Andreas Bangert
Abschlussprojekt der Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Robin Hoods Schergen auf den Spuren von König Löwenherz"
Erlebnispädagogisches Projekt von Andras Bangert
29. Mai bis 01. Juni 2009
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung /Beschreibung der Einrichtung
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund / Idee
2.2 allgemeine Zielsetzung
2.3 Art der Unternehmung
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
4.1.1 Planungsphasen
4.2 geplanter Projektverlauf
4.3 tatsächlicher Projektverlauf
5. Nachbereitung
5.1 Beobachtungen zu den einzelnen Teilnehmern
5.2 Reaktionen der Einrichtung vor und nach dem Projekt
5.3 Reaktionen auf Verhaltensänderungen in den anderen Abteilungen
6. Reflexion
6.1 Besondere Ereignisse
6.2 Erkenntnisse / Erfahrungen
7. Öffentlichkeitsarbeit
8. Literaturverzeichnis
1. Einleitung /Beschreibung der Einrichtung
Ich arbeite in der sozialpädagogischen Abteilung des CJD Jugenddorfs – Berufsbildungswerk – gemeinnützige GmbH, im Folgenden kurz CJD oder Jugenddorf genannt. In unserer Einrichtung erhalten körper-, lern- und psychisch behinderte junge Menschen die Chance eine Berufsausbildung zu machen, die ihren besonderen Bedürfnissen gerecht wird.
Insgesamt absolvieren derzeit ca. 500 junge Menschen im Alter von 16 bis ca. 26 Jahren eine Ausbildung in Homburg. Etwa 300 sind im Internat untergebracht. Seit zwei Jahren werden außerdem zwei Jugendhilfegruppen betreut. Die medizinische Abteilung hat sich verstärkt den Krankheitsbildern ADHS und Adipositas verschrieben, wo verschiedene, besondere Maßnahmen durchgeführt werden. In den letzten Jahren erweitert sich das CJD und stellt sich auf weitere Standbeine. Inzwischen wurde das Bildungszentrum gegründet, das sich mit Nachmittagsbetreuung an Schulen, mit der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen sowie der Unterstützung junger Arbeitsloser unter 25 Jahren beschäftigt. Weiter befindet sich derzeit das "Aquital" im Aufbau. Ein Zentrum für alle Altersgruppen für Fitness und Sport.
2. Erlebnispädagogisches Konzept
2.1 pädagogischer Hintergrund / Idee
Wie oben bereits erwähnt, arbeite ich im sozialpädagogischen Bereich, des CJDs im Internat. Zu meinen Aufgaben gehört es unter vielem anderen, die Freizeitgestaltung der Auszubildenden zu unterstützen und eine Freizeitgruppe und Projekte anzubieten. Im Zuge dieser Arbeit bietet das CJD viel Spielraum eigene Interessen mit in die Arbeit einzubringen und somit die Chance die jungen Menschen mit dem eigenen Engagement mitzureißen.
Es liegt also nahe, mein erlebnispädagogisches Abschlussprojekt mit Jugendlichen meines Wohnhofs durchzuführen. Zwei Kollegen führen bereits seit Jahren Wanderfreizeiten in den Vogesen durch, die gerne besucht werden. Da nicht ganz eine Stunde von Homburg der Pfälzer Wald liegt, der wunderschöne Wanderwege und durch die hohe Anzahl von Burgen und Burgruinen eine landschaftlich hohe Attraktivität besitzt, bietet sich die terrestrische Navigation an zu meinem Thema zu werden. Weitere Inhalte werden kooperative Spiele und Zeltlagerleben sein. Aufgrund der vielen Burgen im Pfälzer Wald und insbesondere der historischen Tatsache, dass der Trifels bei Annweiler um das Jahr 1000 n. Chr. die wichtigste Burg des Kaiserreichs war, wo sogar König Richard I. während seiner Gefangenschaft einige Monate verbracht hat, liegt es nahe diese Thematik mit meinen Inhalten zu verknüpfen. Die Geschichte von Robin Hood und der Befreiung König Richards sind den Teilnehmern aus verschiedenen Filmen und Erzählungen bekannt und werden immer wieder gerne gesehen und gehört. Damit nenne ich mein Thema, daran anlehnend, "Robin Hoods Schergen auf den Spuren von König Richard Löwenherz".
2.2 allgemeine Zielsetzung
• Soziale Ängste überwinden
• "auf sich selbst gestellt sein" erleben
• Das Gefühl „gebraucht zu werden“ erleben
Darüber hinaus werden allen Teilnehmern Möglichkeiten geboten, folgende Erfahrungen zu machen:
• Anführerpositionen übernehmen
• Organisieren
• Verantwortungen übernehmen
• Eine Gruppe werden, in der einer für den anderen da ist und Hilfe angeboten wird
2.3 Art der Unternehmung
Der Zeitpunkt für die Freizeit wird das Pfingstwochenende sein (29.05. – 01.06.09). Freitags werden wir losfahren und unser Lager aufschlagen. Samstag und Sonntag werden von Wanderungen und spielerischen Aktionen geprägt sein. Montags folgen abschließende Spiele, die Abschlussreflexion sowie der Abbau des Lagers und ein kleiner Stadtbummel durch die Universitätsstadt Landau in der Pfalz. Unser Zeltplatz wird das Ferienzentrum Campingplatz Neudahn nahe der Kleinstadt Dahn sein.
3. Zielgruppe
3.1 Gruppenzusammensetzung
Als Gruppe habe ich schon einige Zeit bestimmte Auszubildende im Sinn, die mir im Alltag leider eher entgehen. Dies sind die sehr introvertierten, sehr stillen jungen Männer, die sehr unauffällig in Wohnhof sind und gerade dadurch auffallen, dass sie eben nicht auffallen. Sie gehen in alltäglichen Treiben unter, wo die extrovertierten Jugendlichen die Aufmerksamkeit von uns Erziehern stark einfordern und teilweise entsprechend schwieriger zu handhaben sind. Mir fällt immer stärker auf, dass ich den Introvertierten dadurch nicht gut gerecht werden kann und nehme dies zum Anlass ihnen diese Freizeit anzubieten. Für mich selbst hat dies den Vorteil, dass ich die jungen Menschen deutlich besser kennen lernen kann als im Alltag und vor allem, dass es mir möglich ist, ihnen meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit entgegenzubringen. In meinem Wohnhof kommen hierfür mehrere Auszubildende gruppenübergreifend in Frage. Allen ist gemein, dass sie ein eher schlechtes Selbstbild und wenig Selbstvertrauen haben. Mein primäres Ziel soll damit sein, ihnen in diesem Bereich die Möglichkeit zu positiven Erfahrungen und Erfahrungen zu geben und so ihr emotionales Gerüst zu stärken.
Sechs junge Männer im Alter zwischen 18 und 26 Jahren haben mir letztendlich zugesagt, dass sie mitfahren möchten. Alle bewohnen ein Zimmer im Wohnhof, wo ich arbeite, allerdings auf zwei verschiedenen Gruppen. Alle haben, laut Aktenlage und aus meinen Beobachtungen heraus, ähnliche Problematiken, die im Folgenden näher erläutert werden.
Mathias (20):
Mathias äußeres Erscheinungsbild ist schlank und schlaksig. Er trägt eine Brille, da er eine 50%ige Sehschwäche hat. Im CJD macht er eine Ausbildung zum Blumen- und Zierpflanzer und befindet sich im dritten Ausbildungsjahr kurz vor seiner Abschlussprüfung. Mathias hat eine starke Lernbehinderung. Er begreift und arbeitet sehr langsam. Weiter sind Konzentrations- und Durchhaltevermögen vermindert und ebenso seine Frustrationstoleranz. Er neigt dazu sich zu überschätzen und möchte gern erwachsen sein. Leider muss er immer wieder erleben, dass oft seine kognitiven und sozialen Fähigkeiten dazu nicht ausreichen. Bei Mathias wurde Epilepsie diagnostiziert, die sehr gut medikamentös eingestellt ist, wodurch er seit Jahren anfallsfrei ist. Ich kenne Mathias seit seinem ersten Tag im Jugenddorf. Er war schon immer sehr zurückhaltend, hatte große Schwierigkeiten soziale Kontakte zu knüpfen und Probleme "Nein" zu sagen. Erst im letzten Jahr hat er es geschafft, einige Ängste zu überwinden und sich vermehrt in die Gesellschaft anderer zu begeben.
Er macht gerne Dauerlauf am Wochenende mit seinem Vater und nimmt mit diesem auch an kleinen Laufveranstaltungen teil. Dennoch ist er in seinem Umgang mit Menschen und besonders in neuen Situationen stark gehemmt und sehr unsicher. Insgesamt traut er sich wenig zu. Darum hat es mich sehr gefreut, dass er an dieser Freizeit teilnehmen wollte.
Für diese Freizeit erhoffe ich mir für Mathias, dass er die Möglichkeit der kleinen Gruppe und ihrer Zusammensetzung nutzt, um sich zu öffnen, was seine sozialen Kontakte angeht. Ebenso erhoffe ich mir, dass Mathias die Chance ergreift mit Anderen zusammen die Sonntagsstrecke ohne Betreuer zu laufen, was ich allerdings, wegen meiner bisherigen Erfahrungen mit ihm, eigentlich nicht erwarte.
Christoph (20):
Christoph wirkt schwerfällig und träge auf den ersten Blick. Er macht bei uns eine Ausbildung zur Bürokraft und befindet sich im ersten Ausbildungsjahr.
Christoph hat eine vielschichtige Behinderung. Zu ihr gehören:
• Chronisch schizophrene Psychose
• Herzrhythmusstörung
• Feinmotorische Störung
• Adipositas
• und eine Lernbehinderung
Wegen der beiden erstgenannten Diagnosen nimmt Christoph sehr starke Medikamente, die ihn nach der Einnahme stark ermüden lassen. Wegen seiner Psychose befindet er sich in psychologischer Behandlung im CJD. Bei einer Krise in diesem Bereich hat er mich zu seinem Ansprechpartner erwählt. Mit seinem Psychologen hat er einen Krisenplan ausgearbeitet, was zu tun ist, wenn er beispielsweise wieder Stimmen hört, die nicht existieren. Aufgrund seines Krankheitsbildes ist Christoph in sozialen Kontakten stark gehemmt und auch seine Selbsteinschätzung fällt eher negativ aus.
Christoph freut sich auf die Teilnahme, weil er da etwas anderes sehen kann als den üblichen Alltag. Für Christoph erhoffe ich mir, dass er die Chance ergreift zu Anderen Kontakte aufzubauen und sich verbal mehr äußert.
Ich wünsche mir für ihn, dass er es schafft große Teile der Strecke zu Fuß zu bewältigen. Christoph wird mit Sicherheit konditionelle Schwierigkeiten bekommen, aufgrund seiner Behinderung und seiner allgemeinen körperlichen Verfassung. Insbesondere für ihn habe ich geplant einen PKW auf der Strecke geparkt zu haben, um erstens Christoph entlasten zu können und die anderen nicht wegen Christoph aufzuhalten, was sicherlich zu unnötigen Konflikten führen würde, was meinen Zielen für diese Freizeit abträglich wäre. Gerade für Christophs Seelenleben wäre das sehr abträglich, weswegen ich diesen Grund für Konflikte bewusst eliminieren möchte.
Kai (18):
Kai fällt insbesondere durch seine Körpergröße von 2,05m auf. Er hat dadurch sehr große Hebel und bewegt sich sehr ungelenk und schlaksig. Kai hat eine Lernbehinderung und macht eine Ausbildung zum Metallzerspahner. Er befindet sich im ersten Ausbildungsjahr. Insgesamt ist er ein sehr zurückgezogener Mensch, der gerne in Ruhe gelassen werden will.
Es gibt allerdings auch Themen, wo Kai eine ganz andere Seite zeigen kann, beispielsweise Fußball. Kai liebt diesen Sport und seinen 1. FC Köln. Ebenso spielt er auch leidenschaftlich gerne, kann allerdings seinen großen Körper nur sehr schwer adäquat bewegen, so dass er hier mit vielen Nachteilen und persönlichen Misserfolgen zu kämpfen hat. Kai ist leichter zu begeistern als die beiden oben beschriebenen und lässt sich schneller auf neue Sachen ein, wo es ihn erstaunlicherweise recht leicht fällt mit anfänglichen Misserfolgen umzugehen. Kai sagte mir, dass er schon immer mal mit Karte und Kompass wandern wollte, es aber bisher noch nicht die Gelegenheit dazu gab. Insgesamt ist Kai kontaktfreudiger als die beiden Erstgenannten und kommt auch mehr aus sich heraus. Er hat meist Schwierigkeiten sich neue Dinge zuzutrauen und Angst Fehler zu machen. Zwar gibt er sich nach außen voller Selbstvertrauen, in entsprechenden Situationen aber sind seine Defizite deutlich zu erkennen, was ihn dann selbst ärgert und er sich wünscht, es wäre anders.
Bei Kai erwarte ich eigentlich, dass er viel Freude an dieser Freizeit haben wird, da das Geplante genau in sein Interessensgebiet fällt. Ebenso sollte ihm die Gruppenzusammensetzung entgegenkommen, da alle ähnliche Schwächen haben und sie sich so in den anderen Teilnehmern wiederfinden können. Für mich wird es spannend zu sehen sein, ob Kai sich eher der Gruppe anschließen wird oder die Absicherung in meiner Nähe sucht für den Fall, dass er Fehler macht. Ich erhoffe mir für ihn, dass er Vertrauen in seine Fähigkeiten erwirbt und so vielleicht Dinge tut, die er vorher für sich ausgeschlossen hätte.
Julian (18):
Julian ist ein sehr sportlicher junger Mann, dem in letzter Zeit das Schicksal nicht sehr hold war. Vor ein paar Monaten verstarb sehr überraschend sein Vater, was Julian in ein tiefes, emotionales Loch stürzte. Kurz zuvor war die Familie umgezogen, wobei Julian viele Freunde in seinem Heimatort zurücklassen musste. Julian hat eine Lernbehinderung und ist wegen immer wieder auftretender depressiver Phasen in psychologischer Behandlung. Die Phasen hatte er bereits vor diesen schicksalhaften Ereignissen. Im CJD macht er eine Ausbildung zum Werker im Garten- und Landschaftsbau. Julian spricht in Gesprächen selbst oft eigene Unsicherheiten an, aber auch Wünsche, Träume und Ziele, die er sich gesteckt hat. Insgesamt ist er eher ein junger Mann, der auf andere zugehen kann und inzwischen gelernt hat sich seinen Ängsten zu stellen. Dennoch muss er sich in einigen Sachen immer wieder überwinden. Inzwischen hat er aber auch ein bisschen Spaß daran gefunden, seine Ängste zu bekämpfen und durch positive Erlebnisse etwas Selbstsicherheit getankt, was sich sicher noch ausbauen lässt.
Julians Wunsch ist es zur Bundeswehr zu gehen und so war er sehr begeistert und interessiert, als er hörte, dass er lernen würde mit Karte und Kompass umzugehen.
Julian zähle ich für diese Gruppe neben Oliver und möglicherweise Hakan zu den potentiellen Anführern. Er ist zwar, wie Hakan, ein extrovertierer Typ, der aber immer wieder mit seinen Depressionen und seinem Selbstwertgefühl zu kämpfen hat. Dennoch besteht für ihn die Möglichkeit, sich durch sein Interesse an der Thematik und seinen Tatendrang in eine Anführerposition zu heben, da sich vier von diesen sechs Teilnehmern sicherlich eher passiv verhalten werden. Dies wünsche ich mir für ihn, da es für sein Ego eine große Bereicherung bedeuten könnte.
Hakan (18):
Hakan ist einer der wenigen Auszubildenen im Jugenddorf, die einen Migrationshintergrund haben. Diese Tatsache stellt allerdings für ihn keine Benachteiligung dar. Er ist voll in den Wohnhof, seine Ausbildungsgruppe sowie in das gesamte Jugenddorf integriert. Dennoch stellt er in dieser Gruppe insofern eine Besonderheit dar, da er als Einziger nicht so ganz in meine Zielgruppe passt. Hakan ist für einen anderen Jugendlichen nachgerückt, der mir relativ kurz vor Beginn der Freizeit abgesagt hat und außer Hakan niemand so kurzfristig mitfahren wollte. Er stieß kurz vor der ersten Vorbesprechung zu der Gruppe. Hakan ist ein recht aufgeschlossener junger Mann, der manchmal etwas impulsiv reagiert und durch sein Verhalten oft nach Aufmerksamkeit verlangt. Allerdings ist er durchaus in der Lage sich in eine Gruppe einzufügen.
Wie alle anderen hat Hakan Schwierigkeiten mit seinem Selbstwertgefühl und seinem Selbstvertrauen. Er zeigt dies nur anders. Während sich die anderen zurückziehen, versucht er seine Unsicherheiten zu überspielen oder von ihnen abzulenken.
Für ihn soll diese Freizeit eine Herausforderung sein. Hakan hat die Chance durch die Wanderungen und den Umgang mit Karte Kompass erfahren, dass er sehr wohl über einige Fähigkeiten verfügt und sogar in der Lage ist anderen zu helfen. Durch seine eher extrovertierte Art ist es ihm vielleicht sogar möglich andere mitzureißen und zu motivieren. Auch dies könnte ihm ein Stück Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl bringen.
Oliver (25):
Oliver ist der älteste und intelligenteste Teilnehmer dieser Gruppe. In seiner Laufbahn erwarb er sogar die Fachhochschulreife. Ins Jugenddorf kam er aufgrund einer psychischen Behinderung mit Zwangsgedanken und verstärktem sozialem Rückzug. Im CJD absolviert er die Ausbildung zum Metallbauer und ist deutlich Klassenbester. Inzwischen ist er im 2. Ausbildungsjahr. Wie bei allen anderen ist sein großes Problem das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen. Oliver möchte alles zu perfekt machen. Er erlebt sich selbst als nicht ausreichend gut und dies frustriert ihn.
In dieser Freizeit erwarte und erhoffe ich, dass er in die Rolle des Anführers gedrängt wird und sich hier als kompetent erleben kann, was im hoffentlich ein gutes Stück Selbstvertrauen gibt. Die Fähigkeit dazu hätte er allemal.
4. Projektverlauf
4.1 Vorbereitung
Wie bereits vorgestellt, soll es in dieser Freizeit um Wandern in Verbindung mit dem Umgang von Karte und Kompass gehen. Dies wird unterstützt durch kooperative Spiele und das Lagerleben mit Zelten, Grillen usw. Die großen Vorteile dabei sind, dass alle Teilnehmer diese Aufgaben mit wenig Materialaufwand bewältigen können und ich mich, da ich aus dieser Gegend stamme, sehr gut auskenne und mich auch ohne Hilfsmittel orientieren kann. Weiter verfüge ich über viele Kontakte, die sehr schnell erreichbar sind und auch ohne vorherige Absprachen zur Hilfe eilen könnten, falls eine Notlage entstünde. Das erlebnispädagogische Medium liegt mir selbst sehr gut. Immer wieder, wenn es die Zeit zulässt, unternehme ich mit meiner ehemaligen Studienkollegin Esther im Pfälzer Wald längere Wanderungen durch die attraktive Landschaft. Mit Aktivitäten die sich außerhalb des Alltags im Jugenddorf bewegen, sind unsere Azubis immer gut zu erreichen. Hausintern werden über das ganze Jahr verteilt vielfältige Veranstaltungen angeboten, die in der Regel völlig ausgebucht sind. Dazu gehören unter anderem die musischen Festtage, Wanderfreizeiten, Erlebnisporttage, u.v.m. Die gemeinschaftlichen Unternehmungen und das nicht alltägliche Setting die Ausbilder, Lehrer und Erzieher in ungezwungener Atmosphäre zu erleben, hat für unsere Jugendlichen einen großen Reiz und verbessert die Zusammenarbeit im Alltag.
Mein Projekt soll 3 ½ Tage, mit 3 Übernachtungen dauern. Dabei zelten wir auf dem Campingplatz "Neudahner Weiher" im Schatten der Burgruine Neudahn im Pfälzer Wald. Verpflegen werden wir uns selbst, was bedeutet, dass wir das "Rohmaterial" aus unserer Küche dabei haben und uns dort das Essen gemeinschaftlich selbst zubereiten. Es wird sowohl gekocht als auch gegrillt.
Um die Freizeit möglichst attraktiv und kurzweilig zu gestalten, werden die Teilnehmer immer wieder vor verschiedene Aufgaben gestellt, die sie kooperativ lösen müssen. Dazu gehört der Zeltaufbau. Keiner in der Gruppe hat bisher ein großes 8-Mann Zelt aufgebaut und dies auch noch ohne Anleitung. Dies wird bei Ankunft gleich die erste Herausforderung sein.
Weiter sind folgende Spiele geplant:
• Lautloser Kampf
• Murmelreise
• Platzwechsel
• Geräusche erkennen
• Stockreise
• Den richtigen Weg finden mittels Karte und Kompass
• Was hat sich verändert?
• Was habe ich unterwegs gesehen?
Als weitere besondere Events werden wir 4 Burgen besuchen bzw. besichtigen (Burg Neudahn, Burg Drachenfels, Burg Berwartstein und die ehemalige Kaiserburg Trifels). Desweiteren werden auf den Wanderungen immer wieder auf Anhöhen wunderschöne Ausblicke in die Täler des Pfälzer Waldes und die Rheinebene möglich sein.
Die Gründe für diese Freizeit, die geplanten Spiele und Aktionen finden sich stark in den Bedürfnissen und den individuellen Geschichten und Behinderungen der Teilnehmer. Sie sollen durch die kooperativen Spiele erkennen, dass sie ungeahntes Potential in sich und auch in der Gruppe wecken können. Sie sollen erleben, dass sie gemeinsam Dinge bewerkstelligen können, die zu Beginn für sie unmöglich schienen. Als Beispiele sind hier der Zeltaufbau ohne Hilfe von außen zu nennen oder das Bewältigen einer großen Strecke zu Fuß in einer völlig fremden Gegend und dabei durch die Belastung ihren Körper richtig spüren, ihn neu erleben. Sie sollen beispielsweise beim "lautlosen Kampf" erkennen, dass sie bessere Körpereigenschaften haben, als sie geahnt hatten (Anschleichen, Ablenken, Ausweichen, leise sein, genaues Hören und darauf reagieren).
Das Grillen und gemeinsame Kochen sowie die Kooperationsspiele dienen natürlich auch dem Verbessern des Gruppengefühls und bietet die Chance die anderen Gruppenmitglieder von einer anderen Seite kennen zu lernen und kann sogar eventuell neue Freundschaften anbahnen.
Die Burgbesichtigungen begleiten das Thema als Fixpunkte des roten Fadens der Freizeit. Diese sind zum einen besondere Anlaufpunkte in der freizeitinternen Geschichte der Suche der "Schergen Robin Hoods" nach ihrem "König". Zum anderen sind sie natürlich interessante und erlebnisreiche Höhepunkte auf den Wanderungen der Gruppe, die diese Sehenswürdigkeiten normalerweise eher selten zu Gesicht bekommt. Die terrestrische Navigation soll natürlich die Kenntnisse üben mit Karte und Kompass umzugehen und sich selbständig orientieren zu können. In der Geschichte der Freizeit soll sie die Suche nach König Richard simulieren, die dann im Finden der angegebenen Anlaufpunkte ihr positives Ziel hat.
4.1.1 Planungsphasen
Februar / März
Organisation des Campingplatzes, Aussuchen der Strecken, Ansprechen potentieller Teilnehmer an der Freizeit, Organisation eines Begleiters während der Freizeit.
Hausinterne Absprachen (Küche, Internatsleitung, Verwaltung, Kasse, PKW bestellen)
Ziel: Schaffung eigener Sicherheit, Grobstrukturierung der Planung
April
• Mehrere Termine zu Erklären und Üben der terrestrischen Navigation in Nähe des Jugenddorfs im vertrauten Nahraum.
• Mehrere Vorbesprechungen der Freizeit
• Gespräch mit dem Vorsitzenden des Pfälzer Wandervereins.
• Detailplanung der Freizeit.
Mitarbeitersuche
Meine Ausbildungspraktikantin Nadine Wagner wird mich bei dieser Freizeit unterstützen. Sie befindet sich im 3. Ausbildungsjahr und ist für die Jugendlichen unseres Wohnhofs eine beliebte Anlaufstelle für persönliche Gespräche. Somit kennt sie alle Teilnehmer aus ihrer täglichen Arbeit aus dem Wohnhof, woraus ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten gewährleistet ist.
Materialbeschaffung
Alle Materialien können über das CJD Homburg kostenlos ausgeliehen werden. Um die Besorgung und Organisation kümmern sich Frau Wagner und ich.
Finanzierung
Die Freizeit ist lediglich mit den Kosten für die Campingplatzmiete und die Eintritte für die Burgen verbunden. Alle Kosten dafür trägt das CJD Homburg, das solche Veranstaltungen unterstützt. Die Kostenanträge müssen rechtzeitig in der Verwaltung eingereicht und vom Geschäftsführer abgezeichnet werden.
Anfallende Überstunden der Mitarbeiter müssen diese bei passender Gelegenheit (z.B. in der Ferienzeit) abfeiern.
Organisatorisches
Das Projekt wurde von mir bereits am Ende des letzten Jahres angekündigt und von der Dienststellenleitung in den Jahresplaner als genehmigt eingetragen. Der Jahresplaner wird an alle Mitarbeiter und Maßnahmeteilnehmer ausgeteilt. Die Öffentlichkeitsarbeit für Projekte wird üblicherweise vom Leiter der jeweiligen Projekte übernommen und in einem der monatlichen Plenarveranstaltungen (=Vollversammlung) per Video, Bildervortrag oder Power-Point-Präsentation vorgestellt.
Als Absicherung muss ich nicht allzu viel beachten, da alle Teilnehmer volljährig sind und die Freizeit über als CJD versichert ist, wo alle Teilnehmer angestellt sind. (Bundesgenossenschaft für Wohlfahrt und Gesundheitspflege)
Für die Freizeit selbst sichere ich mich selbstverständlich trotzdem so weit wie möglich wie folgt ab.
• Mitnahme von 1. Hilfe Päckchen
• Ablaufen der Strecken und damit meine eigene Ortskenntnis erweitern
• Beschaffung der Telefonnummern der nächsten Krankenhäuser (Bad Bergzabern, Landau i. d. Pfalz, Pirmasens)
• Frau Wagner und ich suchen aus den Akten der Azubis die wichtigsten Infos heraus (Behinderungsbild, Medikamente, Telefonnummern der Eltern, Hausarzt usw.)
• Alle dürfen ihr Handy mitnehmen und wir tauschen unsere Nummern aus, damit jederzeit Kontakt gewährleistet ist
Die vorbereitenden Aufgaben übernehmen in Absprache Frau Wagner und ich. Dazu erstellen wir gemeinsam im Vorfeld Checklisten für uns und die Jugendlichen, die wir entsprechend abarbeiten und kontrollieren.
16.05.09
Persönliches Ablaufen der ersten geplanten Strecke zum Trifels, um die Strecke kennen zu lernen und Überprüfung auf Sicherheitsrisiken. Ich werde von meiner Freundin und meiner Studienkollegin Esther begleitet, mit der ich noch immer Kontakt habe und die vor allen Dingen ortkundig ist und mir wertvolle Tipps geben kann.
Fazit: Die Strecke war wunderbar. Es gab viele Punkte, wo Karte und Kompass zum Einsatz kommen können. Diese Strecke konnte genauso in die Planung aufgenommen werden. Parkmöglichkeiten gab es viele in: Gossersweiler, Völkersweiler und Waldrohrbach. Ebenso oben auf dem Höhenzug des Trifels.
21.05.09
Persönliches Ablaufen der zweiten geplanten Strecke über die Burg Drachenfels, zur Burg Berwartstein nach Vorderweidental und zurück, um die Strecke kennen zu lernen und Überprüfung auf Sicherheitsrisiken. Ich werde begleitet von einigen Arbeitskollegen und Freunden.
Fazit: Diese Strecke war zunächst viel zu lang gewählt und wird deutlich gekürzt. Parkstellen gibt es viele in: Erlenbach, Lauterschwan und Vorderweidental.
Donnerstagabend, 28.05.09
Die Teilnehmer packen die letzten Dinge ein, die sie für die Freizeit mitnehmen wollen und stellen sie für den nächsten Tag bereit, um eine zügige Abreise am Freitag zu ermöglichen. Die Azubis können dabei nicht helfen, da sie sich noch in der Ausbildung befinden und ihrer Arbeit nachgehen müssen.
4.2 geplanter Projektverlauf
Zunächst gibt es im Mai drei Vorbesprechungen, um den Umgang mit Karte und Kompass im vertrauten Umfeld zu üben und so den Teilnehmern Sicherheit in ihrer Fähigkeiten zu vermitteln. Diese werden am 12.05.09, 19.05.09 und 26.05.09 stattfinden.
Freitag, 29.05.09
Meine Praktikantin und ich laden morgens bereits die Verpflegung, Zelt, Schlafsäcke und alles weitere, was vom CJD geliehen wird, in den Anhänger, um eine zügige Abreise zu ermöglichen. Nach der Ausbildung holen die Azubis ihre Sachen vom Wohnhof und bringen sie zu den Wagen. Danach fahren wir zu unserem Campingplatz.
Gemeinsam mit den Azubis werden die Materialien für das Großzelt ausgeladen. Ich erkläre im Anschluss daran die erste Gruppenaufgabe (Zeltaufbau). Die Gruppe erhält von mir die Materialien für das Zelt (Zeltstangen, Verbindungsstücke, Zeltplane, Heringe) und soll sich selbst so organisieren, dass das Zelt in ca. einer Stunde steht und beziehbar ist. Die Gruppe beginnt nachdem noch ein paar Unklarheiten bereinigt wurden. Meine Praktikantin und ich machen Fotos zur Dokumentation.
Nach Abschluss der Gruppenaufgabe wird von allen gemeinsam das "Lager" eingerichtet und die Vorbereitungen für das Abendessen getroffen. Für die kommenden Tage werden Küchendienste von den Azubis eingeteilt.Im Anschluss an das Abendessen wandern wir 20 Minuten zur Burgruine Neudahn. Dort stimme ich die Gruppe auf die kommenden Tage als "Schergen von Robin Hood", die ihren König Richard aus der Gefangenschaft auf dem Trifels befreien wollen, ein. In der Abenddämmerung findet auf der Burg die Abschlussreflexion des ersten Tages statt (Cäsar´s Daumen). Zurück auf dem Zeltplatz lassen wir den Tag ausklingen.
Später gehe ich mit meiner Praktikantin den Ablauf des nächsten Tages durch. Wir klären die Position des PKW, den Ablauf der Spiele und unser Verhalten in möglichen Notsituationen. Darüber hinaus ziehen wir ein Resümee des ersten Tages.
Samstag, 30.05.09
Nach dem Frühstück packt jeder seine Verpflegung für die Wanderung ein. Darüber hinaus werden die laminierten Wanderkarten und Kompanden in die Gruppe verteilt. Meine Praktikantin und ich richten zusätzlich unsere Materialen für die Spiele unterwegs. Danach fahren wir mit dem Kleinbus und dem PKW zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, dem Weißensteinerhof. Dort angekommen erhält die Gruppe die Aufgabe, ohne Begleitung von uns Betreuern, vom Parkplatz aus zur Burgruine Drachenfels zu laufen. (ca. 15 min) In dieser Zeit fahren meine Praktikantin und ich nach Erlenbach, stellen dort den PKW ab und fahren zurück. Danach fahren wir zur Ruine Drachenfels und treffen uns dort mit der Gruppe zur Besichtigung der Ruine.
Anschließend sucht die Gruppe gemeinsam und mit Unterstützung von uns den Weg nach Erlenbach und zur Burg Berwartstein. Unterwegs halten wir an und üben uns in Geschicklichkeit sowie dem Gehörsinn mit dem Spiel "lautloser Kampf". Darüber hinaus erhält jeder in der Gruppe die Aufgabe sich einen Wanderstock zu suchen und nach Belieben mit dem Messer zu verzieren. Wenn wir das Dorf Erlenbach erreicht haben, erkundige ich mich bei Christoph und den Anderen nach dem persönlichen Empfinden und den Kraftreserven. Wir nehmen entsprechend das Auto zu Hilfe, um den Weg zur Burg fortzusetzen. Dort angekommen machen wir eine Burgführung die ca. 45 min dauert. Hier sollte es ca. 13.00 Uhr sein.
Nach einer kleinen Mittagspause fährt meine Praktikantin mit dem Auto nach Lauterschwan, wohin die Gruppe, am Seehof vorbei, laufen wird. Auf dieser Stecke baue ich das Spiel "Was hat sich verändert" ein, um etwas Abwechslung zu schaffen und die Aufmerksamkeit der "Schergen Robin Hoods" zu schärfen. Auf dem Weg und in Lauterschwan selbst beobachte und befrage ich die Jugendlichen nach ihrem Befinden und ihrer Kondition. Wieder besteht hier das Angebot ein Stück Weg und damit Kräfte zu sparen und an anderer Stelle (in Vorderweidental) den Weg fortzusetzen.
Nun geht es weiter über den Bethof nach Vorderweidental, wo in der Nähe des Sportplatzes meine Praktikantin mit dem PKW warten wird. Von hier aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Burgruine Lindelbrunn, von wo Wanderung des nächsten Tages beginnen wird. Erneut kann hier gegebenenfalls auf den Wagen zurückgegriffen werden, falls bei dem einen oder anderen die Kräfte schwinden. Ab hier geht es an Vorderweidental vorbei zurück nach Erlenbach und von dort zum Ausgangspunkt, dem Weißensteinerhof. Noch einmal kann auf das Auto in Erlenbach zurückgegriffen werden.
Die geplante Rückkehr zum Campingplatz habe ich für ca. 20.00 Uhr geplant. Dort wird gemeinsam gegrillt und die Abschlussreflexion durchgeführt (Tagesdiagramm) und der folgende Tag besprochen. Es wird mit den Jugendlichen beraten, wer es sich zutraut die Strecke des nächsten Tages allein zu laufen und wer sich mir und meiner Praktikantin anschließt. Hier rechne ich insbesondere mit Christoph, der sicherlich konditionelle Probleme bekommen wird, aber den Ehrgeiz hat mitzulaufen.
Abends reflektiere ich mit meiner Praktikantin den Tag.
Sonntag, 31.05.09
Nach dem Frühstück und der jeweiligen, persönlichen Vorbereitung der großen Wanderung, fahren wir mit Kleinbus und PKW nach Völkersweiler, stellen dort den PKW ab und begeben uns dann zurück an die Burg Lindelbrunn, die den Ausgangspunkt der Wanderung kennzeichnet. Von hier aus führen zwei Wanderweg bis zur Burg Trifels, wobei einen die Gruppe ohne Betreuer laufen wird und die andere ich mit den Jugendlichen, die das möchten. Auf meiner Strecke wird wieder der PKW stehen, der zur Absicherung dient. Die andere Gruppe hat meine Handynummer, genau wie ich die Nummer der Jugendlichen dieser Gruppe habe, für den Fall, dass es ernsthafte Probleme geben sollte. Beide Teams haben Erste Hilfe Päckchen dabei, sowie die Kompanden und Karten. Darüber hinaus passieren beide Gruppen mehrere Ortschaften, wo gegebenenfalls Hilfe geholt werden kann. Alle erhalten noch zwei Arbeitsaufträge für unterwegs. Erstens sollen sie notieren, was sie unterwegs Bemerkenswertes sehen und entdeckt haben. Zweitens sollen sie an einem bestimmten Punkt ganz still im Wald stehen und versuchen 10 verschiedene Geräusche zu hören und diese aufschreiben. Ziel ist hierbei zum Einen den Blick der Jugendlichen von der Karte zulösen und die Gegend wahrzunehmen, zum Anderen die Aufmerksamkeit zu schulen und die Geräusche des Waldes in sich aufzunehmen.
Als Treffpunkt auf dem Trifels wird 15.00 Uhr angenommen. Dort ist eine Burgbesichtigung geplant, wobei es derzeit in der Burg eine Ausstellung mit dem Thema Richard Löwenherz gibt. Anschließend laufen beide Gruppen auf dem jeweiligen Herweg der anderen Gruppe zurück. Somit sollten wir alle um ca. 19.30 Uhr wieder am Parkplatz sein.
Abends wird wieder gemeinsam gekocht oder gegrillt und die Abschlussreflexion durchgeführt. (freie Äußerung über die Ereignisse des Tages)
Wie jeden Abend gehe ich mit meiner Praktikantin den Verlauf des Tages durch und reflektiere Positives und Verbesserungswürdiges.
Montag, 01.06.09
Vor dem Frühstück spielt die Gruppe als Aufwärmspiel "Die Stockreise". Nach dem Frühstück gehen alle gemeinsam an den Abbau unseres Zeltlagers, da der Platz bis 11.00 Uhr geräumt sein muss. Wenn noch Zeit bleibt sind noch das Spiel "Murmelreise". Nachdem die Rechnungen bezahlt sind fahren wir nach Landau in der Pfalz, um die Freizeit mit einem keinen Stadtbummel ausklingen zu lassen. Danach geht es zurück ins Jugenddorf, wo alle beim Ausladen und Wegräumen der Materialien helfen. Mit der letzten Abschlussreflexion endet die erlebnispädagogische Freizeit Wohnhof 6 des CJD Jugenddorfes.
4.3 tatsächlicher Projektverlauf
Die Vorbesprechungen wurden gut angenommen. Ihr genauerer Verlauf ist im Anhang zu finden. Der Umgang mit Karte und Kompass wurde von Übung zu Übung besser und Oliver und Julian kristallisierten sich bereits hier als potentielle Anführer heraus. Auffallend war, dass alle von jedem in den Beratungs – und Entscheidungsprozess, wo denn jetzt der richtige Weg sei, mit einbezogen wurden.
Montag, 25.05.09
Meine Praktikantin Frau Wagner verletzte sich in der letzten Woche am Fuß und musste mir ihre Teilnahme an der Freizeit absagen. Leider konnte von meinen Arbeitskollegen so kurzfristig niemand einspringen. In einer abendlichen Notrufaktion erklärten sich meine beste Freundin Simone und meine Studienkollegin Esther bereit mir jeweils an einem Tag zu helfen. Ich nahm das Angebot dankend als absolute Notlösung an. Dies änderte natürlich die Vorraussetzungen für diese Freizeit.
Zu meinen beiden Helferinnen in der Not:
Simone
Simone ist Grundschullehrerin im Raum Homburg. Wir beide kennen uns seit unserer Zeit im Gymnasium und an der Universität. Sie lief die Vorwanderung, der für Samstag geplanten Strecke mit und kannte somit diesen Weg. Sie begleitete uns freitags zum Campingplatz und auf der Tour über den Drachenfels und der Burg Berwartstein. Am Abend wechselte sie mit Esther.
Esther
Esther studierte mit mir Sonderschulpädagogik und arbeitet inzwischen als Sonderschullehrerin in Pirmasens. Sie ist oft zum Wandern im Pfälzer Wald unterwegs und sehr ortskundig. Darüber hinaus wohnt sie in der Nähe des Campingplatzes. Esther lief mit mir und meiner Freundin die Vorwanderung zum Trifels, die für Sonntag geplant war.
Für mich war klar, dass Beide mir lediglich nur dann helfen konnten, wenn ich in irgendeiner Weise an meine Gruppe gebunden sein würde, zum Beispiel in einer möglichen Notsituation. Somit plante ich beide als potentielle Fahrer für Christoph ein, als erwachsene, pädagogisch geschulte Person, die in einer Notsituation die Nerven behielt sowie als Helferin im Lager und Fotografin.
Mit beiden traf ich mich an den folgenden beiden Tagen, um ihnen das geplante Projekt, die Teilnehmer und den Ablauf vorzustellen und Fragen zu beantworten. Dies sollte meinen Freundinnen ein möglichst großes Vorwissen und damit Sicherheit geben. Beide schlugen mir vor sich die Freizeit zu teilen, um noch wenigstens einen Tag des Wochenendes für sich zu haben. Sie sprachen sich dafür aus um 18.00 Uhr am Samstag zu tauschen. Da ich froh war, überhaupt über eine Begleitung zu verfügen, damit ich die Freizeit nicht abbrechen musste, stimmte ich natürlich zu. Logischerweise fiel mit meiner Praktikantin ein wichtiges Faktum weg, nämlich, dass die Azubis meine Begleitung kennen würden und es hier ein Vertrauensverhältnis gab. Durch die Kürze der Zeit und die Berufstätigkeit meiner Begleiterinnen konnte leider kein vorheriges Treffen mit der Gruppe organisiert werden, was ich sehr begrüßt hätte.
Freitag, 29.05.09
Der Freitag lief alles in allem wie geplant ab. Ich erledigte die letzten Vorbereitungen, wie das Verladen der Materialien in den Anhänger. Nach der Ausbildung kamen die Azubis und Simone zum Wohnhof 6, unserem Startpunkt. Ich stellte meine Begleitung der Gruppe vor, die auf der Fahrt und auf dem Zeltplatz neugierig begutachtet wurde. Die Gruppe nahm meine Begleitung aber überraschend gut an, wobei ich natürlich der Hauptansprechpartner blieb. Die persönlichen Dinge der Jungs wurden verladen und so konnten wir pünktlich abfahren. Auf dem Zeltplatz verlief die Gruppenaufgabe "Zeltaufbau" zu meiner Freude ganz reibungslos. Oliver stellte mit Hakan und Julian das Planungsteam, die die Anderen an die entsprechenden Plätze verwiesen, um Hilfestellung leisten zu können. So stand das Zelt noch bevor eine Stunde vorbei war und konnte bezogen werden. Alle waren mächtig stolz auf sich.
Christoph ging es danach psychisch nicht so gut, da er sich wieder auf eine fremde, neue Situation einstellen musste. Diese Krise löste er mit mir durch ein Gespräch und die weitere Beschäftigung. Nach dem Abendessen war alles überstanden. Anschließend wurde gemeinsam gekocht und der Campingplatz inspiziert. Nach dem Abendessen lief ich mit der Gruppe die kurze Strecke zur Burg Neudahn. Der Weg stellte sich für Christoph als erste Herausforderung heraus, die er allerdings mit Hilfe von Simone und mir meisterte. Die Burg stellte den Abschluss des ersten Tages und den Auftakt der Freizeit da. Hier stimmte ich die Gruppe als "Schergen des Robin Hood" auf der Suche nach ihrem König auf die kommenden Tage ein. Aufgrund des Ortes und der bereits einsetzenden Dämmerung konnte die Gruppe recht schnell für das Thema begeistert werden. Hier wurde auch die Reflexion (Cäsars Daumen) des ersten Tages durchgeführt. Alle waren etwas erschöpft, aber froh, dass das Abenteuer nun endlich beginnen würde.
Samstag, 30.05.09
Der Tag hatte gleich zu Beginn mehrere Überraschungen für die Jungs. Nachts hatte sich ein Vogel ins Zelt verirrt und beim Frühstück waren einige sehr verwundert, dass man Ravioli auch kalt aus dem Topf essen kann und das so ungewöhnlich ist, dass es unglaublich viel Spaß macht, es auszuprobieren. Im Anschluss wurde die Wanderung vorbereitet und zum Startpunkt gefahren. Während Simone und ich den PKW unterwegs platzierten, machte sich die Gruppe allein auf den Weg zur Burg Drachenfels, wo wir sie wie geplant trafen. Ein unerwartetes Highlight stellte dort eine recht große Ringelnatter dar, die unseren Weg kreuzte. Der weitere Weg, auf dem sich alle einen Wanderstab suchten, führte uns nach Erlenbach. Unterwegs fand wie geplant, das Spiel "lautloser Kampf" statt, der alle sehr begeisterte. Während des gesamten Weges wurde fast an jeder Weggabelung von den Azubis selbständig der Kompass und die Karte herausgeholt und überprüft, ob man noch richtig war oder wo es weitergehen wird.
Auf der Burg Bertwartstein hatte die Führung aufgrund großen Andrangs bereits begonnen und wir mussten auf die Nächste warten. Diese verlängerte sich ebenso ungeplant, da der Burgführer ungewöhnlich ausführlich und dementsprechend lange Zeit erzählte. Wir verloren so sicherlich drei Stunden. Da für den nächsten Tag jedoch noch eine lange Wanderung geplant war, wollte ich lieber den Schwerpunkt auf die Burgenbesichtigung legen als auf die Wanderung, da dies im Vorfeld auch von den Jugendlichen gewünscht wurde. Diese Entscheidung stellte sich später dann auch als richtig heraus, da Kai und Christoph konditionelle Schwierigkeiten bekamen. Das geplante Spiel "was hat sich verändert?" wurde noch durchgeführt und am nächsten Etappenpunkt brach ich die Wanderung aus Zeitgründen und aus Rücksichtnahme auf die beiden Jungs ab. (näheres dazu im Tagebuch) Zurück auf dem Campingplatz übernahm Esther für Simone, meine Begleitung. Die Gruppe nahm Esther ebenso freundlich auf wie ihre Vorgängerin. Zum Abendessen wurde gegrillt und nach der Abschlussreflexion (Tagesdiagramm) erzählte ich der Gruppe die Geschichte von Robin Hood. (siehe Anhang)
Sonntag, 31.05.09
Der Sonntag startete mit dem Aktivierungsspiel "Platzwechsel". Dies fiel insbesondere Christophs schwer, der aufgrund seiner Medikamente noch sehr wackelig auf den Beinen war. Durch eine Hilfestellung meinerseits und der Gruppe konnte er aber auch dieses Spiel ohne große Frustration bewältigen.
Der Aufbruch und die Wanderung verliefen soweit wie geplant. Kai und Christoph wanderten mit mir, auf eigenen Wunsch hin. Der Rest versuchte sich allein. Dies funktionierte auch tadellos, mit der Ausnahme, dass diese Gruppe aus unerfindlichen Gründen doppelt so lange für die Hinstrecke benötigte, wie geplant. Und das obwohl sie angaben, sich nicht verlaufen zu haben. In meiner Gruppe konnte ich Christoph zeigen, dass er sich nicht so viel an den Anderen orientieren solle, sondern sein eigenes Tempo laufen müsse. Mit dieser Hilfestellung schaffte er deutlich mehr Wegstrecke als am Tag zuvor, was ihn sehr erstaunte, aber auch sehr stolz machte. Kai und Christoph überprüften immer wieder selbst oder nach meiner Aufforderung unsere Position und den weiteren Weg. Was auch meistens richtig war, ich musste nur selten korrigieren. Die zweite Gruppe löste die Navigationsaufgabe selbständig und offensichtlich korrekt, da sie am Ziel ankam. Beide Gruppen erreichten das Tagesziel, die Burg Trifels. Hier wurde König Richard von den "Schergen des Robin Hood" befreit. Da sich die zweite Gruppe so deutlich verspätet hatte, machte es wenig Sinn die Strecke noch mal zurückzulaufen, da wir dann im besten Fall den Parkplatz gegen 21.00 Uhr erreicht hätten und alle schon nach dem Abendessen gierten. So brach ich auch diese Wanderung ab, da das Tagesziel erreicht war und wir kehrten zum Campingplatz zurück.
Während Esther und ich den Bus vom Startpunkt holten, lief die Gruppe zum einem Parkplatz auf dem wir uns treffen wollten. Auf diesem Weg kam es zum Konflikt zwischen Hakan und der Gruppe. Hakan wollte recht schnell laufen, Christoph konnte dieses Tempo nicht mithalten. So spaltete sich die Gruppe in zwei kleine Lager. Die Gruppe schaffte es zwar recht gut mit dieser Situation umzugehen, dennoch merkte man abends die veränderte Stimmung.
Nach dem Abendessen erfolgten die abschließende Reflexion und der Ausblick auf den nächsten Tag. Während der Reflexion wurde der Konflikt noch einmal aufgearbeitet. Jeder sagte seine Meinung zu diesem Thema und ich erinnerte alle daran, dass es nicht unbedingt Ziel war, dass alle zusammen laufen mussten. Das persönliche Ankommen war das Ziel. Allen wurde damit klar, dass der Konflikt ziemlich unnötig war, aber auch keiner an diese Maßgabe gedacht hatte in diesem Moment. Hakan entschuldigte sich bei Christoph und die Sache war damit bereinigt.
Montag, 01.06.09
Dieser Tag wurde mit der "Stockreise" als Aktivierungsspiel begonnen, wobei die Wanderstöcke wieder zum Einsatz kamen. Deutlich kamen hier bei einigen Koordinations- und Konzentrationsdefizite zum Vorschein. Nach langem Probieren und gegenseitiger Hilfe klappte endlich eine Runde ohne das ein Stock umfiel.
Nach dem Frühstück konnte die Gruppe mit dem Spiel "Murmelreise" ihre Kooperation unter Beweis stellen. Auch dies klappte zunächst eher schlecht als recht. Es kam zu ersten Frustrationen und Unmutsäußerungen. Diesen konnte die Gruppe allerdings ohne meine Hilfe Herr werden und schaffte schließlich die Aufgabe. Im Abschluss daran beschäftigten wir uns ausschließlich mit dem Abbau des Lagers, da wir den Zeltplatz bis 11.00 Uhr geräumt haben mussten. Zum Abschluss unserer Freizeit fuhren wir in die nahe gelegene Stadt Landau in der Pfalz, wo wir in einem Eiscafé unsere Abschlussreflexion durchführten.
Ich war überrascht, wie differenziert einige aus der Gruppe (z. B. Julian, Hakan) die vergangenen Tage Revue passieren ließen. Insgesamt wurde die Freizeit sehr gelobt und alle würden sofort wieder mitfahren. Es wurden aber auch kritische sowie selbstkritische Töne laut, als die Frustrationssituationen nochmals aufgerollt wurden. Hier zeigte sich Hakan recht selbstkritisch und äußerte, dass er geduldiger werden müsse, wenn Leute dabei sind, die "halt etwas schwächer sind". Gegen 15.00 Uhr traten wir die Heimfahrt an. Im CJD angekommen, halfen Alle die Materialien an ihren Platz zurück zu bringen. Danach verabschiedeten wir uns bis zum nächsten Tag, wo wir uns alle im Alltag wieder begegnen würden.
5. Nachbereitung
5.1 Beobachtungen zu den einzelnen Teilnehmern:
Zurück im Alltag konnte ich bisher nur wenige Veränderungen an den Teilnehmern erkennen. Ich bin der Meinung, dass Julian und Oliver selbstbewusster auftreten und offener in neue Situationen gehen. Oliver ist inzwischen in unsere Außenwohngruppe gezogen. Er besucht allerdings einmal in der Woche seine Freunde im Wohnhof, sucht das Gespräch mit den Mitarbeitern und probiert neue Freizeitgruppen aus. Von allen Azubis hat er meiner Meinung nach den deutlichsten Fortschritt gemacht.
Matthias hat kurz nach unserer Freizeit seine Prüfung bestanden und ist somit nicht mehr im Internat. Da ich ihn nicht mehr beobachten kann, kann ich nur hoffen, dass ihm die Freizeit einen kleinen Impuls in die richtige Richtung gegeben hat.
Bei Hakan und Kai bilde ich mir ein, dass sie im alltäglichen Umgang im Wohnhof gelassener in bestimmten Situationen reagieren. Dies kann aber auch damit zusammenhängen, dass sie nun ein Ausbildungsjahr weiter und viele neue Azubis im Wohnhof eingezogen sind. Damit gehören sie nun zu den Großen. Kai ist kontaktfreudiger geworden. Er hat mit dem Führerschein begonnen und hat somit ein neues Thema mit dem er sich mit anderen unterhalten kann. Ob die Freizeit allerdings, aufgrund ihrer Kürze, dazu signifikant beigetragen hat, weiß ich nicht. Hakan erscheint mir hilfsbereiter als vorher. Wo er früher sich eher zurückgehalten hat, ist er nun einer der Ersten, die sich anbieten bei Etwas zu helfen. Die einzige Ausnahme bei der keine Veränderungen zu bemerken sind ist leider Christoph, der sich weiterhin isoliert und meist in seinem Zimmer zu finden ist.
Insgesamt muss ich sagen, dass es zwar einige sichtbare Veränderungen bei den Azubis gibt. Ich aber nicht genau sagen kann, ob diese speziell auf die Freizeit zurückgeführt werden können. Es haben sich auch weitere Dinge getan, die mit dem Projekt nichts zu tun hatten. Das Ausbildungsjahr ging zu Ende. Die Azubis des dritten Ausbildungsjahres verließ die Einrichtung. Die Planungen für das nächste Jahr wurden bald aufgenommen. Das Leben im Wohnhof wurde etwas ruhiger. Die Ferien standen vor der Tür. Ich hatte auch keine besonderen Verhaltensveränderungen erwartet, dazu war das Projekt zu kurz und vieles in der Durchführung musste improvisiert werden, damit die Freizeit überhaupt stattfinden konnte. Dennoch habe ich viel für mich aus diesem Projekt mitgenommen und werde sicherlich im nächsten Jahr erneut ein solches starten.
5.2 Reaktionen der Einrichtung vor und nach dem Projekt
Projekte und Engagement werden insgesamt gerne begrüßt und unterstützt, solange sie sich finanziell im Rahmen halten. Mein Projekt war in seiner Art ein eher neues. Bisher gab es Projekte, die auf Erlebnissport abzielten. Dazwischen gibt es aber auch im CJD erlebnispädagogische Angebote, allerdings weniger in Projektform sondern als wöchentliche Freizeitgruppe.
Insofern war man seitens der Geschäftsleitung und auch der Kollegen gespannt und erfreut, dass ein neuer Impuls gesetzt werden sollte. Mit dem Projekt einher geht meist die Erwartung, dies im Nachhinein im Plenum, der gesamten Mitarbeiterschaft und natürlich auch den Azubis vorzustellen. Hierbei soll bei den Azubis das Interesse geweckt werden, ebenfalls an einem solchen Angebot teilzunehmen und die Mitarbeiter erhalten interessante Informationen, was in anderen Abteilungen geleistet wird, was zu weiteren Projekten führen kann.
5.3 Reaktionen auf Verhaltensänderungen in den anderen Abteilungen
Diesbezüglich habe ich aus anderen Abteilungen keine Rückmeldung erhalten. Entweder werden sie in Ausbildung und Schule kaum registriert oder sie gehen im Alltag einfach unter was sehr bedauerlich ist.
6. Reflexion
6.1 Besondere Ereignisse
Hier sind zu nennen.
• Hakans Konflikt mit der Gruppe, bei der Trifelstour.
• Die bis heute unerklärliche Verzögerung, der alleine laufenden Gruppe auf eben dieser Tour.
• Die sehr angenehme Atmosphäre in der Gruppe insgesamt. Das große Interesse an der Thematik "Karte – Kompass" und die Bereitschaft aller viel zu laufen, was sonst mit Vehemenz abgelehnt wird.
6.2 Erkenntnisse / Erfahrungen
Ich begann recht früh mit der Planung des Projekts, was ich als sehr angenehm und stressfrei empfand. Dennoch war ich überrascht, dass ich mit der Campingplatzreservierung doch ziemlich spät dran war und glücklicherweise, nach vielem Telefonieren noch einen Platz gefunden hatte. Zukünftig werde ich hier deutlich früher beginnen. Ich hatte Glück, dass dieser Platz dann für meine Wanderungen sehr günstig lag.
Da ich mir bereits sehr früh über meine Zielgruppe klar war, konnte ich auch mit der Befragung entsprechender Jugendlicher beginnen. Hier überraschte mich etwas, dass viele kein Interesse zeigten, die ich gerne dabeigehabt hätte, oder aus Angst vor der neuen Situation nicht mitwollten und auch nicht umzustimmen waren. Als ich dann endlich eine Gruppe zusammen hatte, zogen wieder ein paar nach ein paar Wochen ihre Anmeldung wieder zurück, so dass ich erneut auf die Suche gehen musste. Die Gruppenzusammensetzung gestaltete sich damit als überraschend schwierig.
Erwartungsgemäß war die Unterstützung im CJD sehr hoch. Es gab keine Probleme bei der Organisation der Gelder und bei der Vorstellung des Projekts bei der Geschäftsleitung. Auch die Materialbeschaffung war erwartet leicht, da im CJD viele Freizeiten im Zusammenhang mit Zelten angeboten werden und auch die Küche versorgt bereits routinemäßig diese Angebote mit Lebensmitteln.
Eine Überraschung gab es für mich letztlich bezüglich meiner Begleitung. Zunächst war meine Praktikantin geplant, die sich kurz vorher unglücklich verletzte und somit ausfiel. So kurz vor der Freizeit konnte ich bei meinen Kollegen niemanden finden, der als Ersatz einspringen konnte. Ich war daher überglücklich, dass meine beiden Freundinnen sich spontan bereit erklärten mir auszuhelfen. Somit konnte die Freizeit zumindest stattfinden, da alle Reservierungen ja bereits getätigt waren. Die geplante Organisation der Freizeit wurde aber damit zum Improvisationsabenteuer. Dadurch dass Simone und Esther je einen Tag aushalfen und samstags abends tauschten, musste ich teilweise meine Wanderungen stark kürzen, was mir in der Situation selbst nicht sehr gefiel, aber letztendlich wohl die richtige Entscheidung war. Das Erleben, die terrestrische Navigation und die Gruppe standen im Vordergrund und nicht die Leistung eine weite Strecke bewältigt zu haben.
Das Medium "terrestrische Navigation" traf für mich eher überraschend genau den Nerv der Azubis. Da meine ursprüngliche Idee "Kanu fahren" war, die ich aber aus organisatorischen Gründen recht früh verwerfen musste. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Jugendlichen so interessiert an dieser Thematik waren. Zu Übungszwecken machten wir drei Vorbesprechungen, die mit großem Interesse angenommen wurden. Hier wurden auch die kognitiv Schwächeren von den Stärkeren eingebunden und es herrschte bereits hier eine sehr angenehme positive Stimmung in der Gruppe.
Hieraus resultierte meiner Meinung nach dann auch die Sicherheit bei Vieren der Gruppe die Strecke zum Trifels allein zu bewältigen, was sie auch tadellos schafften. Entsprechend war ihnen der Stolz anzumerken.
Richtig war meine Entscheidung unterwegs ein Fahrzeug zu platzieren, um Christophs konditionellem Zustand Rechnung zu tragen. Dies erwies sich auch für den Abbruch der Wanderungen als sehr hilfreich.
Auch fand ich uns als Begleiter gut vorbereitet, da ich mit meinen Freundinnen die Gruppe vor der Freizeit vorstellte und mich während unserer gemeinsamen Zeit viel mit ihnen darüber unterhielt. Für den Notfall hatte ich Informationskarten geschrieben mit den wichtigsten Daten über die Teilnehmer. Somit konnten auch Simone und Esther gegebenenfalls kompetent notwendige, wichtige Auskünfte geben.
Alles in allem empfanden die Jungs das Projekt als tolle Freizeit. Immer wieder sprechen sie mich darauf an und fragen, wann ich noch mal so etwas anbiete. Sie wären sofort dabei. Wenn mich die Teilnehmer in den Abendstunden in meinem Büro besuchen, nehmen sie immer wieder Bezug auf die Erlebnisse dieser Freizeit. Es ist bemerkenswert, wie viel hängen geblieben ist.
Was würde ich anders machen?
Mit der Reservierung des Campingplatzes noch früher beginnen
Mitarbeiter ansprechen, die gegebenenfalls als Ersatz einspringen können.
Die Strecken von Anfang an etwas kürzer planen, um der Gruppe das Gefühl geben zu können, die komplette Strecke bewältigt zu haben.
7. Öffentlichkeitsarbeit
siehe Anhang
8. Literaturverzeichnis
Gilsdorf, R. / Kistner, G.: Kooperative Abenteuerspiele 1 + 2; Erhard Friedrich Verlag GmbH, 2006)
Heckmair, B. / Michl, W.: Erleben und lernen, Reinhardt Verlag, 5. Auflage, 2004
www.annweiler.de/index.cfm?fuseaction=gaeste&rubrik=trifelsburg
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsburg_Trifels
www.jadukids.de/personen/pers/robinhood.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Robin_Hood
http://www.burgen-web.de/drachenfels.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Neudahn
Abschlussprojekt der Zusatzqualifikation Erlebnispädagogik
im Arbeitsfeld Jugendhilfe, Schule, KJP
des KAP-Institutes
"Robin Hoods Schergen auf den Spuren von König Löwenherz"
Erlebnispädagogisches Projekt von Andras Bangert





