahm oftmals die Anleitung und Unterstützung der anderen Kinder und Jugendlichen beim Zelt Auf- und Abbau und Essenzubereiten.

 

F. konnte sich an die mit Nadine und mir im Vorfeld besprochenen Mindestmenge an Essen halten, aber nicht wie von mir erhofft durch die Gruppendynamik etwas mehr zulassen. F. zeigte im Verlauf der Kanu Tour etwas bessere Stimmung die sie auch hin und wieder mal zeigen konnte.

 

 

5.2 Reaktionen der Einrichtung

 

Die Mitarbeiter der Station haben mich von Anfang an hervorragend unterstützt. Es fand sich sofort eine Kollegin, die mich bei der Kanu Tour begleitet und ein Kollege der die Versorgungsfahrten und die Rufbereitschaft übernahm. Des Weiteren brachten mir viele Mitarbeiter von zu Hause alte Pfannen für das Benok mit und einige Kollegen liehen den Kindern und Jugendlichen ihre Ausrüstung (wie Schlafsäcke, Isomatten und Wasserschuhe). Für die mir entgegengebrachte Unterstützung habe ich mich in der folgenden Teambesprechung bedankt.

 

Die Mitarbeiter meldeten Nadine und mir zurück, dass Veränderungen der Kinder und Jugendlichen im Stationsalltag sichtbar geworden sind. Wir konnten beobachten dass das Sozialverhalten der Kinder und Jugendlichen auf Station in den folgenden Wochen besser geworden war. Dass die Kinder und Jugendlichen, die an der Kanu Tour teilgenommen haben, auf Station eine Einheit geworden sind und sich vermehrt gegenseitig unterstützen.

 

Meine PDL hatte mich im Vorfeld genauso unterstützt wie meine Kollegen. Sie hatte Nadine und mir die Erkundungsfahrt auf der Lahn genehmigt und uns für diesen Tag von der Stationsarbeit befreit. Nach der Kanu Tour erkundigte sich die PDL bei mir über den Verlauf und bat mich den gesamten Mitarbeitern der Klinik mein Projekt vorzustellen. 

 

 

6. Reflexion

 

6.1 Besondere Erlebnisse

 

Mein schönstes Erlebnis war es zu sehen, dass eine Grund verschiedene Gruppe, in so einer kurzen Zeit, so aufeinander einging, sich so viel Hilfestellung, Unterstützung und Anleitung geben kann. Sich so eine tolle Gruppendynamik entwickelt und sich jeder einzelne der Kinder und Jugendlichen mit seinen Problemen so weiterentwickeln kann.

 

Aussagen der Kinder und Jugendlichen, wie von D. "das waren die schönsten Tage meines Lebens". Zu sehen wie jeder einzelne jeden Tag gut gestimmt seine Aufgaben nachgekommen ist. Mitzuerleben wie L. der wegen Überängstlichkeit auf Station behandelt wird, ohne Probleme eine Bootsrutsche runter fuhr. Mit anzusehen wie F. - auf Station immer mit gedrückter Stimmung - in vielen Momenten schmunzeln musste. Wie A., die oft bei Stimmungseinbrüchen in sich ging und sich verschloss, bei der Kanu Tour offen mit Nadine und mir sprechen konnte. Oder mitzuerleben wie T. der in der Schule oft nur ein Außenseiter war und bei uns eine tragende Kraft der Gruppe. An., die erlebte, dass man auch mit Erwachsenen Spaß haben kann.

 

 

6.2 Erkenntnisse / Erfahrungen

 

Ich war sehr gespannt wie sich die Kinder und Jugendlichen, die doch in ihrem Alter, Krankheitsbild und Geschlecht sehr unterschiedlich waren aufeinander einlassen konnten. Im Nachhinein würde ich die Gruppenzusammenstellung genauso wieder machen, da die Kinder und Jugendlichen stark voneinander profitiert haben. Den einzigen Punkt den ich unterschätzt hatte war, dass die Kinder und Jugendlichen noch nie im Vorfeld ein Zelt aufgebaut hatten und mit dieser Aufgabe am ersten Abend überfordert waren. Sich so das  Abendessen sehr verzögerte. Ich würde in Zukunft mit den Kindern und Jugendlichen im Vorfeld eine Übungseinheit mit dem Thema Auf- und Abbau der Zelte machen, oder an dem ersten Tag eine kürzere Strecke einplanen um mehr Zeit für den Aufbau zu haben. Ansonsten war ich mit meinem Projekt sehr zufrieden und würde alles beim nächsten Mal genauso machen.  

 

 

7. Öffentlichkeitsarbeit

 

Da die Kinder und Jugendlichen, die für mein Projekt infrage kamen, bei mir auf Station waren, benötigte ich keine Öffentlichkeitsarbeit. Bin nur auf die Eltern der Kinder und Jugendlichen die für die Kanu Tour vorgesehen waren zugegangen und habe sie informiert.



8. Literaturverzeichnis

 

Ich habe zur Vorbereitung, Planung und Durchführung meines Projekts ausschließlich mit den Lehrgangs- / Kursunterlagen Anleitung zur Praxis gearbeitet. Weiterhin habe ich verschiedene Kooperationsspiele, Bewegungsspiele und das Rezept von Benok aus den Lehrgangs- / Kursunterlagen Kanu & Floß und Mountainbike entnommen.

 

 

9. Anhang

 

•  Einverständnis der Eltern

•  Infomaterial für Eltern

•  Finanzierungsplan

•  Checkliste, Packliste, Materiallisten

•  Projekttagebuch der Freibeuter

•  Adressen von Unterkünften

•  Metaplan der Freibeuter

•  Freibeuter Uhrkunde

•  Lahnkarten

•  Bilder CD der Kanu Tour

 

 

 

Einverständniserklärung

 

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass mein(e) Sohn / Tochter / Mündel
______________________________ während des Kliniksaufenthaltes an den therapeutisch notwendigen Aktivitäten teilnehmen kann.

 

•  Stadtgänge -  mit einem Angehörigen der Klinik

•  Bootfahren auf der Lahn - mit einem Angehörigen der Klinik

•  Schwimmen (öffentl. Badeanstalt) - mit einem Angehörigen der Klinik

•  andere sportliche Aussenaktivitäten - mit einem Angehörigen der Klinik

•  Fahrradfahren - mit einem Angehörigen der Klinik

•  Alleinausgang mit und ohne Begleitung (Klinikspersonal, Verwandte)

•  Schulbesuch

•  Heimfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln

•  Wochenendbeurlaubung  u. ä.

 

Die Entscheidung über die Notwendigkeit liegt bei dem (r) Stationsarzt / -ärztin.

 

Die Haftung für Schäden, die die Kinder / Jugendlichen Dritten gegenüber verursachen, wird nach den üblichen Bestimmungen vorgenommen.

 

Bitte Personalausweis, Kinderausweis und Impfausweis mitbringen




________________________            ________________________________

Ort, Datum                                                          Unterschrift :

                                                                           Eltern / Sorgeberechtigte

 

 

 

Finanzierungsplan

 

•  Campingplatz Wetzlar eine Übernachtung pro Teilnehmer   7,15 €

•  Zeltplatz Schohleck eine Übernachtung pro Teilnehmer   6,95 €

•  Kanus und Ausrüstung für drei Tage pro Teilnehmer   1,25 €



•  Gesamtkosten pro Teilnehmer   15,35 €

 

Die Gesamtkosten der Kinder und Jugendlichen wurden von ihren Eltern übernommen.

Die entstandenen Kosten von Nadine und mir, wurden von der Klinik übernommen.

 

 

 

Materialliste

 

•  Blasenpflaster

•  Geld

•  Feuerzeug/ Streichhölzer (Wasserfeste?)

•  Spülmittel

•  Lappen

•  Namensschilder für Becher

•  Mülltüten- Dosenöffner

•  Handtücher

•  Taschenlampen bzw. Stirnlampen

•  Sonnencreme

•  Autan

•  Erste Hilfe Päckchen

•  Mehrweggeschirr

•  Wasserkocher

•  Wasserkästen

•  Süßigkeiten

•  Zelte

•  Tonnen

•  Spanngurte

•  Taschentücher

•  Medikamente

•  Nutella

•  WC-Papier

•  Salz / Pfeffer

•  Kochlöffel

•  Holzkohle

•  Anzünder

•  Wäscheklammern

•  Pfannen

•  Grill

•  Sonnenbrille

•  Bauchtasche evtl.

•  Kamm

•  Oropax

•  Wasserfester Stift

•  Klebeband

 

 

 

Bekleidung:

•  alte weiße Hemden oder T-Shirt

•  Kopftuch rot / schwarz

•  Augenklappe

•  Bart malen

•  Säbel basteln und laminieren

•  Totenköpfe basteln und laminieren

•  Pistolen

•  Große Flagge mit Totenkopf




Liste der Spiele:

 

Treibgut

•  schwimmende Gegenstände (auch Tennisbälle)

 

Extrabreit

•  Seil

•  Verschiedene Objekte

 

Stabmeditation

•  Stab

 

Hochwasser

•  8 Holzstückchen (verschiedene Größen)

 

Stockreise

•  Paddel

 

Retten

•  Wurfsack

•  Tonnen

 

Schweine im Weltall

 

 

 

Materialliste für die Teilnehmer der Kanu-Tour:

 

•  Wechselwäsche für drei Tage

•  Badebekleidung

•  Unterwäsche, Socken

•  Schlafanzug

•  Zahnputzzeug

•  Taschenlampe  (wenn vorhanden)

•  Schlafsack

•  Isomatte

•  Wasserschuhe (geschlossen)

•  Wechselschuhe

•  Kappe

•  Regenjacke

•  Shampoo, Duschgel

•  Kamm/ Bürste

 

Wer zu Hause Utensilien zum Thema "Freibeuter der Lahn" hat, darf diese gerne mitbringen. Das können z.B. Augenklappen, Fahnen oder Totenköpfen sein.

 

 

 

Adressen von Unterkünften

 

Campingplatz Wetzlar

Dammstr. 52

35576 Wetzlar



Zeltplatz Schohleck

Im Schohleck

35606 Solms

 

 

 

 

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

"Freibeuter der Lahn"

 

 

Erlebnispädagogisches Projekt von Oliver Schick

 

 

 

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