Erik Worthmann
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
Der Lauf des Lebens
Ein neuntägiges Wanderprojekt
um die Stadtgrenze Hamburgs mit Jugendlichen aus St. Pauli
Erlebnispädagogisches Projekt von Erik Worthmann
20. bis 28. Juli 2009
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Beschreibung der Einrichtung
1.2 Das Jugendprojekt Big Point
2 Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 Pädagogischer Hintergrund/Idee
2.2 Allgemeine Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmung
3 Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
3.2 Beschreibung der Teilnehmer
4 Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
4.2 Geplanter Projektverlauf
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
4.4 Abschluss
5 Nachbereitung
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Jugendlichen
5.2 Reaktionen aus dem näheren Umfeld
6 Reflexion
6.1 Besondere Erlebnisse und Ereignisse
6.2 Erkenntnisse und Erfahrungen
7 Öffentlichkeitsarbeit
8 Literaturverzeichnis
9 Anhang
1. Einleitung
Keine Metapher bildet unser Leben überzeugender ab als das Gehen. "Wie geht´s" fragen wir sogar, wenn wir uns bei jemandem nach seinem Befinden erkundigen. In keiner anderen Tätigkeit ist man mehr bei sich selbst. Kaum eine Sportart ist so gesund wie das Wandern. Es stärkt durch den Klimareiz das Immunsystem, regt den Fettstoffwechsel an und fördert die Herz- und Kreislauftätigkeit. Aber das Wandern bewirkt noch mehr: Es werden Körper und Sinne stimuliert, Depressionen gemindert, freundliche Gefühle, Einfallsreichtum, Kreativität und Konzentrationsfähigkeit verstärkt. Kein Wunder also, dass auch immer mehr jüngere Menschen das Wandern für sich entdecken. Jeder fünfte aktive Wanderer ist zwischen 20 und 40 Jahre alt (vgl. Brämer 2009, Seite 11).
Diese Vorüberlegungen und die Tatsache, dass man sich ohne komplizierte Geräte und ohne aufwändiges Training relativ schnell aufmachen kann, mit Freunden, Bekannten oder Jugendgruppen Neuland per pedes zu entdecken, bestärkten mich in dem Bestreben, mein erlebnispädagogisches Projekt im Trekkingbereich durchzuführen. So erhält dieser Gedanke bei Perschke/Flosdorf weitere Unterstützung:
"Trekking und Wandern ist an wenige Voraussetzungen gebunden und ermöglicht somit auch schwierigen Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Erlebnispädagogik."
(Perschke/Flosdorf, 2003, Seite 63)
Türkische Jugendliche sprechen auf die häufig gestellte Frage nach unternommenen Aktionen in ihrer Freizeit häufig vom Spazieren gehen. Sie sind demnach daran interessiert, allein oder mit mehreren Personen umherzuschweifen, sich zu unterhalten und auf andere Gedanken zu kommen. Damit der Begriff des Wanderns in der Folge besser eingeordnet werden kann, wird an dieser Stelle der Versuch unternommen, eine genauere Definition vorzunehmen. Wenn in zeitgenössischen Äußerungen oder speziellen Untersuchungen überhaupt etwas Definitives zum Begriff des Wanderns gesagt wird, geht es meist um den Unterschied zum Spazieren, der an einer gewissen Zeitdauer oder Streckenlänge festgemacht wird. Am präzisesten äußern sich Sportmediziner, die mit Wandern bezeichnenderweise eine Mindestgeschwindigkeit, also eine sportliche Leistung verbinden. Freizeitforscher denken beim Wandern dagegen eher an Fußtouren von längerer Dauer oder Strecke, bei der man dem Stress der Leistung gerade entfliehen will. Es gibt durchaus Minderheiten, die eine Stunde Weges schon für Wandern, und andere, die vier Stunden noch für Spazieren halten. Nur der Trend ist eindeutig: Je länger man unterwegs ist, desto wanderträchtiger die Aktion.
In meinem folgenden Projektbericht möchte ich auf die Entstehung und Entwicklung der Wanderung des „Laufs des Lebens“ eingehen, die Bedeutung für die Jugendlichen herausstellen und demonstrieren, dass Wandern mit Jugendlichen eine große pädagogische Herausforderung darstellt, weil es im Gegensatz zu Trendsportarten oder angesagten Unternehmungen wie Klettern, Segeln oder Kanu fahren wenig Spektakuläres und wenig Spannung verspricht. Die Beschreibung der Teilnehmer und die Auswirkungen der Wanderung auf ihr Verhalten im Kapitel der Nachbereitung bilden einen weiteren interessanten Aspekt dieser Arbeit. Den Schwerpunkt dieses Berichts bildet der Projektverlauf, der die neun Projekttage exemplarisch durch die Vorbereitung, den geplanten und tatsächlichen Verlauf begleitet und einen passenden Abschluss der Wanderung schildert. Abschließend werden durch die Reflexion besondere Erlebnisse hervorgehoben und Erkenntnisse beschrieben.
1.1 Beschreibung der Einrichtung
Seit 1994 bin ich in dem Jugendzentrum "Freies Kinder- und Stadtteilzentrum, KIZ e.V.", als Sozialpädagoge tätig – ein kleiner Verein im Bezirk Hamburg-Mitte, der als freier Träger in der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg anerkannt ist und von der Stadt Hamburg aus Jugendhilfemitteln jährlich gefördert wird. Gemeinsam mit einer Kollegin bin ich zuständig für die Leitung der Einrichtung. Hier haben wir unterschiedliche Arbeitsbereiche untereinander aufgeteilt, so dass ich mich vorwiegend im offenen Jugendbereich verantwortlich zeichne, während meine Kollegin die Einrichtung hauptsächlich auf administrativer Ebene vertritt. Jedes Jahr beantragen wir die Kostenübernahme für unsere Arbeit durch die Stadt Hamburg aufs Neue, schreiben Sachberichte, entwerfen so genannte Zweckbeschreibungen, die genaue Projektziele benennen und deren Erreichung dokumentieren, und führen Statistikbögen, die die Arbeit rechtfertigen, um dann eine weitere Bewilligung vom Jugendhilfeausschuss im Bezirk Hamburg-Mitte für das folgende Jahr zu erhalten. Die Einrichtung wird darüber hinaus noch durch zwei Honorarstellen mit jeweils 14 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit, zurzeit drei Praktikantinnen und die Kooperation mit Kollegen eines Projektes für Roma-Jugendliche und einer Jugendbildungsstätte unterstützt. Die Öffnungszeiten des offenen Treffpunkts sind montags bis freitags von 16.00 - 21.00 Uhr und samstags von 14.00 -18.00 Uhr.
Das KIZ ist seit 21 Jahren eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit für das Schanzenviertel und St. Pauli, zwei Hamburger Stadtteilen, die mittlerweile sowohl als Szeneviertel bezeichnet und auch als soziale Brennpunkte ausgewiesen werden. Die Einrichtung wird von Jungen und Mädchen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren besucht. Sämtliche BesucherInnen besitzen einen Migrationshintergrund aus verschiedensten Kulturkreisen und Nationen. Sie sind aufgrund ihrer Herkunft und sozialen Situation benachteiligt. Um das Jugendzentrum kurz zu charakterisieren, so kann man festhalten, dass das KIZ der Ort ist, an dem man sich kennen lernt, Beziehungen aufgebaut werden, an dem jeder, der kommt, ernst genommen wird, an dem während eines Billard- oder Kickerspiels, vor und nach einem Chat am Computer über die Ereignisse des Tages gesprochen wird. Manchmal sind gerade größere Probleme vorhanden, dann wechselt die lockere Freizeitatmosphäre zu einem ernsthaften Beratungsgespräch, zu einer rettenden Nachhilfestunde oder endet vor dem Computer, um eine Bewerbung zu schreiben.
Aus dieser Skizzierung erkennt man die Zielsetzung des Vereins. Ausgehend vom offenen Angebot der klassischen Freizeitangebote wie Billard, Kicker oder Nutzung des Computers stehen Sport, Medienerziehung, Jugendaustausch, Schularbeitshilfe und Unterstützung im Übergang zwischen Schule und Beruf im regelmäßigen Programm zur Auswahl. Dabei bilden die Beratung, Gespräche mit den Jugendlichen, Bewerbungshilfen und die Schularbeitshilfe eine wichtige und wesentliche Aufgabe der Arbeit des Vereins. Hierbei werden die existentiellen Grundlagen für die Entwicklung der Jugendlichen, die Integration in die Arbeitswelt, Schule und weitere Perspektiven aufgegriffen. Bei Problemen, die dieser Entwicklung im Wege stehen, wird versucht, unterstützend tätig zu sein, um etwaige aufgetretene Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Familien sind zum größten Teil nicht in der Lage, den Kindern und Jugendlichen eine Orientierungshilfe zu geben. Häufig ist das Gegenteil der Fall - die Jugendlichen kommen mit Problemen zu uns, die Unterstützungsbedarfe der Familien an sie beinhalten, so müssen sie z.B. für ihre Familien den Schriftverkehr bezüglich Mietangelegenheiten, Gesundheitsversorgung, Ausländerbehörde und anderen Dingen mehr erledigen. Neben diesem Schwerpunkt konzentrieren wir uns darauf, Gruppen (vor allen Dingen auch Mädchen) und einzelne Jugendliche in den Gesamtablauf der KIZ Struktur zu integrieren. Dabei entwickeln wir aus dem offenen Betrieb inhaltliche Angebote, die die Gruppen untereinander öffnen und vermischen. Zusätzlich verfolgen wir das Ziel, durch individuelle Beziehungskonstellationen, konfliktorientierte sowie ruhigere und interessenorientierte Jugendliche an uns heran zu führen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Beziehungen zu den Mitarbeitern aufzubauen.
Ausgehend von den Bedingungen in einer individualistisch-orientierten Gesellschaft, die Selbstbehauptung und Konkurrenz als zentrale Überlebensfähigkeit propagieren, legen wir unseren Schwerpunkt auf die Stärkung individuellen Selbstwertes sowie auf Gemeinschaftssinn. Der Entschluss, Identitätsarbeit, eingebettet in gemeinschaftliches Handeln und insbesondere in Verantwortung zueinander zu fördern, prägt den Aufbau unserer Angebote.
1.2 Das Jugendprojekt Big Point
Das Jugendprojekt Big Point am Hein-Köllisch-Platz auf St. Pauli ist eine Maßnahme für sieben männliche Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren, die sich in der schwierigen Übergangsphase zwischen Schule und Beruf befinden und eine ungünstige berufliche Perspektive haben. Das Projekt startete im Mai 2007 unter der Leitung von Richard Krauß, einem Sozialpädagogen und Erlebnispädagogen (KAP-Institut), und ist auf zwei Jahre Gesamtdauer ausgelegt worden. Die Gruppentreffen finden zweimal wöchentlich mit Programm und Regeln, die die Jugendlichen mitbestimmen, statt und dauern jeweils drei Stunden. Jedes Treffen beginnt mit einem Ritual, dem gemeinsamen Kochen. Die Attribute, wie andere versorgen, sich umeinander kümmern, einen geschützten Raum erleben und für die bevorstehenden Herausforderungen gut versorgt sein, bilden eine wichtige Voraussetzung für den Gruppenprozess und die Individualziele. Weitere Inhalte der sozialen Gruppenarbeit sind die Bewältigung von Problemlöseaufgaben und kooperativen Abenteuerspielen, Klettern, Kanu fahren, Wandern, Agieren vor der Kamera und vieles andere mehr. Das Ziel dieser Gruppe besteht schwerpunktmäßig in der Beschäftigung mit der beruflichen Perspektive der einzelnen Gruppenmitglieder. Dazu werden die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert. Sie erhalten Hilfe bei der Überwindung von Verhaltensproblemen, ihr Selbstwertgefühl sowie ihre Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit werden gesteigert. Auf diesem Weg erlangen die Teilnehmer die Befähigung, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten und verbessern maßgeblich ihre sozialen Kompetenzen. Das Projekt ist eine Initiative der GWA (Gemeinwesenarbeit) St. Pauli Süd. Es finanziert sich über Spendengelder und ist für die Teilnehmer kostenlos. Jeder Jugendliche zahlt bei Eintritt in die Gruppe 50 € ein, welche auf einem Sparkonto verwahrt werden und symbolisch für die Verbindlichkeit des Jugendlichen im Projekt stehen. Nach Beendigung der zwei Jahre erhält jeder Teilnehmer das Geld mit Zinsen und dem, was im Projektverlauf noch erarbeitet und angespart wurde, als "Startgeld" zurück.
2. Erlebnispädagogisches Konzept
Im nachfolgenden Kapitel wird die Idee des erlebnispädagogischen Konzeptes dargestellt, allgemeine Ziele und Lernerfahrungen erläutert und die Art und Weise der Unternehmung benannt.
2.1 Pädagogischer Hintergrund/Idee
Seit ich die erlebnispädagogische Zusatzqualifikation im KAP-Institut begonnen hatte, versuchte ich, Elemente der Erlebnispädagogik sukzessive in meinen Arbeitsablauf als Leitung des offenen Kinder- und Jugendbereichs im KIZ einfließen zu lassen. Ich unterstützte darüber hinaus die Initiative, ein Netzwerk sozial engagierter MitarbeiterInnen in Hamburg im Bereich der kooperativen Abenteuerspiele zu gründen. Seit dem 16.01.2009 treffen wir uns vierteljährlich in einer Gruppengröße von etwa 15 - 20 Personen, um einen Tag lang kooperative Abenteuerspiele miteinander zu spielen. Die Erfahrungen aus diesen mittlerweile drei Treffen fließen direkt in meine Arbeit ein und beeinflussten somit auch den "Lauf des Lebens". Seitdem gibt es keine Aktion des KIZ ohne die Anwendung von kooperativen Abenteuerspielen, die exakt auf die jeweilige Unternehmung zugeschnitten gewesen sind. Die positive Reaktion der Kinder- und Jugendlichen auf diese Spiele unterstützen dieses Vorhaben und trugen dazu bei, dass wir auf unserer großen Wanderung eine Geschichte erfanden, die mit kooperativen Abenteuerspielen nur so gespickt war. Die Jugendlichen aus dem Projekt Big Point besuchen ebenfalls unsere Einrichtung und nehmen auch hier die Möglichkeit wahr, Hilfe bei Bewerbungen, Hausaufgaben und anderen alltäglichen Dingen in Anspruch zu nehmen. Mitte Mai 2008 unternahmen Richard Krauß und ich mit dieser siebenköpfigen Jungengruppe eine Wochenendfahrt nach Binz auf Rügen, auf der wir neben dem Besuch eines Hochseilgartens, einem Museumsbesuch in Prora u.a. sehr viel durch die Natur der Insel gewandert sind. Anhand der Reaktionen der Jugendlichen während der Wanderungen und in der abschließenden Reflexion stellten wir bei ihnen positive Effekte fest. Zuallererst fiel uns der ungebremste Redefluss der Jugendlichen auf. Wir führten intensive Gespräche miteinander, die im Alltag in der Jungengruppe oder im KIZ vermutlich niemals stattgefunden hätten. Es baute sich relativ schnell eine Vertrautheit auf, die sich unter anderen Bedingungen nicht in der Form oder sehr viel später erst abgezeichnet hätte. Die Jugendlichen schienen beruhigter und entspannter als sonst zu sein und ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit war verstärkt wahrnehmbar. Im vergangenen Jahr erzählte mir Richard Krauß von seinem Vorhaben, einmal Hamburgs Stadtgrenze zu Fuß zu umwandern. Er berichtete von einzelnen Etappen, die er schon abgewandert sei und lud mich auf eine Etappe ein, mit ihm zusammen zu wandern. Wir trafen uns an einem Sonntagmorgen in Billstedt, dem Ort, an dem er vor ein paar Wochen seine letzte Etappe beendet hatte, und begannen eine Umrundung Hamburgs mit Jugendlichen zu besprechen. Da ich schon des Öfteren im Süden Deutschlands oder auch in Frankreich und Spanien gewandert bin und die Vorzüge des Wanderns sehr schätze, war ich von Beginn an von dieser Idee begeistert und schlug vor, doch mein erlebnispädagogisches Abschlussprojekt mit der Jugendgruppe Big Point und der Wanderung um Hamburg zu kombinieren. Als wir den Jugendlichen hiervon berichteten, waren sie von der Vorstellung, 210 Kilometer über mehrere Tage zu wandern, überwältigt - hatten sie doch mit einer Woche Urlaub in der Türkei als Abschlussprojekt ihrer Jungengruppe gerechnet. Jedoch war ihr Ehrgeiz, solch eine Sache zu schaffen, von Beginn an geweckt und so war die Idee geboren, einmal um Hamburgs Stadtgrenze zu wandern. Nebenbei entstand dann auch unser Motto für die Wanderung - nicht zuletzt auch als hilfedienlicher Transfer in die Realität "Wenn wir das schaffen, dann schaffen wir alles".
Wir wollten die Strecke in einem Stück während der Sommerferien abwandern und in Unterkünften übernachten, um von dort weiter zu gehen, wo wir abends zuvor angekommen waren. Durch "Probewanderungen" mit der Jugendgruppe (siehe Kapitel 4) bekamen wir einen Überblick darüber, wie viele Kilometer wir uns als Wandergruppe zumuten könnten. Wir berücksichtigten den Faktor des zu tragenden Gepäcks, der zunehmenden Müdigkeit und unserer Wandergeschwindigkeit und teilten anschließend die Route um Hamburg in einzelne Etappen ein. Dabei vermieden wir langweilige Passagen um den Flugplatz Fuhlsbüttel im Nordwesten Hamburgs zu Gunsten schöner Wege im Alsterverlauf und verkürzten so die Gesamtstrecke auf nunmehr ca. 160 Kilometer. Dies hatte zur Folge, dass wir unseren "Lauf des Lebens" in acht Tagen bewältigen wollten, somit acht Unterkünfte benötigten und ähnlich wie bei der Tour de France den neunten Tag als Tour d`Honneur, die Ehrenetappe, nutzen wollten. Die Anzahl der Jugendlichen sollte zwischen vier und acht Personen liegen, wobei wir auch versuchten andere Jugendliche, die nicht aus der festen Gruppe Big Point kamen, für diese Unternehmung zu gewinnen.
2.2 Allgemeine Zielsetzung
Beim gemeinsamen Wandern geht und blickt man in dieselbe Richtung und es entstehen die besten Gespräche und Ideen für die eigene Zukunft. Im Big Point Projekt werden die Jugendlichen innerhalb von zwei Jahren in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert, um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Am Ende des Projekts steht die Gruppenreise, die auch eine Art Reflexion der vergangenen zwei Jahre in Zusammenhang mit einem Ausblick in die nähere Zukunft darstellen soll. Daher wollten wir mit dieser Wanderung die Jugendlichen und uns vor eine große Herausforderung stellen. Nach dem Motto "wenn wir das schaffen, dann schaffen wir alles", könnten die Jugendlichen bei dieser außergewöhnlichen Wanderung ihr Durchhaltevermögen, ihre Widerstandskraft und ihre Hartnäckigkeit auf die Probe stellen. Alle, die nach acht Tagen das Ziel erreichten, würden zu Recht stolz auf sich sein, denn sie hätten ein hohes Maß an Frustrationstoleranz und Teamfähigkeit bewiesen. Neben dieser Selbsterfahrung verfolgten wir auch das Ziel, den Jugendlichen soziale Kompetenzen (soft skills) zu vermitteln oder sie zu verbessern, indem wir während der Wanderung besonderen Wert auf Verantwortung, Verlässlichkeit, Respekt und Rücksichtnahme legten. Die Jugendlichen wüssten am Ende des Projekts, was sie zu leisten im Stande wären (Kennen lernen der eigenen Grenzen, Konfliktbewältigung und Flauten überbrücken lernen, kleinere Krisen durchstehen, Stärkung des Selbstbewusstseins) und verbesserten mit so einer Leistung maßgeblich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kriterien der Arbeitgeber wie bspw. die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, auf sein gewohntes Umfeld zu verzichten würden damit gleichwohl abgedeckt wie die Voraussetzung von Durchhaltevermögen und die Fähigkeit zur Teamarbeit. Überdies würden noch weitere individuelle Lernmöglichkeiten geschaffen und ausgebildet: die Fähigkeit, sich auf unbekannte Situationen einzulassen, eigene Grenzen auszutesten, sich Stärken und Schwächen bewusst zu machen, kommunikative, emphatische und kreative Fähigkeiten einzustudieren und Verantwortung sich und der Gruppe gegenüber zu übernehmen.
2.3 Art der Unternehmung
"Der Lauf des Lebens" startete am 20.07.2009 in Cranz an der südwestlichen Stadtgrenze Hamburgs und endete mit der Tour d`Honneur am 28.07.2009 vom Campingplatz "Elbe Camp" zurück nach St. Pauli. Die einzelnen Unterkünfte während der acht Wandertage sind in Tabelle 1 ersichtlich.
1. Tag 20.07.2009
Kulturhaus Süderelbe
Ehestorfer Heuweg 20
21149 Hamburg
Besonderheit: Schlüssel ausgehändigt, Rückgabe über Postkasten
2. Tag 21.07.2009
Jugendfreizeitstätte Meckelfeld
Appenstedter Weg 80
21217 Seevetal
Besonderheit: Aufsicht bleibt über Nacht, Frühstück
3. Tag 22.07.2009
Unser Haus e.V.
Bergedorf Wentorfer Straße 26
21029 Hamburg
Besonderheit: Abendessen
4. Tag 23.07.2009
Bauspielplatz Rahlstedt-Ost
Kittelweg 20
22149 Hamburg
Besonderheit: Abendessen von Globetrotter
5. Tag 24.07.2009
Jugendtreff Duvenstedt
Duvenstedter Markt 8
22397 Hamburg
Besonderheit: Abendessen
6. Tag 25.07.2009
Haus der Jugend Lattenkamp
Bebelallee 22
22299 Hamburg
Besonderheit: Schlüssel ausgehändigt, Rückgabe über MA
7. Tag 26.07.2009
Jugendclub Osdorf
Böttcherkamp 142
22549 Hamburg
Besonderheit: Schlüsselübergabe vor Ort durch MA
8. Tag 27.07.2009
Campingplatz "Elbe Camp"
Falkensteiner Ufer 101
22587 Hamburg
Besonderheit: Zelt reserviert, Grillen erlaubt
Insgesamt wanderten wir 155 Kilometer in 9 Tagen und verbrachten 61 Stunden an reiner Wanderzeit auf Schusters Rappen. Auf unseren Wandertagen begleiteten uns insgesamt 18 Personen, wobei wir am dritten Tag ganz allein auf uns gestellt waren.
3. Zielgruppe
Neben Auswahlkriterien und der Beschreibung der Gruppenzusammensetzung soll dieses Kapitel ebenfalls Auskunft über jeden einzelnen Teilnehmer vor dem Beginn der Wanderung geben.
3.1 Gruppenzusammensetzung
Wie schon eingangs in Kapitel 2.2 erläutert, sollten die auserwählten männlichen Jugendlichen für die Wanderung um Hamburg etwa im Alter zwischen 17 und 22 Jahren alt sein. Das Ziel bestand hauptsächlich darin, sie für den Arbeitsmarkt fit zu machen und ihnen während der Wanderung soft skills wie z.B. Verantwortung, Verlässlichkeit, Respekt und Rücksichtnahme zu vermitteln. Dabei sollte die immer wieder kehrende Routine des gesamten Tagesablaufs während der Wanderung den Jugendlichen helfen, die zukünftigen täglichen Anforderungen in der Lehre oder im Schulalltag zu erleichtern und besser zu strukturieren. Sie wären mitverantwortlich für die Beschaffung und Zubereitung von Essen, bestimmten den Zeitpunkt des Aufstehens oder entschieden, wann sie schlafen gehen müssten, um fit für den nächsten Tag zu sein. So würden sie nicht nur ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern, sondern auch den Grundstein zu einem strukturierteren eigenen Leben schaffen. Die ersten Teilnehmer boten sich zwangsläufig aus dem Projekt Big Point an. Da die Jugendlichen, die „meine“ Einrichtung besuchten und Hilfe in Anspruch nahmen, zusätzlich schon eine Wochenendfahrt mit mir unternommen hatten und das Projekt im Begriff war, auszulaufen, wurden sie als erste gefragt, ob sie an einer Wanderung um Hamburg teilnehmen wollten. Da ich mindestens vier bis höchstens acht männliche Jugendliche beim "Lauf des Lebens" dabei haben wollte, andererseits aber wusste, dass verbindliche Zusagen seitens der Jugendlichen nicht zu erwarten waren, fragte ich weitere Jugendliche außerhalb der Gruppe Big Point, die etwa dasselbe Alter hatten und sich untereinander kannten. Somit hatte ich relativ schnell acht Jugendliche zusammen, die sich größtenteils aus dem Projekt Big Point zusammensetzten. Durch "Probewanderungen" mit der achtköpfigen Gruppe (siehe Kapitel 4) trennte sich dann "die Spreu vom Weizen". Aus acht Teilnehmern waren am Tage des Starts unserer gemeinsamen Wanderaktion um Hamburgs Stadtgrenze nur noch vier Jugendliche übrig geblieben. Wir hatten im Vorfeld von jedem Teilnehmer 50 Euro eingesammelt, die uns als Planungssicherheit dienen sollten, aber nach Beendigung der Wanderung wieder zurück gezahlt wurden. Nur bei außergewöhnlichen Vorfällen bekämen die Jugendlichen ihr Geld im Voraus zurück, was auf die vier Teilnehmer, die kurz vor dem Beginn der Wanderung absprangen, auch zutraf. So wurde z.B. ein Jugendlicher aus der Big Point Gruppe zum Bund eingezogen, was wir in der Kürze der Zeit nicht mehr verhindern konnten und ein anderer bekam auf einer Englandreise, die das Wochenende vor unserer Wanderung endete, eine Lungenentzündung und musste zuhause bleiben. So blieben vier hoch motivierte Jugendliche im Alter zwischen 18 und 21 Jahren übrig und machten sich zusammen mit Richard Krauß und mir auf den Weg, Hamburg zu Fuß zu umrunden.
3.2 Beschreibung der Teilnehmer
Allen vier Jugendlichen hat die Gruppenarbeit mit Richard Krauß mit Big Point in großem Maße weiter geholfen, so dass die Jugendlichen nicht dort stünden, wo wir sie mit unserer Wanderung abgeholt haben. Die kurzen Beschreibungen der Teilnehmer, in denen auch Defizite benannt werden, sind im Vergleich zu denen, die zum Zeitpunkt des Eintritts in die Jungengruppe bestanden, als mittlerweile gering zu betrachten. Die Wanderung sollte diese Defizite thematisieren und weiter verringern. Im Folgenden sind die Namen der Jugendlichen aus Datenschutzgründen verändert worden.
A. Z.
ist 18 Jahre alt und türkischer Staatsangehörigkeit. Er wohnt zusammen mit seiner 12-jährigen Schwester bei seinen Eltern. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater arbeitssuchend, was die Familie von Hartz IV leben lässt. A. holt auf einer Erzieherfachschule seinen Realschulabschluss nach, mit dem Ziel, anschließend die Erzieherausbildung zu beginnen In seiner Freizeit geht er zum Boxtraining und steht kurz davor, seinen ersten Kampf im Boxring zu bestreiten. Er hat eine Freundin und trifft sich mit Freunden in seiner Freizeit. Vor zwei Jahren erkannte er seine Chance, die ihm Richard Krauß mit seiner Jungengruppe bot, und nahm intensiv an dieser Gruppe teil, um seine berufliche Perspektive zu verbessern. A. sieht seine persönlichen Stärken darin, hilfsbereit zu sein und Freunden zu helfen. Er macht auf mich den Eindruck, aufgrund seines Alters noch sehr impulsiv zu agieren. A. schaut sich das Verhalten der anderen älteren Gruppenteilnehmer an und versucht positive Eigenschaften zu übernehmen, gerät dabei aber immer wieder in Konflikt mit seiner Rolle in der Gruppe, die er als raubeiniger, kräftiger und oft nörgelnder Teilnehmer einnimmt. Er möchte einerseits mehr Verantwortung und Respekt von den anderen erhalten, kann sich aber nicht richtig durchsetzen, dieses Ziel für sich zu erreichen.
B. Y.
ist 19 Jahre alt, türkischer Herkunft und lebt mit seinem vier Jahre älteren Bruder und seiner 16-jährigen Schwester bei seinen Eltern in einer 3-Zimmer Wohnung auf St. Pauli. Dort teilt er sich ein Zimmer mit seinem Bruder. Er hat nach zwei erfolglosen Versuchen 2007 die Schule ohne Abschluss verlassen und konnte in der Jungengruppe nur sehr schwer davon überzeugt werden, wieder regelmäßig zur Schule zu gehen. Anschließend wollte B. eine Ausbildung zum Maler und Lackierer beginnen. Jedoch scheiterte auch dieser Versuch, so dass B. sich für eine Rehamaßnahme zum Bau- und Gebäudebeschichter entschloss. Während der Wartezeit auf die Umschulung fing er eine Beschäftigung als Fahrer bei DHL an, musste diese jedoch aufgrund einer Beinverletzung nach ein paar Monaten wieder aufgeben. B. sagt über seine Stärke, dass er, sobald er von einer Sache überzeugt sei, mit ganzem Einsatz und Ehrgeiz dahinter stünde und alles zum Gelingen unternähme. Ich habe B. als einen hilfsbereiten jungen Menschen kennen gelernt, der jedoch aufgrund seiner schlechten Erfahrungen in der Schule (keinen Schulabschluss) und bei Ausbildungslehrgängen völlig demotiviert ist. Die Versuche, Dinge in B.s Leben zu verändern oder verbessern, nehmen immer sehr viel Zeit in Anspruch. Er hält vereinbarte Termine des Öfteren nicht ein, vergisst wichtige Unterlagen zu besorgen oder kann sich nicht für längere Zeit auf eine Sache konzentrieren und sie durchführen.
C. X.
ist das älteste Mitglied der Gruppe Big Point. Seine Nationalität ist türkisch und er lebt mit seiner Mutter allein in einer 48qm Wohnung auf St. Pauli. Seine Gemütsverfassung war zu Beginn seiner Teilnahme an der Jungengruppe traurig und missmutig, größtenteils ausgelöst durch seine häusliche Umgebung. Die Wohnung war mit Kartons voll gestapelt und es gab kaum Platz zum Leben. Nachdem in mehreren gemeinsamen Aktionen Dinge aussortiert, aufgeräumt und entsorgt worden waren, kehrten auch wieder Hoffnung und Zuversicht bei C. zurück. Er kümmerte sich mit großem Engagement um seine berufliche Perspektive, bekam ein Praktikum als Energie- und Gebäudeelektriker und begann im September an gleicher Stelle seine berufsbegleitende Ausbildung. C. ist stark übergewichtig und im Zuge seiner Gruppenteilnahme fing er an, regelmäßig Sport zu treiben und sich gesünder zu ernähren. Er trifft sich mit Freunden, hat keine Freundin und fährt leidenschaftlich gern Motorrad Roller. In seinem "Steckbrief" schreibt er als Stärke über sich, dass er hilfsbereit, flexibel und zuverlässig sei. Ich habe ihn von Beginn an als einen netten, hilfsbereiten und zuverlässigen Jugendlichen kennen gelernt, der Schwierigkeiten hat, sich zu motivieren und Dinge in seinem Leben zu bewegen, die ihn persönlich weiter bringen. Dadurch, dass er Mitglied von Big Point geworden ist, bemerkte ich relativ schnell eine positive Entwicklung seiner Persönlichkeit, was sich schließlich auch in dem Wunsch äußerte, sein Körpergewicht reduzieren zu wollen. Letztendlich fehlt aber auch C. die Erfahrung, dass er etwas schaffen und stolz auf sich sein kann.
D. W.
ist ebenfalls türkischer Herkunft und wurde am zweiten Tag unserer Wanderung 21 Jahre alt. Er wohnt mit seiner nervlich stark belasteten Mutter, die Hartz IV erhält und einem 400 € Job nachgeht, und seinem psychisch kranken Bruder in einer 60qm Wohnung. Er schläft im Wohnzimmer auf der Couch. Aufgrund seiner familiären Situation möchte er so schnell wie möglich ausziehen und in seine erste eigene Wohnung einziehen. Auch er ist Teilnehmer der Jungengruppe Big Point, um die Möglichkeit zu nutzen, seine Berufschancen mit professioneller Hilfe zu verbessern. Nachdem er ein Praktikum bei "Staples", einer Filialkette für Büromaterial, absolviert hatte, konnte er dort einen Ausbildungsplatz zum Einzelhandelskaufmann bekommen. Mittlerweile hat er nicht nur seine Probezeit überstanden, sondern hat sich bisher als engagierter und beliebter Mitarbeiter etabliert. In der Berufsschule kann er den Anschluss halten und hat vor allem sein Privatleben nach den beruflichen Anforderungen ausgerichtet. D. gibt seine Stärken im Bereich von "Gute Laune verbreiten" und "im Team arbeiten" an. In der Tat hat D. das Talent, die Big Point Gruppe zusammen zu halten. Er hat die Position eines "kleinen Chefs" unter den Jugendlichen neben dem Gruppenleiter Richard Krauß übernommen. Er versucht, demokratisch Entscheidungen herbeizuführen und gibt positive wie negative Kommentare zu Aktionen der Big Point Gruppe ab. Hat er sich für eine Sache entschieden, so übernimmt er teilweise die Verantwortung und versucht die gesamte Gruppe daran zu beteiligen. Hätten wir D. nicht auf unserer Seite gehabt, die Herausforderung anzunehmen, einmal um Hamburgs Stadtgrenze zu wandern, wäre es sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich gewesen, das Wanderprojekt mit der restlichen Big Point Gruppe durchzuführen. D. ist sehr neugierig darauf, was das Leben für ihn bereit hält. Er erhofft sich durch die Wanderung, neue Impulse für sein weiteres Leben zu erhalten und selbstbewusst Entscheidungen zu treffen.
4. Projektverlauf
Dieses Kapitel bildet den Hauptteil des Projektberichts, da es die Vorbereitung, den geplanten und tatsächlichen Projektverlauf sowie den Abschluss des Projekts eingehend dokumentiert. Dadurch, dass das Wanderprojekt statt des geforderten Mindestzeitraums von drei Tagen neun Tage umfasste und so eine Fülle von Informationen entstand, beschränke ich mich der besseren Lesbarkeit halber darauf, nachfolgend exemplarisch Ereignisse aufzuzeigen und näher darauf einzugehen.
4.1 Vorbereitung
Planungsschritte, Probewanderungen und ein Märchen
Die ersten Überlegungen zur Planung und Durchführung der Wanderung begannen schon im Februar dieses Jahres. Auf einer Wanderung im östlichen Teil Hamburgs besprachen Richard und ich die ersten Schritte eines gemeinsamen Wanderprojekts um Hamburgs Stadtgrenze als Abschluss seiner Big Point Gruppe und einigten uns auf den Projektnamen "Der Lauf des Lebens". Nachdem wir uns des Interesses der Jugendlichen gewiss waren, verabredeten wir für die Frühjahrsferien, mit fünf Jugendlichen eine erste Testwanderung über zwei Tage inklusive einer Übernachtung im Jugendclub Osdorf durchzuführen. Erste Fragen nach der Auswahl der Kleidung, der Verpflegung, der Unterkunft, der Körperhygiene und der Möglichkeit, unterwegs zur Toilette zu gehen, wurden geäußert. Wir gingen noch nicht auf die Details ein, sondern beruhigten die Jugendlichen mit den Worten, dass wir dafür schon Lösungen gemeinsam oder allein entwickeln würden. "Wenn wir das schaffen, dann schaffen wir alles" war ein Motto, das stattdessen ausgegeben wurde. Teilweise beantworteten die Jungen ihre Fragen auch alleine, in dem sie z.B. überlegten, tagsüber in Seen baden zu gehen oder eine Badeanstalt zu besuchen. Mitte März fand dann die zweitägige Wanderung statt, bei der die Jugendlichen relativ schnell an ihre Grenzen stießen. Bis zum Abend des ersten Tages hielten sie größtenteils gut mit und fielen abends müde in die Betten, was sie allerdings nicht davon abhielt, bis morgens um vier Uhr wach zu bleiben. Der nächste Tag gestaltete sich daraufhin viel schwieriger. Da wir uns im Stadtgebiet bewegten, hatten sie nicht nur mit ihrer Müdigkeit und dem früh einsetzenden Muskelkater, sondern auch mit der ständigen Versuchung, in die Bahn oder den Bus zu steigen, zu kämpfen. Mit viel Geschick und Überzeugungskraft bearbeiteten wir die Jugendlichen, so dass sie tatsächlich weiter wanderten und so die Einrichtung in St. Pauli erreichten. Nach einer Analyse der zwei vergangenen Tage und einem riesigen Lob an die Leistung der Jugendlichen, bekräftigten alle ihr Ziel, an der großen Wanderung um Hamburgs Grenzen im Sommer teilnehmen zu wollen. Insgesamt waren die Jugendlichen zufrieden mit dem, was sie erreicht hatten und waren überglücklich, wieder zuhause sein zu können. Sie sind unseretwegen gewandert und haben uns vertraut, dass diese Wanderung gut für ihre Entwicklung ist. Auch wenn sie noch nicht sehen konnten, was dieser "Gewaltmarsch" über 1,5 Tage für sie bedeutete, so empfanden sie diese Aktion als tolle Herausforderung, einmal zu zeigen, was in ihnen steckt und dass sie im Stande sind, etwas zu leisten. An diese Probewanderung, die die Schlüsselstelle für die weiteren Planungsschritte der Wanderung um Hamburg darstellte, schlossen sich noch zwei weitere Tagesmärsche in ausgewählten Hamburger Stadtteilen an. Die Gruppe der mitwandernden Jugendlichen lag jedes Mal bei sieben bis acht Personen, die hoch motiviert schwere Strapazen wie Wandern bei 33 Grad im Schatten oder bei schlechtem nasskalten Wetter auf sich nahmen und immer das Ziel vor Augen hatten, am "Lauf des Lebens" im Sommer teilzunehmen. Richard und ich trafen uns zu Beginn der Planungsphase im Februar alle drei Wochen und besprachen wichtige Einzelheiten miteinander. Seit Mai dieses Jahres verständigten wir uns fast wöchentlich über Details der Wanderung und verteilten einzelne Aufgaben untereinander. Wir beabsichtigten, während der Wanderung zusätzlich kooperative Abenteuerspiele in den Tagesablauf einfließen zu lassen, um die Stimmung aufzuhellen und die Gruppe enger zusammen zu bringen. Nur fehlte uns dazu noch eine zündende Idee, die Spiele gewinnbringend einzusetzen, ohne dass sie zu aufgesetzt wirkten. Hierbei kam uns ein weiterer Aspekt zu Hilfe. Wir hatten mit den Jugendlichen vereinbart, jeweils 50 Euro als Pfand einzusammeln, das uns als Planungssicherheit dienen sollte und hatten ihnen versprochen, dieses Pfand bei Beendigung der Wanderung inklusive weiterer 50 Euro - quasi als Belohnung - zurückzuzahlen. So verknüpften wir schließlich beide Vorhaben zu einer Geschichte, die uns einen Auftrag für die Wanderung um Hamburgs Stadtgrenze geben sollte:
"Wir sind als Team von der GWA St. Pauli Süd beauftragt worden, ein die Einwohner Hamburgs negativ beeinflussendes Magnetfeld auszuschalten, das sich in der Vergangenheit sukzessive über Hamburg gebildet hat. Dieses Magnetfeld verursacht negative Gedanken, verstärkt Mutlosigkeit, Angst, bringt Unglück und lässt die Menschen unfreundlich werden. Es ist ein schleichender Prozess, doch sind die Auswirkungen schon überall zu spüren. Da jedoch noch niemand diese Wanderung ohne Unterbrechung um Hamburgs Stadtgrenze unternommen hat, liegt nun die Hoffnung auf unserer Gruppe. Das Magnetfeld ist an acht Stationen auf dem Weg um Hamburg verstärkt. Unsere Aufgabe ist es nun, auf sämtlichen acht Stationen Missionen zu erfüllen, die dann das jeweilige verstärkte Magnetfeld vor Ort ausschalten werden. Die Energie, die dabei frei wird, konzentriert sich in einem Stein, der auf der Wanderung mitgeführt werden muss. Alle weiteren Steine, die wir von den anderen Stationen erhalten, werden in einer am letzten Tag stattfindenden Zeremonie gemeinsam verabschiedet und so das Magnetfeld in seiner Gänze aufgelöst und Hamburg von dem negativen Einfluss befreit. Als Belohnung stünden jedem Teilnehmer zusätzlich 50 Euro zur Verfügung, die zusammen mit dem Pfandgeld vom Auftraggeber ausgezahlt werden würden."
Diese Geschichte erzählten wir den Jugendlichen direkt vor dem Start unserer Wanderung mit dem doch erstaunlichen Effekt, dass sie uns alle vier Glauben schenkten und erst im Laufe des dritten Tages langsam hinterfragten, ob sich alles noch mit rechten Dingen zutragen würde. Es sei an dieser Stelle angefügt, dass nicht ausreichend geklärt worden ist, ob jemand am Ende der Wanderung noch an die Geschichte glaubte.
Einbeziehen der Jugendlichen, Notfallplan, Versicherung und Information
Seit März dieses Jahres wurden die Jugendlichen in 3-wöchigem Rhythmus in Vorbereitungstreffen auf die anstehende Wanderung vorbereitet und in die Planungen miteinbezogen. Im Metaplan gaben sie als Haupterwartung an, Ehrgeiz zu entwickeln, Ausdauer zu trainieren und Gewicht zu reduzieren. Ihre Befürchtungen konzentrierten sich im Wesentlichen darauf, Verletzungen erleiden oder krank zu werden, wodurch sie dann nicht mehr in der Lage wären, an der Wanderung teilzunehmen. Während Richard und ich pädagogische Ziele als Erwartungen formulierten, deckte sich der Punkt "Abbruch aus Verletzungsgründen" mit den Ängsten der Jugendlichen. Wir bestimmten einen Wanderrhythmus, der uns erlaubte, 1,5 Stunden ohne Unterbrechung zu wandern und anschließend eine 20-minütige Pause einzulegen. So kämen wir auf einen durchschnittlich zurückgelegten Weg von drei Kilometern pro Stunde, was bedeutete, dass wir täglich sechs bis acht Stunden unterwegs sein würden. Des Weiteren entwarfen wir gemeinsam eine Packliste und machten uns Gedanken über essentielle Materialien (Wanderschuhe, Schlafsäcke etc.), die wir noch besorgen mussten. Da wir uns um die Stadt herum bewegten und immer Kontakt zur Bevölkerung hätten, vereinbarten wir, wichtige Telefonnummern von Krankenhäusern, Ärzten und Familienangehörigen aufzulisten und jedem Teilnehmer auszuhändigen. Schlechtwetter bedeutete entweder, sich irgendwo unterzustellen oder seine Regensachen anzuziehen und weiter zu wandern. Wenn einzelne Teilnehmer nicht mehr weiter wandern wollten, konnten sie jederzeit das Projekt verlassen und mit der Bahn oder dem Bus nach Hause fahren. Zusätzlich bestimmten wir eine mobile Person, die sich außerhalb unserer Welt des Wanderprojekts bewegte, die wir in kleineren Notfällen kontaktieren konnten, um schnell Dinge für uns zu arrangieren. Im Hinblick auf die Frage nach der notwendigen Versicherung waren wir "auf der sicheren Seite", da das KIZ seit vielen Jahren eine Zusatzklausel über erlebnispädagogische Unternehmungen in die Betriebshaftpflichtversicherung hat einfügen lassen. So reichte ein Anruf bei unserem Sachverständigen der Versicherung aus, um Unklarheiten zu beseitigen. Weil die Teilnehmer volljährig waren, unterschrieben sie eine Einverständniserklärung, in der sie uns körperliche Erkrankungen oder Einschränkungen mitteilten, ihre Teilnahme an der Wanderung zusagten und uns erlaubten, Bilder und Filme von ihnen ohne Namensnennung und in wohlwollender Form zu verwenden. Die Eltern wurden im Rahmen der Gruppenarbeit von Big Point zwei Monate vor Projektbeginn telefonisch von dem Vorhaben der Wanderung um Hamburgs Stadtgrenze informiert und ihnen die Vorzüge dieser Wanderung für die weitere Entwicklung ihres Sohnes vorgestellt.
Von Unterkünften über Gastwanderer zur Filmarbeit
Nicht zuletzt durch die mit den Jugendlichen zusammen unternommenen Probewanderungen, sondern auch durch etliche Wanderungen, die Richard und ich unternahmen, um einzelne Passagen der geplanten Strecke schon im Vorwege "abzuwandern" und für den "Lauf des Lebens" zu bewerten, erhielten wir ausreichende Informationen über unsere Wandergeschwindigkeit, den Zeitpunkt der Müdigkeit und des Ess- und Trinkbedürfnisses. Anhand dieser Erfahrungen konnten wir acht Etappen rund um die Grenze Hamburgs bestimmen und so Standorte in den Bezirken ausfindig machen, welche uns eventuell mit einer Unterkunftsmöglichkeit auf dieser Wanderung unterstützen konnten. Hierzu setzten wir uns mit den dafür in Frage kommenden Einrichtungen in Verbindung, besuchten diese direkt vor Ort und klärten Besonderheiten mit der Einrichtungsleitung ab. Damit wir als Gruppe nicht ständig unter uns wären, luden wir Freunde, Bekannte und ArbeitskollegInnen zum "Lauf des Lebens" ein, mit uns gemeinsam eine oder mehrere Etappen der Tour zu wandern. Hiervon versprachen wir uns vorwiegend, dass die Jugendlichen Anerkennung ob der von ihnen absolvierten Strecke erführen, interessante Gesprächspartner träfen und in ihrem Willen, durchzuhalten weiter bestärkt werden würden. Dadurch, dass wir für unser Wanderprojekt warben, erhielten wir Kontakt zu einer Videoproduktion (Moving Adventures) unter der Leitung von Globetrotter TV, die uns ihre Videokamera für die Wanderung zur Verfügung stellte. Rechtzeitig vor Beginn der Wanderung erhielten die Jugendlichen von zwei Moving Adventures Mitarbeiterinnen eine Einführung in die richtige Handhabung der Kamera und waren fortan verantwortlich für die Aufnahme eines Videofilms während der Wanderung.
Finanzierung und Sponsorring
Obwohl wir das Wanderprojekt direkt vor den Toren Hamburgs durchführen wollten, wussten wir, dass die gesamte Finanzierung der Aktion nicht billig und nicht so einfach zu realisieren sein würde. Wir einigten uns relativ schnell mit beiden Vereinen darauf, die Kosten für Verpflegung, Preisgelder, Urkunden, Medaillen, Projektvorbereitungen und Honorargelder aufzuteilen. Der noch zu berücksichtigende große Posten der Ausrüstung schien ein schier unüberwindbares Hindernis zu sein. Die Jugendlichen besaßen im Grunde genommen keine Ausrüstung. Weder Regenkleidung noch Isomatten, ganz zu schweigen von Schlaf- und Rucksäcken, waren vorhanden. Durch die "Probewanderungen" wussten wir auch, dass wir die Jugendlichen mit Wanderschuhen und entsprechenden Socken ausstatten mussten, falls das Projekt ohne große Verletzungen verlaufen sollte. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns um Sponsoring zu bemühen. Da wir beide noch nicht viel Erfahrung in diesem Bereich hatten, stürzten wir uns voller Begeisterung in das Abenteuer und schrieben eine E-Mail an das Ausrüstungsunternehmen Globetrotter, das eine Filiale in Hamburg betreibt. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: man lehnte ein Komplettsponsoring ab, bot uns jedoch an, einen einmaligen Mengenrabatt auf sämtliche benötigte Produkte zu gewähren. Dieses Angebot lag nicht in unserem Interesse, da wir kein Geld mehr zur Verfügung hatten und so sendeten wir eine zweite E-Mail, mit der Bitte um ein persönliches Gespräch, in dem wir unser Projekt vorstellen wollten. Wir erhielten daraufhin einen Gesprächstermin und saßen schließlich zwei netten Damen, Gitta Knupper und Iris Tews, der Sponsoringabteilung Globetrotters, gegenüber. Dieses folgende, anderthalb Stunden dauernde Gespräch, gestaltete sich so nett und war von Enthusiasmus und großem Interesse für Jugendarbeit im Übergang zwischen Schule und Beruf und dem Wanderprojekt an sich gekennzeichnet, dass wir seit dem Tag nicht mehr über Geld mit Globetrotter reden mussten. Globetrotter finanzierte uns die gesamte Ausrüstung im Wert von 6000 Euro und unterstützte uns während der Wanderung mit T-Shirts, Socken und einem Abendessen am vierten Tag in Rahlstedt.
4.2 Geplanter Projektverlauf
Es ist in diesem Abschnitt darauf verzichtet worden, Ablaufpläne mit genauer zeitlicher Struktur für die neun Tage aufzuführen, da dieses Vorhaben den schriftlichen Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte. In den nachfolgenden Ausführungen wird daher auf die zeitliche Struktur im Allgemeinen, Aufgabenverteilungen, Materialeinsatz und Verantwortlichkeiten über die geplanten neun Tage näher eingegangen.
Zeitliche Struktur
In Kapitel 2.3 ist eine Tabelle aufgelistet worden, die unsere acht Unterkünfte darstellt. Die Entfernungen sämtlicher Etappen zueinander waren von uns so ausgewählt, dass wir täglich ungefähr 12 - 20 Kilometer zu bewältigen hatten, um die jeweils nächste Unterkunft zu erreichen. Eine Ausnahme bildete der dritte Tag, an dem wir eine Distanz von 24 Kilometern absolvieren mussten, um abends die rettende Einrichtung zu erreichen. Das bedeutete für jeden einzelnen Tagesablauf während der neun Tage, dass wir zwischen 7 Uhr und 8 Uhr morgens aufstehen mussten. Der Vormittag sollte sich dann derart gestalten, dass eine Gruppe Frühstück einkaufen und vorbereiten würde, dann gemeinsam gefrühstückt und Brötchen und Getränke für unterwegs vorbereitet würden, um dann anschließend die Sachen zu packen, zwischen 10.00 Uhr und 11.00 Uhr aufzubrechen und weiter zu wandern. Wir legten einen Wanderrhythmus über 90 Minuten wandern und einer 20 - 30-minütigen anschließenden Pause fest. Hatten wir die Einrichtung erreicht, was täglich nach 6 - 8 Stunden Wanderung der Fall sein sollte, wollten wir uns mit einem Dehn- und Stretchingprogramm wieder entspannen, ehe wir uns daran machten, die geplanten Missionen zu erfüllen. Die acht Missionen, die Hamburgs negatives Magnetfeld verändern sollten (siehe 4.1), setzten sich allesamt aus kooperativen Abenteuerspielen zusammen, die noch einmal Mitarbeit und Engagement der einzelnen Gruppenmitglieder abverlangte. Im Anschluss an die hoffentlich gelöste Mission und dem Erhalt des Steines, müssten, sofern wir einrichtungsintern nicht bekocht würden, Lebensmittel eingekauft und zubereitet werden. Nach dem gemeinsamen Abendessen stünde die restliche Zeit des Tages den einzelnen Gruppenmitgliedern zur freien Verfügung.
Aufgabenverteilungen, Materialeinsatz und Verantwortlichkeiten
Auf den "Probewanderungen" hatten wir festgestellt, dass die Jugendlichen Schwierigkeiten hatten, die Wanderkarten zu lesen und die Gruppe in die geplante Richtung zu führen. Bei geringen Wunden und kleinen Blasen an den Füßen, ließen sie sich nicht von vorher bestimmten "Medizinmännern" behandeln, sondern kamen zu Richard und mir, um sich verarzten zu lassen. Aufgrund dieser Erfahrungen bestimmten wir Richard zum "Erste-Hilfe Beauftragten", der sich vorwiegend um die Wiederherstellung des körperlichen Wohls der Jugendlichen kümmern sollte, während mir die Nahrungsbeschaffung und die Navigation an Hamburgs Grenze zufiel. Die Jugendlichen sollten sich in Versorgerteams einteilen und abwechselnd unter meiner Leitung für den Einkauf von Lebensmitteln und deren Verteilung zuständig sein. Andererseits sollten sie unter Richards Aufsicht dazu befähigt werden, sich gegenseitig bspw. Blasen an den Füßen zu verarzten und aufeinander aufzupassen. In einem weiteren Schritt wollten wir die Jugendlichen für die Navigation mit einem GPS-Gerät begeistern, das wir ebenfalls von Globetrotter für die Wanderung erhalten hatten. Wenn sie schon Schwierigkeiten hatten, die Wanderkarte richtig zu lesen, so sollten sie über die neueste Technik an die Verantwortung, die Gruppe zum richtigen Ort zu führen, herangeführt werden.
4.3 Tatsächlicher Projektverlauf
Im Folgenden werden nur exemplarisch Ereignisse vorgestellt, die während der neuntägigen Wanderung herausragend waren. Dadurch, dass wir so lange unterwegs gewesen sind, wäre eine minutiöse Auflistung der Programmabschnitte bzw. genaue Beschreibung jedes einzelnen Tages nicht nur viel zu lang für diesen Projektbericht, es bestünde auch die Gefahr, dass wichtige Ereignisse nicht als solche erkannt werden würden. Daher ist eine Auswahl getroffen worden, die nachstehend die wichtigsten Ereignisse und Erfahrungen während des "Laufs des Lebens" dokumentiert.
Die Wandergruppe und die Notwendigkeit der Teilnahme der Gastwanderer
Nachdem sich in den letzten beiden Wochen immer mehr herausstellte, dass E. (Einzug in die Bundeswehr), F. (Geburtstermin seiner Frau vorverlegt), G. (Eltern haben trotz Gesprächs mit uns den Flug in die Türkei nicht um 10 Tage verschoben) und H. (Bruder heiratet in der Türkei) nicht mehr an der Wanderung teilnehmen würden, erfahren wir am Tag vor dem Start der Wanderung, dass I. seit Freitagabend mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus liegt und ebenfalls nicht mehr mit uns wandern wird. So starten wir am Montagmorgen mit nur vier, jedoch hoch motivierten, Jugendlichen und drei Gastwanderern um 12.00 Uhr mit unserem "Lauf des Lebens". Während der Planungen für dieses Wanderprojekt bestimmten Richard und ich die Höchst- und Mindestgrenze der Teilnehmerzahl. Dabei einigten wir uns auf vier bis zehn Jugendliche, die von uns beiden unter Berücksichtigung aller notwendigen Sicherheitsaspekte auf dieser Wanderung betreut werden könnten. Dabei war klar, dass eine Person aufgrund der vielschichtigen Anforderungen an die jeweilige Betreuungsperson nicht in der Lage sein würde, dieses Projekt allein durchzuführen. Insofern hatten wir dann auch etwas Glück, dass am ersten Tag tatsächlich vier Jugendliche am Treffpunkt eintrafen und die Herausforderung der Wanderung annahmen.
Die Idee, Freunde, Bekannte und ArbeitskollegInnen beim "Lauf des Lebens" mitwandern zu lassen, erwies sich als genialer Schachzug. Die Jugendlichen erhielten nicht nur die für sie wichtige Anerkennung, sondern führten auch sehr interessante Gespräche, die ihren Erlebnishorizont maßgeblich erweiterten. Für uns waren die "Gastwanderer" eine große Hilfe, die gesamte Stimmung und Motivation in der Gruppe aufrecht zu erhalten. Es führte am vierten Tag sogar dazu, dass ohne die Hilfe von Hanna ("Gastwanderin", die in der Jugendfilmwerkstatt der GWA St. Pauli Süd arbeitet) die Wanderung höchstwahrscheinlich abgebrochen worden wäre. Hierzu ein Auszug aus dem Tagebuch der Wanderung:
"Zur Ausgangslage zu Beginn des vierten Tages ist zu sagen, dass wir mittlerweile über 50 Kilometer gewandert waren, der Körper mit Muskelkater und Verspannungen übersät war und fast alle Teilnehmer Probleme mit Blasen an den Zehen hatten. Die morgendliche Stimmung war gut und das Wetter schien endlich einmal den Regen fern zu halten. Auch die ersten Wanderkilometer verliefen ziemlich angenehm. A. entdeckte für sich, dass man statt ständig zu schimpfen, sich auch mit den Besuchern, in diesem Fall mit Hanna, unterhalten könnte. So war von ihm bis zum frühen Nachmittag kein Sterbenswörtchen mehr zu hören. Ich hatte nebenbei auch eine Wette mit ihm laufen, dass er es nicht schaffen würde, einmal anderthalb Stunden am Stück still zu sein und keine Beschwerden von sich zu geben. Der Verlierer müsste den anderen abends massieren. Um 13 Uhr vereinbarten wir, uns bei Mc Donalds, der auf der Strecke nach Rahlstedt liegen sollte, kurz einzudecken, ehe wir weiter wandern würden. Leider begann es eine halbe Stunde später dermaßen zu regnen, dass man die Hand vor Augen nicht sehen konnte. Wir waren stolz darauf, dass wir uns so schnell und vor allen Dingen rechtzeitig die Regensachen angezogen hatten. Nur hörte der Regen nicht auf! Es regnete fast drei Stunden in dieser Intensität, dass ich kaum die Karte herausholen konnte, wollte ich sie noch in einem Stück behalten. Ich beschränkte mich dann darauf, nur hin und wieder auf die Karte zu schauen und mir möglichst viel vom Weg einzuprägen. Dabei unterlief mir dann zwangsläufig ein Fehler, so dass wir einen Umweg von 4 Kilometern in Kauf nehmen mussten. Wir sind eine Gerade in der Länge von 2 Kilometern falsch entlang gegangen, so dass wir nach Feststellung des Fehlers die gesamte Gerade wieder zurück gehen mussten. Hier erwies sich Hanna als Retterin in der Not. Sie kümmerte sich ausgiebig um B., der erneut am Verzweifeln war und den Dauerregen nicht mehr ertragen konnte. Sie rauchte mit ihm eine Zigarette (der Zwei-Feuerzeuge Trick, bei dem das eine Gas besitzt und das andere nur den funktionierenden Feuerstein), überzeugte ihn aufopferungsvoll davon, nicht aufzugeben und kümmerte sich auch noch um A., der wieder angefangen hatte, mitten im Regen alle 100 Meter zu fragen, wann denn nun endlich Pause wäre. Richard und ich waren zu dem Zeitpunkt mit uns und unseren Aufgaben so beschäftigt, dass wir B. nicht davon hätten abbringen können, aufzugeben, zumal auch die anderen drei Teilnehmer begannen, die Nässe, den Tag und die Wanderung zu verfluchen. Der Regen prasselte drei Stunden dermaßen auf uns herab, dass wir völlig durchnässt gegen 17 Uhr endlich im Mc Donalds an der Barsbütteler Straße einfielen. Richard telefonierte dann mit Iris und Gitta (Globetrotter), die versprachen neben dem im vornherein vereinbarten Essen auch warme Sachen in Form von T-Shirts und Socken nach Rahlstedt mitzubringen. Die Stimmung war auf dem Nullpunkt. Jedoch erreichten wir zusammen mit Hannas Hilfe, dass sich alle Jugendlichen wieder aufrappelten und die Herausforderung, weiter zu wandern, erneut annahmen. So verbrachten wir eine Stunde in dem Restaurant, trockneten die Regensachen und warteten darauf, dass das Wetter besser wurde. Gegen 18.00 Uhr setzten wir unsere Wanderung zum Bauspielplatz nach Rahlstedt bei trockenem Wetter fort und kamen dort völlig müde um 19.30 Uhr an, wo Iris und Gitta schon mit warmen Sachen und dem Abendessen auf uns warteten".
Dieses Ereignis verschaffte uns allen noch eine weitere Erfahrung, die im Alltag von großer Bedeutung ist. Ganz nach dem Sinnspruch „Wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ machten wir als Gruppe die Erfahrung, dass wir auch solche ausweglos scheinenden Situationen gemeinsam bewältigen und wieder zurück in die Spur finden können.
Zeitstruktur, Aufgabenverteilung und Materialeinsatz
Die geplante Zeitstruktur hielten wir größtenteils ein und konnten bspw. die Weckzeit aufgrund unserer sukzessiven verbesserten täglichen Wandergeschwindigkeit gegen Ende der Wanderung um eine Stunde nach hinten verschieben. So konnten die Jugendlichen länger schlafen, waren leistungsfähiger und besser gelaunt unterwegs. Egal wie sehr die Jugendlichen manches Mal auch protestierten oder einfach weitergehen wollten, hielten wir unseren vorab festgelegten Wanderrhythmus von anderthalb Stunden wandern ein. Nur bei der Länge der eingelegten Pausen mussten wir Zugeständnisse machen. Statt der 20 - 30 Minuten pausierten wir des Öfteren 45 - 60 Minuten, was sich insbesondere während der letzten Tage der Wanderung manifestierte. Da wir jedoch schneller unterwegs waren als noch während der ersten Tage unserer Wanderung, störte dieses Entgegenkommen der verlängerten Pausen nicht unseren Zeitplan. Die Missionen, bestehend aus kooperativen Abenteuerspielen (siehe Kapitel 9), wurden von den Jugendlichen geliebt und auch eingefordert. Dabei erwies sich die Geschichte um das negative Magnetfeld als Ansporn, auch jede Station hiervon zu befreien. Es kam zweimal dazu, dass wir aufgrund verspäteter Ankunft in den jeweiligen Einrichtungen, keine Zeit mehr hatten, die Missionen am Abend zu lösen. Doch bevor wir am nächsten Tag zur neuen Station aufbrachen, war es für alle Teilnehmer selbstverständlich, dass das Magnetfeld der vergangenen Nacht durch das Lösen der Mission aufgelöst werden musste und der Stein in Gewahrsam genommen wurde. Die Missionen setzen sich aus folgenden kooperativen Abenteuerspielen zusammen: "17 + 4", „Gordischer Knoten“, "Ritual der Schamanen", "Lichtertransport", verschiedene Partnerübungen, Akrobatik, verschiedene Rätsel, Denksportaufgaben und der Kreation eines Landartgebildes.
Zur Aufgabenverteilung ist zu sagen, dass Richard seine Rolle als "Medizinmann" behielt, da die Jugendlichen, überwiegend von Fußblasen geplagt, von ihm "getaped" und versorgt werden wollten. Die Rolle des Kartenlesers und Führers an der Hamburger Stadtgrenze entlang wurde mir auch nur in geringem Maße von den Jugendlichen abgenommen. Während des vierten Tages vor dem großen stundenlangen Regen begannen die Jugendlichen, zaghaft die Verantwortung, kleine Passagen allein zu führen, zu übernehmen. Waren sie anfänglich froh, den richtigen Weg einzuschlagen, so verließ sie schnell der Mut und die Lust, sobald wir in die falsche Richtung gegangen waren. Dann übergaben sie mir wieder die Verantwortung und es dauerte einige Stunden bis sich jemand wieder zu mir gesellte und gemeinsam mit mir den Weg bestimmte. Zum Navigieren mit dem GPS-Gerät ist nur kurz zu erwähnen, dass die Batterien nicht in der Lage waren, 6 - 9 Stunden ununterbrochen aufzuzeichnen und wir daher nur Wegpunkte auf der Strecke bestimmten und abspeicherten, statt die gesamte zurückgelegte Strecke aufzuzeichnen, was die Jugendlichen nicht unbedingt dazu veranlasste, neugierig auf diese Art der Navigation zu werden.
Die Einteilung in Versorgerteams, welche für den Einkauf und die Verteilung der Nahrungsmittel zuständig waren, funktionierte in der Gruppe sehr gut. Nach jedem Frühstück bereitete jeder Teilnehmer seinen Proviant, bestehend aus "Unmengen" belegter Brötchen, Obst und Getränken, selbst zu, der im Laufe des Tages während der Pausen aufgebraucht wurde. Erleichternd kam uns die Gastfreundschaft der beteiligten Einrichtungen bzw. Unterkünfte am Abend zu Hilfe. An den acht Tagen mussten wir nur ein einziges Mal für uns selbst kochen, zweimal gingen wir essen und fünfmal wurde für uns gekocht.
Das Wetter und das Ende unseres Märchens
"Man soll sich in seinen Aktionen und Angeboten nicht vom Wetter abhängig machen". Das haben wir auch auf der Wanderung beherzigt - letzten Endes blieb uns gar nichts anderes übrig, da wir dem Wetter den gesamten Tag über ausgeliefert waren. Doch soll an dieser Stelle kurz über die Wetterverhältnisse berichtet werden, um den Gesamteindruck auf dieses Projekt zu vervollständigen und die Leistung der einzelnen Teilnehmer hervorzuheben. Vom ersten Tag an hatten wir mit mehreren täglichen, teils sehr kräftigen, Schauern, zurechtzukommen. Dabei entwickelten wir die Fähigkeit, relativ früh zu entscheiden, ob es sich für den folgenden Regenschauer lohnte, die Regensachen inklusive der Rucksackbedeckung zu benutzen oder im leichten Regen weiter zu wandern oder sich gar für einen Moment irgendwo unterzustellen. Das Procedere des An- und Ausziehens gelang dabei von Mal zu Mal immer besser und schneller, so dass es schließlich niemanden mehr so wirklich zu stören schien, wenn es wieder ungemütlich wurde. Nur der vierte Tag sei noch einmal erwähnt. Da regnete es drei Stunden dermaßen stark, dass wir weder die Karte lesen noch uns irgendwo unterstellen konnten und somit dem schlechten Wetter gänzlich ausgeliefert waren. Auch ohne die Tatsache, dass wir uns aufgrund des schlechten Wetters verliefen und einen vier Kilometer langen Umweg in Kauf nehmen mussten, rüttelte dieser heftige Regen an unseren Nerven und durchnässte uns binnen einer Stunde trotz qualitativ guter Regenausrüstung. Hätte es die folgenden Tage in der Form weiter geregnet, wäre spätestens am nächsten Abend die Wandertour um Hamburgs Stadtgrenze abgebrochen worden. Der sehr guten Stimmung in der Gruppe und der sukzessive eintretenden Wetterverbesserung (der letzte Regenschauer ergoss sich am siebten Tag über unsere Köpfe) ist es zu verdanken, dass uns das Wetter tatsächlich nichts anhaben konnte.
Das Ende unseres Märchens kündigte sich dann am letzten Wandertag am Falkensteiner Ufer an. Wir lösten die achte Mission mit Bravour und erreichten somit, dass sämtliche einzelne Magnetfeldverstärkungen um Hamburg gelöst waren. In einer Abschlusszeremonie, in der die acht Steine in einen Kreis gelegt wurden, in dessen Mitte ein Papier entzündet worden war, wurde, während das Papier verbrannte, eine Beschwörungsformel gesummt und damit veranlasst, dass sich das gesamte Magnetfeld über Hamburg auflöste. Die Jugendlichen bekamen daraufhin von offizieller Seite in Persona von Christine von der GWA St. Pauli Süd ihre 50 Euro Anzahlung wieder zurück plus einer Prämie von nochmals 50 Euro als Anerkennung für die Erledigung des Auftrags.
4.4 Abschluss
An den letzten beiden Tagen unserer Wanderung beschäftigten wir uns neben den zuvor beschriebenen täglich stattfindenden Tätigkeiten und Aktionen noch zusätzlich damit, dass wir am Abend der Zielankunft eine kleine Party ausrichten wollten. Hierzu nutzten wir unseren "Außenkontaktmann", Joseph, der sich um einen Grill, Grillzubehör und Essen kümmerte und diese Sachen am letzten Abend auf den Campingplatz an die Elbe brachte. Wir hatten die "Gastwanderer" und Freunde telefonisch eingeladen, diesem Fest beizuwohnen, Musikinstrumente mitzubringen und ebenfalls etwas zum Buffet beizutragen. Als wir dann am Spätnachmittag des finalen Wandertags, nachdem wir das negative Magnetfeld über Hamburg gänzlich ausgeschaltet hatten, noch etwas Zeit bis zum Beginn der abendlichen Feier hatten, begannen wir sogleich mit einer ersten Besprechung unserer Eindrücke und Gefühle der vergangenen acht Tage. Es war ein erster Versuch, das Erreichte gebührend zu würdigen. Dort vereinbarten wir auch, uns einen Tag nach Beendigung der Wanderung in den Gruppenräumen von Big Point zur abschließenden Reflexion zu treffen. Der Grillabend an der Elbe war ein totaler Erfolg und fügte sich nahtlos in die Erfolgsstory der Wanderung ein. Die Jugendlichen konnten sich im Laufe des Abends vor Lob und Anerkennung der Gäste nicht retten und wurden mehrfach durch Geschenke und Medaillen ausgezeichnet. Wir sangen am Lagerfeuer zu Gitarren- und Saz -Klängen, wobei sich besonders B. durch sein Saz-Gitarrenspiel hervortat und die Gäste und uns verzauberte.
Einen Tag nach Beendigung des "Laufs des Lebens" trafen wir uns dann mittags in den Gruppenräumen zur Reflexion der vergangenen Reise. Zuerst gaben alle ihre Rucksäcke, Regensachen und Schlafsäcke zurück. Anschließend sollte jeder Teilnehmer, Richard und ich eingeschlossen, über jeden anderen aus der Gruppe folgende Aussagen treffen:
Wie habe ich dich auf dieser Wanderung kennen gelernt?
Was hat mir gefallen?
Was wünsche ich mir für die Zukunft?
Was könnte beim nächsten Projekt mit der nächsten Gruppe anders gemacht werden?
Die Beantwortung der ersten drei Fragen war sehr von Respekt und Freundlichkeit geprägt. Wir alle wussten, was wir getan hatten und konnten teilweise unsere Erlebnisse in die Beantwortung der Fragen mit einbringen. Festzuhalten ist, dass alle auf die Beantwortung der Fragen konzentriert waren und einander zuhörten (sogar A. blieb ruhig und leistete produktive Beiträge), so dass ich das Gefühl hatte, dass wir im Laufe der vergangenen neun Tage zu einer kleinen Familie verschmolzen waren. Es hatte sich ein unsichtbares dickes Band zwischen uns gebildet, was uns alle sehr glücklich und zufrieden machte. Bei der Beantwortung der vierten Frage stellte sich heraus, dass die Jugendlichen absolut nicht wollten, dass ihre Nachfolger dasselbe Abschlussprojekt durchführen. Diese Wanderung sei allein ihr Erfolg und sollte für immer uns miteinander verbinden. Diese Leistung hat nur eine Gruppe vollbracht und stark gemacht! Man könnte höchstens eine 1½ tägige Wandertour durchführen, um der neuen Gruppe zu zeigen, wie anstrengend das Wandern sei und welche "Wahnsinnstat" diese Gruppe vollbracht hätte.
Für den 05. November dieses Jahres organisierten wir zusätzlich noch eine Veranstaltung, zu der alle Förderer, Unterstützer, Gastwanderer, Freunde, Kollegen und Interessierte eingeladen wurden, den Abschluss des Projekts stilvoll zu begehen. An diesem Tag haben Richard und ich noch einmal über die Erfahrungen und Erlebnisse auf der Wanderung berichtet und den auf der Wanderung entstandenen Film gezeigt. Die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, Fragen der Veranstaltungsteilnehmer zu beantworten und standen ein letztes Mal im Rahmen des "Laufs des Lebens" im Mittelpunkt des Interesses.
5. Nachbereitung
Im folgenden Kapitel sollen die direkten Auswirkungen des Projekts auf alle Beteiligten genauer erläutert werden. Heckmair/Mickl liefern mit ihrer Definition der Erlebnispädagogik die theoretische Basis für die Begründung der Notwendigkeit derart gestalteter Unternehmungen:
"Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten."
(Heckmair/Michl, 1998, Seite 48)
Dabei spielt der Transfer der erlebnispädagogischen Maßnahme in den Alltag der Jugendlichen eine große Rolle. Er findet hier entweder während der Wanderung anhand ähnlicher Strukturen oder nach der Aktivität mit Hilfe von Reflexionen statt. So soll ermöglicht werden, dass im Alltag auftauchende Situationen mit Erlebnissen im Projekt in Verbindung gebracht werden und damit auch neu gelernte Verhaltensweisen und Handlungen im Alltag zugänglich gemacht werden. So beschreibt auch Franke für die Notwendigkeit des Wanderns:
"Bezeichnend für das Langstreckenwandern ist das Denken an den nächsten Schritt. Auch hier können wir etwas für unseren Alltag lernen, z.B. Konzentration und bewusstes Erleben von Situationen und das Erledigen von Aufgaben Schritt für Schritt."
(Franke, 2003, Seite 9)
5.1 Veränderungen bei den beteiligten Jugendlichen
A. Z.
hat auf der Wanderung gelernt, was es bedeutet für sich und die Gruppe Verantwortung zu übernehmen. Er weiß, was er im Stande ist zu leisten, sofern er sich auf sein Ziel konzentriert. Darüber hinaus erfuhr A., dass er anderen durchaus eine Hilfe sein kann und ein wichtiges Mitglied der Gruppe gewesen ist. A. scheint mit mehr Elan an seine Ziele (Realschulabschluss, Erzieherausbildung, Boxkampf) heranzugehen als noch vor der Wanderung. Auch strahlt er neben einem spürbaren Gefühl des Stolzes auf das Erreichte ein gesteigertes Selbstbewusstsein aus und wirkt weniger unzufrieden.
B. Y.
hat seiner Meinung nach noch nichts in seinem Leben richtig hinbekommen. Sein Selbstbewusstsein ist im Zuge seiner vielen erlebten Enttäuschungen der vergangenen Jahre stark gesunken. Daraus hat er die Tendenz entwickelt, bei kleinsten Schwierigkeiten aufzugeben und die Ursachen selten bei sich zu suchen. So scheiterte er sowohl bei dem Versuch, den Hauptschulabschluss zu erreichen als auch bei seinen zahlreichen Versuchen, sich hinsichtlich eines Berufes weiterzubilden oder für eine längere Zeitperiode im beschäftigten Arbeitsverhältnis zu bleiben. Während der 2-jährigen Gruppenphase in Big Point deutete sich unter großen Mühen und mit viel Geschick seitens der Gruppenleitung erstmals eine kontinuierlichere Phase in seinem Leben an. B. hatte in der ersten Hälfte der neuntägigen Wandertour viele Situationen zu überstehen, in denen er unter "normalen" Umständen ohne die Hilfe der Gruppe aufgegeben hätte. Durch den ungeheuer engen Zusammenhalt der Teilnehmer untereinander, seinem Ehrgeiz und einer guten Portion Glück ist es B. gelungen, die Tour fortzusetzen und nach dem Erreichen des "Bergfestes" nach der Hälfte der Strecke mit immer besser werdender Laune die Gruppe in ihrem Bestreben, das Ziel zu erreichen, zu unterstützen. Folgende Aussage, die er auf der drittletzten Etappe äußerte, verdeutlicht seine Situation: "Schade, dass wir bald da sein werden, mir gefällt es gerade so gut! Ich mag das, weil wir uns alle so gut verstehen!" B. hat sich nach dem "Lauf des Lebens" bei seinem ehemaligen Arbeitgeber gemeldet und seinen Job als Paketzusteller bei DHL wieder aufgenommen. Er tritt viel selbstbewusster auf, was man auch schon am letzten Abend beim Saz-Gitarrenspiel beobachten konnte. Darüber hinaus ist er in letzter Zeit in auffallend guter Laune und versucht, viele Dinge aus eigenem Antrieb heraus zu bewältigen. B. ist vor allen Dingen sehr stolz darauf, die Wandertour bewältigt und nicht bei den ersten Schwierigkeiten gleich aufgegeben zu haben.
C. X.
hat die Tour aus körperlichen Gesichtspunkten als einziges Mitglied unserer Gruppe nahezu unbeschadet überstanden. Als schwergewichtigster Teilnehmer konnte er nur über zwei kleine Fußblasen berichten, die ihn nicht weiter bei der Wanderung behinderten. Sein Stolz und die Erkenntnis über seine Leistung spiegeln sich in einem Kommentar während der letzten Tage der Wanderung wider: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffen würde!“ und verdeutlichen seinen Ehrgeiz und Mut, als übergewichtiger Jungerwachsener die Herausforderung der Umwanderung der Hamburger Stadtgrenze angenommen zu haben. C. ist wie verwandelt von der Wanderung zurückgekehrt. War er vor der Wanderung eher lethargisch in seinem Bestreben, Dinge in seinem Leben anzugehen und zu verändern, so ist er momentan geradezu mit Begeisterung dabei, seine Ausbildung zum Energie- und Gebäudeelektriker voranzutreiben. Er macht täglich für mehrere Stunden Hausaufgaben, sagt Treffen mit Freunden zugunsten der Schule ab und ist in den Fächern Physik und Mathe zurzeit der Klassenbeste.
D. W.
hat die Wanderung dazu genutzt, neue Ideen und Vorstellungen kennen zu lernen und für sich zu nutzen. Er führte intensive Gespräche über Freundschaften, Arbeit und individuelle Lebensentwürfe. Er war sich von Beginn an sicher, dass er die Wandertour durchstehen würde. Nach eigenen Aussagen hat D. das Erlebte in dem Wunsch bestärkt, noch in diesem Jahr von zuhause auszuziehen und weiter danach zu streben, endlich auf eigenen Füßen zu stehen. D. hat die Wanderung ohne Zweifel zu noch mehr Selbstvertrauen geführt, Dinge in seinem Leben zu verändern und offener auf Menschen zuzugehen. Er nutzte die Gelegenheit mit den unterschiedlichen "Gastwanderern" in Kontakt zu kommen und sich Tipps und Anregungen einzuholen. Meiner Meinung nach ist D. am weitesten "fortgeschritten", in naher Zukunft für sich selbst und andere verantwortlich zu sorgen. Diese Selbstsicherheit strahlt er jetzt schon aus, wenn man sich mit ihm unterhält.
5.2 Reaktionen aus dem näheren Umfeld
Die Veränderungen der Jugendlichen waren offensichtlich und für alle wahrzunehmen, die im Alltag Kontakt zu ihnen haben. Das gesteigerte Selbstbewusstsein, das sich im Umgang mit Personen und in dem selbstsicheren Auftreten zeigte, sowie die Motivation, Dinge anzugehen, die vorher immer auf die lange Bank verschoben worden waren, ließ die Kollegen und Mitarbeiter aufhorchen und veranlasste sie, mehr über die Wanderung erfahren zu wollen. Kollegen aus dem Stadtteil erkundigten sich über das Wanderprojekt mit der Absicht, im nächsten Jahr gemeinsam mit mir eine ähnliche Aktion mit ihren Kindern und Jugendlichen durchzuführen. Freunde und Bekannte waren begeistert, dass wir solch ein Projekt geplant und die Strapazen auf uns genommen hatten, um den Jugendlichen solch ein schönes und unvergessliches Erlebnis zu vermitteln. Als weitere Reaktion darauf wurde des Öfteren der bedauernde Wunsch geäußert, dass sie so etwas auch gerne als Jugendliche gemacht hätten, nur niemand da gewesen sei, der so etwas angeboten hätte. Auf Seiten der Kollegen, Unterstützer und „Gastwanderer“ war nur Lob und Anerkennung ob unserer erzielten pädagogischen Ergebnisse und Erfahrungen zu vernehmen, die uns darüber hinaus wissen ließen, dass wir auch auf ihre zukünftige Hilfe bei ähnlich gestalteten Projekten zählen könnten. Zusätzlich erhielten wir viel Lob von unserem Sponsor Globetrotter, dem wir kurz nach Beendigung des Projekts in einem speziellen Treffen über unsere Erfahrungen berichteten. Die Anerkennung unserer Arbeit führte sogar soweit, dass Globetrotter zukünftig plant, mit uns weitere Projekte zu initiieren. Hierzu haben wir bereits einen ersten Kontakt mit einem ebenfalls von Globetrotter unterstützen Projekt, namens Euro-Viking unter der Leitung von Burghard Pieske, einem Weltumsegler, hergestellt. Die Fülle an positiven Reaktionen und Interesse veranlasste uns schließlich dazu, Anfang November dieses Jahres in einer Veranstaltung den "Lauf des Lebens" abschließend einem breiteren Publikum vorzustellen.
6. Reflexion
In diesem Kapitel werden besondere Erlebnisse und Ereignisse geschildert, die dazu beitrugen, dass das Erlebnispädagogikprojekt „Der Lauf des Lebens“ so erfolgreich verlaufen und abgeschlossen werden konnte. Während dieser neuntägigen Wanderung um Hamburgs Stadtgrenze machten alle Teilnehmer inklusive der zwei begleitenden Pädagogen viele nützliche Erfahrungen, die im Anschluss benannt werden.
6. 1 Besondere Erlebnisse und Ereignisse
Im Kurs "Anleitung zur Praxis" haben wir Grundprinzipien über die Pflichten und Aufgaben der pädagogischen Leitung erfahren. Neben der Fachlichkeit (Beherrschung der Sportart), der Fähigkeit, die Gruppendynamik einschätzen zu können und Normen zu geben, ist es wichtig, psychisch und physisch in der Lage zu sein, den Anforderungen des Projekts selbst gerecht zu werden, das heißt drei Level höher agieren zu können als die Klientel. Auf dieser Wanderung kamen sowohl Richard als auch ich an unsere psychischen wie physischen Grenzen. Dadurch, dass wir zu zweit agierten, war die Leitung zu keinem Zeitpunkt der Wanderung gefährdet. Trotz unseres täglich zunehmenden schlechter werdenden körperlichen und seelischen Zustands hielten Richard und ich das Niveau hoch, indem wir die Gruppe unterhielten, Essen und andere notwendige Dinge organisierten und vor allen Dingen die Missionen erfüllten. Wir wechselten uns quasi damit ab, eine kurzfristige "Auszeit" nehmen zu können, um unser jeweiliges Tief zu überwinden. Die Jugendlichen schienen das zu merken, nahmen Rücksicht auf uns und wussten, dass wir uns als Gruppe gegenseitig helfen mussten, um letztendlich das Ziel zu erreichen. Somit hatten wir durch unsere einzelnen Schwächephasen dafür gesorgt, dass die Gruppe noch enger zusammen rückte und die Jugendlichen neben der Entwicklung der Teamfähigkeit Eigenschaften wie Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Anteilnahme und Rücksichtnahme "en passant" ausbildeten - die wir besser nicht hätten vermitteln können.
An dieser Stelle sei auch noch einmal die Schlüsselstelle der Wanderung am vierten Tag erwähnt. Wie schon ausführlich in Kapitel 4.3 beschrieben, stellte die Überwindung dieser ausweglos erscheinenden Situation im strömenden Regen und dem vier Kilometer langen Umweg eine riesige Erfahrung für die gesamte Gruppe dar und schweißte uns alle noch mehr zusammen. Dadurch, dass wir es schafften, wieder Mut zu fassen und weiter zu gehen, wussten wir am Abend desselben Tages, dass wir alle von nun an die Wanderung bis zum Schluss durchhalten würden.
Ein weiterer Zwischenfall, der dazu führte, dass A. Z. über sich nachdachte, Einfühlungsvermögen entwickelte und Verantwortung gegenüber anderen aus der Gruppe aufbrachte, soll hier in Form eines Zitats aus dem Tagebuch der Wanderung Erwähnung finden:
"Gegen 16.00 Uhr verlassen mich erstmals nach fünf Tagen auf der Tour meine Kräfte und ich schleppe mich, nachdem D. die Führung übernommen hat, als Letzter der Gruppe hinterher. Ich habe das so auch noch nicht erlebt, dass ich aus diesem tiefen Tal der Kraftlosigkeit ganze drei Stunden bis zum heutigen Zielort zum Jugendtreff Duvenstedt nicht mehr herausgekommen bin. Zwischendurch kam A. Z. wieder mit Beschwerden zu mir und merkte aber an meiner Reaktion, dass ich mit mir selbst zu kämpfen hatte und ließ mich von da an mit seinen Nörgeleien in Ruhe. Im Gegenteil bemühte er sich sogar um mich, bot an, mir Gewicht abzunehmen oder sprach mir Trost zu, dass wir ja bald in der Unterkunft seien. Meine größte Angst indes bei dieser kleinen Krise war jedoch, dass ich aufgrund meines dick geschwollenen Knies die Wanderung aufgeben müsste, um dringend einen Arzt zu konsultieren."
A. merkte plötzlich, dass wir Pädagogen auch keine Übermenschen sind, ebenfalls Blasen an den Füßen hatten und dieselben Hochs und Tiefs durchliefen wie die Jugendlichen selbst. Der einzige Unterschied bestand lediglich darin, dass wir nicht nörgelten oder jemandem anderen die Schuld dafür gaben. Seit dem fünften Tag hatte ich fortan auch den Eindruck, dass die Jugendlichen gerade nachmittags, wenn Richard, der von riesigen großen und schmerzenden Blasen an den Füßen übersät war und ich sehr mit uns selbst beschäftigt waren, für eine gewisse Zeit motivierter schienen als wir.
Um den unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Unterkünften und dem damit immer wieder aufs Neue verbundenen Aspekt, sich täglich darauf einzustellen, gerecht werden zu können, bestanden die Jugendlichen darauf, eine Rangliste der Einrichtungen zu erstellen. Sie wollten damit sowohl ihrer Frustration als auch Freude über bestimmte Unterkünfte zum Ausdruck bringen. Diese Rangliste kann ebenfalls im 9. Kapitel eingesehen werden.
6. 2 Erkenntnisse und Erfahrungen
Unsere gesteckten pädagogischen Ziele und Erwartungen sind nicht nur erfüllt, sondern bei weitem übertroffen worden. Da die vier Jugendlichen die Wanderung beendet haben, kann man ihnen großes Durchhaltevermögen, Widerstandskraft und Hartnäckigkeit attestieren. Sie demonstrierten mit ihrer Teilnahme nicht nur die Fähigkeit, sich auf unbekannte Situationen einzulassen und eigene Grenzen auszutesten, sondern begannen allmählich auch, sich selbst und der Gruppe gegenüber Verantwortung zu übernehmen. Diese erworbenen Attribute sollen an einem Beispiel verdeutlicht werden. Am dritten Tag übernachteten wir in einem besetzten Haus in Bergedorf. Die Betreiber dieses Hauses gestalten das Haus als Veranstaltungszentrum für die Region seit über 30 Jahren und setzen sich aus Aktivisten der linken Szene (u.a. linke Skins und Punks) zusammen. Alles in allem leben sie in einer Welt, die unseren vier Jugendlichen fern war. Als wir am Abend des dritten Tages am Haus ankamen, waren wir sofort Gesprächsthema. Die verantwortlichen Personen im besetzten Haus hatten uns total vergessen, obwohl wir drei Wochen vorher alles Notwendige vor Ort besprochen hatten. Aber aus dieser Not machten die Betreiber des Hauses eine Tugend und kauften schnell noch ein paar Grillsachen ein, grillten für uns und gesellten sich zu uns. Die Jugendlichen haben sich interessiert unterhalten, hatten die Möglichkeit, einen anderen Lebensstil Gleichaltriger kennen zu lernen und konnten sich vor Interesse und Neugier der anderen nicht retten. Sie mussten sogar nachts die Betreiber des Hauses aus ihrem Schlafraum hinaus bitten, um gegen 1 Uhr endlich schlafen gehen zu dürfen, da der nächste Tag ihrer Meinung nach wieder hart werden würde. Hier zeigten die Jugendlichen Verantwortung sich und der Gruppe gegenüber. Wollte man das Ziel, einmal um Hamburg zu wandern, erreichen, so musste man auch genügend Schlaf und Ruhe bekommen, um fit in den nächsten Tag zu gehen.
Indem man zu Fuß in der Natur unterwegs ist, macht man die Erfahrung, dass man Entfernungen aus eigener Kraft zurücklegen kann. Ein Vorteil dieser erlebnispädagogischen Maßnahme ist, dass man die Ausrüstung minimal halten kann. Doch in unserem Fall, in dem wir erstmalig wandernd unterwegs waren, waren wir darauf angewiesen, mindestens einen Sponsoren zu gewinnen, um die immensen Anschaffungskosten der notwendigen Ausrüstung für die Jugendlichen leisten zu können. Weitere Exkursionen können wir dank Globetrotter nun günstiger anbieten und durchführen, da wir, bis auf das Schuhwerk und die Wandersocken, einen Fundus der Wandersachen anlegen konnten und die Materialien wieder verwenden können. Zusätzlich hatten wir in der Sponsoringabteilung, in Persona von Iris Tews und Gitta Knupper, zwei kompetente, liebenswerte und einsatzfreudige Damen im Boot, die uns besonders am chaotischen vierten Tag im strömenden Regen mit Essen, Getränken und spontan organisierten trockenen T-Shirts und Wandersocken versorgt haben.
Indem wir unseren Zeitplan, der so konstruiert war, dass er Zeitverzögerungen durch unvorhergesehene Ereignisse kompensieren konnte, weitestgehend einhalten konnten, erreichten wir unsere täglich gesteckten Ziele bzw. Unterkünfte problemlos. Dieses war jedoch nur durch den ständig beibehaltenen festen Rahmen und der immer gleichen täglichen Routine geschuldet, die von allen Teilnehmern akzeptiert wurde. Hinzu kam die Tatsache, dass wir durch die gemeinsam erlittenen Schmerzen, die sich ständig abwechselnden Hochs und Tiefs bei allen Teilnehmern und die besonderen gemeinsamen Erlebnisse uns immer fester zu einer gut funktionierenden Gruppe verwandelten. Die Gruppendynamik war gegen Ende der Wanderung so gut, dass es beim Abschied nach neun Tagen schon ein wenig sentimentaler wurde, als sich die Gruppe wieder trennte.
Ebenfalls ist das Konzept der "Gastwanderer" an dieser Stelle noch einmal zu erwähnen, das schon im Kapitel 4.3 berücksichtigt worden ist. Die Teilnahme der erwachsenen "Gastwanderer" sorgte dafür, dass Richard und ich ob unserer täglichen Verpflichtungen und Aufgaben für die Gruppe entlastet wurden. Die Jugendlichen erhielten frischen Wind durch andere Wandersleute, auf die sie sich neu einlassen konnten und erweiterten im Handumdrehen ihren persönlichen Handlungsspielraum, indem sie teilweise intensive Gespräche mit den Erwachsenen führen konnten. Darüber hinaus beeindruckte die "Gastwanderer" unsere Leistung sehr, da sie schon nach einem Tag sehr erschöpft waren und leichte Blessuren am eigenen Körper vernahmen. Dadurch, dass sie diese Erkenntnis uns gegenüber auch äußerten, wurden die Jugendlichen weiter angespornt, mit Stolz geschwellter Brust weiter zu wandern.
Das Wandern ist das ideale Medium, um in relativ kurzer Zeit Veränderungen und Erfolge bei den Teilnehmern zu verwirklichen. Sofern eine Grundausstattung an Wanderschuhen, Rucksäcken, Regenbekleidung und Schlafsäcken vorhanden ist, kann man sogar von einer kostengünstigen Maßnahme sprechen, da ja der zur Verfügung gestellte Raum, die Landschaft und Natur, umsonst zu haben sind. Die Tätigkeit des Wanderns fordert keine besonders hohe Konzentration und auch motorische Voraussetzungen sind als eher gering zu erachten. Die verbrachte Zeit beim Wandern, das langsame Tempo, zwingt die Teilnehmer regelrecht dazu, sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Hierbei werden entweder einfachen Gedanken nachgehangen oder Gefühle und Stimmungen durchlebt, die durchaus nicht immer angenehm sind. Die Wanderung regt die Reflexion von Geschehenem und Erlebtem an und eröffnet damit neue Sichtweisen bei den Betroffenen. "Der Weg ist das Ziel" gewinnt bei Langstreckenwanderungen eine zentrale Bedeutung. Die Erfahrungen, die auf dem Weg zum Ziel gemacht wurden und nicht das Ziel an sich, werden in der Reflexion behandelt und in den Alltag der Teilnehmer transferiert. Perschke/Flosdorf konstatieren hierzu:
"Bergwandern/Trekking wird als erlebnispädagogisches Handlungsfeld eher unterschätzt. (…) Nicht nur das Ziel und das Ankommen stehen im Focus, sondern das, was der Weg an Herausforderungen und Aufgaben bietet. Somit kann der begangene Weg auch zur Metapher für die verschiedenen Lebenswege werden."
(Perschke/Flosdorf, 2003, Seite 63)
Auf der Wanderung müssen Bewältigungsstrategien von jedem Teilnehmer erfunden und angewandt werden, um das Ziel zu erreichen bzw. die Herausforderung zu meistern. Diese Bewältigungsversuche entsprechen Strategien, die auch im Alltagsleben zur Lösung von Problemen angewandt werden können. Wir sind davon überzeugt, dass die Jugendlichen und nicht nur sie, sondern auch die beteiligten Pädagogen, dieses Ereignis nicht mehr vergessen und noch lange davon erzählen werden.
Abschließend ist für die Durchführung weiterer erlebnispädagogischer Maßnahmen dieser Art hervorzuheben, dass man ähnlich wie bei der Tour de France so genannte Ruhetage einführen muss. Bei einer Wanderung in diesem geschilderten Ausmaß müssen zukünftig zwei Tage eingerichtet werden, an denen man sich von den Strapazen der Wanderung erholt und völlig andere Dinge anbietet und durchführt. Man könnte beispielsweise gemeinsam schwimmen gehen, eine Veranstaltung besuchen und ein nettes 3-Gänge-Menü am Abend zubereiten, um seinen Körper wieder zu regenerieren. Diese "Ruhetage" könnte man am vierten und achten Tag der dann elftägigen Wandertour um Hamburgs Stadtgrenze einführen.
7. Öffentlichkeitsarbeit
Drei Wochen vor Beginn der Wanderung wurde die Presse über unser Projekt informiert. Unsere Hoffnung, auf Interesse zu stoßen, lag im "Sommerloch" begründet, nämlich dass wir aufgrund fehlender Sensationsmeldungen für einen Artikel in der Zeitung oder einen Bericht im Radio berücksichtigt werden würden. Ich führte Telefonate und schrieb E-Mails an Zeitungen und Fernsehen des Hamburger Umfeldes wie z.B. Hamburger Abendblatt, Hamburger Morgenpost (MOPO), Hinz und Kunzt, NDR und Hamburg1 und musste feststellen, dass die Wege innerhalb der Pressewelt sehr verschlungen und weit sind, wenn man keine Sensationen anzubieten hat. Erst einmal suggerierten alle angesprochenen Institutionen Interesse, doch niemand meldete sich zwecks Terminvereinbarung zurück. Daher versendete ich an sämtliche Adressen eine zweite E-Mail einen Tag vor Beginn der Wanderung. Hierin bekräftigte ich noch einmal die Notwendigkeit unserer Aktion mit dem Hinweis auf eine mögliche Berichterstattung während des „Sommerlochs“ in den jeweiligen Medien. Während des fünften Wandertages rief mich eine Mitarbeiterin der Redaktion des Hamburger Abendblattes an und teilte mir entschuldigend mit, dass sie den Termin der Wanderung völlig vergessen hätte und ihre Redaktion nun doch nicht mehr an einer Berichterstattung interessiert sei. Am achten Tag, dem Tag, der den Kreis um Hamburgs Stadtgrenze schließen sollte, meldete sich die Redaktion der MOPO bei mir und wollte über unsere Aktion berichten. Wir vereinbarten, uns um die Mittagszeit an unserem Ausgangspunkt zum Start der letzten Etappe zu treffen. Gegen Mittag kamen ein Kameramann und ein Reporter vorbei, interviewten die Jugendlichen und uns und machten ein Foto. Zunächst wollte uns der Reporter auf der Etappe begleiten, ließ dann aber mit der Begründung, dass die Jugendlichen ihm ausreichend Informationen gegeben hätten, von dem Vorhaben ab und verschwand ebenso schnell wie er erschienen war. Am nächsten Morgen konnten wir uns auf der gesamten Seite 12 inklusive eines Fotos in der MOPO bewundern und waren schon auf dem Campingplatz das Gespräch des Morgens. Auf der anschließenden Tageswanderung zurück nach St. Pauli sind die Jugendlichen öfters von Freunden, Verwandten und Bekannten angerufen und auf den Artikel angesprochen worden. Alles in allem kann ich sagen, dass der Artikel in der MOPO zur rechten Zeit erschienen ist, den Jugendlichen die vollbrachte Leistung noch einmal aufzeigte und sie stolz machte und so dem Wanderprojekt noch zu einem krönenden Abschluss verholfen hat. Dabei ist es ganz unerheblich, welche Zeitung oder welcher Sender sich für uns interessierte. Ich wollte nur erreichen, dass in irgendeiner Form über die Wanderung berichtet werden würde, damit die Jugendlichen in ihren Bewerbungen auf diese Berichterstattung zurückgreifen könnten, um sich so aus der Masse an Bewerbern für eine Lehrstelle oder einen Beruf hervorzuheben.
8. Literaturverzeichnis
Blume, Michael: Akrobatik. Mit Kindern & Jugendlichen. Meyer & Meyer Verlag, 8. Auflage, Aachen 2007
Brämer, Rainer: Profilstudie Wandern ´08. Internetrecherche wanderforschung.de, Lohra 2009
Franke, Claudia: Wandern als erlebnispädagogische Maßnahme. GRIN Verlag, München und Ravensburg 2003
Gilsdorf, Rüdiger & Kistner, Günter: Kooperative Abenteuerspiele 1. Kallmeyer Verlag, 15. Auflage, Seelze 2006
Gilsdorf, Rüdiger & Kistner, Günter: Kooperative Abenteuerspiele 2. Kallmeyer Verlag, 5. Auflage, Seelze 2006
Perschke, Hubert & Flosdorf, Peter: Sicherheitsstandards in der Erlebnispädagogik. Juventa Verlag, Weinheim und München 2003
Reiners, Annette: Praktische Erlebnispädagogik 1. Ziel Verlag, 8. überarbeitete Auflage, Augsburg 2007
Reiners, Annette: Praktische Erlebnispädagogik 2. Ziel Verlag, 2. überarbeitete Auflage, Augsburg 2007
Internetrecherche: http://de.wikipedia.org/wiki/Saz
9. Anhang
Im Folgenden sind die Informationsmaterialien und Unterlagen, die die Planung und Durchführung des Projekts anschaulicher machen, dem Bericht beigefügt worden. Hierbei handelt es sich um Dokumente nachfolgenden Inhalts:
Kosten- und Finanzierungsplan zu Planungsbeginn
Tatsächlicher Kosten- und Finanzierungsplan
Globetrotter Bedarfsliste
E-Mail Korrespondenz mit Globetrotter
Pressemitteilung zum "Lauf des Lebens"
Metaplan
Einverständniserklärung zum "Lauf des Lebens"
Packliste "Der Lauf des Lebens"
Bewertung der Unterkünfte
Kooperative Abenteuerspiele in Form von Mission 1 – Mission 8
MOPO Zeitungsartikel
Einladung zur Abschlussveranstaltung
Kosten- und Finanzierungsplan zu Planungsbeginn
1. Kosten geplant
1.1 Personalkosten: 3 x 8 Stunden Honorarkraft 11,00 €/Std. = 264,00 €
1.2 Unterkunft: 12 Personen 8 Tage 13,00 €/Nacht = 1248,00 €
1.3 Verpflegung: 12 Personen 9 Tage 11,00 €/Tag = 1188,00 €
1.4 Ausrüstung: Siehe Bedarfsliste = 5439,25 €
1.5 Sachmittel: Preisgelder, Urkunden, Reisevorbereitung = 1500,00 €
Gesamtkosten 9639,25 €
2. Finanzierung geplant
2.1 Eigenmittel der Trägers (mind. 25 %):
2.1.1 Teilnehmerbeiträge 50,00 €/Person 10 Personen = 500,00 €
2.1.2 Personal = 264,00 €
Unterkunft = 1248,00 €
Verpflegung = 1188,00 €
Sachmittel = 1000,00 €
2.1 Summe Eigenmittel = 4200,00 €
2.2 Sonstige Zuschüsse
2.2.1 Verfügungsfonds Wohlwillstraße geplant = 1000,00 €
2.2 Summe Sonstige Zuschüsse = 1000,00 €
2.3 Erbetener Globetrotter Zuschuss = 4439,25 €
3. Gesamtfinanzierung
Gesamtaufstellung geplant / Anteil in % Summe geplant
Gesamtkosten (1.): 9639,25 € / 100,00 %
Eigenmittel (2.1): 4200,00 € / 43,57 %
Sonstige Zuschüsse (2.2): 1000,00 € / 10,37 %
Summe 2.1 + 2.2: 5200,00 €
Erbetener Globetrotter Zuschuss: 4439,25 € / 46,06 %
Hamburg, 07.05.2009 (Richard Krauss) (Erik Worthmann)
Tatsächlicher Kosten- und Finanzierungsplan
1. Kosten geplant
1.1 Personalkosten: 3 x 8 Stunden Honorarkraft 11,00 €/Std. = 0,00 €
1.2 Unterkunft: 6 Personen 8 Tage = 0,00 €
1.3 Verpflegung: 6 Personen 9 Tage = 700,00 €
1.4 Ausrüstung: Siehe Bedarfsliste = 5636,40 €
1.5 Sachmittel: Preisgelder, Urkunden, Reisevorbereitung = 450,00 €
Gesamtkosten = 6786,40 €
2. Finanzierung
2.1 Eigenmittel der Trägers (mind. 25 %):
2.1.1 Teilnehmerbeiträge 50,00 € / Person 4 Personen = 200,00 €
2.1.2 Personal = 0,00 €
Unterkunft = 0,00 €
Verpflegung = 700,00 €
Sachmittel = 250,00 €
2.1 Summe Eigenmittel = 1150,00 €
2.2 Sonstige Zuschüsse
2.2.1 Verfügungsfonds Wohlwillstraße = 0,00 €
2.2 Summe Sonstige Zuschüsse = 0,00 €
2.3 Globetrotter Zuschuss = 6786,40 €
3. Gesamtfinanzierung
Gesamtaufstellung Ausgaben / Anteil in % Summe
Gesamtkosten (1.): 6786,40 € / 100,00 %
Eigenmittel (2.1): 1150,00 € / 16,95 %
Sonstige Zuschüsse (2.2): 0,00 € / 0,00 %
Summe 2.1 + 2.2:1150,00 €
Globetrotter Zuschuss: 5636,40 € / 83,05 %
E-Mail Korrespondenz mit Globetrotter
Sehr geehrte Frau Tews,
sehr geehrte Frau Knupper,
Globetrotter unterstützt Kiezjugendliche dabei, einer besseren Zukunft entgegenzulaufen.
Ein Wanderprojekt mit benachteiligten Jugendlichen aus St. Pauli.
So jedenfalls stellen wir uns die Schlagzeile im Hamburger Abendblatt vor.
Wir, das sind Erik Worthmann und Richard Krauß, zwei Sozialarbeiter aus St. Pauli. Vom 20. - 28.07.2009 wollen wir mit 8 männlichen Jugendlichen an den Stadtgrenzen entlang knapp 200 Kilometer rund um Hamburg wandern. Die Jugendlichen stammen aus dem sozialen Brennpunkt St. Pauli. Die Familien der Jungs sind durch Armut und Migrationshintergrund stark problembelastet und ihre berufliche Perspektive ist deshalb entsprechend negativ. Um ihre Situation zu verbessern sind sie Teilnehmer im Jugendprojekt "Big Point", der Stadtteilsozial und -kultureinrichtung GWA St. Pauli. Nach anderthalb Jahren Sozial- und Berufstraining planen wir jetzt unser großes Abschlussprojekt, den "Lauf des Lebens".
Mit dieser Reise wollen wir die Jugendlichen und uns vor eine große Herausforderung stellen. Nach dem Motto "wenn wir das schaffen, dann schaffen wir alles", können die Jugendlichen bei dieser außergewöhnlichen Wanderung ihr Durchhaltevermögen, ihre Widerstandskraft und ihre Hartnäckigkeit auf die Probe stellen. Alle, die nach 9 Tagen das Ziel erreichen werden zu Recht stolz auf sich sein, denn sie haben ein hohes Maß an Frustrationstoleranz und Teamfähigkeit bewiesen. Die Jugendlichen wissen anschließend, was sie zu leisten im Stande sind und verbessern mit so einer Leistung maßgeblich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Bei einem zweitägigen Trainingswandern über 35 km haben wir festgestellt, dass die Jungs in der Lage sind Krisen zu überwinden und körperliche Schmerzen auszuhalten. Alle sind die Strecke in ihrem Straßenoutfit gegangen. Bei der Überbeanspruchung ihrer Straßenschuhe wurde deutlich, dass wir um ein Mindestmaß an Ausrüstung nicht herum kommen. Für eine erfolgreiche Wanderschaft brauchen die Jungs Wanderschuhe. Beim weiteren Überdenken der Ausrüstungsgegenstände ist uns klar geworden, dass wir ohne Sponsor das Projekt nicht verwirklichen können.
Für uns war es nahe liegend, uns gleich an den größten und bekanntesten Outdoorausrüster zu wenden. Unsere Frage lautet: Ist es für Sie reizvoll unser Projekt zu unterstützen? Denn es macht nur Sinn, wenn beide Seiten von dieser Zusammenarbeit profitieren. Wie die Jugendlichen profitieren haben wir schon geschildert, doch was hat Globetrotter davon?
- Globetrotter engagiert sich für ein erfolgreiches Projekt mit sozial benachteiligten Jugendlichen.
- Berichterstattung im Hamburger Abendblatt.
Das Hamburger Abendblatt hat vor einem Jahr bereits mehrmals und ganzseitig über unser Projekt berichtet, im Zusammenhang mit der einjährigen Müllsammelaktion "Dreck Attack". Auch im Fernsehen (ZDF Drehscheibe und Sat 1 "17:30") ist über unser Projekt berichtet worden. Auch diesmal sind wir zuversichtlich, dass das Abendblatt über unsere Wanderung berichtet. Zusätzlich bieten wir Ihren Mitarbeitern ein professionelles Teamtraining zum Thema: Kooperative Abenteuerspiele und Stadtspiele.
Wir hoffen nun Ihr Interesse geweckt zu haben und freuen uns auf Ihre Rückmeldung.
Herzliche Grüße
Erik Worthmann und Richard Krauß
Weitere Informationen über das Jugendprojekt unter: www.koelibri.de oder www.jugendarbeit-hamburg.de Stichwort: Jugendprojekt "Big Point"
Sehr geehrter Herr Krauß und Herr Worthmann,
vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an unserem Unternehmen und unseren Produkten. Jede Spendenanfrage werten wir als Ausdruck von Vertrauen in unser Unternehmen und unserer Arbeit.
Zahlreiche Projekte und Veranstaltung finden mit unserer Unterstützung statt, und neben den Zielen, die damit verfolgt und erreicht werden, freuen wir uns natürlich auch an der großen Resonanz.
Wir freuen uns dass Sie an eine Kooperation mit uns gedacht haben. Ihr Projekt "Der Lauf des Lebens" klingt wirklich nach einem spannenden Abenteuer und will sicherlich gut vorbereitet sein, professionelle Ausrüstung ist da unabdingbar.
Ein Komplettsponsoring ist nicht möglich, doch gerne möchten wir Sie unterstützen und wenn Sie Artikel aus unserem Sortiment benötigen, möchten wir Ihnen einen einmaligen Mengenrabatt anbieten, der natürlich abhängig ist vom gesamten Bestellwert. Gerne können Sie mir per E-Mail Ihre Bedarfsliste (bitte inkl. Artikelnummer und Artikelbezeichnung) dann zusenden.
Dazu benötigen wir dann auch eine genaue Anschrift.
Vielleicht ist es Ihnen ja auch möglich eine Spendenbescheinigung auszustellen.
Ich freue mich dann auf Ihre Rückmeldung und werde Ihnen dann schnellst möglich ein gutes Angebot zukommen lassen. Über eine Nennung bzw. ein Link auf Ihrer Homepage würden wir uns dann natürlich sehr freuen.
Für weitere Fragen stehen wir Ihnen natürlich auch gerne weiterhin zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Gitta Knupper
Globetrotter Ausrüstung
Sponsoring & Spenden
Betreff: Der Lauf des Lebens
Liebe Frau Knupper.
Vielen Dank für Ihre schnelle und positive Antwort. Und vor allem auch, danke für Ihr Interesse an unserem Projekt. Sie haben bestimmt viele Sponsoringanfragen von anderen tollen Ideen einzusehen und zu beantworten.
Wir werden in den nächsten Wochen eine Liste zusammenstellen und uns dann wieder bei Ihnen melden. Eine Spendenbescheinigung und das Verlinken auf der Homepage sind selbstverständlich. Wir werden uns ebenfalls in den nächsten Wochen beim Abendblatt und beim ZDF melden.
Ob wir dort etwas erreichen, werden wir Ihnen berichten.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Mit freundlichen Grüßen
Erik Worthmann und Richard Krauß
Pressemitteilung zum "Lauf des Lebens"
Wir gehen mit den Jugendlichen einer besseren Zukunft entgegen!
"Der Lauf des Lebens" - Ein Wanderprojekt mit benachteiligten Jugendlichen aus St. Pauli
Wir, das sind Richard Krauß und Erik Worthmann, zwei Sozialarbeiter aus St. Pauli, werden vom 20. – 28.07.2009 mit 5 männlichen Kiez-Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 23 Jahren an der Stadtgrenze entlang knapp 200 Kilometer rund um Hamburg wandern.
Die Jugendlichen stammen aus dem sozialen Brennpunkt St. Paulis. Die Familien der Jungs sind durch Armut und Migrationshintergrund stark problembelastet und ihre berufliche Perspektive ist deshalb entsprechend negativ.
Mit dieser Wanderung wollen wir die Jugendlichen und uns vor eine große Herausforderung stellen. Nach dem Motto "wenn wir das schaffen, dann schaffen wir alles", können die Jugendlichen bei dieser außergewöhnlichen Wanderung ihr Durchhaltevermögen, ihre Widerstandskraft und ihre Hartnäckigkeit auf die Probe stellen. Alle, die nach 8 Tagen das Ziel erreichen, werden zu Recht stolz auf sich sein, denn sie haben ein hohes Maß an Frustrationstoleranz und Teamfähigkeit bewiesen. Neben dieser Selbsterfahrung verfolgen wir auch das Ziel, den Jugendlichen soziale Kompetenzen (soft skills) zu vermitteln oder sie zu verbessern, indem wir während der Wanderung besonderen Wert auf Verantwortung, Verlässlichkeit, Respekt und Rücksichtnahme legen. Die Jugendlichen wissen am Ende des Projekts, was sie zu leisten im Stande sind und verbessern mit so einer Leistung maßgeblich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kriterien der Arbeitgeber wie bspw. die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, auf sein gewohntes Umfeld zu verzichten werden damit gleichwohl abgedeckt wie die Voraussetzung von Durchhaltevermögen und die Fähigkeit zur Teamarbeit.
Da so ein Projekt auch von der richtigen Ausrüstung abhängt, haben wir Globetrotter für unser Projekt gewinnen können. Globetrotter stattet die Jugendlichen von Wanderschuhen über Schlafsäcke bis hin zu Rucksäcken komplett aus und ermöglicht uns damit, auf einer professionellen Grundlage mit der Wanderung zu beginnen.
Unsere 8 Wanderstationen, bei denen wir in Kinder- und Jugendeinrichtungen, in Kulturhäusern, auf einem Bauspielplatz und einem Campingplatz übernachten werden, sehen wie folgt aus:
20.07.09 Von Cranz nach Hausbruch
21.07.09 Von Hausbruch nach Meckelfeld
22.07.09 Von Meckelfeld nach Bergedorf
23.07.09 Von Bergedorf nach Rahlstedt
24.07.09 Von Rahlstedt nach Duvenstedt
25.07.09 Von Duvenstedt nach Winterhude
26.07.09 Von Winterhude nach Osdorf
27.07.09 Von Osdorf nach Wittenbergen
28.07.09 Tour d´Honneur von Wittenbergen nach St. Pauli
Einverständniserklärung zum "Lauf des Lebens"
Erklärung zum Projekt "Der Lauf des Lebens"
Vor.- u. Nachname:
Geb. Datum:
Adresse:
Telefon:
Krankenversichert bei:
in Notfällen ist zu informieren:
Name, Adresse und Telefonnummer des Hausarztes:
Ich kann schwimmen: JA / NEIN (Zutreffendes bitte umkreisen!)
Ich willige hiermit ein, dass ich am erlebnispädagogischen Projekt "Der Lauf des Lebens" vom 20.07.09 – 29.07.09 teilnehmen werde.
Ort, Datum Unterschrift
Weiter bin ich damit einverstanden, dass ich während der Maßnahme fotografiert und gefilmt werden darf. Ebenso bin ich damit einverstanden, dass diese Bilder in den Medien, der Fachpresse sowie zur Öffentlichkeitsarbeit der beiden Vereine KIZ e.V. und GWA St. Pauli-Süd e.V. ohne Namensnennung und in wohlwollender Form verwendet werden dürfen.
Ort, Datum Unterschrift
Ich bestätige, dass ich an keinerlei körperlichen Krankheiten oder Einschränkungen leide, welche die Teilnahme an dieser Wanderung beeinträchtigen oder meine Gesundheit gefährden könnte.
Wenn Nein, welche?
Ort, Datum Unterschrift
Diese Veranstaltung steht unter der Aufsicht von Gruppenleitern, sie erfordert jedoch durchweg wegen der evtl. eintretenden Gefährdung eine erhöhte Selbstverantwortung und Selbstdisziplin der Teilnehmer.
Den Weisungen der Aufsichtsführenden habe ich nachzukommen. Ich bin mir bewusst, dass ein schuldhaftes Verhalten meinerseits eine Haftung seitens des KIZ und der GWA St. Pauli-Süd ausschließen kann. Kurzfristige Veränderungen an meinem Gesundheitszustand werde ich sofort mitteilen. Abweichungen von vorstehenden Punkten und Besonderheiten (z.B. Einnahme von Medikamenten, Vermeidung von bestimmten Lebensmitteln etc.) bitte den Betreuern schriftlich, beispielsweise auf der Rückseite dieser Erklärung, mitteilen.
Packliste "Der Lauf des Lebens" erstellt am 26.05.09:
1 Badehose
1 Handtuch (klein)
2 Paar Wandersocken
4 T-Shirts
4 Unterhosen
1 lange Hose
1 kurze Hose
1 Fleece
1 Basecap
1 Sonnenbrille
Sandalen oder Flip-Flops
1 Regenjacke
1 Regenhose
Wanderschuhe
1 Schlafsack
Zahnpasta/Zahnbürste
Sonnencreme
Duschgel
Taschentücher o. Klopapier
Persönliche Sachen wie spezielle Medikamente, Kontaktlinsen und Ähnliches selbst einpacken.
Abschlussprojekt der Ausbildung Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
Der Lauf des Lebens
Ein neuntägiges Wanderprojekt
um die Stadtgrenze Hamburgs mit Jugendlichen aus St. Pauli
Erlebnispädagogisches Projekt von Erik Worthmann





