seit 1994

Jens Krolak

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

"Tour de France mit Abenteuer"

 

 

Erlebnispädagogisches Projekt von Jens Krolak

 

19. bis 23. Juli 2010

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

1.       Beschreibung der Einrichtung

1.1.    Selbstverständnis – Leitbild

1.2.    Kurzbeschreibung der Einrichtung

1.3.    Angebot der Einrichtung

1.4.    Rechtliche Grundlagen

1.5.    Zielgruppen

1.6.    Räumlichkeiten der Einrichtung

1.6.1. Alte Werkstatt Lessingstraße

1.6.2. Friedrich – Ebert – Str.

 

2.       Konzept der Einrichtung

2.1.    Erlebnispädagogisches Konzept

2.2.    Erlebnispädagogischer Hintergrund/Idee

2.3.    Allgemeine Zielsetzung

2.4.    Art der Unternehmung

 

3.       Zielgruppe

3.1.    Gruppenzusammensetzung

3.2.    Beschreibung der TeilnehmerInnen

 

4.       Projektverlauf

4.1.    Vorbereitung

4.1.1. Sicherheitskonzept

4.1.2. Notfallplan

4.1.3. Finanzplan

4.2.    Geplanter Verlauf

4.3.    Tatsächlicher Verlauf

4.4.    Abschluss

 

5.       Nachbereitung

5.1.    Veränderungen bei den teilnehmenden Jugendlichen

5.2.    Reaktionen in der Einrichtung

 

6.       Reflexion

6.1.    Besondere Erlebnisse

6.2.    Erkenntnisse/ Erfahrungen

 

7.       Öffentlichkeitsarbeit

 

8.       Literaturverzeichnis

 

9.       Anhang

 

 


1. Beschreibung der Einrichtung

 

1.1 Selbstverständnis – Leitbild

 

Wir gehen davon aus, dass bei aller Ungleichheit der Lebensverhältnisse die Würde des Menschen unantastbar bleibt, ja mehr noch, der Einzelne  seine Würde zurück gewinnen muss. Wir gehen weiter davon aus, dass die Kinder, Jugendlichen und ihre Eltern ihrem Leben einen positiven Sinn geben wollen und dass die nötigen Ressourcen dazu vorhanden sind.

 

Da sie in ihrem bisherigen Leben viel Misserfolg und Frustration erlebt haben, ist es für sie und für uns nicht leicht diese Ressourcen zu erkennen.

 

Unsere Aufgabe besteht darin, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Situationen zu gestalten, in denen sie sich als kompetent und erfolgreich erleben, was ihnen Schritt für Schritt eine positivere Sicht auf sich selbst und ihre Zukunft ermöglicht.

 

 

1.2 Kurzbeschreibung der Einrichtung

 

Die Alte Werkstatt ist eine Einrichtung der Jugendhilfe, die ambulante, teilstationäre und in geringem Umfang (Betreutes Wohnen) stationäre Angebote miteinander verbindet.

 

Dieses Angebot ist für einen überschaubaren Sozialraum und eine überschaubare Gruppe von Adressaten. Kern der Einrichtung ist die Alte Werkstatt und ihr gruppenpädagogisches Angebot.

 

Das Team der Alten Werkstatt hält Ressourcen vor, die vielfältig genutzt werden können. Die Hilfen sollen auf den Einzelfall abgestimmt und Ziel gerichtet eingesetzt werden.

 

Kennzeichnende Begriffe dieser Arbeit sind:

•  niederschwellige und flexible Leistungen

•  Team von Fachkräften als Ganzes stellt die benötigten Leistungen sicher

•  lösungsorientiertes Arbeiten im Lebensfeld der Betroffenen

•  Orientierung an Stärken und Ressourcen

•  Netzwerkarbeit

•  Fachkräfte mit Berufserfahrung und Engagement

•  Qualitätssicherung durch Teamarbeit, Praxisberatung, Supervision, Fortbildung

•  zielorientierte Verfahren

•  Selbstevaluation

 

 

1.3 Angebot

 

In der Alten Werkstatt werden flexibel und integriert ambulante und teilstationäre Hilfen organisiert. Die Hilfen werden dabei als prozesshaft verstanden. Unser Anliegen ist es dabei, den Blick auf eine Ressourcennutzung im Lebensfeld der Betroffenen zu richten

 

•  verlässliche Beziehungen zu ermöglichen

•  die Auftragsklärung mit den Betroffenen vorzunehmen

•  die institutionellen Hemmnisse auf ein Mindestmaß reduzieren



Die Betreuung, sei es als

•  soziale Gruppenarbeit

•  Erziehungsbeistandschaft

•  sozialpädagogischer Familienhilfe

•  Betreuung in einer Tagesgruppe

•  intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

•  Betreutes Wohnen

 

wird in ihrer Intensität (Stunden pro Woche) und in ihrer Gesamtdauer festgelegt. Das entsprechende Stundenkontingent kann sich auf die gesamte Woche und prinzipiell auf die Tages- und Nachtzeiten verteilen.

 

Um eine möglichst große Flexibilität und Durchlässigkeit der Hilfen gestalten zu können, hat sich für den ambulanten, teilstationären und stationären Bereich die Abrechnung nach dem Fachleistungsstundenprinzip bewährt.

 

 

1.4 Rechtliche Grundlagen

 

•  KJHG §§ 27 - 35, 35a, 41

•  BSHG § 72

•  insbesondere Hilfen nach:

•  KJHG § 30 Erziehungsbeistand

•  KJHG § 31 Sozialpädagogische Familienhilfe

•  KJHG § 32 Erziehung in einer Tagesgruppe

•  KJHG § 34 ... sonstige betreute Wohnform

•  KJHG § 35 Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

 

 

1. 5 Zielgruppen

 

Unser Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die sich in belastenden Lebenssituationen befinden.

 

Diese können sich äußern in

•  emotionalen Problemen

•  sozialen Verhaltensauffälligkeiten

•  Problemen im Schul- und Leistungsbereich

•  Schwierigkeiten in der familiären Interaktion

•  psychosomatischen Auffälligkeiten

•  psychische Erkrankungen von Eltern und Kindern

•  delinquentes Verhalten

 

 

1.6 Räumlichkeiten der Einrichtung


1.6.1 Alte Werkstatt Lessingstraße

 

Die Tagesgruppe "Alte Werkstatt" befindet sich in einer ehemaligen Werkstatt. Insgesamt stehen 178 qm  im Innenbereich und ein Außengelände zur Verfügung.

 

Die Fläche teilt sich wie folgt auf:

Besprechung und Seminarraum (36 qm)

Küche, Ess-  und Hausaufgabenzimmer (25 qm)

Büro (16 qm)

Teeküche (4 qm)

Computerraum(5 qm)

Werkstatt für Holz und Metall (12 qm)

Fahrradwerkstatt  (18 qm )

Freie Hallenfläche (68 qm)

Außengelände (360 qm)

 

 

Sachliche Ausstattung

 

Die Gruppe ist für verschiedene Möglichkeiten ausgestattet.

Medien: Computer, Videokamera , Fotokameras

Sport: Bälle versch. Art, Tischtennis, Badmintonfeld, Basket-ballanlage, Boxsack und Handschuhe

Werkstatt: Werkzeuge für verschiedene Tätigkeiten

Erlebnispädagogik: Ausrüstungen für Motorradtrial, Fahrradtrial, Klettern, mobile Seilgärten, Bogenschießen, Mountainbike, erlebnispädagogische Aktionen verschiedener Art.

Fahrten/Freizeiten: Komplette Zeltausrüstung mit Großzelten und Küche

Schule Bildung: versch. Lehr- und Lernmaterialien, Bücher und PC Programme zu vielen Themen.

Küche: Alle Materialien zum selbst Kochen

Zirkus: Materialien für Zirkusprojekte, Einräder, Jongliermaterialien, Devilsticks, Diabolos und anderes.

Fahrzeug: Die Gruppe verfügt über einen eigenen Bus und Anhänger

 

1.6.2 Friedrich – Ebert – Str. 15

 

Es handelt sich hierbei um eine 4 Zimmer Wohnung (116 qm), die 2 Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt liegt.

 

Die Wohnung verfügt über:

•  1 Küche

•  1 Wohn- und Esszimmer

•  1 Büro

•  1 Werk- und Arbeitszimmer

•  1 Gästezimmer

 

Die Wohnung kann vielfältig genutzt werden:

•  Betreuung von Jugendlichen mit der Möglichkeit gemeinsam zu kochen, zur Freizeitgestaltung in unterschiedlicher Form usw.

•  Elterngespräche, Hilfeplangespräche usw.

•  Teamsitzungen

•  Fortbildungsveranstaltungen

•  Seminare

 

Weite Teile der ambulanten Hilfen verstehen sich als aufsuchende Arbeit und finden im persönlichen Kontext der Adressaten statt (zu Hause, auf der Straße, im Cafe, an der Arbeitsstelle, im Park usw.).




2. Konzept der Einrichtung


2.1 Erlebnispädagogisches Konzept

 

Erlebnispädagogische Projekte sind integraler Bestandteil der Betreuungsarbeit. Sie konfrontieren die Kinder mit neuen Herausforderungen, trainieren Ausdauer und Durchhaltevermögen, bauen Ängste ab und stärken das Selbstwertgefühl. Dies wird insbesondere beim Motorrad- und Fahrradtrial, bei Kanufahrten, Bogenschießen und Übernachtungen im Freien umgesetzt.

 

Es wird an Leistungen erbracht:

 

•  Training der eigenen Körperwahrnehmung

•  Auseinandersetzung mit Angst

•  Erlernen von Fähigkeiten zur Kooperation

•  Erlernen kommunikativer Fähigkeiten

•  Auseinandersetzung um elementare Bedürfnisse – Essen,  Trinken, Feuermachen, Schlafplatz sichern

•  Ermutigung, Neues auszuprobieren

•  Vertrauen in Andere fassen

•  Grenzen erkennen, akzeptieren und erweitern

 

 

Dazu bedienen wir uns unter anderem folgenden erlebnispädagogischen Medien:

 

•  Bogen schießen (komplett ausgestattet)

•  Fahrradtrial (Fahrräder und Material für verschiedene Hürden)

•  Motorradtrial (Motorräder)

•  Klettern Indoor und Outdoor (komplett ausgestattet)

•  Mountainbikefahrräder

•  Skifahren

•  Kanu

•  Abenteuerspiele

•  Kooperationsaktionen

•  Zirkuspädagogik

 

Viele dieser Angebote sind fester Bestandteil der Tagesgruppe, da die Materialien immer vor Ort sind und so von den Kindern und Jugendlichen selbständig genutzt werden können.

 

 

2.2 Erlebnispädagogischer Hintergrund/Idee

 

Ich arbeite seit acht Jahre in der Alten Werkstatt in den Bereichen  Tagesgruppe, Erziehungsbeistandsschaften, Elternarbeit und im erlebnispädagogischem Bereich. Mein Klientel sind Jungs im Alter zwischen 11 Jahren bis 18 Jahren und manchmal auch darüber hinaus.

 

Die Idee zu meinem Projekt entstammt aus der Arbeit selbst und dem was ich während meiner Arbeit beobachtet habe. Unsere zu Betreuenden Jugendlichen kommen aus der Stadt Worms und aus dem Landkreis Alzey/Worms.  Der öffentliche Nahverkehr ist im Betreuungsgebiet relativ gut ausgebaut. Busse und Züge fahren im laufe des Tages in regelmäßigen Abständen. Das Bereuungsgebiet ist jedoch eher ländlich geprägt, sodass eine Regelmäßigkeit bedeutet, dass Busse in der Stadt Worms halbstündlich und im Landkreis oft nur stündlich fahren. Es bedeutet jedoch auch, dass an Sonntagen, Feiertagen und am Abend bzw. in der Nacht in manchen Teilen des Landkreises überhaupt kein öffentlicher Nahverkehr existiert. Mit dem Zug können die Nachbarstädte: Mainz, Ludwigshafen und Mannheim erreicht werden. Dies erschwert unseren Jugendlichen die Mobilität. Verabredungen scheitern oft an diesem Zustand oder kommen dadurch nicht zu Stande, da eine Fahrt mit dem Bus und das Umsteigen schon mal gut eine Stunde und mehr dauern kann. Es handelt sich dabei jedoch oft nur um Entfernungen von wenigen Kilometern. So bleiben die Jungs meistens zu Hause, es sei den die Eltern fahren sie. Naheliegende Städte haben einige zu Betreuende noch nie selbstständig besucht.  Diese Problematik brachte mich auf die Idee zu meinem Projekt "Tour de France mit Abenteuer". Alle unsere Jugendlichen haben ein Fahrrad oder haben  den Zugang zu einem Fahrrad. Auf die Idee, Freunde mit dem Fahrrad zu besuchen, kommen die aller wenigsten unserer Jugendlichen. Hier will ich den Jugendlichen ein Stück Autonomie und Mobilität anbieten und die Möglichkeiten aufzeigen, die sie selbst durch das Fahrrad haben.

 

 

2.3 Allgemeine Zielsetzungen

 

Für die Gruppe wurden folgende Ziele entwickelt

•  Förderung der Kommunikation und Kooperation in der Gruppe

•  Förderung der Ausdauer

•  Grenzen erkennen, benennen und erweitern

•  Förderung der Eigenverantwortung

•  Richtiger Umgang mit dem Fahrrad

 

 

2.4  Art der Unternehmung

 

Mein Projekt "Tour de France mit Abenteuer" ist wie es der Name schon verrät, eine Mountainbike Tour von Osthofen nach Frankreich ca. 130 km durch den Pfälzer Wald der mit seinem Mountainbike Park ein Eldorado für Biker ist. Die Tour ist für fünf Tage ausgelegt und hatt vier Etappen sowie vier Übernachtungen. 

 

 

3. Zielgruppe


3.1 Gruppenzusammensetzung

 

Die Gruppe setzt sich aus 4 Jungs im Alter von 13 bis 15 Jahren zusammen.  Diese Jungs besuchen alle unsere Tagesgruppe und kennen sich untereinander. Zwei Erzieher die beide auch in der Tagesgruppe arbeiten, runden die Gruppe ab. So haben wir einen Betreuungsschlüssel von einem Erzieher zu zwei Jugendlichen. Dies ist für das anstehende Projekt eine gute Voraussetzung. Die Teilnehmer wurden in einer Teambesprechung mit meinen Kolleginnen ausgewählt. Die unterschiedliche Fitness der Teilnehmer ist für uns zu beachten. Hier ist zwischen den Teilnehmern ein zum Teil großer Unterschied zu erkennen. Die Fitness der Teilnehmer kenne ich bereits durch vorrausgegangene Unternehmungen mit der Tagesgruppe.

 

 

3.2 Beschreibung der Teilnehmer


P.W. 14 Jahre alt

 

P. ist ein Junge, der seit seinem 5. Lebensjahr in verschiedenen Bereichen Jugendhilfe bekommt. P. besucht seit seiner Einschulung Tagesgruppen. Dazu kam noch zusätzlich Ergotherapie und Logopädie. Eine ADHS Diagnostik wurde durch den Arzt gestellt und P. nimmt Medikinet Retad. Mehrere Therapeuten wurden bereits aufgesucht. Zurzeit lebt er mit seiner Mutter in Worms und besucht dort die Arbeitsweltklasse einer Hauptschule. P. wird von uns seit 3 Jahren betreut. Zunächst besuchte er dreimal in der Woche unsere Tagesgruppe und nahm an allen Freizeiten der Einrichtung teil. Derzeit trifft er sich einmal in der Woche zu einer Intensivgruppe mit anderen zu Betreuenden in unserer Einrichtung. Am Anfang war nicht klar, ob P. eine Regelschule besuchen kann oder ob er nicht besser auf eine Körperbehinderten Schule besser aufgehoben wäre, da er enorme Schwierigkeiten in seinen motorischen Abläufen hatte. Es ist uns gut gelungen durch ein gezieltes Angebot P. hier so zu fördern, dass er auch ohne Bedenken an diesem Projekt teilnehmen konnte.

Ziele für P. sind Stärkung der Persönlichkeit und seiner Ausdauer, sowie Stärkung der sozialen Kompetenz und seiner Motorik.

 

 

Pa.H. 13 Jahre alt

 

Pa. ist seit 6 Monaten bei uns in der Tagesgruppe. Zurzeit kommt Pa. dreimal in der Woche zu uns. Er hat eine ADHS Diagnostik und nimmt Medikinet Retad. Pa. lebt mit Mutter und Vater und weiteren sechs Geschwistern zusammen in Worms. Pa ist der älteste Junge im Haushalt. Älter sind nur zwei Schwestern, 20 und 18 Jahre. Pa. ist ein sportlicher Junge, der in einem Verein Fußball spielt und  handwerklich geschickt ist. Er besucht die Hauptschule und wurde nur aus pädagogischen Gründen in die Klasse 8 versetzt. Pascal weiß wenig über seine eigenen Stärken und wird von seiner Mutter immer als der Konfliktträger in der Familie gesehen. So hat es den Anschein, dass immer Pa. alle Konflikte anfängt oder auslöst.

Ziele für Pa. sind positive Erfahrungen in einer Gruppe, aufzeigen seiner eigenen Stärken, Stärkung der Ausdauer und Persönlichkeit.

 

 

M.L. 14 Jahre alt

 

M. ist ein in Deutschland geborener schwarzafrikanischer Junge der Französisch gut versteht und ausreichend spricht. M. ist seit ca. einem Jahr in unserer Tagesgruppe. Er besucht die Gruppe an drei Tagen in der Woche und hat an der erlebnispädagogischen Wintermaßnahme teilgenommen. M. wohnt mit seiner Mutter und seinem Vater sowie zwei Brüdern und einer Schwester in Worms. M. besucht die Hauptschule und ist jetzt in Klasse 9. Er spielt Fußball in einem Verein und ist sonst recht sportlich. M. ist zu uns gekommen, da er drohte durch Freunde auf die schiefe Bahn zu geraten. M.`s  großes Thema ist Eigenverantwortung zu übernehmen. Er wälzt Verantwortung oft auf andere ab. Fehlt etwas im Bereich Schule, zum Beispiel Hausaufgaben, so kommen oft Erklärungen wie, er konnte sie nicht machen da ihm etwas fehlt oder der Vater ihm das Material nicht gekauft hat oder der Lehrer es ihm nicht erklärt hätte. Bei M. haben immer andere dafür die Verantwortung, dass er seine Aufgaben nicht erledigen konnte.

Ziele für M. sind Stärkung der Eigenverantwortung und Selbst-organitation für seine Sachen.

 

 

R-K.M. 14 Jahre alt

 

R-K.M. ist seit 3 Monaten bei uns. R-K.M. besucht die L-Schule lebt mit Vater und Stiefmutter und Stiefschwester zusammen. Alle 14 Tage besucht er seine Mutter die auch wieder verheiratet ist und zwei Kinder mit ihrem neuen Partner hat. In beiden Haushalten hat R-K.M. große Schwierigkeiten mit Stiefmutter und Stiefvater. R-K.M. hat oft erfahren, dass keiner ihm in seinem Umfeld wirklich etwas zutraut. Er hat für sich verinner-licht, dass er als "dumm" angesehen und er sich deshalb auch oft absichtlich so gibt. "Wenn die mich für blöd halten, dann kann ich mich auch so verhalten." Viel mehr kann ich im Moment noch nicht über R-K.M. sagen und so nutzen wir die Teilnahme  am Projekt, um ihn besseren kennenzulernen.

Ziele für R-K.M. sind Stärkung des Selbstwert, aufzeigen seiner Stärken.

 

 

4. Projektverlauf


4.1 Vorbereitungen

 

Meine Vorbereitung und Planung fing schon Anfang 2010 an. Ich wusste, dass ich in diesem Jahr mein Projekt durchführen werde, damit ich meine Weiterbildung bei KAP wie geplant in 2010 beenden kann.

 

Zuerst gab es eine grobe Planung. Ich wusste, was ich machen wollte und wie lang die Fahrt dauern sollte. Nach meinem KAP-Kurs "Anleitung zur Praxis" wurden meine Planungen konkreter.

 

Die Gruppenstärke wurde von mir festgelegt, die Strecke konkretisiert  und ein Kollege zur Unterstützung aus meinem Team ausgesucht. Das Datum (19.07 - 23.07.2010) stand nun auch fest.

 

Als nächstes wurde mein Projekt im Team vorgestellt. Die Frage, für welche Jungs der Einrichtung es gut währe teilzunehmen, wurde besprochen. Schnell waren sie gefunden. Den Jugendlichen wurde das Projekt vorgestellt und alle wurden gefragt, ob sie mitfahren möchten, weil die Teilnahme freiwillig war. Besonders gefreut hat mich, dass alle zugesagt haben. Nun musste ich nur noch für die Fahrräder Gepäckträger kaufen und diese mit den Jugendlichen an die Fahrräder montieren.

 

Alles andere war schon Vorbereitet. Da ich in unserer Einrichtung für die Instandhaltung der Fahrräder zuständig bin, wusste ich, dass alle in einem einwandfreien Zustand sind. Nach meinem KAP-Kurs "Mountainbike" habe ich mir auf Empfehlung der Referenten einen Notfallrucksack erstellt. In diesem ist alles drin, was man braucht um ein Rad zu reparieren (flexible Speiche, Kettenschlösser, Splinte um gerissene Ketten zu reparieren, Schläuche, Züge für Bremse und Schaltung…). Mit dem Inhalt dieses Rucksacks kann man normale Defekte beheben die beim Radfahren vorkommen. Zelte und Schlafsäcke sowie Isomatten der Einrichtung sind von mir überprüft worden. So kann ich im Nachhinein sagen, dass sich die Vorbereitung in einem sehr überschaubaren Rahmen gehalten hat. 

 

 

4.1.1 Sicherheitskonzept

 

Die Sicherheit stand von Anfang an im Blickpunkt. So versteht es sich von selbst, dass alle Fahrräder in einem einwandfreien Zustand gewesen sind, dass Helmpflicht bestand, dass beim fahren Rücksicht genommen wird, Hände am Lenker bleiben, die Strecke wenig Straßen beinhaltet und wenn doch, keine stark befahrenen. Die Erwachsenen Handys dabei haben, die Gruppe immer zusammenbleibt und jeder auf jeden achtet. Es ist gewährleistet, dass die Gruppe für Rettungskräfte im Fall eines Notfalls immer erreichbar ist. Wichtig für mich ist auch die Einbeziehung der Gruppe in das Sicherheitskonzept, um den Jungs hier auch etwas Sicherheit zu geben, da Angst vor der Tour bei einigen schon eine Rolle spielt.

 

 

4.1.2 Notfallplan

 

Erlebnispädagogische Projekte brauchen neben einem Sicherheitskonzept immer auch einen Notfallplan. Wichtig hierbei ist, welche Notfälle auftreten können und wie gut ich darauf vorbereitet bin. Siehe Anhang.

 

 

4.1.3. Finanzplan

 

Über die Finanzierung und  die Versicherung brauchte ich mir keine großen Gedanken zu machen, da mein Projekt im Rahmen unserer Betreuung stattgefunden hat. Dennoch wollte ich die Kosten so gering wie möglich halten.
Die Kosten pro Teilnehmer beliefen sich auf 63,68 €.

 

Die Kosten setzen sich wie folgt zusammen.

 

4 Übernachtungen = 24,76 €

Verpflegung = 38,92 €

 

 

4.2 Geplanter Projektverlauf

 

Bei der Planung gibt es für mich die Schwierigkeit, dass ich nicht abschätzen kann, wie schnell die Gruppe die geplante Etappe fährt oder ob das Etappenziel überhaupt erreicht wird.  Meine Planung dient deshalb nur zur Orientierung, da es nicht möglich ist, alles mit einzubeziehen.

 

 

Montag, 19.07.2010

1 Etappe:  Osthofen - Bad Dürkheim

 

9:30 Uhr Treffpunkt an der Werkstatt

9:30 Uhr - 10:00 Frühstück (kleiner Snack)

10:00 Uhr - 11:00 Uhr Fahrräder mit Gepäck beladen und Ausgabe der Etappenkarte

11:00 Uhr – 14:00 Uhr Fahren

14:00 Uhr - 15:00 Uhr Pause mit Einkauf und Picknick

15:00 Uhr - 17:00 Uhr Fahren und Ankunft am Etappenziel

17:00 Uhr - 19:30 Uhr Lager aufbauen, einkaufen, kochen

19:30 Uhr - 19:45 Uhr gemeinsam spülen

19:45 Uhr - 21:30 Uhr Zeit zur freien Verfügung

21:30 Uhr - 22:00 Uhr Tagesreflexion

22:00 Uhr Nachtruhe

 

 

Dienstag, 20.07.2010

2. Etappe:  Bad Dürkheim - Trippstadt

 

8:00 Uhr Aufstehen, Morgenwäsche und gemeinsames Vorbereiten des Frühstücks

8:30 Uhr - 9:00 Uhr Frühstück

9:00 Uhr - 10:00 Uhr Spülen und Lagerabbau

10:00 Uhr -10:15 Uhr Warm-Up

10:15 Uhr - 10:30 Uhr Gepäck laden und Ausgabe der 2 Etappenkarte

10:30 Uhr - 11:00 Uhr Einkaufen für Picknick

11:00 Uhr - 14:00 Uhr Fahren

14:00 Uhr - 15:00 Uhr Pause mit Picknick

15:00 Uhr - 17:00 Uhr Fahren und Ankunft am Etappenziel

17:00 Uhr- 19:30 Uhr Lager aufbauen, einkaufen, kochen

19:30 Uhr- 19:45 Uhr gemeinsam Spülen

19:45 Uhr - 21:30 Uhr Zeit zur freien Verfügung

21:30 Uhr - 22:00 Uhr Tagesreflexion

22:00 Uhr Nachtruhe

 

 

Mittwoch, 21.07.2010

Ruhetag

 

9:30 Uhr  Aufstehen, Morgenwäsche und gemeinsames Vorbereiten vom Frühstück

10:00 Uhr - 10:30 Uhr Frühstück

10:30 Uhr - 10:45 Uhr Spülen

10:45 Uhr - 11:15 Uhr Warm-Up und Tagesprogramm besprechen.

11:15 Uhr - 14:00 Uhr gemeinsam schwimmen

14:00 Uhr - 15:00 Uhr  Picknick

15:00 Uhr - 17:00 Uhr Freie Zeit für alle

17:00 Uhr -19:00 Uhr gemeinsames Kochen und Essen

19:00 Uhr- 19:15 Uhr Spülen

19:15 Uhr- 20:30 Uhr Spiele rund ums Fahrrad

Bis 22:00 Uhr Freie Zeit danach Nachtruhe

 

 

Donnerstag, 22.07.2010  

3. Etappe:  Trippstadt - Annweiler

 

8:00 Uhr Aufstehen, Morgenwäsche und gemeinsames Vorbereiten vom Frühstück

8:30 Uhr - 9:00 Uhr Frühstück

9:00 Uhr - 10:00 Uhr Spülen und Lagerabbau

10:00 Uhr -10:15 Uhr Warm-Up

10:15 Uhr - 10:30 Uhr Gepäck laden und Ausgabe der 3 Etappenkarte

10:30 Uhr - 11:00 Uhr Einkaufen für Picknick

11:00 Uhr - 14:00 Uhr Fahren

14:00 Uhr - 15:00 Uhr Pause mit Picknick

15:00 Uhr - 17:00 Uhr Fahren und Ankunft am Etappenziel

17:00 Uhr - 19:30 Uhr Lager aufbauen, einkaufen, kochen

19:30 Uhr- 19:45 Uhr gemeinsam Spülen

19:45 Uhr - 21:30 Uhr Zeit zur freien Verfügung

21:30 Uhr - 22:00 Uhr Tagesreflexion danach Nachtruhe

 

 

Freitag,  23.07.2010

4. Etappe:  Annweiler - Wissembourg (Frankreich)

 

8:00 Uhr Aufstehen, Morgenwäsche und gemeinsames Vorbereiten vom Frühstück

8:30 Uhr - 9:00 Uhr Frühstück

9:00 Uhr - 10:00 Uhr Spülen und Lagerabbau

10:00 Uhr -10:15 Uhr Warm-Up

10:15 Uhr - 10:30 Uhr Gepäck laden und Ausgabe der 4 Etappenkarte

10:30 Uhr - 11:00 Uhr Einkaufen für Picknick

11:00 Uhr - 13:00 Uhr Fahren

13:00 Uhr - 14:00 Uhr Pause mit Picknick

14:00 Uhr -15:00 Uhr Fahren und Ankunft am Etappenziel

15:00 Uhr Fahrräder und Gepäck in Bus laden, Flammkuchen essen danach Heimfahrt

18:00 Uhr Ankunft in Osthofen

 

 

4.3 Tatsächlicher Projektverlauf

 

Das erste gemeinsame Treffen aller Teilnehmer war am 09.07.2010 in unserer Einrichtung. Angefangen wurde damit, dass das Projekt in allen Einzelheiten erklärt und besprochen wurde. Als nächstes haben alle einen Metaplan  mit ihren Erwartungen und Befürchtungen erarbeitet (siehe Anhang). Die Erwartungen und Befürchtungen wurden alle noch einmal im Einzelnen durchgegangen und dabei wurden gleich Aufgaben verteilt wie beispielsweise: Wer kümmert sich um Werkzeug, Schlösser zum Abschließen oder achtet darauf, dass Verbandsmaterial mitgenommen wird. Hier gab es eine gute Möglichkeit, die Teilnehmer mit einzubeziehen, so dass die Tour auch  ihre Tour wird. Ein wichtiger Teil für die Jungs war das Essen. Gemeinsam haben sie sich viele Gedanken darüber gemacht. Der Speiseplan (siehe Anhang) wurde alleine von der Gruppe erstellt. Wichtig für die Planung der Jugendlichen war, dass ich ihnen gezeigt habe, auf was (zwei kleine Gaskocher) und mit was (Campinggeschirr doppelt) wir kochen.

 

Das zweite Treffen war am 16.07.2010 wieder in unserer Einrichtung. Bei dem Treffen stand das Erstellen einer Packliste im Vordergrund. Hier wurde mit den Jungs besprochen, dass wir uns nur auf das Nötigste beschränken wollen, da wir ja alles auf dem Rad mitnehmen müssen. Jeder bekam seine Satteltaschen, damit sich die Jugendlichen ein Bild davon machen können  wie viel Platz es für das Gepäck gibt. Als nächstes wurden die Fahrräder auf jeden Teilnehmer eingestellt. Jetzt gab es noch eine Einführung in Karte und Kompass, denn die Aufgabe an die Gruppe ist es, nach Karte und Kompass die jeweiligen Etappenziele zu erreichen. Danach gab es noch genügend Zeit für Fragen.

 

 

Montag, der 19.07.2010

Tag 1 der Tour

 

Jetzt wird es ernst! Heute, am Montag, den 19.07.2010 um 9:30 Uhr wurden zwei Jugendliche von ihren Eltern gebracht und zwei wurden von meinem Kollegen Max mit dem Auto abgeholt. Max ist auch der Kollege, der mich bei der Tour begleiten und unterstützen wird. R-K.M. kam mit einer gepackten Sporttasche und leeren Satteltaschen an. Seine Mutter hatte ihm nicht geglaubt, dass alles auf der Packliste in die Satteltaschen sollte. Kein Problem, wir haben es zusammen schnell  in die Satteltaschen verstaut und siehe da, R-K hatte recht, dass alles in die Satteltaschen sollte. Jeder verstaute sein Gepäck auf seinem Fahrrad. Nun wurden die Sachen noch aufgeteilt, die für alle waren (Zelte, Geschirr, Besteck, Gaskocher und ein Kanister mit 5 Liter Wasser). Gemeinsam sind wir nochmals die Checkliste durchgegangen und alles war OK. Jetzt endlich ging es los, die Jungs haben die erste Karte bekommen, es gab zwei Kompasse für die Gruppe und Pa.H. hatte einen eigenen dabei und übernahm deshalb auch gleich mal das Navigieren. Um 11 Uhr sind wir dann endlich losgekommen.

 

Alle waren guter Laune und die Parole war: "Wir fahren nach Frankreich!" Diese Aussage wurde mit Stolz von den Jungs immer wieder getätigt, wenn Menschen die wir auf der Tour trafen fragten, was wir vorhaben. Um 14 – 15 Uhr war Picknick angesagt.

 

Danach wurde unser Kanister und alle Trinkflaschen wieder mit Wasser gefüllt. Dies haben die Jungs übernommen, in dem sie Leute im Geschäft gefragt haben, ob sie uns dass Wasser auffüllen könnten. Die Jungs waren schon  verwundert mit was für einer Selbstverständlichkeit sie Wasser bekommen haben. Gegen 17:30 Uhr haben wir dann unser erstes Etappenziel erreicht. M.L hat die Etappe mit einem Schlussspurt gewonnen.

 

Nun musste die Gruppe bestimmen, wer einkauft und wer das Lager aufbaut. Es gab danach ein gemeinsames Kochen mit Essen.

 

Spülen wurde später erledigt, da alle noch in dem Campingplatz eigenen See schwimmen wollten. Kurze Tagesreflektion zum Thema: "Was war heute gut" danach schlafen.

 

 

Dienstag, der 20.07.2010

Tag 2 der Tour

 

Der zweite Tag begann für die Jungs um 8:00 Uhr mit dem Wecken. Es dauerte bis ca. 8:30 Uhr bis alle es geschafft hatten zur Morgenwäsche zu gehen. Danach wurde das Frühstück vorbereitet und eingenommen. Zwei Jugendliche haben nach dem Frühstück gespült und die anderen haben sich um das Lager gekümmert. Das abbauen dauerte bis 10:30 Uhr mit anschließender Planung des Tages. 

 

Die Gruppe bekam nun die zweite Etappenkarte. Nach dem Verlassen des Platzes wurde Proviant für die Pause eingekauft und es ging dann um 12 Uhr los. Die Gruppe bestimmte durch die Karte und den Kompass die Richtung und endschied sich erstmal den Radweg zu nehmen. Danach ging es in den Wald und den ersten Berg hinauf (ca. 380 Höhenmeter). Die Stimmung in der Gruppe war gut, es wurde nicht gemeckert, wenn einer mal schieben musste. Nach der Pause wurden im nächsten Ort wieder alle Trinkflaschen und der Kanister aufgefüllt. Dadurch, dass wir morgens so spät losgekommen sind, schien unser Etappenziel nicht möglich. In Hochspeyer gab es die Möglichkeit, in der Jugendherberge zu Übernachten, dies lehnte die Gruppe aber ab und wollte auf jeden Fall den Campingplatz und das Etappenziel erreichen. Die Möglichkeit ein Lager im Wald zu errichten, hatte die Gruppe als Notlösung in Betracht gezogen. So ging es auf einer durch eine Baustelle für den Verkehr gesperrten Landstraße mit Serpentinen weiter in Richtung Etappenziel. Die Gruppe kämpfte sich weitere 400 Höhenmeter hinauf. Hier sind alle an ihre Grenze gekommen und es wurden immer wieder Pausen eingelegt oder es gab längere Stücke die geschoben wurden.

 

Das schönste Erlebnis für die Gruppe war an diesem Tag, dass als wir die Landstraße verlassen hatten es bis zum  Campingplatz nur noch bergab ging. Alle Strapazen schienen wie weggeblasen. Um 20 Uhr haben wir erschöpft aber glücklich und zufrieden das Etappenziel erreicht. Dort haben wir direkt im Biergarten Schnitzel mit Pommes und Salat gegessen. Die Gruppe wurde von anderen Mountainbiker für ihre Leistung gewürdigt, was alle ein wenig mit Stolz erfüllte. Nach dem Essen haben wir unser Lager aufgebaut, geduscht und in der Reflektionsrunde die Etappe zur Königsetappe erklärt. Die Gruppe selbst ist deutlich zusammengewachsen. Während der Etappe haben sich alle positiv aufgebaut und unterstützt. Es wurde Wasser geteilt, Gepäck von anderen übernommen. Die Stimmung war sehr gut untereinander.

 

 

Mittwoch, der 21.07.2010

Tag 3 der Tour

 

Mittwoch war unser Ruhetag der auch nach den zwei Tagen auf dem Rad nötig war. Die Jungs haben erstmal ausgeschlafen. In der Zeit habe ich das Frühstück besorgt,  gegen 10 Uhr haben wir dann gemeinsam gefrühstückt. Nach den Spülen haben wir zusammen besprochen, wie wir den Tag gestalten wollen. Auf dem Platz gab es auch einen See und so war erst einmal schwimmen angesagt.

 

Am See haben die Jungs schnell  Kontakte zu anderen Jungs bekommen mit denen sie über den ganzen Tag hinaus gemeinsam etwas unternommen haben.

 

R-K brauchte hier auch nicht den Blödmann spielen, es ist ihm sehr gut gelungen über die normale Kontaktebene in Kontakt zu den anderen zu kommen. Nach dem gemeinsamen Kochen bei dem M. mit viel Selbständigkeit gearbeitet hat, haben wir noch Vertrauensübungen auf dem Fahrrad gemacht. Blindfahren, über Kreuz den Lenker des anderen Halten und Pyramiden Arm in Arm.



Anschließend gab es noch einmal Info`s zum Thema Schaltung, fahren am Berg, auf gerade Strecke oder bergab. Jeder Teilnehmer kontrollierte sein Fahrrad und war etwas nicht in Ordnung, so wurde es mit mir repariert.

 

Am Abend meldete sich Regen an, so dass unser Lager Regenfest gemacht werde musste. Um 22:00 Uhr waren alle in ihren Zelten.

 

 

Donnerstag, der 22.07.2010

Tag 4 der Tour

 

Der Tag fing für die Jungs wieder um 8 Uhr an mit Wecken und Morgenwäsche. Danach das gemeinsame Frühstück. Der Tag heute hatte für uns die Besonderheit, dass es vom Wetter her nicht so werden sollte wie die Tage davor. Hatten wir bis jetzt super Sonne so sah es jetzt danach aus, dass wir bei Regen fahren müssten. Also mussten wir beim Lagerabbau alles Wasserdicht verpacken und unsere Regenkleidung hervorholen. Großes Thema an dem Morgen war für die Jungs, die Verabschiedung von ihren "24 Stunden Freunden". Nach dem zusammenpacken gab es für die Verabschiedung Zeit, da wir die Zelte noch etwas Trocknen lassen wollten. Um 11:30 ging es dann für uns wieder los.

 

Das besondere heute war, dass der Sohn der Campingplatzbesitzer ein sehr erfahrener Mountainbiker den Jungs angeboten hat ein Stück mit ihnen zu fahren. Hier war schön zu sehen, wie das Selbstwertgefühl von allen gestiegen ist. Da fährt so ein erfahrener Biker mit uns. Dazu gesellte sich noch ein Campingplatzgast. Die beiden haben den Jungs viel über den Mountainbike-Park erzählt und ihnen nochmals wichtige Tipps zum fahren vermittelt. So sind wir mit den beiden bis zu einem Forsthaus auf 525 ü. NN gefahren. Dort haben wir uns verabschiedet und unsere Pause mit Picknick gemacht. Danach ging es für uns ca. 5 km nur bergab über eine alte Landstraße die nicht mehr für den Verkehr freigegen ist. Kurze Orientierung durch Karte und Kompass und die Richtung wurde gefunden. Über den Radweg ging es dann zum Etappenziel. Lager aufbauen und mit allen gemeinsam fürs Abendessen einkaufen. Jetzt war die Zeit des Organisierens gekommen. Die Jungs hatten festgestellt, dass für das heutige Essen ein größerer Topf gut währe. Pa. und M. sind los gelaufen und haben von Nachbarn einen großen Topf ausgeliehen. P. und R-K. haben einen Tisch und zwei Bänke besorgt. M. hat sich ums Essen gekümmert die anderen um den Salat.

 

Während des Kochens bekamen die Jungs das Angebot von einer älteren Frau,  unsere Gnocchi zu kochen. Aber die Jungs wollten ihr Projekt weiter wie gehabt durchziehen und lehnten dankend ab. In der Abendreflektion wurde wieder besprochen, was gut gelaufen ist an diesem Tag. Alle sind nach dem Duschen auch direkt um 22 Uhr ins Zelt.

 

 

Freitag, der 23.07.2010

Tag 5 der Tour

 

Alles fing wie die Tage davor an. Um 8 Uhr aufstehen Morgenwäsche und Frühstück. Danach Besprechung der letzten Etappe und des letzten Tages. Aber dann zog sich alles in die Länge. Das Abbauen und Packen dauerte doppelt so lang wie die Tage zuvor.

 

Es schien so als wollen die Jungs mit ihrem Verhalten die Tour einfach verlängern. Wir sind dann doch noch vom Campingplatz weggekommen, aber deutlich später als gedacht. Das Navigieren übernahm P. mit Pa. über Kompass und Karte. Die letzte Etappe führte Hauptsächlich über den Radweg "Deutsche Weinstraße". Eine sehr schöne Strecke durch die Weinberge.

 

Den richtigen Weg zu finden war jetzt leichter, da die Jungs nur noch den Schildern folgen mussten. Die Kräfte ließen nun bei allen etwas nach, so dass besonders P. und R-K öfter geschoben haben. Hier zeigte sich der über die gesamte Tour gewachsene Zusammenhalt in der Gruppe. Es wurde nicht gemeckert, sondern jeder fand aufbauende Worte und M. lief, oben am Berg
angekommen,  ein Stück zurück und rief  P. und R-K zu, dass es auf der anderen Seite wieder bergab ging und sie das schon schaffen werden. So haben wir um 17 Uhr unser Ziel erreicht. In Wissembourg wartete der Einrichtungsleiter schon auf uns. Wir beglückwünschten uns alle gegenseitig zum Erreichen des Ziels.

 

 

4.4 Abschluss

 

Der Abschluss für die Gruppe und das Projekt war in Wissembourg.  Alle packten die Fahrräder auf den Hänger, das Gepäck ins Auto und jetzt gab es zur Überraschung noch ein T-Shirt auf dem die Strecke aufgedruckt war. Der Einrichtungsleiter hat die Gruppe noch zum Flammkuchenessen eingeladen. Um 20 Uhr waren wir dann wieder in Osthofen.

 

 

5. Nachbereitung

 

5.1 Veränderung bei den beteiligten Kindern/Jugendlichen

 

Die größte Auffälligkeit für mich ist, dass alle Teilnehmer wenn sie über das Projekt sprechen nicht "Ich" sagen, sondern "Wir". Waren doch vorher alle eher darauf aus, ihre eigene Leistung in den Vordergrund zu stelle, so sprechen sie über die Tour immer von Wir. Wir sind nach Frankreich gefahren, wir haben an einem Tag fast 800 Höhenmeter zurückgelegt. Wir haben durchgehalten. Hier ist die Gruppe zusammengewachsen in einer Form, die ich selbst so nicht erwartet hätte. Alle Teilnehmer sind ein Stück sicherer geworden, denn sie wissen jetzt was sie leisten und erreichen können. So gab es aussagen wie: "Soll noch mal einer sagen, ich hätte nichts drauf." Oder: "Auf der Tour habe ich mich selbst erstmal kennengelernt." M. ist viel Selbstständiger geworden, R-K musste nicht den Blödmann spielen, P. hat deutlich seine Grenzen erweitern können und motorisch noch dazugelernt  und Pa. hat eine positive Rolle in der Gruppe eingenommen und kennt jetzt einige Stärken von sich.

 

 

5.2 Reaktionen in der Einrichtung

 

In der Einrichtung selbst bekomme ich das Positive der Tour durch meine Kollegen wiedergespiegelt. Sie sehen die positiven Veränderungen der Teilnehmer auch. Sie berichten aus Elterngesprächen, dass alle Eltern der Meinung sind, die Tour habe ihren Kindern richtig gut getan. Die Eltern sehen, dass ihre Kinder durch die Tour etwas selbstständiger, sicherer und ausgeglichener geworden sind. In der Einrichtung selbst wird darüber nachgedacht, so ein Projekt fest in das Sommerprogramm aufzunehmen.

 

 

6. Reflexion

 

6.1 Besondere Erlebnisse

 

Es gibt bestimmt unendliches zu den besonderen Erlebnissen zu schreiben. Ich glaube diesem Punkt kann man nicht gerecht werden. Es gab so viele besondere Erlebnisse. So kam Pa., als er einen Mann an seiner Garage nach Wasser gefragt hat, völlig verblüfft wieder und sagte: "Jens der Mann wollte uns sein Mineralwasser aus dem Kasten geben". Oder die zwei Mountainbiker die mit den Jungs zusammen gefahren sind. Die Frau die auf dem Campingplatz für uns kochen wollte. Toll, was für eine Wertschätzung die Jugendlichen von Erwachsenen auf der Tour erhalten haben! Sieht das für die Jungs im normalen  Alltag doch deutlich anders aus. Für mich war es besonders zu sehen, wie die Gruppe zusammen gewachsen ist.

 

Wie sich alle gegenseitig aufgebaut haben und wie M. am Berg zurückgelaufen ist, um den anderen Mut zu machen.  Die glücklichen und stolzen Gesichter der Jungs am Tour Ziel in Frankreich werde ich nicht so schnell vergessen. Leider habe ich die Warm-Up Spiele komplett aus den Augen verloren. Das Lag eventuell daran, dass wir morgens doch ziemlich lange mit dem Lagerabbau beschäftigt waren und den Jungs einfach die Routine beim Packen gefehlt hat. Außerdem waren sie und ich mit den Gedanken schon bei der zu fahrenden Etappe.

 

 

6.2 Erkenntnisse/Erfahrungen

 

Alle Teilnehmer haben meine vorformulierten  Ziele und auch das tatsächliche Ziel in Frankreich erreicht. Sie sind gut als Gruppe zusammengewachsen, haben gemeinsam tolle Erfahrungen machen dürfen. Haben ihre Grenzen kennen gelernt und zum größten Teil auch erweitert. Ich halte das Projekt für sehr gelungen mit einer positiven Wirkung auf alle Teilnehmer.

 

 

7. Öffentlichkeitsarbeit

 

Gab es nicht, da das Projekt im Rahmen unsere Betreuung lief.

 

 

8. Literaturnachweis

 

KAP-Lehrgangs-/Kursunterlagen  Mountainbike, KAP-Institut Undorf

KAP-Lehrgangs-/Kursunterlagen  Erste Hilfe Outdoor, Kap-Institut Undorf

KAP-Lehrgangs-/Kursunterlagen Anleitung zur Praxis, KAP-Institut Undorf

KAP-Lehrgangs-/Kursunterlagen Einführungskurs, KAP-Institut Undorf

Hubert Perschke, Peter Flosdorf u.a., "Sicherheitsstandards in der Erlebnispädagogik", Juventa Verlag Weihnheim und München 2003

Topographische Karten mit Wanderwegen verschiedene Auflagen, Landesamt für Vermessung und Geobasisinformationen Rheinland-Pfalz

Erlebnisführer Pfalz 5 Auflage, Publicpress 59590 Geseke

Konzeption der Einrichtung, Flexible Erziehungshilfen "Alte Werkstatt Lessingstraße"

 

 

9. Anhang

 

•  Checkliste/Materialliste

•  Elternbrief

•  Anmeldebogen

•  Metaplan

•  Packliste

•  Speiseplan

•  Notfallplan

•  Adressen Übernachtung mit Rechnung

 

 

 

Packliste

 

4 T-Shirts   

1 Pulli                                                                      

4 Unterwäsche              

2 kurze Hosen                                                        

1 lange Hose                                                          

4 paar Socken                                                        

2 paar Schuhe

Regenjacke

 

1 Deoroller

1 Mückenschutz

1 Badetuch

1 Sonnenschutz

1 Duschgel

Zahnputzzeug

 

Wichtig !!!!!!!!!!      Krankenkarte

 

 

 

Speiseplan

 

Montag: Nudeln mit Bolognese und Salat + Nachtisch

Dienstag: Spinat mit Kartoffeln und Rührei + Nachtisch

Mittwoch: Chili con Carne mit Brot + Nachtisch

Donnerstag: Gnocchi mit Schinkensahnesoße und Salat + Nachtisch

 

Frühstück: Brötchen  dazu Konfitüre, Nutella auf Wunsch Käse und Wurst

Picknick: Brot/Brötchen dazu Käse und Wurst + Obst und Schokoriegel   

 



Notfallplan

 

 

Notfall am Fahrrad

Defekt beheben/reparieren

Defekt nicht behebbar/reparierbar/Einrichtung kontakten und Bike austauschen

 

 

Unfall/Verletzungen

Leichte Verletzungen = Erstversorgung nach USA-KAP weiter beobachten ggf. Arzt aufsuchen

Schwere Verletzungen = Erstversorgung nach USA-Kap, Notarzt und RTW rufen. Eltern informieren sowie die Einrichtung 

Schwächeanfall/Kreislauf = Erstversorgung nach USA-KAP, weiter beobachten, Etappe an Ort und Stelle beenden und Lager errichten, bei Erholung anderen Tag weiterfahren oder ggf. Arzt aufsuchen oder RTW rufen. Rücksprache mit Eltern und Einrichtung.

 

 

Ausfall des Projektleiters/Kollegen

= Sollte der unterstützende Kollege erkranken kommt der Ersatzkollege zum Einsatz

Fällt der Projektleiter Aus so wird das Projekt erstmal beendet und an einem anderen Datum fortgeführt.

 

 

Unwetter

 

Bei Gewitter/Sturm = sofort Schutzhütte aufsuchen oder Wald verlassen! Warten auf Besserung danach weiter fahren. Sollte keine Besserung eintreten, Lager errichten und Etappe am nächsten Tag fortführen.

Mit allen Teilnehmern nochmals Verhaltensregeln im Wald besprechen besonders bei Unwetter.

 

 

Verweigerung von Teilnehmern

Teilnehmer Verweigert weiterfahrt = Gespräch mit der kompletten Gruppe wie es weiter gehen kann. Immer wohlwollend dem Teilnehmer gegenüber. Sollte er nicht zur Weiterfahrt bereit sein, Eltern informieren und klären wer ihn Abholt (Eltern/Einrichtung).

 

 

Teilnehmer läuft weg

 

Sofort Eltern und Einrichtung informieren und umgebungssuche Starten. Sollte Teilnehmer nicht gefunden werden ist die Polizei zu verständigen. Weiter Rücksprachen mit Eltern und Einrichtung über weiteres Vorgehen.

 

 

 

Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik

im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP

des KAP-Institutes

 

 

"Tour de France mit Abenteuer"

 

 

Erlebnispädagogisches Projekt von Jens Krolak

 

 

 

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